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November

Grußwort des Parlamentarischen Staatssekretärs Thomas Silberhorn


zum Deutsch-Senegalesischen Wirtschaftsgipfel am 4. November 2016 in Duisburg

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrter Herr Staatssekretär Dr. Eumann,
sehr geehrte Damen und Herren,

haben Sie herzlichen Dank für Ihre Einladung, heute den 3. Deutsch-Senegalesischen Wirtschaftsgipfel zu eröffnen. Wir treffen uns hier zu einer höchst interessanten Veranstaltung. Daher danke ich Ihnen von SenGermany für die Organisation und Durchführung.

Ziel von SenGermany ist es, einen Beitrag zur Entwicklung der kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Senegal zu leisten. Diese Zusammenarbeit mit dem Senegal ist auch ein Anliegen meines Ministeriums. Dies zeigt sich nicht zuletzt darin, dass wir mit dem Senegal schon seit über 50 Jahren sehr erfolgreich zusammenarbeiten.

Wir alle hier wissen: Der wichtigste Entwicklungsmotor der Menschheit ist und bleibt der Unternehmergeist und nicht alleine die Finanzhilfen der öffentlichen Hand! Denn die Herausforderungen der nächsten Jahre sind gewaltig: Milliarden Menschen brauchen gute Ernährung, haben noch keinen Zugang zu Strom, zu fließend Wasser und zu digitaler Kommunikation.

Dazu spüren wir in Deutschland und Europa zunehmend, dass wir uns nicht abschotten können. Wir leben in einem globalen Dorf. Die vielen Men­schen, die sich täglich auf den Weg zu uns machen, suchen Schutz oder ein besseres Leben. Das macht vielen Menschen bei uns Sorgen und belegt: Wir können nicht weiter profitieren, wenn die anderen keine Chance haben. Armut, Hunger, Ressourcenkonflikte, Klimaveränderungen, Bevölkerungsentwicklung, Arbeits- und Chancenlosigkeit – das geht uns alle et­was an!

Jedes dieser Probleme ist aber zugleich auch eine "business opportunity", eine Chance für Sie, liebe Unternehmerinnen und Unternehmer! Denn Sie haben Lösungen.

Ein Beispiel für ein konkretes Zukunftsszenario: Die Bevölkerung Afrikas wird sich bis 2050 auf 2,5 Milliarden Menschen verdoppeln. Der Altersdurchschnitt liegt unter 20 Jahren und über die Hälfte der Jugendlichen hat weder Ausbildung noch Arbeit. Menschen, die keine Zukunftsperspektive vor Ort haben, begeben sich oft auf die Flucht. Daher geht es uns darum, Perspektiven vor Ort zu schaffen!

Wir müssen deshalb eine ganz andere Dimension der Zusammenarbeit einleiten. Wir brauchen Investitionen über Jahrzehnte hinweg in kluge Zukunftslösungen wie zum Beispiel grüne Energien, in berufliche Ausbildung in Zukunftsbranchen, in Weiterverarbeitung von Rohstoffen vor Ort. Und wir wollen den Zugang zu europäischen Märkten erleichtern.

Es geht um eine Partnerschaft auf Augenhöhe! Wir erarbeiten gerade im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Eckpunkte für einen "Marshallplan mit Afrika".

Es gibt keine nachhaltige Entwicklung und keine Stabilität ohne wirtschaftliche Perspektiven. Entwicklung braucht die Kreativität und die Innovationskraft der Wirtschaft. Deshalb heißt mein Ministerium ja auch Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung – in dieser Reihenfolge. Deshalb wollen wir Sie in Ihrem Engagement für Entwicklung unterstützen.

Es gibt etwa 500.000 Unternehmen in Deutschland, davon sind nur 1.000 in Afrika engagiert. Das ist viel, viel zu wenig, um die vor uns liegenden Herausforderungen zu meistern. Daher haben wir kürzlich die Agentur für Wirtschaft und Entwicklung gegründet.

Diese Agentur ist nun der zentrale Ansprechpartner für Sie. Sie bündelt Informationen zu den Instrumenten der deutschen Entwicklungszusammenarbeit und berücksichtigt auch andere Förderprogramme der Bundesregierung. Und sie berät zu Potentialen und Risiken entwicklungspolitisch sinnvoller Geschäftsideen, die in Entwicklungs- und Schwellenländern umgesetzt werden sollen.

2015 war ein Jahr dynamischer Wirtschaftsentwicklung im Senegal. Das Wirtschaftswachstum betrug beachtliche 6,5 Prozent. Es ist wichtig, diese positive Entwicklung fortzusetzen und zu fördern.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit trägt dazu bei, das wirtschaftliche Potential des Senegal zu heben. Schwerpunkte dabei sind Energieversorgung und Beschäftigung mit besonderem Augenmerk auf erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Denn kostengünstige Energieversorgung bleibt eine der wichtigsten Voraussetzungen für dynamisches Wachstum.

