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November

Rede des Parlamentarischen Staatssekretärs Thomas Silberhorn bei der Verleihung des Else-Kröner-Fresenius-Preises für Medizinische Entwicklungszusammenarbeit


 am 9. November 2017 in Berlin

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Teilnehmerinnen und Teilnehmer,
sehr geehrte Damen und Herren,

herzlich willkommen im BMZ, und – zum zweiten Mal in Folge – zur Verleihung des Else-Kröner-Fresenius-Preises für Medizinische Entwicklungszusammenarbeit! Ein guter Anlass, innezuhalten und Bilanz zu ziehen.

Um 1950 herum – Else Kröner, die spätere Stiftungsgründerin, leitete da seit ein paar Jahren die Firma Fresenius – hatte nur ein Prozent der Weltbevölkerung eine Lebenserwartung von über 70 Jahren. Heute kann über die Hälfte aller Menschen darauf hoffen, so alt zu werden.

Auch dank moderner Medizintechnik, auch dank des Engagements von Stiftern und Philanthropen wie der Else-Kröner-Fresenius-Stiftung. Gerade in den letzten Jahren gab es global große Erfolge im Bereich der Gesundheit: Polio zum Beispiel ist fast ausgerottet, die Zahl der HIV/Aids-Neuinfektionen seit 2000 um 40 Prozent zurückgegangen.

Und dennoch: Wir sind noch lange nicht am Ziel. Jeden Tag sterben mehr als 2.000 Kinder an den Folgen von Durchfallerkrankungen. Malaria tötet jede Minute ein Kind. Zwei vermeidbare Krankheiten, die mit einfachen Mitteln zu behandeln sind. Weltweit fehlen 17 Millionen Ärzte und Ärztinnen, Pfleger und Hebammen – vor allem in Entwicklungsländern. Etwa eine Milliarde Menschen hat keinerlei Zugang zu medizinischer Versorgung. Damit dürfen wir uns nicht abfinden! Und wir tun es auch nicht.

Deshalb hat sich die deutsche Bundesregierung in der diesjährigen G20-Präsidenschaft so für das Thema "Gesundheit" stark gemacht. Deshalb verfolgt die deutsche Entwicklungspolitik das Thema Gesundheit so kontinuierlich, verlässlich und hartnäckig. Deutschland ist weltweit drittgrößter staatlicher Geldgeber im Gesundheitsbereich, zurzeit mit rund 750 Millionen Euro im Jahr. Und wir geben nicht allein Geld, wir geben auch inhaltlich Impulse für die so dringliche Stärkung von Gesundheitssystemen weltweit.

Doch Regierungen alleine können diese Ziele nicht erreichen. Die globalen Probleme der Gegenwart können wir nur in globalen Partnerschaften lösen. Partnerschaften zwischen Ländern, aber auch zwischen allen Sektoren der Gesellschaft. Denn allein mit öffentlichen Geldern sind die großen Herausforderungen nicht zu stemmen.

Es braucht die Wirtschaft als Entwicklungsmotor, die Zivilgesellschaft als Antreiber, die Kommunen als Träger von großem Know-how und die Stiftungen mit ihren oft innovativen Ansätzen. Entwicklung braucht starke Partner. Wir sind sehr froh, in der Else-Kröner-Fresenius Stiftung einen solchen starken Partner gefunden zu haben.

Die Stiftung verfügt nicht nur über ein großes Vermögen – bis heute hat sie beeindruckende 1.650 Projekte im Gesamtvolumen von circa 300 Millionen Euro gefördert. Sie verfügt auch über großes Wissen und Erfahrung, über wichtige Kontakte und Netzwerke. Stiftungen können oft schneller und flexibler handeln; sie erreichen ganz andere Zielgruppen und können mehr Menschen motivieren, sich zu engagieren. Sie machen soziales Engagement sichtbar. Dafür steht auch der Else-Kröner-Fresenius-Preis für Medizinische Entwicklungszusammenarbeit!

Wir von unserer Seite bringen langjährige Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit unseren Partnerländern mit. Wir haben Netzwerke von Experten und direkte Kontakte, vor allem auch zu den Regierungen vor Ort. Wir bieten Ihnen, den Stiftungen, Strukturen, auf denen Sie aufbauen können. Unser Wissen, unsere Möglichkeiten ergänzen sich bestens mit denen der Stiftungen. Darum wollen wir unsere gemeinsamen Initiativen weiter ausbauen und tun dies auch bereits.

Bei der Preisverleihung im vergangenen Jahr konnte ich von der Geburt einer gemeinsamen Initiative mit der Else-Kröner-Fresenius-Stiftung berichten – den Klinikpartnerschaften. Da schließen sich deutsche Kliniken und solche in Entwicklungsländern zusammen, gemeinsam finanziert von der Else-Kröner-Fresenius-Stiftung und dem BMZ. Im Kern geht es darum, unser Wissen und unsere Erfahrungen weiterzugeben, Innovationen anzustoßen und Fachkräfte auszubilden. Vor etwas über einem Jahr war das noch eine gemeinsame Vision, in die sich Ihre Stiftung von Anfang an mit großem Elan nicht allein finanziell, sondern auch inhaltlich und konzeptionell eingebracht hat.

Heute können wir bereits mit Stolz sagen: Diese Kooperation ist ein großer Erfolg! Das Interesse deutscher Kliniken und zivilgesellschaftlicher Organisationen an der Initiative ist enorm.

Derzeit fördern wir bereits 51 Partnerschaften in 27 Ländern. Weitere 57 Projektideen wurden von interessierten Partnern vor kurzem eingereicht. Wir freuen uns darauf, eine Auswahl dieser Projekte ab 2018 zu finanzieren. Und mehr noch freuen wir uns auf Kooperationen in weiteren Bereichen mit Ihrer Stiftung!

Erfolge braucht es unbedingt auf dem Gebiet der Mutter-Kind-Gesundheit. In diesem Bereich wurden die Millenniumsentwicklungsziele am weitesten verfehlt. Noch immer sind Geburten für Frauen in vielen Ländern ein Hochrisiko-Ereignis. Und allein im vergangenen Jahr starben knapp sechs Millionen Kinder im Alter von unter fünf Jahren. Mehr als die Hälfte dieser Kinder könnte heute noch leben, hätten sie Zugang zu grundlegenden Gesundheitsdiensten gehabt.

Darum widmen wir den heutigen Abend und die diesjährige Preisverleihung der Else-Kröner-Fresenius-Stiftung für medizinische Entwicklungszusammenarbeit der Mutter-Kind-Gesundheit. Die Else-Kröner-Fresenius-Stiftung legt ihren Förderschwerpunkt bereits auf diesen Bereich. Mehr als die Hälfte aller geförderten Projekte betreffen die Gesundheit von Kindern und Müttern, mit dem starken Fokus auf Nachhaltigkeit, vor allem im Bereich der Ausbildung von pädiatrischen Fachkräften.

Gemeinsam mit der Else-Kröner-Fresenius-Stiftung möchten wir einen Beitrag zur Verbesserung der Mutter-Kind-Gesundheit leisten – und mit dem Förderpreis das Engagement der Preisträgerinnen und Preisträger würdigen.

Ihnen allen danke ich sehr für Ihren Einsatz, der vielen Menschen in unseren Partnerländern zugute kommt und uns allen Mut macht.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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