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Nachhaltige Landwirtschaft

Eine Bäuerin in Malawi vor einer Solaranlage, die den Strom für die Pumpe eines Tröpfchenbewässerungssystems liefert

Die Herausforderungen des steigenden Bevölkerungswachstums und des Klimawandels erfordern ein grundsätzliches Umdenken in Bezug auf unsere gegenwärtigen Ernährungssysteme. Schon 2008 konstatierte der Weltagrarbericht, dass weitermachen wie bisher keine Option sei.

Für die landwirtschaftliche Produktion bedeutet dies, dass zukünftig die natürlichen Ressourcen langfristig erhalten werden müssen, ohne die eine Landwirtschaft nicht möglich ist: Boden, Wasser und biologische Vielfalt. Um dies zu erreichen, muss die landwirtschaftliche Produktion einschließlich der Tierhaltung nachhaltiger gestaltet werden – sowohl in den Industrie- als auch in den Entwicklungsländern.

Eine Umgestaltung zu einer ressourcenschonenden, auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Landwirtschaft wird in den größtenteils durch kleinbäuerliche Landwirtschaft geprägten Entwicklungsländern anders vollzogen werden müssen als in den Industriestaaten. Nachhaltige Landwirtschaft ist als Teil einer nachhaltigen ländlichen Entwicklung zu sehen. Diese braucht zukunftsfähig gestaltete ländliche Räume, in denen die Bevölkerung ausreichend Nahrung, Wasser, Energie, Baumaterial und Einkommen erwirtschaften kann. Neben der Landwirtschaft spielt hier auch die nachhaltige Nutzung von Wäldern eine wichtige Rolle.

​Nachhaltige Landwirtschaft muss dazu beitragen, auch den kleinbäuerlichen Familien eine ausgewogene Ernährung und ein Einkommen zu sichern und sie bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels unterstützen. Darum ist ein wichtiges Arbeitsfeld der deutschen Entwicklungszusammenarbeit, eine nachhaltigere Landwirtschaft und Ernährungssysteme zu fördern, die sowohl Produzentinnen und Produzenten als auch Konsumentinnen und Konsumenten einbeziehen.

Ein Mann mit Sonnenschirm steht neben einem Gemüsefeld in Bangladesch.
Ernährungssicherheit durch nachhaltigere Landwirtschaft

Umdenken erforderlich

Die für die zukünftige Ernährungssicherung erforderliche Produktion in der Landwirtschaft kann nur durch ein grundsätzliches Umdenken und Umsteuern erreicht werden. Bereits heute sind die Herausforderungen, vor denen der Agrarsektor weltweit steht, klar zu erkennen:

Viele Böden sind geschädigt, Wasservorräte sind durch Düngemittel und Pestizide belastet und werden so stark genutzt, dass sie sich nicht mehr regenerieren können. Die landwirtschaftliche Artenvielfalt (Agrobiodiversität) nimmt immer weiter ab. Landwirtschaft und Wald konkurrieren um Flächen. Etwa drei Viertel der weltweiten Waldverluste werden durch die Landwirtschaft verursacht.

Nach Schätzungen der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) gehen jährlich bis zu 10 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche verloren. Ein Drittel der Böden weltweit ist von schwerer oder mittlerer Bodendegradierung betroffen – durch Erosion, Nährstoffauszehrung, Versalzung, Versiegelung oder Vergiftung. In den Trockengebieten der Erde sind 70 Prozent der Flächen von Desertifikation bedroht. Besonders alarmierend ist die Lage in Afrika: Dort sind knapp zwei Drittel der Ackerböden degradiert, 45 Prozent der Landfläche drohen, sich in Wüsten zu verwandeln.

Deutschland fördert nachhaltigere Landwirtschaft

Wenn die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung dauerhaft gesichert werden soll, müssen Nahrungsmittelverluste und -verschwendung reduziert werden, Konsummuster sich verändern, und auch die Produktion von Nahrungsmitteln muss nachhaltig gestaltet werden. Landwirtschaftliche Flächen dürfen nicht übernutzt und auch nicht auf Kosten von Wäldern ausgeweitet werden.

