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April

Rede des Parlamentarischen Staatssekretärs Thomas Silberhorn bei der Veranstaltung "Deutsche Stiftungen = Globales Wirken?"


am 28. April 2017 im Haus Deutscher Stiftungen in Berlin

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Damen und Herren,

"Wir leben in Zeiten, in denen soziale, ökologische und politische Herausforderungen nicht mehr an Grenzen halt machen", schreiben Sie, lieber Herr Oldenburg, in Ihrem StiftungsReport zur Entwicklungszusammenarbeit.  

Ich kann Ihnen nur beipflichten und bin nach der Lektüre beeindruckt, wie vielfältig und zahlreich sich deutsche private Stiftungen schon heute entwicklungspolitisch engagieren. Dies sowohl in unseren Partnerländern als auch hier in Deutschland.

Mein Dank gilt daher zunächst dem Bundesverband Deutscher Stiftungen für Ihre Entscheidung, dem Thema Entwick­lungs­zusammenarbeit eine eigenständige Publikation zu widmen.

Ihre Datenbankrecherche und Umfragen bei den Mitgliedern des Bundesverbands zeigen erstmal ganz deutlich auf, wer sich bereits engagiert, mit welchen Motivationen und wo.

Gleichzeitig weist Ihr Bericht in die Zukunft, nämlich auf das große noch ungenutzte Potenzial vieler Stiftungen für die EZ.

Mein Dank geht gleichermaßen an die weiteren Partner dieses Vorhabens: die Karl Kübel Stiftung, das Plan Stiftungszentrum und Engagement Global. Gemeinsam war es möglich, die vielfältigen Facetten des Themas zu beleuchten, aber auch praktische Tipps und Hinweise zusammen zu stellen.

Letztlich geht mein Dank natürlich an alle Stifterinnen und Stifter, die sich bereits heute entwicklungspolitisch engagieren. Eine Vielzahl Ihrer Aktivitäten hat Eingang in den StiftungsReport gefunden und wird andere motivieren, es Ihnen gleich zu tun!

Ich bin mir sicher, dass dieser StiftungsReport für viele Stifterinnen und Stifter nicht nur eine interessante Lektüre darstellen wird, sondern auch ein Rat- und Ideengeber, wo und wie man sich selber engagieren kann, um zur globalen Zukunftssicherung beizutragen.

Sehr geehrte Damen und Herren, auf der Einladung zur heutigen Veranstaltung stellen Sie die Frage "Deutsche Stiftungen = Globales Wirken?". Ich möchte Ihnen hierzu drei Feststellungen meinerseits mit auf den Weg geben:

1. Die "Agenda 2030" bietet Stiftungen einen idealen Rahmen für globales Wirken!

Egal, wo Sie wirken wollen – es werden sich immer die Fragen stellen, was genau Sie erreichen wollen und auch, wie Sie Ihren Erfolg messen können. Es freut mich sehr, dass der StiftungsReport sich vor diesem Hintergrund ausführlich der Agenda 2030 widmet. Mit dieser Agenda hat die Weltgemeinschaft 17 konkrete Ziele für nachhaltige Entwicklung definiert.

Es geht unter anderem um

  • die Beendigung der Armut in jeder Form und überall,
  • um ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters,
  • um inklusive, gerechte und hochwertige Bildung,
  • um nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster, und auch
  • um Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels.

Diese Ziele gehen uns alle an – auch hier in Deutschland! Sie bilden den Handlungsrahmen für die Politik der Bundesregierung und sind in der "Nachhaltigkeitsstrategie für Deutschland" festgehalten.

Sie können auch für Ihre Arbeit einen wichtigen Referenzrahmen darstellen. So werden für insgesamt 169 konkrete Unterziee auf nationaler Ebene regelmäßig Daten erhoben, die für Ihre Erfolgskontrolle nützlich sein können.

2. "Globales Wirken" beginnt in Deutschland!

Entwicklungszusammenarbeit beginnt bei uns daheim. Ob Sie sich für Flüchtlinge einsetzen, für fair gehandelte Produkte oder für globales Lernen an Kitas oder in Schulen: wo immer Sie sich in Deutschland mit internationalen Fragestellungen beschäftigen, wirken Sie auch global.

Es ist daher richtig, dass der StiftungsReport diesem Thema ein eigenes Kapitel widmet, der auch auf Fördermöglichkeiten durch das BMZ hinweist. Ihre Aktivitäten hier in Deutschland sind auch jenseits der finanziellen Aspekte bedeutend: Ihre Stimmen werden gehört und Sie haben Vorbildcharakter – in der breiten Gesellschaft, wie auch bei politischen Entscheidungsträgern.

