Hauptinhalt

Mai

"Der Marshallplan mit Afrika"


Rede des Parlamentarischen Staatssekretärs Thomas Silberhorn am 12. Mai 2017 bei der IHK Nürnberg für Mittelfranken

Es gilt das gesprochene Wort!

Exzellenzen,
sehr geehrte Damen und Herren,


in gewisser Weise sind Sie uns einen Schritt voraus: Die IHK Nürnberg für Mittelfranken hat bereits 2016 ihre eigene Afrika-Initiative ins Leben gerufen. Sie bieten Unternehmen eine Plattform, um sich über  das Afrika-Geschäft zu informieren, auszutauschen und zu vernetzen. Auch über unsere staatlichen Förderprogramme der Entwicklungszusammenarbeit informieren Sie Ihre Mitgliedsunternehmen. Dafür ein herzliches Dankeschön!

Wir ziehen nach, denn wir glauben daran, dass unsere Angebote und unsere Zusammenarbeit mit deutschen Unternehmen noch besser und noch wirkungsvoller sein können. Wir wollen private Investitionen und Know-how mit unseren Entwicklungsgeldern hebeln. Das ist ein Fokus der Eckpunkte für einen Marshallplan mit Afrika.

Warum ein Marshallplan mit Afrika? Nach dem Zweiten Weltkrieg hat der Marshallplan für Deutschland und Europa den Wiederaufbau ermöglicht. Er bestand nicht nur aus finanziellen Zuwendungen. Er spiegelte auch den starken politischen Willen wider, Wohlstand für die breite Bevölkerung zu schaffen. Genau das brauchen wir auch in Afrika.

Die historischen Umstände lassen sich vielleicht nicht vergleichen – aber die Kraftanstrengungen, die notwendig sind, werden so verdeutlicht. Wir sind überzeugt, dass wir eine neue Dimension der Zusammenarbeit mit Afrika brauchen. Mit neuen Ansätzen und neuen Instrumenten.

Die deutsche G20 Präsidentschaft hat Afrika zu ihrem Schwerpunktthema gemacht: Das ist ein wichtiges Signal!

Auf all meinen Reisen durch afrikanische Länder konnte ich sehen: Afrika ist ein junger, dynamischer und optimistischer Kontinent, voller Energie, Ideenreichtum und Antrieb.

Afrika ist aber auch ein Kontinent der Herausforderungen:

  • Ein Drittel der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze von 1,90 US-Dollar pro Tag. Jeder Fünfte leidet an Hunger, soziale Sicherungssysteme sind schwach. Die Hälfte der Bevölkerung hat keinen Zugang zur Stromversorgung.
  • Afrika wird sich in einer Generation verdoppeln, auf 2,4 Milliarden Menschen im Jahr 2050. Das Durchschnittsalter liegt bereits heute bei 17 Jahren. Das sind Millionen junge Menschen, die Schulen, Ausbildungsplätze, Universitäten, aber vor allem Jobs brauchen. Afrika braucht jedes Jahr etwa 20 Millionen neue Arbeitsplätze.

Uns ist klar: Um all diese Herausforderungen anzugehen, reicht klassische Entwicklungszusammenarbeit nicht aus. Aus diesem Grund sind die Eckpunkte für einen Marshallplan mit Afrika kein bloßer Finanzierungsplan, wie es der ursprüngliche Marshallplan war, sondern vor allem ein Mobilisierungsplan.

Kein Markt der Welt hat mehr Entwicklungspotenzial als Afrika!

  • 2035 wird der Kontinent das größte Arbeitskräfte-Potenzial der Welt haben.
  • In Afrika liegt der am schnellsten wachsende IKT-Markt.
  • Es gibt riesige ungenutzte Potenziale für erneuerbare Energien.
  • In den letzten drei Jahren wurden in Afrika bereits 70 Prozent mehr private Unternehmensbeteiligungen abgeschlossen als in den drei Jahren zuvor.
  • Afrika ist so groß, dass man darin die USA, China, Indien, Japan und fast ganz Europa unterbringen könnte!

In den Eckpunkten für einen Marshallplan mit Afrika setzen wir auf einen katalytischen Einsatz von Entwicklungsgeldern.

  • Wir wollen Partnerregierungen unterstützen, um mehr Eigeneinnahmen zu generieren.
  • Wir wollen Investitionsbedingungen stärken, um damit Arbeitsplätze vor Ort zu schaffen.
  • Unser gemeinsames Ziel ist es wirtschaftlich, ökologisch und sozial nachhaltige Einkommensperspektiven in Afrika zu schaffen.