Die Herausforderung besteht darin, Verluste und Verschwendung zu minimieren, bewusster und unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten zu konsumieren, sowie die Erträge auf den vorhandenen Flächen zu steigern, ohne dass diese auslaugen und ihre Fruchtbarkeit verlieren.

Ressourcen respektieren

Die deutsche Entwicklungspolitik fördert daher nachhaltige Landwirtschaft als wesentlichen Bestandteil eines nachhaltigen Ernährungssystems.

Nachhaltige Landwirtschaft bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Landwirtschaft die begrenzt verfügbaren natürlichen Ressourcen (Boden, Wasser, Nährstoffe) erhält, alle Formen von Leben (Pflanze, Tier, Mensch) und ökologisch wertvolle Gebiete (natürliche Wälder, Feuchtgebiete) respektiert und den Landwirten eine wirtschaftliche Existenz sichert.

Die Bäuerinnen und Bauern müssen an politischen Entscheidungsprozessen beteiligt werden, damit die Ressourcen sozialverträglich verteilt werden. Außerdem müssen die Menschen im ländlichen Raum in der Lage sein, sich in ihrer Lebens- und Wirtschaftsweise auf sich verändernde Bedingungen einzustellen – zum Beispiel auf die Folgen des Klimawandels. Dann trägt eine nachhaltigere Landwirtschaft auch zur Minderung von Treibhausgasemissionen bei und leistet so einen Beitrag zum globalen Klimaschutz.

Landzugang sichern

Fruchtbare Böden und Wasser sind die wichtigsten Grundlagen für nachhaltige Landwirtschaft und somit die Existenzgrundlage für Bäuerinnen und Bauern weltweit. Für eine nachhaltige Nutzung der vorhandenen Ressourcen sind sichere Zugangs- und Besitzverhältnisse für Land und Wasser essenziell. Sicherer Zugang zu und Besitz dieser Ressourcen vermeidet Konflikte zwischen den Nutzern und sind Bedingung für eine nachhaltige Bewirtschaftung. Gerade die ärmsten Kleinbäuerinnen und Kleinbauern müssen in ihren Landnutzungsrechten gestärkt werden, um sie vor Vertreibung zu schützen und Investitionen in ihr Land abzusichern. Zudem sollte die öffentliche Verwaltung von Land den unterschiedlichen Nutzungsansprüchen Rechnung tragen - durch gerechte und transparente Entscheidungsprozesse.

Sektorübergreifende, partizipative Landnutzungsplanung bildet eine wichtige Säule im nachhaltigen Landmanagement. Ein sicherer Zugang zu Land und nachhaltiges Landmanagement sind ein wichtiges Element für wirtschaftliche Entwicklung, ökologische Stabilität und soziale Inklusion. Mit einer Vielzahl von entwicklungspolitischen Vorhaben engagiert sich die Bundesregierung für die Sicherung von Landrechten und fördert eine gerechte Bodenpolitik.

Auf dem Feld der beninischen Bäuerin Tohomé Hadonou wächst Niebe. Diese westafrikanische Bohne kann im Boden Stickstoff binden und gibt ihm dadurch wertvolle Nährstoffe zurück.

Deutschland fördert ökologische Landwirtschaft

Der ökologische Landbau ist eine spezifische Form der nachhaltigen Landwirtschaft. Er versteht den landwirtschaftlichen Betrieb als Organismus mit den Bestandteilen Mensch, Tier, Pflanze und Boden und strebt einen möglichst geschlossenen Nährstoffkreislauf ohne die Nutzung synthetischer Betriebsmittel (zum Beispiel Mineraldünger, synthetische Pflanzenschutzmittel) an. Durch den weitgehenden Verzicht auf externe Beiträge ist die ökologische Landwirtschaft oftmals insbesondere für einkommensschwache Kleinbäuerinnen und Kleinbauern geeignet, um sowohl die familiäre Ernährungssituation als auch das Einkommen zu sichern und zu verbessern.

