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Ländliche Entwicklung

Alternative Entwicklung in Drogenanbaugebieten fördern

Die ehemalige Koka-Bäuerin Moly Checya aus Peru – hier mit ihrer Tochter – baut jetzt erfolgreich Kaffee an.

Drogenpflanzen wie Koka, Cannabis und Schlafmohn werden meistens in Entwicklungsländern angebaut, die von Armut, Ernährungsunsicherheit, Konflikten und schwachen staatlichen Strukturen geprägt sind. So hat sich die weltweite Anbaufläche für Schlafmohn, aus dem Heroin gewonnen wird, im letzten Jahrzehnt verdoppelt.

Allein von 2016 bis 2017 stieg sie um 37 Prozent auf die Rekordfläche von 418.000 Hektar. Heute liegen die Hauptanbaugebiete von Schlafmohn in abgelegenen ländlichen Gebieten in Afghanistan, Myanmar, Mexiko und Laos. Der Kokaanbau konzentriert sich auf Bolivien, Kolumbien und Peru.

Auswirkungen des Drogenhandels

Illegaler Drogenanbau, Drogenhandel und Drogenkonsum sind globale Phänomene. Es sind jedoch insbesondere Entwicklungsländer, die von den schädlichen Folgen der Drogenproblematik betroffen sind.

Zu diesen negativen Begleiterscheinungen zählen bewaffnete Konflikte, die Ausbreitung des organisierten Verbrechens und der Korruption sowie die Verarmung der lokalen Bevölkerung in den Drogenanbaugebieten. Eine Erhöhung der Risiken für die öffentliche Gesundheit durch den Konsum illegaler Drogen und die Übertragung von Krankheiten sind weitere Folgen.

Viele Länder sind mit der Bewältigung dieser massiven Herausforderungen bislang überfordert. Der Anbau von Koka und Schlafmohn findet nahezu ausschließlich in Regionen fragiler Staatlichkeit statt, die von Korruption und Gewalt geprägt sind. Die Abwesenheit staatlicher Institutionen in vielen Drogenanbauregionen führt dazu, dass der Anbau und der Transport von Schlafmohn und Koka mitunter unbehelligt stattfinden können.

Der Anbau von Koka und Schlafmohn verursacht häufig schwerwiegende ökologische Schäden. In Lateinamerika und Südostasien wird durch Brandrodung Raum für Drogenpflanzungen geschaffen. Durch die Bildung von Monokulturen und den übermäßigen Einsatz von Dünger und Chemikalien werden die Böden zusätzlich belastet.

Produzenten oft ohne Perspektive

In den meisten Anbaugebieten sind fehlende staatliche Strukturen eine Hauptursache für den illegalen Anbau von Drogenpflanzen. Unterstützung durch staatliche Projekte oder öffentliche Dienstleistungen erreicht die abgelegenen Gebiete meist nicht. Infrastruktur, zum Beispiel ein Netz befestigter Straßen, fehlt.

Daher hat die Bevölkerung in diesen Regionen kaum Zugang zu Gesundheitsstationen, Schulen, Märkten und vielem mehr. Besonders fehlt den Bäuerinnen und Bauern die Anbindung an legale Märkte. Kleinbauernfamilien haben daher oft keine Alternative zum Anbau illegaler Drogenpflanzen

Kokablätter werden in einem Sack auf dem Markt von La Paz, Bolivien, verkauft.

Deutsches Engagement: Alternativen bieten

Das Konzept der "Alternativen Entwicklung" setzt an den Ursachen des Drogenanbaus an. Mit mehr als 35 Jahren Erfahrung im Bereich Alternative Entwicklung übernimmt Deutschland international eine Führungsrolle in der Gestaltung einer Drogenpolitik, die sich an den Zielen für nachhaltige Entwicklung ausrichtet.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) tritt gemeinsam mit Partnerländern wie Thailand, Kolumbien und Peru für ein Umdenken in der internationalen Drogenpolitik ein. Neben dem "Krieg gegen die Drogen" einerseits und der Drogenlegalisierung andererseits gewinnen entwicklungs- und gesundheitspolitische Ansätze als "dritter Weg" zunehmend an Bedeutung.