Deutsche Unternehmen und Investoren sind dabei wichtige Partner! Ihre Region ist ein gutes Beispiel dafür, was den "deutschen Mittelstand" weltweit so erfolgreich macht. Das wird im Ausland hoch angesehen. Sie sind großartige Botschafter unseres Landes.

Afrikanische Partner arbeiten gerne mit deutschen Unternehmen zusammen. Aber gerade einmal zwei Prozent der deutschen Ex- und Importe werden mit dem afrikanischen Kontinent abgewickelt.

Von etwa 400.000 deutschen Unternehmen, die im Ausland aktiv sind, sind nur etwa 1.000 in Afrika tätig.

Hier ist noch viel Luft nach oben. Wir wollen Hürden für ausländische, deutsche, aber auch vor allem lokale Unternehmen beseitigen.

An fünf Stellschrauben setzen wir an:

  1. Rahmenbedingungen vor Ort verbessern,
  2. Außenwirtschaft fördern,
  3. Handel fair gestalten,
  4. mehr Ausbildung ermöglichen,
  5. internationale Partner einbinden. 
1. Stellschraube: Rahmenbedingungen für ein gutes Investitionsklima in Afrika stärken

Niemand investiert, wo Gewinne gefährdet sind und Eigentum unsicher ist. Ein sicherer Rechtsrahmen, stabile und effiziente Institutionen sind die Grundvoraussetzung für Investitionen.

Im Rahmen der G20 erarbeiten wir gemeinsam mit dem Bundesfinanzministerium Investitionspartnerschaften mit interessierten afrikanischen Ländern. Ziel sind verbesserte Rahmenbedingungen für mehr Privatinvestitionen, mehr Jobs und mehr Wohlstand.

Außerdem setzten wir uns – auch im Rahmen der G20 – gegen Steuervermeidung und für mehr Eigeneinnahmen ein! Denn Afrika entgehen jährlich rund 100 Milliarden Dollar – doppelt so viel Geld wie alle jährlichen Entwicklungsgelder. Afrikaweit unterstützen wir die Ausbildung von Steuerbeamten, Rechnungshöfen und Finanzministerien bei moderner Haushaltsplanung.

Für kleine und mittlere Unternehmen – sie beschäftigen rund 80 Prozent aller Erwerbstätigen in Afrika – arbeiten wir gemeinsam mit KfW, Weltbank, AfDB und lokalen Banken an besseren Finanzdienstleistungen wie Krediten, Lokalwährungsdarlehen und Risikoabsicherungen.

Auch vom Ausbau der Energieversorgung hängen die Chancen für Unternehmen ab. Experten schätzen, dass die Energienachfrage Afrikas bis 2040 um 80 Prozent zunehmen wird. Wir werden deshalb noch mehr als bisher in den Ausbau erneuerbarer Energien investieren!

2. Stellschraube: Außenwirtschaftsförderung

Wir wollen Sie noch mehr als bisher einbinden und werden Sie mit unseren Instrumenten noch mehr als bisher unterstützen. So investieren wir als BMZ deutlich mehr Geld: Die Mittel für die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft wurde um mehr als die Hälfte erhöht, auf jetzt 126 Millionen Euro.

"Mehr Hermes für Afrika" hatten wir versprochen - und das Versprechen gehalten: Lieferungen und Leistungen an öffentliche Auftraggeber können jetzt auch durch staatliche Exportkreditgarantien in Äthiopien, Ghana, Mosambik, Nigeria, Tansania, Kenia, Senegal und Uganda abgesichert werden. Das ist ein wichtiges Signal für das Afrika-Engagement deutscher Exportunternehmen.

Wir setzen uns weiter ein für mehr Doppelbesteuerungsabkommen und für die Absenkung des Selbstbehalts bei Bundesgarantien.  

Und wir stellen unsere Expertise zur Verfügung, denn Projektentwicklung kostet Zeit und Geld. Da schreckt es ab, wenn man den lokalen Markt nicht kennt. Wir haben spezielle Programme, etwa für Machbarkeitsstudien (MBS) und Beratungen gemeinsam mit dem Netz der Außenhandelskammern.

Mit unserem developpp.de-Programm unterstützen wir Entwicklungspartnerschaften. Allein in diesem Moment laufen in Afrika mehr als 100 solcher gemeinsamer Projekte von Entwicklungspolitik und Privatwirtschaft. Das BMZ hat bisher über 325 Millionen Euro für dieses Programm bereitgestellt, die Unternehmen mehr als 560 Millionen Euro. Für die beteiligten Unternehmen sind diese Partnerschaften oft Türöffner zu neuen Märkten.