Auf internationaler Ebene steigt in den Industrie- aber auch in den Entwicklungs- und Schwellenländern die Nachfrage nach Lebensmitteln aus ökologischem Landbau. So hat sich der Markt für zertifizierte Bio-Produkte weltweit von 17,9 Millionen US-Dollar (2000) auf 89,7 Millionen US-Dollar (2016) vervielfacht. Für die Entwicklungsländer ergeben sich daraus bedeutende Handelspotenziale.

Bioanbau schafft Arbeitsplätze

Die deutsche und internationale Biobranche interessieren sich sehr für landwirtschaftliche und waldwirtschaftliche Rohstoffe und verarbeitete Produkte aus Entwicklungsländern. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit nutzt diese Chance und unterstützt kleinbäuerliche Betriebe in den Partnerländern durch den Auf- und Ausbau von Wertschöpfungsketten für Bioprodukte und die Förderung von agrarökologischen Prinzipien. So sorgt der ökologische Landbau nicht nur für eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen, sondern auch für mehr Beschäftigung im ländlichen Raum, steigende Einkommen durch eine verbesserte lokale Wertschöpfung und für eine höhere Lebensmittelqualität und Ernährungssicherheit.

Bauern in Bolivien pflügen mit einem Ochsengespann.

17 Ziele für nachhaltige Entwicklung

Die entwicklungspolitische Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft trägt zur Erreichung gleich mehrerer globaler Nachhaltigkeitsziele (SDGs) der Agenda 2030 bei. Das betrifft vor allem Ziel 2 ("Den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern"), Ziel 12 ("Für nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sorgen") und Ziel 15 ("Landökosysteme schützen, wiederherstellen und ihre nachhaltige Nutzung fördern, Wälder nachhaltig bewirtschaften, Wüstenbildung bekämpfen, Bodenverschlechterung stoppen und umkehren und den Biodiversitätsverlust stoppen").

Übersicht: Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung

Unsere Arbeitsfelder

Förderung des Ökolandbaus in enger Zusammenarbeit mit der Wirtschaft

Ein Bauer bei der Orangenernte

Ökologischer Landbau ist eine besonders ressourcenschonende und umweltverträgliche Wirtschaftsform, die sich am Prinzip der Nachhaltigkeit orientiert.

Die Biobranche interessiert sich verstärkt für die nachhaltige Beschaffung von Rohstoffen und weiterverarbeiteten Produkten in den Partnerländern des BMZ. Gleichzeitig bergen die neuen Märkte in Europa große Potenziale für kleinbäuerliche Betriebe in Partnerländern: Die Förderung von Wertschöpfungsketten für Bioprodukte einschließlich des Handels dieser Produkte nach Europa kann einen wichtigen Beitrag zu Einkommenssteigerung, Beschäftigungsförderung, nachhaltigem Management natürlicher Ressourcen, verbesserter lokaler Wertschöpfung und höherer Lebensmittelsicherheit und -qualität leisten.

Daher fördert das BMZ im engen Austausch mit Unternehmen der deutschen Biobranche Programme und Projekte zum Ökolandbau, etwa in den Bereichen Qualitätsverbesserung, Zertifizierung und Marktzugang.

Zusammenarbeit mit Partnerländern

Ein Bauer in Mali bewässert sein Feld.

Im Rahmen der staatlichen (bilateralen) Entwicklungszusammenarbeit mit seinen Partnerländern unterstützt das BMZ zum Beispiel die Förderung nachhaltiger Produktionsmethoden, die Herstellung und Anwendung von Biodüngern, biologische Schädlingsbekämpfung sowie innovative Ansätze zur Emissionsminderung und zur Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel.