Zahlreiche Länder gehen repressiv gegen Drogenpflanzenanbau vor: Sie vernichten Felder, bevor legale Alternativen geschaffen sind. Das verschärft die Armut und die Ernährungs- und Existenzunsicherheit der Bauern. Der Drogenanbau weitet sich trotzdem aus – häufig verlagern sich die Anbauflächen. 

Alternative Entwicklung, als Teil integraler ländlicher Entwicklung, setzt dagegen an den Ursachen des illegalen Anbaus an, verbessert die Lebensbedingungen kleinbäuerlicher Familien und schafft wirtschaftliche Alternativen zum Drogenpflanzenanbau – unter Berücksichtigung der Menschenrechte.

Ansatz der "Alternativen Entwicklung"

Unterstützung für Politik und ländliche Bevölkerung

Das Konzept setzt auf mehreren Ebenen an:

  • Bessere Lebensbedingungen für Kleinbäuerinnen und -bauern
  • Nachhaltige wirtschaftliche Alternativen zum Drogenpflanzenanbau (landwirtschaftliche Produkte, lokales Handwerk, Ökotourismus)
  • Stärkung der Rechte von Frauen
  • Beratung beim Aufbau von Erzeugergemeinschaften
  • Schaffung von Zugang zu legalen Märkten (zum Beispiel Ausbau der Infrastruktur)
  • Unterstützung bei der Registrierung von Landtiteln
  • Sicherstellung der Ernährungssicherheit
  • Förderung von Bildung und Gesundheitsversorgung
  • Nachhaltige Nutzung von Böden und Wald
  • Stärkung lokaler Verwaltungsstrukturen und Beteiligungsmöglichkeiten der Bevölkerung

Entscheidend für den Erfolg von Projekten Alternativer Entwicklung ist die enge Abstimmung mit den Gemeinden, die Beachtung der spezifischen Bedarfe der jeweiligen Region sowie die Förderung von bäuerlichen Erzeugergemeinschaften. Dabei müssen auch die unterschiedlichen Geschlechterrollen berücksichtigt werden. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Förderung von Frauen.

Willy Gonzalez baute früher die Drogenpflanze Koka an. Heute ist er erfolgreicher Kakaobauer im peruanischen Tingo María.

Internationale Zusammenarbeit

Der deutsche Ansatz der "Alternativen Entwicklung" gewinnt unter Regierungen und internationalen Organisationen immer größeren Zuspruch und wurde in maßgeblichen Rahmendokumenten der internationalen Drogenpolitik verankert. Unter anderem findet man ihn in verschiedenen Resolutionen der Vereinten Nationen, in den UN-Leitlinien für Alternative Entwicklung (United Nations Guiding Principles on Alternative Development, 2013), in der EU-Drogenstrategie 2013–2020 sowie in den 2018 verabschiedeten EU-Ratsschlussfolgerungen zu Alternativer Entwicklung.

Auf der Sondersitzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen zur Weltdrogenproblematik (UNGASS) 2016 erreichte Deutschland gemeinsam mit der EU, dass ein eigenes Kapitel zu Alternativer Entwicklung und sozioökonomischen Aspekten der Drogenpolitik in das Abschlussdokument aufgenommen wurde.

Länder, in denen Drogenpflanzen angebaut werden, schätzen das BMZ als entwicklungspolitischen Partner. Das 2015 gestartete BMZ-Vorhaben "Globale Partnerschaft für Drogenpolitik und Entwicklung" fördert den internationalen Drogenpolitikdialog. Das Programm kooperiert mit mehr als 1.200 Regierungsvertretern.

Darüber hinaus engagiert sich Deutschland seit 2011 in dem von der EU-Kommission finanzierten Regionalvorhaben COPOLAD (Cooperation Programme between Latin America, the Caribbean and the European Union on Drugs Policies). Elf Länder in Lateinamerika und der Karibik werden dabei unterstützt, ihre institutionellen Kapazitäten auszubauen, entwicklungspolitische Instrumente wirksam einzusetzen und den deutschen Ansatz der "Alternativen Entwicklung" in die Breite zu tragen.

