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Ländliche Entwicklung

Bäuerliche Organisationen stärken

Bäuerinnnen und Bauern auf einer Bananenplantage, die von der Bewässerungsanlage der Bauernkooperative Mitooini in Kenia versorgt wird

Bäuerliche Organisationen spielen eine wichtige Rolle für die Entwicklung zukunftsfähiger ländlicher Räume, die vor allem jungen Menschen Nahrung, Beschäftigung, Einkommen und damit Lebensperspektiven bieten können. Unter anderem sind sie von zentraler Bedeutung, wenn es darum geht, Wertschöpfungsketten für einzelne landwirtschaftliche Produkte aufzubauen und weiterzuentwickeln.

Die Förderung bäuerlicher Organisationen ist daher ein wichtiger Aspekt der deutschen Entwicklungszusammenarbeit im Bereich der ländlichen Entwicklung. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt zum einen den Auf- und Ausbau von Bauernverbänden, Erzeugergemeinschaften und Genossenschaften. Zum anderen beraten deutsche Expertinnen und Experten die Regierungen der Partnerländer bei der Frage, wie die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen für bäuerliche Organisationen verbessert werden können.

Verbände, Genossenschaften, Erzeugergemeinschaften

In der Agrar- und Ernährungswirtschaft gibt es verschiedene Formen bäuerlicher Organisationen. Sie unterscheiden sich in ihren Zielsetzungen und Aufgaben sowie in ihrer Rechtsform und Organisationsstruktur.

So übernehmen Bauernverbände vor allem die Funktion einer politischen Interessenvertretung. Sie haben in der Regel keinen eigenen Geschäftsbetrieb und arbeiten nicht gewinnorientiert.

Dagegen bieten Genossenschaften und Erzeugergemeinschaften Dienstleistungen an, die ihren Mitgliedern einen konkreten wirtschaftlichen Mehrwert bieten. Dazu zählen zum Beispiel die gemeinschaftliche Anschaffung von Maschinen, der Aufkauf von Ernteprodukten sowie Lagerung, Sortierung, Verpackung, Transport und Verkauf der Ware.

Neben lokalen und nationalen Organisationen spielen auch Zusammenschlüsse auf regionaler, kontinentaler und sogar globaler Ebene eine wichtige politische Rolle.

Gemeinsam mehr erreichen

Einzelne bäuerliche Familienbetriebe haben es schwer, in den heutigen globalisierten Märkten zu bestehen. Oft produzieren die Kleinbäuerinnen und -bauern nur für den Eigenbedarf und schaffen es nicht, sich aus eigener Kraft aus der Armut zu befreien. Zugleich haben sie als Kleinunternehmer ein zu geringes politisches Gewicht, um ihre Interessen gegenüber staatlichen Stellen und der Ernährungswirtschaft zu formulieren und durchzusetzen.

Starke bäuerliche Organisationen sind hierbei eine wichtige Hilfe:

  • Sie sind Anwalt und Sprachrohr ihrer Mitglieder und vertreten die Interessen der ländlichen Bevölkerung.
  • Sie fördern die Vernetzung ihrer Mitglieder und damit auch den Erfahrungs- und Wissensaustausch.
  • Sie bieten ihren Mitgliedern Möglichkeiten der Aus- und Weiterbildung.
  • Sie verbessern den Zugang zu Markt- und Brancheninformationen, steigern die Produktivität der Betriebe und die Produktqualität und minimieren die Transaktionskosten, die im Zusammenhang mit bäuerlicher Geschäftstätigkeit anfallen.
  • Sie können Zugang zu Gütern und Dienstleistungen verschaffen, die dem Einzelnen sonst verschlossen blieben, zum Beispiel zu Fachwissen, innovativen Technologien oder auch zu Krediten und Versicherungen.
  • Sie leisten einen wichtigen Beitrag zum sozialen Zusammenhalt, da Ziele gemeinsam und zum Wohle aller Mitglieder verfolgt werden.
Imker in Marokko, die sich in einer Kooperative zusammengeschlossen haben.