Ein wichtiges Instrument sind dabei integrierte Entwicklungspartnerschaften mit der Wirtschaft. Durch sie wird die Wirksamkeit der Vorhaben erhöht und entwicklungspolitische Herausforderungen werden in unternehmerische Chancen verwandelt.

develoPPP.de

Verkosterin in einer Kaffeerösterei der Neumann-Gruppe in Kenia

Auch über sein develoPPP.de-Programm unterstützt das BMZ nachhaltige Landwirtschaft. Das Themenspektrum ist weit gefächert: Gefördert werden sowohl der Anbau klassischer Exportprodukte wie Kaffee und Kakao als auch der Anbau von Spezialprodukten wie der Moringa-Pflanze, aus der Öl für die Kosmetikherstellung gewonnen wird.

Die öffentlich-privaten Entwicklungspartnerschaften eröffnen den beteiligten Firmen neue Lieferquellen für die benötigten Rohstoffe. Die kleinbäuerlichen Betriebe im Partnerland wiederum gewinnen verlässliche Handelspartner und erhalten Zugang zum deutschen Markt. Sie werden dabei unterstützt, auf ökologisch nachhaltige Anbaumethoden umzustellen und europäische Biostandards zu erfüllen.

Überstaatliche Vorhaben

Grünes Innovationszentrum Kenia am Bukura Agricultural College

Das BMZ fördert auch Vorhaben, die gleichzeitig in mehreren Ländern umgesetzt werden. Die Themen ähneln denen der oben beschriebenen zwischenstaatlichen Projekte. Hinzu kommen Aktivitäten mit regionaler Bedeutung, etwa die Schaffung regionaler Standards und Siegel oder das grenzüberschreitende Management natürlicher Ressourcen.

Ein Beispiel ist das Globalvorhaben "Grüne Innovationszentren in der Agrar- und Ernährungswirtschaft" (GIAE). Innerhalb dieses Vorhabens wurde im Mai 2016 eine länderübergreifende Arbeitsgruppe zum Thema ökologische Landwirtschaft gegründet. Sie soll den Wissens- und Erfahrungsaustausch zu ökologischen Ansätzen zwischen den GIAE-Ländern und ihren lokalen Partnerinstitutionen fördern.

Ab 2019 fördert das BMZ zudem den Aufbau eines Wissenszentrums Ökologischer Landbau in Afrika. Einheimische Organisationen in Ost-, West- und im südlichen Afrika werden traditionelles und modernes Wissen zu ökologischem Landbau sammeln, validieren und so aufbereiten, dass es im Rahmen von Beratung, Training, Internet-Plattformen und anderen Kommunikationsformaten verbreitet werden kann. Beteiligte aus Produktion, Verarbeitung und Vermarktung sowie Konsumentinnen und Konsumenten werden dabei unterstützt, sich zu vernetzen, um die Entwicklung lokaler, regionaler und internationaler Märkte für Bioprodukte aus Afrika zu fördern.

Import Promotion Desk

Logo: Import Promotion Desk

Kleinen und mittelständischen Produzenten im Bereich ökologischer Landbau wird der Zugang zum europäischen Markt auch durch das Import Promotion Desk (IPD) erleichtert. Im Auftrag des BMZ bringt das IPD Importeure in Deutschland und anderen europäischen Ländern mit Exporteuren aus ausgewählten Entwicklungs- und Schwellenländern zusammen. Ziel ist eine nachhaltige und strukturierte Importförderung – unter Einhaltung hoher Qualitäts-, Sozial- und Umweltstandards.

Aktuell ist das IPD in Ägypten, Äthiopien, Indonesien, Kirgisistan, Kolumbien, Nepal, Peru und Tunesien tätig. Projekte zur Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft werden häufig in enger Zusammenarbeit mit Projekten der GIZ umgesetzt.

Öffentlichkeitsarbeit

Gespräch von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller mit Startup-Unternehmern zu "Coffee made in Africa" auf der Internationalen Grünen Woche 2019 in Berlin

Der ökologische Landbau ist auch Thema der Öffentlichkeitsarbeit des BMZ in Deutschland. Unter anderem beteiligt sich das Ministerium regelmäßig an Messen und Fachveranstaltungen.

