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Mai

BMZ-Aktivitäten in Afrika im Bereich Gesundheit


Grußwort des Parlamentarischen Staatssekretärs Thomas Silberhorn bei der deutsch-französischen Soirée zum Thema vernachlässigte Tropenkrankheiten

am 07.05.2015 in der Französischen Botschaft in Berlin

Es gilt das gesprochene Wort!

Exzellenzen,
sehr geehrter Herr Botschafter Philippe Etienne,
sehr geehrte Damen und Herren,

die Menschheit war immer wieder herausgefordert von großen Epidemien. Hegel, einer der namenhaften deutschen Philosophen, er hat lange hier direkt um die Ecke am Kupfergraben gewohnt – soll 1831 Opfer der großen Cholera-Epidemie in Berlin geworden sein. Die Cholera forderte damals mehr als 1.400 Tote allein in dieser Stadt.

Die Gegenwart zeigt uns: Krankheiten sind auch heute noch Geißeln der Menschheit. Die Ebola-Epidemie in Westafrika macht erneut deutlich, wie verletzlich wir durch Krankheiten sind. Sie macht deutlich, wie wichtig leistungsfähige Gesundheitssysteme sind. Und vor allem macht Ebola deutlich, wie groß der Schrecken tödlicher Krankheiten ist, für die es keine Impfung gibt.

Ich danke Ihnen, dass ich heute über unser Engagement im Gesundheitsbereich in Afrika sprechen darf. Minister Dr. Gerd Müller hätte dies auch gerne selber getan. Er war ja vor wenigen Wochen mit Minister Hermann Gröhe in Ghana und Liberia. Leider ist er heute Abend verhindert und bat mich, Ihnen herzliche Grüße auszurichten.

Das heutige Afrika ist stärker, sozialer und auch gebildeter als noch vor 15 oder 20 Jahren. Aber ein Großteil der afrikanischen Länder hat noch immer keine starken und widerstandsfähigen Gesundheitssysteme, die Schocks wie Ebola überstehen könnten. Auch leiden immer noch viele Menschen an den sogenannten vernachlässigten Krankheiten. Weltweit sind es 1,4 Milliarden, ein Großteil davon in Afrika. Jährlich sterben eine halbe Million Menschen an vernachlässigten Tropenkrankheiten.

Im Jahre 2050 wird schätzungsweise die Hälfte der Weltbevölkerung in den Tropen leben. Und sogar 60 Prozent der Kinder weltweit. Dem stehen Schätzungen gegenüber, nach denen nur 10 Prozent der weltweiten Forschungsausgaben im Gesundheitsbereich für die Krankheiten investiert werden, die für 90 Prozent der globalen Krankheitslast verantwortlich sind.

In Bezug auf die entwicklungspolitische Zusammenarbeit möchte ich hier aber auch ganz klar sagen: Wir sollten uns nicht auf die Bekämpfung einer bestimmten Krankheit beschränken. Gesundheitssysteme müssen heute mehr denn je nachhaltig und widerstandsfähig im Ganzen sein – gewappnet für verschiedenste Krisen, die wir nicht vorhersehen können.

I. Ebola-Epidemie

Wer hätte Anfang letzten Jahres gedacht, dass ein Virus namens Ebola den Weltsicherheitsrat in Aufregung versetzen würde? Auf dem Höhepunkt der westafrikanischen Ebola-Epidemie haben sich wöchentlich 1.000 Menschen infiziert. Die Gesundheitssysteme der betroffenen Länder konnten die Verbreitung nicht aufhalten. Neben Liberia, Sierra Leone und Guinea haben mindestens 30 weitere Länder weltweit ähnlich schwache oder gar schwächere Gesundheitssysteme.

In Zukunft müssen Seuchenausbrüche wirksam verhindert werden. Es kann nicht sein, dass wir wie im Falle von Ebola viele Monate brauchen, um strukturelle Hilfe – wie ein Testlabor – zu liefern. Hier wollen wir mit unserem Sonderprogramm "Gesundheit in Afrika" ansetzen. Denn rudimentäre Gesundheitssysteme haben nicht nur verheerende Auswirkungen auf die betroffenen Länder, sondern auch auf ganze Regionen und sogar weltweit.

Unsere Bundeskanzlerin setzt sich als Reaktion auf Ebola international dafür ein, bei Krisen schneller medizinisches Personal und andere Experten zu mobilisieren. So ein schnelles Einsatzteam würde sicherstellen, dass bei der nächsten Seuche nicht erst Tausende sterben müssen, bis wir helfen können.

