Hauptinhalt

Ländliche Entwicklung

Ernte in Côte d‘Ivoire

Arbeits- und Lebensbedingungen auf dem Land verbessern

Nach Expertenschätzungen muss die landwirtschaftliche Produktion in den kommenden 30 Jahren um mindestens 50 Prozent steigen, damit ausreichend Nahrung für die stark wachsende Weltbevölkerung zur Verfügung steht. Gleichzeitig ist es für die Menschheit überlebenswichtig, dass die natürlichen Ressourcen der ländlichen Regionen erhalten werden: Boden, Wasser und biologische Vielfalt. Und zusätzlich müssen die zukünftigen Produktionsmethoden das Klima schonen und an den Klimawandel angepasst werden.

Damit die Menschen, die das alles leisten sollen, nicht aus dem ländlichen Raum abwandern, müssen ihnen attraktive Lebensverhältnisse sowie gute Einkommens- und Beschäftigungsmöglichkeiten geboten werden. Derzeit leben rund 3,4 Milliarden Menschen auf dem Land, davon 92 Prozent in Entwicklungsländern. Etwa 70 Prozent der weltweit unter Hunger leidenden Menschen leben auf dem Land. Hierfür bedarf es eines weltweit leistungsfähigen, nachhaltigen und gerechten Agrar- und Ernährungssystems.

Lebenswerte und fortschrittliche ländliche Räume sind eine wichtige Voraussetzung dafür, dass die globalen Entwicklungsziele der Agenda 2030 insgesamt erreicht werden, insbesondere Ziel 1 (Armut beenden), Ziel 2 (Hunger beseitigen) sowie Ziel 15 (Leben auf dem Land) und Ziel 8 (Produktive Vollbeschäftigung). 

Eine Biogasanlage im Grünen Innovationszentrum Kenia
Hintergrund

Potenzial für Entwicklung

Der ländliche Raum hat enormes Potenzial, Innovationen aufzugreifen und große Entwicklungsschritte zu machen. Eine produktive und erfolgreiche Agrar- und Ernährungswirtschaft kann ganze Regionen beflügeln. Sie ist die Grundlage für Beschäftigungsmöglichkeiten in und außerhalb der Landwirtschaft – zum Beispiel in der Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte, in Handwerk, Transport und Handel und insbesondere auch im Dienstleistungssektor.

Die Weltbank schätzt, dass die Agrar- und Ernährungswirtschaft allein in Afrika südlich der Sahara bis 2030 von 300 auf 1.000 Milliarden US-Dollar wächst. Die Potenziale für eine Beschäftigung im Agrarsektor sind entsprechend hoch. Nach Angaben der OECD (2018) wird sich die Zahl der Beschäftigten in der Agrar- und Ernährungswirtschaft von 2015 bis 2025 alleine in Westafrika um 32 Millionen auf 117 Millionen erhöhen. Obwohl der Anteil der Beschäftigten außerhalb der Agrarproduktion bis 2015 auf 30 Prozent gewachsen ist, entsteht auch in Zukunft ein Großteil der zusätzlichen Beschäftigungsperspektiven weiter in der landwirtschaftlichen Produktion.

Damit Betriebe erfolgreich wirtschaften und den Menschen vor Ort Perspektiven bieten können, müssen jedoch in vielen Ländern die Rahmenbedingungen besser werden und ländliche Regionen müssen durch gute Bildungsmöglichkeiten, Gesundheitsversorgung, Dienstleistungen wie Wasser- und Energieversorgung und Infrastrukturangebote wie öffentliche Verkehrsmittel und -wege und leistungsfähige Internetanbindung attraktiver werden. Dabei gilt es besonders den Bedarfen von jungen Menschen und von Frauen gerecht zu werden.

Deutsches Engagement

Strukturwandel vielschichtig begleiten

Deutschland unterstützt seine Partnerländer weltweit dabei, zukunftsfähige ländliche Räume zu gestalten. Die Weichen sollen so gestellt werden, dass der erforderliche Strukturwandel sozial verträglich und ökologisch nachhaltig verlaufen kann und niemand zurückbleibt. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt deshalb eine nachhaltige Agrar- und Agrarhandelspolitik und ländliche Wirtschaftsentwicklung, fördert Investitionen in den ländlichen Raum und setzt sich für dezentrale Verwaltungsstrukturen und eine starke politische und soziale Teilhabe der Menschen vor Ort ein.

