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November

Rede des Parlamentarischen Staatssekretärs Thomas Silberhorn zum Start der InsuResilience Global Partnership


 am 14. November 2017 in Bonn

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrter Herr Premierminister und Präsident der COP23,
Exzellenzen,
sehr geehrte Damen und Herren,

Harvey, Irma, Maria: Diese Wirbelstürme haben in den letzten Monaten Hunderttausenden die Existenzgrundlage geraubt. Schwerste Monsunregen haben allein in Bangladesch die Ernte von 1,5 Millionen Bäuerinnen und Bauern vernichtet und damit ihre Lebensgrundlage.

Die Tendenz ist steigend. Statistiken zeigen: Heute gibt es dreimal so viele Naturkatastrophen wie noch 1980. Die direkten wirtschaftlichen Schäden werden auf mindestens 300 Milliarden Dollar im Jahr geschätzt.

Und ausgerechnet da, wo der Klimawandel am spürbarsten zuschlägt, sind die Menschen am wenigsten geschützt. In ein paar Jahren werden drei Viertel der Weltbevölkerung in solchen Gegenden leben! Heute schon rutschen jedes Jahr 26 Millionen Menschen aufgrund des Klimawandels zurück in Armut.

Für viele Menschen in vulnerablen Ländern geht es schon heute ums Überleben. Für diese Menschen brauchen wir Lösungen!

Eine entschlossene internationale Klimapolitik muss:

  1. den Klimawandel bremsen. Das Pariser Abkommen muss konsequent umgesetzt werden, das Ziel heißt: 1,5 Grad.
  2. Investitionen in Anpassung fördern und damit Schäden vorbeugen.
  3. innovative Lösungen für das Restrisiko entwickeln, damit Menschen mit den verbleibenden Risiken umgehen können.

Es darf nicht sein, dass wir bei Naturkatastrophen immer wieder von Neuem feststellen, dass wir uns früher hätten vorbereiten sollen – und können! Internationale Klimapolitik braucht einen Paradigmenwechsel. Wir müssen von der reinen Beseitigung der Schäden hin zu mehr Vorsorge kommen.

Arme und verwundbare Menschen, Unternehmen und Staaten sollen selbst proaktive Risikomanager werden. Sie sollen in der Lage sein, ihre Risiken zu mindern. Im Schadensfall sollen sie rasch und wirksam Hilfe bekommen – nicht als Bittsteller, sondern mit Rechtsanspruch.

Klimarisikofinanzierung und Klimarisikoversicherungen leisten genau das:

Die karibische Klimaversicherung CCRIF hat nach den Tropenstürmen Irma und Maria innerhalb von zwei Wochen an die betroffenen Länder 62 Millionen US Dollar ausgezahlt. Damit wurden Medikamente gekauft, Notunterkünfte gebaut und Schulen und Straßen instandgesetzt.

Die Dürreversicherung African Risk Capacity nutzt Notfallpläne. Das ist die Grundlage, dass Versicherungsauszahlungen schnell und gezielt bei den besonders Bedürftigen ankommen.

Vor zwei Jahren bekamen in Niger, Senegal und Mauretanien 1,3 Millionen Menschen Hilfe, 26 Millionen US-Dollar wurden ausgezahlt. Das hat Existenzgrundlagen gesichert! 40 Prozent der Befragten im Senegal gaben an, dass die Hilfe dazu geführt hat, dass sie an ihrem Heimatort bleiben konnten.

Damit sich noch mehr Menschen schützen können, brauchen Klimarisikofinanzierung und -versicherungen eine breitere Basis: mehr Instrumente und mehr Partner! Heute sind hier versammelt: Vertreter der G20, der Gruppe der Vulnerablen Staaten V20, die Weltbank und andere Internationale Organisationen, die Zivilgesellschaft und die Forschung.

Und wir starten heute die InsuResilience Global Partnership. Deutschland hat gemeinsam mit Großbritannien, der Weltbank und der äthiopischen V20-Präsidentschaft einen ersten Vorschlag für eine solche Globale Partnerschaft erarbeitet.

Unser Ziel: Wir wollen maßgeschneiderte Ansätze entwickeln – für Katastrophenvorsorge, Risikominderung und für den Ausbau von Finanzierungs- und Versicherungslösungen. Und zwar länderspezifisch und mit besonderem Blick auf arme und vulnerable Menschen.

Die Idee: Alle Akteure arbeiten gemeinsam an Lösungen: Entwicklungs- und Industrieländer, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und vor allem die Versicherungswirtschaft und große Investoren.
Im sogenannten InsuResilience Forum bringen wir die künftigen Nutzer zusammen. Wir wollen Wissen und Erfahrungen austauschen. Und auf dieser Basis innovative Lösungen und neue Produkte entwickeln, die dem jeweiligen Bedarf entsprechen.

Übermorgen starten wir diesen Prozess. Am 16.11. werden 200 Fachleute und Entscheidungsträger zusammenkommen.

Aber jede gute Idee braucht auch eine Umsetzungsstruktur, um Wirklichkeit zu werden. Deshalb sehen wir die Programme Alliance der InsuResilience Global Partnership vor. Sie soll der Motor für die Umsetzung der Partnerschaft sein.

Ihre Aufgaben:

  • Datenerfassung und Analyse von Risiken, damit Finanz- und Versicherungsprodukte gezielt entwickelt werden können;
  • konkrete Beratung zu Anpassung und Risikovorsorge;
  • smarte Investitionen in Klimarisikofinanzierung und -versicherungen.
  • Und wir wollen Innovation vorantreiben.
  • Dabei kann es sowohl um Pool-Finanzierungen wie PCRAFI im Pazifik oder die African Risk Capacity gehen, als auch um Direktversicherungen für Kleinbauern oder Kooperativen.

Damit schließen wir Schutzlücken und erreichen mehr Menschen!

Die Allianz unterfüttert die Umsetzung der InsuResilience Partnership mit den nötigen Ressourcen. Das Entwicklungsministerium wird mit 125 Millionen US Dollar unterstützen!

Meine Damen und Herren, Klimapolitik ist eine Gemeinschaftsaufgabe. In diesem Geiste wollen wir heute gemeinsam mit V20- und G20-Vertretern, der Weltbank, unseren Partnern aus Großbritannien und Vertretern der Zivilgesellschaft und der Versicherungswirtschaft die InsuResilience Global Partnership starten. Wir laden Sie ein, mitzumachen – denn gemeinsam sind wir stärker.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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