Hochland von Kolumbien, in dem heute Kaffee angebaut wird

Globale Partnerschaft für Drogenpolitik und Entwicklung

Mit der "Globalen Partnerschaft für Drogenpolitik und Entwicklung" (GPDE) unter der Schirmherrschaft der Drogenbeauftragten setzt die Bundesregierung in ihrer internationalen Drogenpolitik klare entwicklungspolitische Impulse. Denn meist sind vor allem Entwicklungsländer von den negativen Folgen des illegalen Drogenanbaus, -handels und -konsums betroffen. Menschen, die in Drogenanbaugebieten leben, haben oft keine stabilen Einkommensverhältnisse.

Ihre prekäre Lebenssituation wird durch bewaffnete Konflikte, organisiertes Verbrechen, Korruption und Risiken für die öffentliche Gesundheit noch verschärft. In diesen Gegenden setzt sich die GPDE für den drogenpolitischen Ansatz der "Alternativen Entwicklung" ein. Dabei sollen einkommensschwachen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern realistische Alternativen zum Anbau von Drogenpflanzen wie Koka, Schlafmohn oder Cannabis aufgezeigt und stattdessen der legale Anbau von beispielsweise Kaffee oder Kakao sowie weitere Einkommensquellen erschlossen und gefördert werden.

Die GPDE ist das erste ressortübergreifende Vorhaben der deutschen Drogenpolitik und wird von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und unter politischer Schirmherrschaft der Drogenbeauftragten der Bundesregierung umgesetzt.

Ziel der Initiative ist es, gemeinsam mit interessierten Regierungen und internationalen Partnerorganisationen entwicklungs- und gesundheitsorientierte Ansätze in der Drogenpolitik zu fördern. Konzepte der ländlichen Entwicklung und des Schutzes der öffentlichen Gesundheit sollen miteinander verbunden und auf diese Weise bessere Lösungen für den Umgang mit der globalen Drogenproblematik gefunden werden.

Die Globale Partnerschaft für Drogenpolitik und Entwicklung leistet einen direkten Beitrag zur Umsetzung des Aktionsplans der Vereinten Nationen zur Bekämpfung des Weltdrogenproblems von 2009, der Nationalen Strategie zur Drogen- und Suchtpolitik der Bundesregierung von 2012 und des EU-Drogenaktionsplans von 2017 sowie zu dem EU-Ratsbeschluss zu Alternativer Entwicklung von 2018.

Die Globale Partnerschaft für Drogenpolitik und Entwicklung umfasst drei Arbeitsfelder:

Internationaler Dialog

Im Auftrag der Bundesregierung fördert die GPDE die internationale Debatte und Diskussion zur Drogenpolitik. Sie setzt sich dafür ein, dass das Konzept der "Alternativen Entwicklung" sowie der Gesundheitsschutz in der globalen Drogenpolitik verankert werden. So hat die GPDE im Auftrag des BMZ die Sondergeneralversammlung der Vereinten Nationen zum Weltdrogenproblem (Special Session of the United Nations General Assembly on the World Drug Problem, UNGASS) 2016 mit vorbereitet und sich erfolgreich für eine entwicklungspolitische Ausrichtung des Abschlussdokuments eingesetzt. Auch die 2019 anstehenden Verhandlungen zur Überprüfung des UN-Aktionsplans zur Bekämpfung des Weltdrogenproblems werden von der GPDE begleitet.

Regierungsberatung

Das Projekt unterstützt Regierungen bei der Anpassung ihrer nationalen Drogenpolitik. Aktuell werden die Regierungen von Kolumbien, Myanmar und Thailand beraten. Die Umsetzung erfolgt gemeinsam mit einem Konsortium, bestehend aus dem Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC), der thailändischen Mae-Fah-Luang-Stiftung sowie den Nichtregierungsorganisationen Transnational Institute (TNI) und International Drug Policy Consortium (IDPC).

Wissenschaftliche Grundlagen

Die GPDE setzt sich für bessere wissenschaftliche Grundlagen der internationalen Drogenpolitik ein, um fundiertes Wissen über den Zusammenhang zwischen Entwicklung und öffentlicher Gesundheitsvorsorge im Umgang mit Drogenkonsum herzustellen.

Weiterführende Informationen

Lexikon der Entwicklungspolitik

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