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Mai

Wie können die deutsche Entwicklungszusammenarbeit und Privatwirtschaft zum Ziel 6 (Verfügbarkeit Wasser) der Agenda 2030 beitragen und dabei Fluchtursachen mindern?


Rede des Parlamentarischen Staatssekretärs Thomas Silberhorn bei der 10. Jahrestagung der German Water Partnership am 16. Mai 2017 in Berlin

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Damen und Herren,

I. Wasserressourcen stehen global unter Druck

Hier in Deutschland verbraucht jeder Mensch circa 130 Liter Wasser pro Tag. Für den Großteil der Menschheit ein unvorstellbarer Luxus!

Weltweit leben vier Milliarden Menschen mindestens einen Monat pro Jahr mit schwerer Wasserarmut. Das sind zwei Drittel der weltweiten Bevölkerung! Für fast die Hälfte ist dies ein mehr als sechs Monate anhaltender Dauerzustand. Mit gravierenden Auswirkungen auf die Lebensqualität, die nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung und die regionale Stabilität.

Trotz der Anstrengungen zur Erreichung der Millenniumentwicklungsziele müssen weiterhin 1,8 Milliarden Menschen verunreinigtes und damit gesundheitsgefährdendes Wasser trinken. 2,4 Milliarden leben ohne adäquate Sanitärversorgung.

Wasserbezogene Risiken gehören – laut dem Weltwirtschaftsforum – zu den fünf globalen Risiken mit der größten Eintrittswahrscheinlichkeit und dem größten Schadenspotenzial.

Der Klimawandel verschärft die Situation. Wasserbezogene Extremwetterereignisse und Katastrophen wie Fluten und Dürren werden vielerorts häufiger und heftiger werden. Knapp ein Drittel der 2015 weltweit neu hinzugekommenen Binnenflüchtlinge (insgesamt 8,3 Millionen Menschen) verließ seine Heimat aufgrund von Überflutungen.

Zugleich steigt durch Wirtschaftswachstum, Bevölkerungswachstum und Urbanisierung der globale Wasserbedarf. Nach Schätzungen der OECD bis zum Jahr 2050 um 55 Prozent!

II. Wasser als Fluchtursache 

Mangelnde Ressourcen können die Konkurrenzen um die Wassernutzung verschärfen und somit zu Migration und Konflikten beitragen. Investitionen in besseres Wasserressourcenmanagement ist daher direkte Konfliktprävention und dient damit auch der Minderung von Fluchtursachen.

Die Nachbarländer Syriens oder des Südsudans nehmen große Zahlen an Flüchtlingen auf. Die zusätzliche Versorgung für hunderttausende Flüchtlinge sicherzustellen, ist für diese Länder eine enorme Herausforderung. Unterversorgung an Wasser erzeugt humanitäre Notlagen und  kann zu Seuchen und Konflikten mit der einheimischen Bevölkerung führen.

Deutschland unterstützt daher die Aufnahmeländer nicht nur mit humanitärer Hilfe, sondern auch und gerade mit Investitionen in die Wasser- und Sanitärversorgung. Zum Beispiel fördern wir im Norden Jordaniens mit 13 Millionen Euro den Bau einer Wasserpipeline, die die Wasserversorgung für die jordanische Bevölkerung und die syrischen Flüchtlinge verbessert.

Ein Großteil der Flüchtlinge in den aufnehmenden Gemeinden sind Frauen und Kinder. Wasser- und Sanitärversorgung spielen für sie eine besondere Rolle, da sie eng mit der Gesundheit und der Menschenwürde zusammenhängen.

Wir haben daher ein Programm "Sanitations for Millions" ins Leben gerufen, das die Sanitärversorgung an Schulen und im öffentlichen Raum in flüchtlingsaufnehmenden Gemeinden verbessert. Dadurch werden Toiletten an Schulen gebaut und rehabilitiert. Auch die ordnungsgemäße Entsorgung der Abwässer spielt eine große Rolle. Hier gibt es einen Bedarf, Know-how aus Deutschland in die Partnerländer zu transferieren.

Vor allem geht es bei Sanitation for Millions darum, sicherzustellen, dass die Sanitäranlagen ordnungsgemäß benutzt, gereinigt und gewartet werden. Die Ausbildung von Hausmeistern und Installateuren wird dabei mitgedacht und schafft berufliche Perspektiven.

III. Globale Ziele für nachhaltige Entwicklung 

Die Weltgemeinschaft hat sich 2015 mit der 2030 Agenda auf ehrgeizige Ziele zur nachhaltigen Entwicklung geeinigt, darunter Ziel Nummer 6: Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärversorgung für alle.

Um den neuen Herausforderungen der Agenda 2030 und der Klimaagenda gerecht zu werden, haben wir eine neue Strategie für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit im Wassersektor entwickelt. Kernziele sind die Wahrung der Wassersicherheit und die Minderung von Fluchtursachen.

Dabei wollen und müssen wir auch den Privatsektor stärker einbinden. Denn leistungsfähige private oder öffentliche Versorger sichern nicht nur den nachhaltigen Betrieb und bieten die nötigen technischen und organisatorischen Kapazitäten, sondern weiten die Versorgung auch sukzessive aus.

Betreiberpartnerschaften zwischen Wasserversorgern aus dem Norden und dem Süden, aber auch zwischen Wasserversorgern des Südens helfen die Nachhaltigkeit der deutschen Entwicklungszusammenarbeit im Wassersektor zu gewähren.

Ich freue mich, dass GWP sich in ihrem neuen Positionspapier "Fluchtursachen bekämpfen" klar zur Unterstützung der Versorgungsstrukturen in aufnehmenden Gemeinden und Krisenregionen ausspricht. Durch bessere Wasser- und Sanitärversorgung kann die deutsche Wasserwirtschaft einen wichtigen Beitrag zu den Zielen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit leisten.

IV. Weißbuch zur Beteiligung der deutschen Wasserwirtschaft in Jordanien

Im November letzten Jahres fand auf Initiative von Minister El Naser und mir in Jordanien der "deutsch-jordanische Wasserdialog" statt. Er wurde gemeinsam mit der GWP veranstaltet und diente als Plattform zwischen deutschen Unternehmen, jordanischen Institutionen des Wassersektors und Organisationen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.

Ziel war es, ganz konkrete Ansatzpunkte für eine verstärkte zukünftige Zusammenarbeit zu identifizieren – aufbauend auf einer Reihe von positiven Beispielen, die in Jordanien bereits existieren.

Das Resultat ist ein "Weißbuch" zur Beteiligung der deutschen Wasserwirtschaft in Jordanien. Über die letzten Monate ist es als gemeinsames Produkt des jordanischen Wasserministeriums und der GWP erstellt worden. Es freut mich, dass wir es heute bei der GWP-Jahrestagung gemeinsam mit Minister El Naser lancieren können.

In dem Papier ist es gelungen, eine Reihe von sehr konkreten möglichen Kooperationsfeldern und -modalitäten herauszuarbeiten. Ich hoffe sehr, dass dies für die Zukunft einen Schub für eine noch stärkere Beteiligung der deutschen Wasserwirtschaft in Jordanien geben wird. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit wird – wo immer möglich – hierbei als Fazilitator und Unterstützer auftreten wird.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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