Im Februar 2018 nutzte das BMZ zum Beispiel die Messe Biofach in Nürnberg, um die Fachöffentlichkeit über sein Engagement für Wertschöpfungsketten im Biolandbau zu informieren und um Netzwerke auszubauen. 15 Unternehmen aus Togo, Südafrika, Brasilien, Sri Lanka, Indonesien und Nepal stellten ihr Angebot an Bioprodukten am Gemeinschaftsstand von GIZ und Import Promotion Desk (IPD) vor, knüpften neue Kontakte und bereiteten Geschäftsabschlüsse vor. Insgesamt nahmen mehr als 50.000 Besucherinnen und Besucher aus 134 Ländern an der Messe teil.

Zudem lädt das BMZ im Rahmen eines "Runden Tisches zum ökologischen Landbau in der Entwicklungszusammenarbeit" mehrmals jährlich Vertreterinnen und Vertreter aus Bundesressorts, Zivilgesellschaft, Privatwirtschaft und Anbauverbänden zu gemeinsamen Diskussionsrunden ein.

  • Landschaft mit terrassierten Anbauflächen und einem Bewässerungssystem bei Enda Mahoni, Äthiopien
    Aus der Praxis

    Landbewirtschaftung in Äthiopien

    Ein Großteil der Bevölkerung Äthiopiens lebt von Landwirtschaft und Viehzucht. Die Regierung des ostafrikanischen Landes fördert die Bewirtschaftung des ländlichen Raums, um Ernährungssicherheit für die wachsende Bevölkerung zu schaffen und durch den Export landwirtschaftlicher Produkte Devisen ins Land zu holen.

  • Reife Kaffeekirschen
    Aus der Praxis

    Kaffeekirschentee aus Peru

    Peru gehört zu den weltweit führenden Kaffee produzierenden Ländern. Der Anbau wird größtenteils durch Kleinbäuerinnen und -bauern geleistet, die allerdings häufig von den Erträgen nicht leben können.

Landschaft mit terrassierten Anbauflächen und einem Bewässerungssystem bei Enda Mahoni, Äthiopien
Aus der Praxis

Öl in Bioqualität aus Äthiopien

Ein Großteil der Bevölkerung Äthiopiens lebt von Landwirtschaft und Viehzucht. Die Regierung des ostafrikanischen Landes fördert die Bewirtschaftung des ländlichen Raums, um Ernährungssicherheit für die wachsende Bevölkerung zu schaffen und durch den Export landwirtschaftlicher Produkte Devisen ins Land zu holen.

Die wichtigsten Exportprodukte sind Kaffee und Sesam – Äthiopien ist nach Indien zweitgrößter Sesam-Exporteur der Welt. Die Anbaubedingungen im Land sind ideal, sodass der Markt für Bioprodukte mit hochwertiger Ware bedient werden kann. 95 Prozent des Sesams gehen als Rohware in den Export. Bislang gibt es nur fünf kleine und mittelgroße Unternehmen im Land, die Sesam verarbeiten. Dadurch entgeht dem Land viel Wertschöpfung, denn mit verarbeiteten Produkten ließe sich deutlich mehr Umsatz machen.

Ähnlich ist die Lage beim Avocado-Anbau: Auch hier werden die meisten Früchte unverarbeitet exportiert. Äthiopien zählt zu den fünf größten Avocado-Produzenten in Afrika südlich der Sahara, doch das Potenzial wird bei Weitem noch nicht ausgeschöpft. Die Frucht wird hauptsächlich im Südwesten des Landes auf Kaffeeplantagen und in Agroforstsystemen, die Ackerbau mit Forstwirtschaft kombinieren, angepflanzt.