Hauptziele des deutschen Engagements sind eine produktivere Land- und Ernährungswirtschaft, die Förderung von Beschäftigungsmöglichkeiten in und außerhalb der Landwirtschaft und gute Lebensverhältnisse und Perspektiven für die Menschen in ländlichen Regionen – im Einklang mit dem Schutz natürlicher Ressourcen.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit engagiert sich dazu in folgenden Arbeitsfeldern:

Zusammen stark gegen Hunger- und Mangelernährung: Mitglieder eines Gemeinschaftsfelds in Burkina Faso

Zukunftsfähige ländliche Räume schaffen

Zusätzlich zur Förderung der Agrar- und Ernährungswirtschaft müssen in ländlichen Regionen attraktive Lebensbedingungen und Beschäftigungs- und Einkommensperspektiven außerhalb der Landwirtschaft geschaffen, vor allem für junge Menschen und Frauen.

Arbeiter in einer Reismühle in Nigeria

Beschäftigung auf dem Land sichern

Mehr als 60 Prozent der Bevölkerung in Afrika südlich der Sahara leben auf dem Land. Doch die Agrar- und Ernährungswirtschaft bietet momentan keine ausreichenden Beschäftigungsmöglichkeiten.

Ein Bauer in den bolivianischen Anden bei Cochabamba legt einen Erosionsschutzwall an.

Landrechte verbindlich regeln

Fruchtbarer Boden und Wasser sind die wichtigsten Grundlagen für die Landwirtschaft. Nur wenn der Zugang zu diesen natürlichen Ressourcen gewährleistet ist, kann es Ernährungssicherheit geben.

Bäuerinnnen und Bauern auf einer Bananenplantage, die von der Bewässerungsanlage der Bauernkooperative Mitooini in Kenia versorgt wird

Bäuerliche Organisationen stärken

Bäuerliche Organisationen sind von zentraler Bedeutung für die Entwicklung ländlicher Räume, zum Beispiel, wenn es darum geht, Wertschöpfungsketten für einzelne landwirtschaftliche Produkte aufzubauen und weiterzuentwickeln.

Solaranlage zur Stromversorgung einer Grundwasserpumpe im Südwesten von Bangladesch. Das geförderte Grundwasser wird zur Bewässerung der angrenzenden Felder genutzt.

Zugang zu nachhaltiger Energie schaffen

Die Weltbevölkerung wächst – und damit neben der Nachfrage nach Nahrungsmitteln auch der Energiebedarf. Schon heute entfallen auf die Land- und Ernährungswirtschaft rund 30 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs und auch etwa 30 Prozent des globalen Treibhausgasausstoßes.

Mitarbeiter in einem Betrieb in Ghana, der Cashewnüsse verarbeitet

Existenzsichernde Löhne und Einkommen

Viele Menschen in Entwicklungsländern erhalten bislang keinen angemessenen Lohn beziehungsweise kein angemessenes Einkommen für die geleistete Arbeit. Deutschland unterstützt Standardorganisationen, um eine existenzsichernde Bezahlung zu erreichen.

Die ehemalige Koka-Bäuerin Moly Checya aus Peru – hier mit ihrer Tochter – baut jetzt erfolgreich Kaffee an.

Alternative Entwicklung in Drogenanbaugebieten fördern

Illegaler Drogenanbau, Drogenhandel und Drogenkonsum sind globale Phänomene. Es sind jedoch insbesondere Entwicklungsländer, die von den schädlichen Folgen der Drogenproblematik betroffen sind. Deutschland fördert Alternativen zum Drogenanbau.

Inhaltsverzeichnis

Ländliche Entwicklung und Ernährungssicherung

Lexikon der Entwicklungspolitik

Fenster schließen

 

Seite teilen