Deutsches Engagement

Vielen bäuerlichen Organisationen in Entwicklungsländern fehlt das kaufmännische und betriebswirtschaftliche Fachwissen, das für ein gutes Management gebraucht wird. Sie laufen damit Gefahr, das Vertrauen ihrer Mitglieder zu verlieren oder von politischen Eliten für eigene Machtinteressen instrumentalisiert zu werden.

Ein Schwerpunkt der deutschen Entwicklungsarbeit liegt daher in der Organisationsentwicklung: Die bäuerlichen Zusammenschlüsse werden dabei unterstützt, leistungsfähige interne Strukturen aufzubauen, um ihre Aufgaben eigenverantwortlich und unabhängig von internationaler Hilfe erfüllen zu können.

Die Förderung von Kleinbäuerinnen und -bauern und ihrer Organisationen ist ein Schwerpunkt der BMZ-Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger" (SEWOH). Die unter dem Dach dieser Initiative gegründeten Grünen Innovationszentren vermitteln nicht nur agrarwirtschaftliches Fachwissen, sondern auch Kenntnisse in Unternehmensführung und Marketing. Ebenfalls im Rahmen der SEWOH wurde ein Globalvorhaben "Stärkung bäuerlicher Organisationen für nachhaltige Agrarentwicklung" gestartet (mehr dazu lesen Sie hier).

Um bäuerliche Organisationen in den Partnerländern möglichst praxisorientiert zu unterstützen und den internationalen Wissens- und Erfahrungsaustausch zu fördern, greift das BMZ auf das Know-how deutscher Partner zurück. Eine Zusammenarbeit besteht mit dem Deutschen Bauernverband, der Andreas Hermes Akademie, dem Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverband (DGRV) und mit der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG).

  • Frauen in Burkina Faso bei der Feldarbeit
    Andreas Hermes Akademie

    Förderung der Verbandsarbeit in Afrika und Indien

    Starke, politisch und wirtschaftlich unabhängige, von Mitgliedern getragene bäuerliche Organisationen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft sind ein wichtiger Motor für die Entwicklung ländlicher Räume. 

  • Ein Bauer kontrolliert seine Orangenbäume.
    Deutscher Genossenschafts- und Raiffeisenverband

    Hilfe zur Selbsthilfe

    Genossenschaften tragen wesentlich zur Entwicklung eines Landes bei, denn sie bauen auf lokaler Initiative und Wirtschaftskraft auf und bieten ihren Mitgliedern einen unmittelbaren Mehrwert.

Frauen in Burkina Faso bei der Feldarbeit
Zusammenarbeit mit der Andreas Hermes Akademie (AHA)

Förderung der Verbandsarbeit in Afrika und Indien 

Starke, politisch und wirtschaftlich unabhängige, von Mitgliedern getragene bäuerliche Organisationen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft sind ein wichtiger Motor für die Entwicklung ländlicher Räume. Sie leisten einen entscheidenden Beitrag dazu, übergeordnete entwicklungspolitische Ziele zu erreichen.

Die Andreas Hermes Akademie (AHA) unterstützt daher in enger Zusammenarbeit mit dem Deutschen Bauernverband (DBV) die Stärkung von Bauernverbänden, Genossenschaften, Maschinenringen und Erzeugergemeinschaften in Äthiopien, Burkina Faso, Kenia, Tansania, Uganda und Indien.

Finanziert wird das Projekt "Stärkung bäuerlicher Organisationen für nachhaltige Agrarentwicklung" durch die Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger" des BMZ.

Die GIZ berät die AHA bei der Zusammenarbeit mit anderen Vorhaben der deutschen Entwicklungszusammenarbeit und unterstützt das Monitoring und die Evaluierung der Projektaktivitäten.