Neue Fabrik schafft Arbeitsplätze

Im Auftrag des Bundesentwicklungsministeriums (BMZ) baut die GIZ gemeinsam mit äthiopischen Partnerunternehmen die Wertschöpfungskette für Sesam weiter aus und die für Avocado neu auf (mehr über das Thema landwirtschaftliche Wertschöpfungsketten lesen Sie hier).

Partner der GIZ sind die Firma Tradin Organic Agriculture und das von ihr mitgegründete Joint Venture Selet Hulling. Tradin bietet hochwertigen geschälten Bio-Sesam für den Export an und baut nun im Rahmen des Vorhabens eine lokale Infrastruktur für die Produktion von Avocado- und Sesamöl in Bioqualität auf.

Die Fabrik soll rund 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen, die vor Ort geschult werden. Darüber hinaus bilden die Partner Fachkräfte wie Fabrikmanagerinnen und -managern, Maschinentechnikerinnen und -technikern und Personal für die Qualitätssicherung aus. Dafür arbeiten sie mit einem Berufsbildungsinstitut zusammen und unterstützen die praktische Ausbildung von Industriemechanikerinnen und -mechanikern und Maschinenbauerinnen und -bauern in der Fabrik.

Schulungen für Kleinbauern

Um eine hohe Qualität der Avocados zu gewährleisten, werden Kleinbäuerinnen und -bauern verschiedener Kooperativen in nachhaltigen Anbau- und Erntemethoden geschult. Dazu werden zunächst Ausbilderinnen und Ausbilder qualifiziert, die im Verlauf des Projekts 600 Kleinbäuerinnen und -bauern zu sogenannten Lead Farmern fortbilden. Diese sind dann in der Lage, die Mitglieder ihrer Kooperative zu schulen. Insgesamt sollen so bis zu 30.000 Kleinbäuerinnen und -bauern erreicht werden.

Zusätzlich erhalten die Bäuerinnen und Bauern Erntewerkzeug, Kletter- und Sicherheitsausrüstung zum Besteigen der bis zu 25 Meter hohen Avocadobäume sowie Material für Transport und Lagerung der Früchte. Über "Farmer Business Schools" wird ihnen unternehmerisches Wissen vermittelt.

Um eine weltweite Vermarktung der Produkte zu ermöglichen, unterstützen die Partnerunternehmen die Bauernkooperativen dabei, Bio- und Sozialstandards einzuhalten und eine entsprechende Zertifizierung zu erhalten. Auch zum Abschluss fairer Kaufverträge werden sie beraten. Ausgewählte Kleinbäuerinnen und -bauern werden außerdem zu Imkerinnen und Imkern ausgebildet, um mit Honig und Bienenwachs zusätzliches Einkommen zu erzielen. Die Produkte können auf lokalen Märkten sowie an die Firma Tradin verkauft werden, die die internationale Vermarktung übernimmt.

Verwertung von Produktionsabfällen

Um eine größtmögliche Nachhaltigkeit zu erzielen, werden auch die Abfälle aus der Herstellung von Avocadoöl genutzt. Dazu wird ein Kompostierungssystem getestet und außerdem geprüft, inwiefern sich das ausgepresste Fruchtfleisch, der Kern und die Schale der Avocados weiterverwenden und vermarkten lassen.

Darüber hinaus richten die Partnerunternehmen Baumschulen ein und arbeiten mit lokalen Instituten an der Erforschung verbesserter Sorten und der Einführung angepasster Produktions- und Erntetechniken.

Reife Kaffeekirschen
Aus der Praxis

Tee aus Kaffeekirschen: Ein Nebenprodukt verschafft Bauern in Peru zusätzliches Einkommen

Peru gehört zu den weltweit führenden Kaffee produzierenden Ländern. Der Anbau wird größtenteils durch Kleinbäuerinnen und -bauern geleistet, die allerdings häufig von den Erträgen nicht leben können. Ernteausfälle, steigender Wettbewerb und daraus folgende niedrige Weltmarktpreise bewirken, dass die Bäuerinnen und Bauern nicht genug Geld für ihre medizinische Versorgung, Altersvorsorge oder für die Schulbildung ihrer Kinder zur Verfügung haben.