Wir setzen uns insbesondere dafür ein, gute Rahmenbedingungen für ein Energiesystem zu schaffen, das nachhaltig ausgestaltet ist. Das bedeutet, ländliche Regionen zu elektrifizieren, Übertragungsverluste zu verringern beziehungsweise die Energieeffizienz zu verbessern, aber auch die vermehrte Energieproduktion mit Hilfe erneuerbarer Energien.

Aber: Nachhaltiges Wachstum und Beschäftigung können nur durch gute Ausbildung und zukunftssichere Arbeitsplätze entstehen. Deshalb liegt unser Fokus im Energiebereich aktuell auf Ausbildungs- und Beschäftigungsinitiativen einschließlich eines innovativen Hochschulprojekts.

So wurde in der jüngeren Vergangenheit viel geleistet:

  • Bereits  2,7 Millionen Menschen profitieren  von einer effizienteren und zuverlässigeren Stromversorgung, darunter Privathaushalte, Industrie und öffentliche Einrichtungen.
  • Durch 1.800 neu  geschaffene Haushaltsanschlüsse und die Installation von Dorfstromanlagen ist das Land besser mit Strom versorgt.
  • Vier Technische Universitäten werden inzwischen dabei beraten, ihre Lehrpläne zu verbessern. Wir haben einen zweijährigen Kurzstudiengang "Erneuerbare Energien" entwickelt, der sehr praxis- und berufsorientiert ist und mit einem Techniker-Diplom abschließt. So wird jungen Menschen eine Berufsausbildung angeboten, die schneller und einfacher abzuschließen ist als ein Bachelor-Studium.
  • Darüber hinaus unterstützen wir 14 öffentliche Berufsschulen dabei, einen Lehrplan für solartechnische Module zu erarbeiten.

Unser Minister Dr. Gerd Müller hat während seiner Reise durch den Senegal im August die Wichtigkeit beruflicher Bildung betont. Gemeinsam mit dem Präsidenten der Republik Senegal, Macky Sall, wurde beschlossen, das bilaterale Engagement in diesem Bereich weiter auszubauen.

Konkret bedeutet das: Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit wird zusätzliche 9 Millionen Euro für eine Beschäftigungs-, Unternehmensgründungs- und Qualifikationsoffensive zur Verfügung stellen. Durch das Programm "Réussir au Sénégal" – "Erfolgreich im Senegal" sollen moderne und für junge Menschen attraktive Berufsbilder entstehen. Das wird die Ansiedlung von Unternehmen unterstützen, die auf gut qualifizierte Mitarbeiter angewiesen sind.

Meine Damen und Herren, lassen Sie mich an dieser Stelle  zu meinen Ausgangspunkt zurückkehren und so den Bogen schließen: Regierungen, Zivilgesellschaft und Wirtschaft müssen zusammenwirken, um die globalen Herausforderungen der Zukunft zu meistern – in jedem Land. Daraus können für alle neue und attraktive Möglichkeiten entstehen; denn nach Einschätzung des Internationale Währungsfonds wird mehr als 70 Prozent  des globalen Wachstums in Entwicklungs- und Schwellenländern stattfinden.

Darauf haben wir mit einem Programm zur Förderung von Entwicklungspartnerschaften mit der Wirtschaft reagiert – genannt develoPPP. Dafür haben wir bereits über 325 Millionen Euro bereitgestellt. Die Unternehmen haben ihrerseits mehr als 560 Millionen Euro eingebracht. Das heißt: Aus jedem Euro Steuergeld machen wir 2 Euro 70 für Entwicklung – eine stolze Hebelleistung!

Wir wissen: Sie brauchen Unterstützung, was die Sicherheit für Ihre Investitionen betrifft. Denn Rechtsunsicherheiten, schwer abschätzbare Risiken und geringe oder unsichere Gewinnerwartungen sind sicherlich die größten Hindernisse für Investitionen in den Ländern, in denen Deutschland entwicklungspolitisch aktiv ist. 

Daher arbeiten wir zurzeit an einer besseren Risikoteilung zwischen öffentlicher Hand und Privatsektor. "Mehr Hermes" haben wir versprochen – und gemeinsam mit den beteiligten Ressorts für Senegal auch umgesetzt. Damit möchten wir die Investitionsbedingungen verbessern.

Meine Damen und Herren, ich bin sicher, dass es für viele Unternehmen interessante Möglichkeiten für Geschäfte im Senegal gibt. Ich hoffe, dass wir zahlreiche Unternehmen von hier als starke Partner für unsere Entwicklungspolitik gewinnen. Und ich freue mich, wenn wir gemeinsam die großen Potentiale des Landes nutzen.

Ihnen und uns allen wünsche ich viel Erfolg dabei!

Lexikon der Entwicklungspolitik

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