Handlungsfelder

Professionalisierung, Interessenvertretung, die Entwicklung von Dienstleistungen und die Förderung von Netzwerkfunktionen, sowie die Erarbeitung von Wissensprodukten für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit sind die Handlungsfelder des Projekts. Dabei werden explizit die Bedürfnisse von Frauen und Jugendlichen berücksichtigt.

Die AHA führt die Aktivitäten inhaltlich und organisatorisch selbständig in Zusammenarbeit mit ausgewählten bäuerlichen Organisationen durch. Auf diese Weise wird das Engagement zivilgesellschaftlicher Akteure in der Entwicklungszusammenarbeit gestärkt.

Darüber hinaus erstellt das Projekt für seine Partnerorganisationen auch Konzepte für länderübergreifende Themen wie etwa Mechanisierung und ökologische Landwirtschaft.

Beispiele und Wirkungen

Uganda

Der ugandische nationale Bauernverband (UNFFE – Uganda National Farmers‘ Federation) hat erkannt, dass junge Bauern ihre Dörfer verlassen und in die Stadt ziehen. Sie erwarten sich dort bessere Aussichten, als auf kleiner Fläche mit harter Arbeit geringe Erträge zu erzielen. Um hier neue Perspektiven zu entwickeln, hat UNFFE einen Jugendverband gegründet. Die Andreas Hermes Akademie (AHA) und der Deutsche Bauernverband (DBV) unterstützen diesen bei der formellen und strategischen Vorbereitung und beim derzeitigen Aufbau.

UNYFA, die Uganda National Young Farmers' Association wurde Mitte 2017 registriert und ist aktuell in 43 von 110 Distrikten des Landes mit gewählten Vertretern auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene aktiv. Über 20.000 junge Bäuerinnen und Bauern sind inzwischen Mitglied. Der Verband hat sich bereits zu verschiedenen politischen Themen eingebracht, gibt einen Newsletter heraus, bietet Betriebsbesichtigungen an und war auf der jährlichen Landwirtschaftsmesse mit einem Stand vertreten.

Kenia

KENAFF, der nationale Bauernverband von Kenia (Kenyan National Farmers' Federation) musste nach einer Neugliederung des Landes seine Strukturen anpassen. Neue "County Associations" (Landesverbände) mussten etabliert werden. AHA und DBV haben KENAFF geholfen, dies beispielhaft im westkenianischen County Kakamega umzusetzen.

Bei der erstmaligen Registrierung hatte die Kakamega County Farmers' Association (KaCoFA) 400 Mitglieder. Nach erfolgreicher Strategieentwicklung baut der Verband nun Spar- und Kreditgruppen auf, bringt Produzenten für eine gemeinsame Vermarktung zusammen und stärkt die lokalen Gruppen mit Führungstrainings. In eineinhalb Jahren konnte die Mitgliederzahl so auf 1.600 gesteigert werden.

Burkina Faso

In Burkina Faso hat der Anfang 2018 gegründete nationale Dachverband ROPSA-B (Réseau des Organisations Paysannes Syndicales Agricoles) seinen Fokus auf Interessensvertretung gelegt. Er vertritt 21 Verbände und weitere assoziierte Organisationen. Durch die intensive, mitgliedergetragene Arbeit am Gründungsprozess hat er eine klare Vision entwickelt, welche ihm bei der Positionierung des Verbandes, der Planung erster Projekte sowie dem Auftreten in politischen Gremien hilft. Als erste kommerzielle Dienstleistung schult ROPSA Bauernorganisationen, die sich unter dem neuen Genossenschaftsgesetz registrieren müssen.

Durch verstärkte Mitgliederorientierung und Führungskräftetrainings hat die regionale, bauerngetragene Entwicklungsorganisation ADECOD (Association pour le développement communautaire durable) ihre Mitgliederzahl von 4.000 auf 10.000 erhöhen können. Ausgewählte Bauern wurden zu Unternehmertrainern ausgebildet und trainieren nun im Auftrag der Organisation andere Mitglieder.