Heute kommt es mehr denn je darauf an, dass wir uns unserer globalen Verantwortung und Möglichkeiten bewusst sind. Ich möchte Sie ermutigen: Tragen Sie mit Ihrem Engagement dazu bei!

3. Deutsche Stiftungen wirken schon heute global – können dieses Engagement aber noch erheblich steigern!

Laut StiftungsReport haben schon heute über 1.700 Stiftungen einen Bezug zur Entwicklungszusammenarbeit. Das ist eine beeindruckende Zahl. Und doch handelt es sich dabei um nur 6 Prozent aller deutschen Stiftungen.

Unter den Stifterinnen und Stiftern verbirgt sich also noch erhebliches Potential für mehr internationales Engagement!

Die Agenda 2030 verweist ganz explizit auf die wichtigen Beiträge, die Stiftungen – und Philanthropen ganz allgemein –zur Erreichung der 17 Nachhaltigkeitsziele leisten können.  

Oft ist Ihre Arbeit zum Beispiel innovativer und flexibler als unsere staatliche Entwicklungszusammenarbeit. Sie verfügen über eigene Netzwerke, sind gewichtige gesellschaftspolitische Akteure und können auf zusätzliches Kapital zugreifen.

Mein Angebot an Sie lautet: Lassen Sie uns die Nachhaltigkeitsziele, wo immer möglich, gemeinsam angehen und wir werden global noch erheblich mehr bewirken können!

Um Sie in Ihrem entwicklungspolitischem Engagement besser unterstützen zu können, haben wir in den vergangenen Monaten unsere Kooperationsangebote im BMZ erheblich weiterentwickelt. Die Details können Sie dem Service-Kapitel des StiftungsReports entnehmen. Ich möchte daher nur einige wichtige Highlights nennen:

  • Wir haben eine "Servicestelle für Stiftungen und Philanthropen" eingerichtet, über die Sie zentral Beratung und Unterstützung erhalten können.
  • Im Rahmen einer neuen Veranstaltungsreihe "Stiftungen in der Entwicklungszusammenarbeit" laden wir Sie zum fachlichen Austausch und besseren Vernetzung ein.
  • Im Rahmen von "Stiftungsmatchings" bieten wir Ihnen ganz individuell einen Service an, um erfahrene Partner zu finden, die Sie fördern oder mit denen Sie kooperieren können.

Außerdem entwickeln wir "Impact Investment" über die KfW gezielt für die Anlagebedürfnisse privater Stiftungen weiter. Hier können Sie Ihr Kapital entwicklungspolitisch sinnvoll, aber auch finanziell sicher und rentabel in Fonds investieren, die zum Beispiel der Beschäftigungsförderung im Nahen Osten dienen.

Wir sind interessiert an neuen Initiativen mit Stiftungen und Philanthropen.

Dies gilt zum einen für politische Initiativen, wie zum Beispiel im Bündnis für nachhaltige Textilien. Aber auch für operative Aktivitäten in Partnerländern, wie zum Beispiel die neuen Klinikpartnerschaften, die BMZ und die Else-Kröner-Fresenius Stiftung gemeinsam ins Leben gerufen haben.

Zudem stehen Ihnen unsere gesamten Förderinstrumente zur Unterstützung zivilgesellschaftlicher Initiativen zur Verfügung.

Ein weiteres,  brandneues und sehr wichtiges Angebot an Stiftungen und Philanthropen ist der Einsatz von vier "EZ-Scouts" beim Bundesverband Deutscher Stiftungen, bei der PHINEO gGmbH, dem Haus des Stiftens sowie dem Deutschen Stiftungszentrum.

Für zunächst drei Jahre werden diese EZ-Scouts in ihren Gastinstitutionen kompetente Ansprechpartner und Vermittler für Ihre Nachfragen und Bedürfnisse sein.

Sehr geehrte Damen und Herren, ​ich lade Sie ein, unsere vielfältigen Angebote zu nutzen!

Lassen Sie sich von den vielen guten Beispielen im StiftungsReport motivieren, von den konkreten Hinweisen leiten!

Und lassen Sie uns vor allem gemeinsam und im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung und würdevollen Zukunft für alle Menschen global wirken!


Lexikon der Entwicklungspolitik

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