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März

Wir fördern IT-Start-ups für Entwicklung


Rede des Parlamentarischen Staatssekretärs Thomas Silberhorn
auf der CeBIT in Hannover am 17.03.2016

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Damen und Herren,

manche von Ihnen fragen sich vielleicht, was das Bundesentwicklungsministerium auf der weltgrößten IT-Messe macht? Was haben IT und Entwicklungspolitik miteinander zu tun? Die Antwort ist: Mehr als man denkt. Entwicklungspolitik arbeitet weltweit für eine bessere Zukunft. Und digitale Technologien sind ein Schlüssel auf dem Weg dahin. Hier bekommt man einen guten Eindruck, wie diese Zukunft aussehen könnte.

Diese Zukunft wird längst auch in "Entwicklungsländern gemacht". Die einfache Vorstellung einer digitalen Kluft zwischen dem reichen Norden und dem armen Süden stimmt nicht mehr. Im Gegenteil: Nicht nur im Silicon Valley entwickeln Tüftler und Unternehmer neue Lösungen, sondern auch in Kenia (dem sogenannten Silicon Savannah), Bangladesch oder Bolivien. Sie heißen Telemedizin, E-Bildung oder E-Landwirtschaft. Immer öfter werden digitale Technologien dort erstmals erprobt, bevor sie sich in westliche Industrieländer verbreiten. Manche sind hier noch gar nicht angekommen. Mobile Finanzdienstleistungen etwa erleben einen regelrechten Boom in Ländern, in denen nur die wenigsten je Zugang zu einer Bankfiliale hatten.

Und während noch vor 15 Jahren drei Viertel der Internetnutzer in Industrieländern lebten, kommen heute zwei der drei Milliarden Internetnutzer aus Entwicklungs- und Schwellenländern. Heute gibt es weltweit mehr Menschen mit Mobilfunkanschluss als mit Zugang zur Trinkwasser- und Sanitärversorgung!

Wir reden über globale Umwälzungen in allen Lebensbereichen: In der industriellen Produktion, im Gesundheitssektor, in der Bildung, im Verhältnis von Staat und Gesellschaft. Wir reden über technologische Innovationssprünge und neue Zukunftsperspektiven.

Für uns als Entwicklungspolitiker heißt das: Wir wären nicht auf der Höhe der Zeit, wenn wir nicht versuchen würden, diesen stärksten Hebel der Veränderungen zu nutzen und zu gestalten. Darum ist das Entwicklungsministerium heute hier! Erstmalig so prominent mit einem eigenen Stand.

Start-ups setzen Trends, die zunehmend die Welt verändern. Mit innovativen Technologien und Geschäftsmodellen zeigen sie neue Wege auf. Die Menschen dahinter sind Entrepreneure mit Visionen. Menschen wie Sie! Menschen, die Jobs schaffen: Eine Studie der OECD von 2013 hat gezeigt, dass in den vergangenen zehn Jahren mehr als die Hälfte aller neu entstandenen Jobs von Unternehmen geschaffen wurden, die weniger als fünf Jahre am Markt waren. Das heißt Jobs werden vor allem von jungen Unternehmen geschaffen.

Das wollen wir nutzen. Darum haben wir 20 vielversprechende Start-ups aus unseren Partnerländern auf die CeBIT eingeladen. Herzlich willkommen!

Wir sind überzeugt, dass die Zusammenarbeit erfolgreicher Start-ups aus unseren Partnerländern mit etablierten deutschen und europäischen Unternehmen für beide Seiten ein Gewinn ist. Für die Start-ups, weil sie so Kontakt zu potenziellen Kunden bekommen, Know-how-Vermittlung stattfindet und sie Zugang zu Kapital bekommen. Und für die Unternehmen, weil sie immer mehr auf lokales IT-Know-how zurückgreifen müssen, um vor Ort Fuß zu fassen.

Nehmen wir zum Beispiel die Automobil-Branche. Auch Autos werden heute immer digitaler. Sie werden ausgestattet mit Entertainment, mit Parking-Apps mit Sprach-Funktionen. Das Auto als Rohprodukt wird auch in naher Zukunft in – zum Beispiel – ​Sindelfingen ​designt und gebaut. Doch die Entwickler in Schwaben brauchen lokales Know-how, um zum Beispiel eine Parking-App für den Verkehr Nairobis zu entwickeln. Hier kommen lokale Tech-Unternehmer ins Spiel. Es geht nicht ohne sie, weil sie Vor-Ort-Kenntnisse haben und so optimale Lösungen für den Bedarf designen können.

Deshalb investieren Konzerne wie Merck, Bosch, Daimler, SAP, DHL und Siemens in Entwicklungsländern. Alle diese Genannten haben in den letzten Jahren und Monaten Strategien für Entwicklungsländer entwickelt und planen, dort großvolumig zu investieren. Sie unterhalten schon heute "Innovation Hubs", also Gründerzentren in Afrika.

Start-ups profitieren von der Partnerschaft mit Großunternehmen. Denn sie werden ihre Kunden und stellen ihnen Kapital zur Verfügung, um zu wachsen. Deshalb wollen wir mit unserem IT-Leuchtturmvorhaben "Make IT" die IT-Start-ups in unseren Partnerländern fördern, indem wir Partner aus der deutschen Wirtschaft vermitteln. Wir können auch Sie dabei unterstützen. Sprechen Sie doch unsere Mitarbeiter hier am Stand darauf an.

Und wir haben noch einen zweiten wichtigen Grund, warum wir Start-ups aus Entwicklungsländern fördern wollen: Techentrepreneure vor Ort wissen am besten, welche Lösungen gebraucht werden, um lokale Probleme zu lösen. Ein paar Erfolgsbeispiele: 17 Millionen Kenianer nutzen inzwischen täglich das mobile Bezahlsystem M-Pesa. Ein Bankkonto wird dafür nicht benötigt. Ein weiteres Beispiel ist ein Modem namens BRCK (sprich Brick), das wie ein Backstein aussieht und ähnlich robust ist. Es kann sich über verschiedene Kanäle mit dem Internet verbinden – Wifi, Handynetz, Breitbandkabel – und wählt jeweils automatisch den verfügbaren Zugang aus. Das ist gerade in Afrika besonders hilfreich, da dort Internetverbindungen oft instabil und teuer sind.

Unser Fazit: Durch digitale Innovationen können Antworten auf die drängendsten Fragen unserer Zeit gefunden werden. Auf die Gefahren des Klimawandels ebenso wie auf den Ausbruch von Seuchen oder die aktuelle Flüchtlingskrise.

Digitale Lösungen für die Flüchtlingskrise zu finden, darum geht es an dem heutigen Thementag des BMZ. Wir haben gemeinsam mit der International Telecommunication Union einen Wettbewerb gestartet. Das Ziel: gute digitale Ideen zu finden, um die Flüchtlingskrise abzumildern. Die Gewinner dieser Challenge sind auch heute hier: Text Alert und Refugee Connect.

Gemeinsam mit Ihnen, den Machern der Kiron-Initiative, Ampion und vielen anderen wollen wir heute diskutieren. Entwickeln wir unsere Ideen weiter und finden gemeinsam neue Lösungen! Dazu wünsche ich Ihnen allen viel Inspiration – entsprechend dem Motto: "inspire.connect.develop". Viel Erfolg!

Lexikon der Entwicklungspolitik

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