Indien

Der indische biodynamische Bauernverband BDAI (Bio-Dynamic Association of India) vertritt circa 60.000 Bäuerinnen und Bauern Indiens, die nach Demeter-Standard produzieren. Auch hier unterstützten AHA und DBV den Visions- und Strategieprozess.

Für die erste neue Dienstleistung hat sich BDAI von Demeter International formell akkreditieren lassen, um nun in Indien eine lokale Zertifizierung nach diesem Standard anbieten zu können. Dank reduzierter Kosten können nun auch kleine Bauern das hochwertige Label erhalten.

Laufzeit: Februar 2015 bis August 2023

BMZ-Beitrag: bis zu 16,5 Millionen Euro

Ein Bauer kontrolliert seine Orangenbäume.
Zusammenarbeit mit dem Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverband (DGRV)

Hilfe zur Selbsthilfe

Genossenschaften – ob im Finanzsektor, Handel, Handwerk und in der Landwirtschaft – tragen wesentlich zur Entwicklung eines Landes bei, denn sie bauen auf lokaler Initiative und Wirtschaftskraft auf und bieten ihren Mitgliedern einen unmittelbaren Mehrwert.

Als Dachverband fördert der Deutsche Genossenschafts- und Raiffeisenverband (DGRV) das Genossenschaftswesen – und das seit 1972 im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit auch auf internationaler Ebene. Mit seinen 22 Millionen Mitgliedern ist der DGRV eine der größten Wirtschaftsorganisationen in Deutschland und ein wichtiger Partner des Bundesentwicklungsministeriums (BMZ) bei der Sozialstrukturförderung. Das gemeinsame Engagement zielt darauf ab, im Sinne einer Hilfe zur Selbsthilfe gesellschaftliche Strukturen so zu verändern, dass sich die Lebensbedingungen armer Bevölkerungsgruppen verbessern.

Der DGRV fördert unter anderem den Aufbau von bäuerlichen sowie von Spar- und Kreditgenossenschaften und entwickelt Aus- und Weiterbildungskonzepte und Prüfungssysteme. Politische Entscheidungsträger berät der Verband dabei, die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass sie genossenschaftliche Zusammenschlüsse begünstigen.

Grüne Innovationszentren

Im Rahmen seiner Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger" (SEWOH) hat das BMZ in 15 Partnerländern Grüne Innovationszentren ins Leben gerufen (mehr dazu lesen Sie hier). Im Rahmen dieses Vorhabens arbeitet das BMZ auch mit dem DGRV zusammen:

  • In Indien kooperiert das Grüne Innovationszentrum bereits seit 2015 erfolgreich mit dem DGRV und unterstützt den Aufbau und die Stärkung marktorientierter bäuerlicher Organisationen (sogenannten Farmer Producer Organisations). Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit stehen Trainings von Multiplikatoren und Führungskräften innerhalb der Bauernorganisationen.
  • In Kenia wurden Möglichkeiten der Zusammenarbeit von deutschen und kenianischen (Land-) Frauengruppen geprüft. Das dortige Grüne Innovationszentrum fördert die Wertschöpfungsketten Milch, Süßkartoffel und Gemüse. Eine erste Kooperation ist zwischen dem Bayerischen Landfrauenverband und einer Kooperative von Milchbäuerinnen, die vom DGRV unterstützt wird, vorgesehen.
  • In Deutschland beteiligte sich der DGRV an der Planung, Finanzierung und Durchführung einer internationalen Expertenkonferenz zum Thema Genossenschaften in der Land- und Ernährungswirtschaft, die im April 2017 in Feldafing stattfand. 65 Expertinnen und Experten aus 13 Ländern machten deutlich, dass die Förderung genossenschaftlicher Strukturen von überragender Bedeutung ist, um die wirtschaftlichen Potenziale von Kleinbauern sowie kleinen und mittelgroßen Betrieben der Nahrungsmittelverarbeitung in den SEWOH-Partnerländern ausschöpfen zu können.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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