Die Lehren aus der Ebola-Epidemie und die vernachlässigten Tropenkrankheiten werden auch Themen auf dem G7-Gipfel unter deutschem Vorsitz in Elmau sein. Die vermeidbaren Krankheiten, für die es bereits Impfungen gibt, haben wir uns schon Anfang des Jahres vorgenommen: Hier hat sich Deutschland als G7-Vorsitz erfolgreich für eine Rekord-Wiederauffüllung der Globalen Impfallianz GAVI eingesetzt. Mit über 7,5 Milliarden US-Dollar können in den nächsten fünf Jahren 300 Millionen Kinder weltweit geimpft werden. Das ist gerade im Jahr 2015 ein wichtiger Beitrag der G7 zum bisher nicht erfüllten Millenniumsziel Kindergesundheit.

II. Sonderprogramm "Gesundheit in Afrika"

Wir wollen, dass alle Menschen in unseren Partnerländern bezahlbaren Zugang zum Gesundheitssystem haben – und zwar unabhängig von Einkommen, Geschlecht, Stammeszugehörigkeit oder Wohnort. Unseren afrikanischen Partnern ist langfristig nur geholfen, wenn auf Prävention gesetzt wird und auf das frühzeitige und effektive Management zukünftiger Krisen.

In der Vergangenheit wurde zu sehr auf vertikale Gesundheitsprogramme gesetzt, die sich speziell gegen eine bestimmte Krankheit richten. In Zukunft wollen wir die nationalen Gesundheitssysteme übergreifend und horizontal stärken. Unser neues Sonderprogramm Gesundheit wird mit 205 Millionen Euro der bilateralen finanziellen und technischen Zusammenarbeit starten.

Dabei setzen wir drei Schwerpunkte:

1. Ausbildung:

Fachkräfte sind das Herzstück eines Gesundheitssystems. Was nützt ein Krankenhaus ohne gute Ärzte, Krankenschwestern, Pflegefachkräfte, Hebammen, aber auch Labortechniker und Logistiker? Von den 83 Ländern, die laut WHO unter einer Fachkräftekrise im Gesundheitssektor leiden, liegen mehr als die Hälfte (43) in Afrika. Damit gute Ausbildung langfristig funktioniert, muss auch die Verwaltung dahinter stehen. Daher stützen wir parallel gute Regierungsführung.

Außerdem fördern wir – durch die europäische ESTHER-Allianz – den Aufbau von Hochschul- und Klinikpartnerschaften in allen von Ebola betroffenen Ländern und gefährdeten Anrainerstaaten. Dabei geht es insbesondere um Austausch über Patientensicherheit, Krankenhaushygiene, Laborkapazitäten. Hier freuen wir uns auf eine enge Zusammenarbeit mit Frankreich.

2. Ausrüstung:

Alle Mitgliedstaaten der WHO haben sich verpflichtet, die internationalen Gesundheitsvorschriften einzuhalten. Zum Beispiel muss ein Labor bestimmte Anforderungen erfüllen. Dabei helfen wir unseren Partnern.

3. Aufklärung:

Medikamente, Impfprogramme und mehr Geld sind gut – reichen aber nicht aus. Denn das Wissen der vor Ort lebenden Menschen über die Krankheiten ist der eigentliche Schlüssel, sowohl für Prävention als auch für Behandlungen. Deshalb unterstützen wir bei Aufklärungsarbeiten. Hierzu können wir auf jahrelange Erfahrung der deutschen Entwicklungszusammenarbeit zurückgreifen, zum Beispiel über Social Marketing-Vorhaben der KfW Entwicklungsbank bezüglich Familienplanung.

III. Zusammenarbeit mit Wirtschaft und Zivilgesellschaft

Die staatliche Entwicklungszusammenarbeit ist dieser Aufgabe natürlich keineswegs alleine gewachsen. Gerade Unternehmen wie Sanofi-Aventis entwickeln neue und dringend benötigte Medikamente und Diagnostika. Die Entwicklungspartnerschaften mit der Wirtschaft sind ausbaufähig und sollten noch verstärkt werden!

Auch könnte die staatliche Entwicklungszusammenarbeit ohne die Flankierung und Unterstützung durch das tatkräftige und rasche Engagement der Zivilgesellschaft – ich nenne hier nur die Organisation "flying doctors" – bei Weitem nicht die gewünschte Wirkung erzielen. Nur gemeinsam können wir unsere afrikanischen Partnerländer wirksam unterstützen. Und gerade für diese Gemeinsamkeit sind Abende wie der heutige so besonders wichtig.

Meine Damen und Herren,

"Gesundheit ist zwar nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts." Eine Lebensweisheit von Arthur Schopenhauer, dem deutschen Philosophen, der übrigens – anders als sein eingangs erwähnter Zeitgenosse und Gegenspieler Hegel – 1831 aus Berlin floh und so der Cholera-Epidemie entkam.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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