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Juni

Deutschlands internationaler Beitrag zum globalen Katastrophenrisikomanagement


Rede von Thomas Silberhorn, Par­la­men­ta­rischer Staats­sekre­tär beim Bun­des­mi­nis­ter für wirt­schaft­liche Zu­sam­men­ar­beit und Ent­wick­lung
bei der in­ter­na­ti­o­nalen Konferenz
"New Partnerships for Disaster Risk Management"
am 16. Juni 2014 im BMZ in Berlin

Es gilt das gesprochene Wort!

Exzellenzen,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

zu unserer Konferenz "Neue Partnerschaften für Katastrophenrisikomanagement" begrüße ich Sie herzlich. Wir setzen damit zugleich den Auftakt für unsere Globale Initiative Katastrophenrisikomanagement.

Fast jeden Tag berichten die Medien von neuen Naturkatastrophen. Viele von Ihnen werden noch die dramatischen Bilder des Taifun Hayan auf den Philippinen vor Augen haben, von dem verheerenden Erdbeben in Haiti oder auch von der länderübergreifenden Dürre in der Sahel vor zwei Jahren.

Die Macht der Naturgewalten bekommen wir auch in Europa zu spüren. Sei es vor kurzem auf dem Balkan, wo fast eine Million Menschen von Hochwasser betroffen waren, oder letzte Woche bei den Unwettern in weiten Teilen Deutsch­lands.

Die Anzahl und die Intensität von Naturkatastrophen nimmt zu. Das zeigt: Wir alle sind verwundbar. Das gilt besonders für fragile und arme Länder, die oft jahrelang unter den Auswirkungen von Katastrophen leiden und in ihrer Ent­wick­lung weit zurückgeworfen werden.

Aber auch wohlhabende Staaten können von Naturereignissen massiv in Mitleidenschaft gezogen werden. Das haben der Hurrikan Katrina 2005 in den USA und der Tsunami in der Region Fukushima 2011 sehr deutlich gemacht.

Extreme Naturereignisse kosten Jahr für Jahr zehntausende Menschenleben. Sie zerstören die Lebensgrundlagen Hunderttausender Menschen. Und sie richten weltweit gewaltige Schäden an, die sich allein im Jahr 2012 auf 160 Milliarden ​US-Dollar beliefen. Unser Ziel muss es sein, die Auswirkungen solcher Katastrophen möglichst gering zu halten.

Deshalb müssen wir uns besser auf mögliche Katastrophen vorbereiten:

Wir müssen erstens kritische Infrastrukturen so bauen, dass sie Katastrophen standhalten können. Wir müssen zweitens unsere Reaktionsfähigkeit verbessern. Und wir müssen drittens den Schutz der Bevölkerung und die Katastrophenhilfe verstärken.

Kurz gesagt: Wir brauchen ein besseres Katastrophenrisikomanagement.

Ich freue mich daher, Sie alle heute zur ersten Konferenz der Globalen Initiative Katastrophenrisikomanagement begrüßen zu dürfen.

Die Anfälligkeit einer Ge­sell­schaft für Katastrophen wird durch eine Vielzahl von sozialen, ökonomischen und politischen Faktoren beeinflusst. Deshalb brauchen wir interdisziplinäre Ansätze, um Risiken vorzubeugen oder uns gegebenenfalls anzupassen.

Wir wollen das vorhandene Wissen nutzen, denn Prävention zahlt sich aus: Ein Euro für die Verminderung des Katastrophenrisikos spart bis zu vier Euro beim Wiederaufbau.

Diese einprägsame Formel der Weltbank macht deutlich: Katastrophenrisikomanagement ist eine gute In­ves­ti­tion und unabdingbar, um Entwicklungserfolge nach­hal­tig zu schützen.

Für eine wirksame Antwort auf Naturkatastrophen brauchen wir die ressortübergreifende Zusammenarbeit der gesamten Bun­des­re­gie­rung.

An dieser Stelle gilt mein Dank den Kolleginnen und Kollegen aus dem Auswärtigen Amt, dem Bundesministerium des Innern, dem Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, die dem Aufruf des Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zu einer kohärenten Zu­sam­men­ar­beit innerhalb der Globalen Initiative gefolgt sind. Auch dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe und dem Technischen Hilfswerk möchte ich für ihre wichtigen Beiträge und ihre heutige Teilnahme danken.

Ich freue mich, dass wir schon jetzt die ersten Ergebnisse der Globalen Initiative Katastrophenrisikomanagement präsentieren können.

So haben wir, wie zum Beispiel ​in Bangladesch nach dem Unglück in Rana Plaza, wichtige Schritte hin zu besseren Brandschutzstandards eingeleitet. Großes regionales Interesse gibt es auch an unserer Hotel-Resilience-Initiative, an der unter anderem die Malediven beteiligt sind.

Doch unsere nationalen Aktivitäten allein sind natürlich nicht ausreichend für globale He­raus­for­de­run­gen. Katastrophenrisikomanagement erfordert auch ein kohärentes Zusammenwirken der in­ter­na­ti­o­nalen Gemeinschaft.

Dafür brauchen wir ins­be­son­dere die Expertise unserer multilateralen Partner. Es ist mir daher sehr wichtig, mit der In-ter-national Strategy for Disaster Reduction der Vereinten Nationen, der Global Facility for Disaster Reduction and Recovery der Weltbank und dem Global Network for Disaster Reduction unsere wichtigsten Partner heute hier in Berlin an unserer Seite zu wissen.

Schließlich brauchen wir auch eine bessere Zu­sam­men­ar­beit mit der Privat­wirt­schaft und mit der Wissenschaft, um den wachsenden He­raus­for­de­run­gen weltweit gerecht zu werden. Die fortschreitende wirt­schaft­liche Ent­wick­lung, die rasant zunehmende Urbanisierung und die globale Übernutzung von Ressourcen führen dazu, dass immer mehr Güter und Wertschöpfungsketten gefährdet sind. Katastrophenrisikomanagement rückt daher vermehrt in den Fokus von Unternehmen.

Neue Partnerschaften mit der Wirtschaft, von kleinen und mittleren Unternehmen bis zu multinationalen Konzernen, sind eines unserer Anliegen am heutigen Tag. Und dieses En­gage­ment kann sich ganz direkt lohnen. Denn wie es im aktuellen Global Assessment Report von UN-ISDR heißt: "Disaster Risk Management is a business opportunity.” Dies gilt umso mehr für Deutsch­land mit seinen großen Versicherungsunternehmen, führenden Anbietern von Produkten und Dienst­leis­tun­gen der zivilen Sicherheit und seiner erstklassigen Forschung im Bereich Frühwarnung und Georisiken.

Meine sehr geehrten Damen und Herren!

Sie beweisen durch Ihre Teilnahme an dieser Konferenz Ihre Bereitschaft zur Kooperation und Ihr Interesse an der Globalen Initiative. Nutzen Sie diese Gelegenheit zur Vernetzung und zum Austausch.

Ich wünsche Ihnen einen erkenntnisreichen Tag, gute Gespräche und neue Ideen für eine engere Zu­sam­men­ar­beit im Katastrophenrisikomanagement. Lassen Sie uns die Chance nutzen, gemeinsam eine sicherere Zukunft zu bauen.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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