3. Stellschraube: Handel stärken

Handelskosten in Afrika sind oft zu hoch; die Märkte sind zu klein; WTO-Standards werden oft noch nicht erfüllt. Darum ist uns Aid for Trade so wichtig: für eine leistungsfähige Qualitätsinfrastruktur damit afrikanische Waren die Anforderungen der Zielmärkte erfüllen. Wir unterstützen bei Umwelt-, Gesundheits- und Arbeitnehmerschutzstandards.

Als Mitglied der Globalen Allianz für Handelserleichterungen helfen wir zum Beispiel, Zoll-Systeme zu stärken. Das schafft mehr Sicherheit für Unternehmen beim grenzüberschreitenden Handel.

4. Stellschraube: Berufsbildung fördern

Sie wissen es aus erster Hand. Fachkräfte, vor allem gut qualifizierte, sind ein großes Hemmnis für Unternehmen in Afrika. Daher haben wir Berufsausbildung zu einem unserer Schwerpunkte gemacht. Gemeinsam mit der Afrikanischen Union haben wir die "Skills Initiative for Africa" entwickelt. Das Ziel: verbesserte Berufsausbildung, insbesondere für Mädchen und Frauen, in Kenia, Tunesien, Nigeria, Kamerun und Südafrika. 15 weitere Länder werden folgen.

In Kenia haben wir die Berufsschulinitiative gemeinsam mit der Privatwirtschaft gestartet. In den nächsten fünf Jahren sollen 5.000 junge Menschen ausgebildet werden – gemeinsam mit der Privatwirtschaft und für die Privatwirtschaft. Deutsche Unternehmen haben enormes Know-how in Qualitätsausbildung. Einige von Ihnen hier im Raum engagieren sich bereits. Vielen Dank!

5. Stellschraube: Internationale Kooperation für Afrika ausbauen

Bessere Wirkung werden wir nur erzielen, wenn wir mit vielen Partnern gemeinsam handeln. Wir unterstützen daher Kapitalerhöhungen in multilateralen Entwicklungsbanken. Wir setzen uns in Handelsabkommen für soziale und ökologische Standards ein.

Deutschland nutzt die G20-Präsidentschaft und rückt Afrika in den Fokus. Und wir machen uns in der EU stark für einen erfolgreichen EU-Afrika-Gipfel. Ziel ist es, mit EZ-Mitteln 44 Miliarden Euro Investitionen in Afrika zu mobilisieren.

Meine Damen und Herren,

gute wirtschaftliche Entwicklung für Afrika muss unser gemeinsames Ziel werden.

Ein afrikanischer Minister sagte uns kürzlich: Ich will lieber 10 deutsche Firmen als 10 Prozent mehr Geld. Das ist der Ansatz, den der Marshallplan mit Afrika unterstützt.

Armut kann überwunden werden. Und Unternehmen mit Geschäftssinn und mit Gemeinsinn gehören zu den wichtigsten Motoren!

  • Wo die Wirtschaft nachhaltig wächst und die Armut schwindet, entstehen Zukunftsperspektiven.
  • Wo Unternehmen auf qualifizierte und gesunde Arbeitskräfte zurückgreifen können, steigen Produktivität, Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand.
  • Wo die Umwelt durch nachhaltige Produktion und Produkte geschützt wird, können Ressourcen nachwachsen und die Schöpfung bewahrt werden.

Unsere Aufgabe als Entwicklungsministerium ist es, unsere afrikanischen Partner auf diesem Weg zu unterstützen. Und dies funktioniert am besten, wenn Unternehmen und Entwicklungszusammenarbeit ihre Ressourcen und ihr Know-how bündeln. Denn ohne Wirtschaft gibt es keine Entwicklung, und ohne Entwicklung können auch Unternehmen nicht erfolgreich tätig sein.

Lassen Sie uns die Potenziale des Chancenkontinents Afrika gemeinsam nutzen. Wir alle profitieren, wenn dies gelingt!

Lexikon der Entwicklungspolitik

Fenster schließen

 

Seite teilen

BMZ-Adventskalender 2017

Gewinnen Sie 24 Einblicke in die deutsche Entwicklungszusammenarbeit und mit etwas Glück eine Überraschung!

Hier geht es zum BMZ-Adventskalender 2017!