Aus eigener Kraft können sich die Kleinbäuerinnen und -bauern meist nicht aus dieser Situation befreien. Ihnen fehlen unternehmerische Kenntnisse, Praxiserfahrungen und finanzielle Mittel, um ihre Produktion auf eine breitere Basis zu stellen. Eine große Chance, ohne größere Investitionen und auf umweltfreundliche Weise ein zusätzliches Einkommen zu erzielen, bietet die Herstellung von Tee aus Kaffeekirschen.

Kaffeekirschentee ist ein koffeinhaltiges Getränk, das aus der Schale und dem Fruchtfleisch der Kaffeekirsche hergestellt wird. In Lateinamerika hat der Tee eine jahrhundertelange Tradition, in den USA gilt er als Modegetränk. Indem die "Abfallprodukte" des Kaffeeanbaus genutzt werden, steigt die Wirtschaftlichkeit der Kaffeepflanze deutlich. Da die Kaffeekirschen nicht geröstet, sondern in der Sonne getrocknet werden, enthalten sie keine Schadstoffe – eine hervorragende Ausgangslage für eine Bio-Zertifizierung des Tees.

Schulung und Vernetzung

Im Rahmen des develoPPP.de-Programms des BMZ fördern die Murnauer Kaffeerösterei und der Kaffeeimporteur Knauer & Knauer die Ausbildung der Bäuerinnen und Bauern sowie die Qualitätssicherung der Produkte für den Import nach Deutschland. Die GIZ unterstützt das Projekt organisatorisch und durch technische Beratung. Unter anderem wirkt sie bei der Dokumentation des Produktionsprozesses mit. Diese kann im Anschluss weiteren Kaffeebäuerinnen und -bauern, die in die Teeproduktion einsteigen wollen, als Anleitung dienen.

Die Kleinbäuerinnen und -bauern des Verbands "Asociación Miguel Grau" werden darin geschult, den Kaffeekirschentee in geeigneter Qualität und Menge herzustellen und zum Beispiel spezielle Trocknungsverfahren anzuwenden. Um sicherzustellen, dass der Tee die hohen Biostandards erfüllt, wurde ein Qualitätszentrum gegründet.

Darüber hinaus werden die Verbandsmitglieder auch in den Bereichen Organisationsentwicklung, kaufmännische Grundlagen sowie Vermarktung ausgebildet. Das Projekt ermöglicht es den Bäuerinnen und Bauern, ihren Kaffeekirschentee selbst auf internationalen Märkten zu verkaufen. Auch die Vernetzung und der Erfahrungsaustausch mit anderen lateinamerikanischen Teeproduzenten werden gefördert.

Nach Schätzungen können die beteiligten Kleinbäuerinnen und -bauern ihr Einkommen um bis zu 30 Prozent steigern. Ein großer Teil der Wertschöpfung verbleibt in Peru und trägt direkt zu einer besseren Lebenssituation der Bäuerinnen und Bauern bei.

Direct Trade

Das Engagement der beteiligten deutschen Unternehmen beruht auf einer Selbstverpflichtung im Rahmen des "Direct Trade"-Ansatzes, einer Variante des fairen Handels für Spitzenkaffee. Unter der Marke "PachaMama" baut die "Asociación Miguel Grau" im peruanischen Hochland von Chanchamayo biologisch Kaffee an. Die Kaffeebäuerinnen und -bauern werden leistungsgerecht bezahlt, der Kaffee wird direkt vom Erzeuger nach Deutschland importiert. Qualität, Fairness und Transparenz spielen bei dem Ansatz eine wichtige Rolle.

BMZ-Publikationen

Weiterführende Informationen

Inhaltsverzeichnis

Ländliche Entwicklung und Ernährungssicherung

Lexikon der Entwicklungspolitik

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