Hauptinhalt

September

Faire Woche 2014: "Ich bin Fairer Handel"


Rede des Parlamentarischen Staatssekretärs Thomas Silberhorn zur Eröffnung der Fairen Woche 2014 am 12.9.2014 in Berlin

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich freue mich, Sie alle auf der diesjährigen Fairen Woche ganz herzlich willkommen zu heißen. Mit ihrem Motto "Ich bin Fairer Handel" macht die Faire Woche deutlich, wie bedeutend die Rolle jeder und jedes Einzelnen ist, um die ökonomischen, ökologischen und sozialen Chancen von Menschen in Entwicklungsländern zu erweitern. Ich finde es bewundernswert, dass so viele Bürgerinnen und Bürger diese bundesweite Aktion ehrenamtlich unterstützen.

Der Faire Handel in Deutschland boomt. Verbraucherinnen und Verbraucher ändern zunehmend ihr Konsumverhalten, interessieren sich für die Produktionsbedingungen und wünschen sich gerechte, soziale und umweltschonende Herstellungs- und Handelsstrukturen. Mit seiner enormen Umsatzsteigerung und seinen mehr als 100.000 ehrenamtlich Engagierten kann der Faire Handel als die größte entwicklungspolitische Bewegung bezeichnet werden. Ich bedanke mich ausdrücklich bei all den Ehrenamtlichen und Engagierten, die sich für den Fairen Handel stark machen. Sie tragen einen erheblichen Teil zu einem gerechteren Weltwirtschaftssystem bei.

Ich möchte Ihnen die positiven Fakten einmal vor Augen führen: 2013 erreichte der Faire Handel einen Absatz von gut 784 Millionen Euro. Dies entspricht einer Steigerung von 21 Prozent seit 2012. In den letzten zehn Jahren hat sich der Umsatz bereits mehr als verzehnfacht. Produkte mit dem Fairtrade-Siegel machen dabei den Hauptanteil aus und haben einen Absatz in Höhe von 654 Millionen Euro erzielt. Das sind beeindruckende Entwicklungen.

Besonders Deutschland hat sich zu dem Land mit dem stärksten Wachstum entwickelt. Wir arbeiten daran, dass dieses Wachstum auch künftig weiter ansteigt. Denn jedes Produkt, das fair gehandelt wird, ist ein Beitrag für menschenwürdige Lebens- und Arbeitsbedingungen. Faire Preise und langfristige Handelsbeziehungen schaffen existenzsichernde Löhne. Das bedeutet auch: Produzenten sind deutlich weniger abhängig von Preisschwankungen auf dem Weltmarkt.

Durch Möglichkeiten der Vorfinanzierung und vor allem durch Schulungen und Beratungsangebote zur Verbesserung der Produktionsmethode bietet der Faire Handel den Produzenten weitere wichtige Unterstützung. Damit können sie bessere Produkte herstellen und stärker aus eigener Kraft ihre Existenz sichern.

Der Faire Handel klärt auf vielfältige Weise die Verbraucherinnen und Verbraucher hier in Deutschland über diese Zusammenhänge auf. Das ist enorm wichtig. Denn wir alle können täglich einen bewussten Beitrag leisten für bessere Lebensbedingungen der Menschen in Entwicklungsländern – ob beim Einkauf von Bekleidung und Lebensmitteln oder während eines Restaurantbesuches. Ich freue mich, dass das diesjährige Motto der Fairen Woche dieses große Potential aufgreift: "Ich bin Fairer Handel!".

