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Mai

Stopping the Brain Drain in Developing Countries through Entrepreneurship


Rede des Parlamentarischen Staatssekretärs Thomas Silberhorn auf einem vom BMZ initiierten Panel der re:publica in Berlin am 03.05.2016

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Damen und Herren,

die re:publica ist ein einzigartiges Event! Das gilt nicht nur für Deutschland, sondern weltweit. Hier kommen tausende unkonventionell und frei denkende Menschen zusammen, die in einen Dialog treten und viel Inspiration versprühen.

Diese Kreativität wollen wir für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit nutzen. Gerade beim Thema Digitalisierung müssen und wollen wir neue Wege einschlagen und neue Partnerschaften bilden. Deswegen war das BMZ dieses Jahr auch das erste Mal auf der CeBIT vertreten. Dazu hatten wir 13 ausgewählte Start-ups aus Entwicklungsländern eingeladen. Und deshalb ist es für mich nur natürlich, dass wir dieses Jahr auch wieder auf der re:publica vertreten sind.

Entwicklungszusammenarbeit findet nämlich nicht nur mit Entwicklungshelfern und in Entwicklungsorganisationen statt. Und schon gar nicht durch Politiker. Entwicklung wird erst dann wirkungsvoll, wenn die Expertise zusammengeführt wird, nicht zuletzt über Kanäle und Wege abseits des Mainstreams.

Noch vor 15 Jahren lebten drei Viertel der Internetnutzer in Industrieländern. Heute hat sich das Verhältnis fast umgekehrt: Zwei der weltweit drei Milliarden Internetnutzer kommen aus Entwicklungs- und Schwellenländern. Das führt zu Umwälzungen in allen Lebensbereichen. Wir Entwicklungspolitiker wären nicht auf der Höhe der Zeit, wenn wir nicht versuchen würden, diesen stärksten Hebel der Veränderungen zu nutzen und zu gestalten.

Ein Thema, das hier in Deutschland aktuell ganz oben auf der Agenda steht, und das uns auch noch in Zukunft beschäftigen wird, ist das Thema Flucht und Migration. Jeden Tag verlassen Menschen ihre Heimat, weil sie sich in einem anderen Land ein besseres Leben erhoffen. Und leider auch viel zu oft, weil sie nur darin eine Überlebenschance sehen. Es gibt viele Gründe für Migration: fehlende Perspektiven in den Herkunftsländern und gravierende Unterschiede in Einkommens-und Lebensverhältnissen zwischen den Weltregionen. Die Digitalisierung hat diese Unterschiede weltweit sichtbar gemacht. Dies können wir tagtäglich in den sozialen Medien beobachten.

In meinem Ministerium setzen wir uns dafür ein, dass wieder mehr Menschen in ihrer Heimat eine Bleibeperspektive haben. Wir bekämpfen Fluchtursachen in den Herkunftsländern. Wir wollen Zukunftsperspektiven vor Ort schaffen. Wir arbeiten in drei Sonderinitiativen in den Regionen Nahost, Nordafrika, Westafrika und der Ukraine und stellen mehr als eine Milliarde Euro für laufende Vorhaben der direkten Flüchtlingshilfe bereit. Wir bringen zum Beispiel durch das Programm "Cash for Work" tausende Flüchtlinge in Arbeit. Migration heißt oft aber auch, wieder zurückzukehren. Deshalb helfen wir bei der Reintegration von Rückkehrern. Der digitale Wandel kann dazu beitragen. Das BMZ hat als einer der ersten Geber diesen Ansatz erkannt.

Die enormen Möglichkeiten der Vernetzung machen es möglich, dass Jobs unabhängig vom Wohnort erledigt werden können. Die Ideen reichen von virtuellen Karrieremessen über App-basierte Infoportale bis hin zu persönlichen digitalen Coaching-Programmen. Wir unterstützen zum Beispiel ein Pilotprojekt mit dem Berliner Start-up Kiron Open Higher Education, um Flüchtlingen zum Beispiel in Jordanien durch e-learning Zugang zu einem Hochschulstudium zu ermöglichen.

Um genau diese digitalen Ansätze in der Entwicklungspolitik weiter zu thematisieren und Instrumente für die Digitalisierung zusammenzufassen, haben wir ein Toolkit veröffentlicht, mit inspirierenden Projektbeispielen und einem Glossar der wichtigsten Begriffe im IKT-Kontext. Einige Exemplare davon finden Sie auch hier vorne ausgelegt.

Ein weiteres Beispiel ist unsere Kooperation mit betterplace lab. Dieser deutsche Thinktank, als Teil von Deutschlands größter digitaler Spendenplattform betterplace.org, erstellt aktuell eine Studie zu den digitalen Bedürfnissen der Flüchtlinge in Jordanien, Griechenland und der Türkei. Daraus sollen mögliche Förderideen für die Entwicklungszusammenarbeit entstehen.

Das BMZ nutzt das etablierte Engagement in den Projekten weltweit. Aber gerade wenn es um neue, innovative Wege geht, wollen wir auch mit neuen Akteuren und Social Start-ups Kooperationen eingehen. Start-ups setzen Trends, die zunehmend die Welt verändern, Entrepreneure schaffen Jobs: Eine Studie der OECD von 2013 hat gezeigt: In den vergangenen zehn Jahren wurden mehr als die Hälfte aller neu entstandenen Jobs von Unternehmen geschaffen, die weniger als fünf Jahre am Markt waren.

Und das soll heute auch unser Thema sein. Die Panelisten und die Organisationen und Projekte, die sie in unserer heutigen Session vertreten, zeigen sehr interessante Ansätze auf. Ich möchte Ihnen unsere Gäste kurz vorstellen:

  • RiseUp, von Abdelhameed Sharara gegründet, gehört zu einem der weltweit wichtigsten Entrepreneurship-Gipfel der Welt: Es versammelt tausende Teilnehmer aus der Tech/Start-up/Business-Szene aus dem Nahen Osten und Afrika, um Synergien und Netzwerke zu bilden.
  • OuiShare ist eine von vielen Innovatoren, die gemeinsam zu wichtigen Themen der "kollaborativen Wirtschaft" arbeiten, die auch im Rahmen der re:publica hochrelevant sind: zu e-government, zu open knowledge, zu crowdfunding. Asmaa Guedira, selbst von Marokko nach Paris gezogen, hat diesen Ansatz in die Nahost-Region gebracht.
  • Jessica Colaco, einer der kreativen Köpfe hinter Brave Venture Labs und iHub in Kenia, fokussiert sich darauf, Afrikanische Entrepreneurs bei der Gründung von neuen Tech-Startups zu unterstützen.

Wir sind als Bundesentwicklungsministerium an Ihren Gedanken zu folgenden Fragen interessiert:

  • Wie kann Entwicklungszusammenarbeit Entrepreneurships und Start-up Kultur in diesem Rahmen unterstützen?
  • Welche Rolle spielen Diaspora-Unternehmer und transnationale Netzwerke, um die Potenziale von Migration zu nutzen?
  • Und inwiefern sind für Euch digitale Technologien bei Euren Projekten wichtig?

Ich freue mich auf die Diskussion und bin sicher, sie gibt Inspiration für alle!

Lexikon der Entwicklungspolitik

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