Genau darum geht es Bundesminister Dr. Gerd Müller auch mit seiner Initiative für ein Textilbündnis. Wir wollen damit einen aktiven Beitrag dazu leisten, dass sich die Lebensbedingungen für die Arbeiterinnen und Arbeiter in der weltweiten Textilbranche verbessern. Derzeit arbeiten wir gemeinsam mit Unternehmen der Textilbranche, Gewerkschaften und der Zivilgesellschaft an einem "Bündnis für nachhaltige Textilien". Der Faire Handel ist hier ein sehr aktiver Partner. Ziel des Bündnisses soll es sein, gemeinsam Sozial- und Umweltstandards innerhalb der gesamten Textillieferketten, also vom Baumwollfeld bis zum Bügel, zu verbessern. Menschen, die unsere Kleidung produzieren, sollen dies unter menschenwürdigen Bedingungen tun können und ohne der Umwelt zu schaden. Für das Bündnis wollen wir so viele Unternehmen wie möglich gewinnen. Ich bin optimistisch, dass uns das gelingt.

Langfristiges Ziel ist es, die Lieferkette stufenweise auf die bestmöglichen nachhaltigen Produktionsbedingungen zu heben. Als einen ersten Schritt auf diesem Weg werden wir für Verbraucherinnen und Verbrauchern mehr Transparenz über die Produktionsbedingungen in den globalen Lieferketten schaffen. Unser Haus arbeitet dafür an einer Vergleichs- und Bewertungsplattform für das Internet. Jeder Bürger kann sich hier informieren, was hinter einem Siegel steht und wie hoch die Anforderungen sind.

Unser Ziel ist es über den Textilbereich hinaus, die Menschen zu unterstützen, ihr Leben in Freiheit und ohne materielle Not eigenverantwortlich zu gestalten. Nur so können wir Armut bekämpfen und nachhaltige Entwicklung schaffen. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt deswegen den Fairen Handel insgesamt. Von 2002 bis 2014 haben wir etwa 11,4 Millionen Euro für Maßnahmen zur Förderung des Fairen Handels bereitgestellt. Besonders wichtig ist für uns die Wirkung der Maßnahmen. Um diese sicherzustellen, muss eine laufende Kontrolle durch unabhängige Stellen gewährleistet werden.

Wir unterstützen auch weitere Aspekte nachhaltiger Produktion, die dem Fairen Handel ein Anliegen sind. So beteiligen wir uns mit rund 2,5 Millionen Euro am internationalen Fairtrade Access Fund. Dieser Fond unterstützt Fairtrade Kooperativen mit Krediten und zugehörigen Beratungen. Auch für die mit den Produzentengruppen zusammenarbeitenden Weiterverarbeiter und Händler ist die Unterstützung möglich. Durch den Fairtrade Access Fund konnten in den Jahren 2013 und 2014 achtzehn Kooperativen mit Krediten in Höhe von rund 12,5 Millionen US-Dollar gefördert werden.

Last but not least: Das BMZ packt selbst ganz konkret mit an: Unsere Bonner Kantine macht bei der Fairen Woche mit einem fairen Wochenmenü mit. Und wir wollen den Anteil fair produzierter Produkte in unserem Haus weiter steigern.

Meine Damen und Herren,

der Erfolg der Fairen Woche zeigt eindrucksvoll, was Ihr breites zivilgesellschaftliches und privatwirtschaftliches Engagement bewirken kann: Mit Kreativität und viel Enthusiasmus beteiligen sich Bürger, Organisationen, Weltläden, Supermärkte und Gastronomie jedes Jahr, um auf den Fairen Handel aufmerksam zu machen und über ihn zu informieren. Ich freue mich sehr über dieses zunehmende Bewusstsein und ich bin davon überzeugt, dass dieser Sektor weiterhin wachsen wird.

Lassen Sie uns die Faire Woche mit ihren vielfältigen Veranstaltungen dazu nutzen, die Bürgerinnen und Bürger davon zu überzeugen, dass der regelmäßige Einkauf von fair gehandelten Produkten nicht nur moralisch sinnvoll, sondern auch gut umsetzbar ist. Ich freue mich auf die zahlreichen Veranstaltungen und wünsche Ihnen allen eine erfolgreiche und gut besuchte Faire Woche.

Lexikon der Entwicklungspolitik

Fenster schließen

 

Seite teilen