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Dezember

Rede des Parlamentarischen Staatssekretärs Norbert Barthle beim Festakt zu 20 Jahren Ziviler Friedensdienst


am 4. Dezember 2019 in Berlin

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Zahl der gewaltsamen Konflikte hat sich zwischen 2010 und 2016 verdreifacht: Jedes fünfte Kind weltweit lebt im Krieg!

In Syrien ist der Bürgerkrieg im neunten Jahr. Mehr als fünf Millionen Kinder sind dort auf der Flucht. Neunjährige, die nichts als Krieg kennen! Auch im Jemen, im Irak und in der Ostukraine sind Kinder durch Kämpfe betroffen. Sie sind auf unsere Unterstützung angewiesen. Ihre Schulen sind zerstört, ihre Familien haben ihre wirtschaftliche Existenz verloren, ihre Psyche ist erschüttert. Krieg vernichtet Zukunft!

Weltweit leben rund zwei Milliarden Menschen in fragilen, von Gewalt und Konflikten geprägten Staaten. Das ist ein Viertel der Weltbevölkerung! Und fast 70 Millionen Menschen sind auf der Flucht.

Aber "[o]hne Frieden kann es keine nachhaltige Entwicklung geben und ohne nachhaltige Entwicklung keinen Frieden" – so der Weltzukunftsvertrag der Vereinten Nationen, die Agenda 2030.

Als Entwicklungsministerium nehmen wir unseren Friedensauftrag ernst. Wir unterstützen unsere Partnerländer mit mehr als zwei Milliarden Euro jährlich für zivile Konfliktlösung, Krisenprävention und Friedensförderung. Dabei setzen wir stark auf den Zivilen Friedensdienst (ZFD).

"Wie kann es Frieden geben, wenn Menschen einander nicht verstehen, und wie sollen sie sich verstehen, wenn sie einander nicht kennen?" Das fragte Pearson in seiner Nobelpreis-Rede 1957, Vater der ersten UN-Peacekeeping-Mission in der Suez-Krise der 1950er Jahre. Die zivile Friedensarbeit setzt genau hier an. Sie führt Menschen zusammen, die vorher Feinde waren.

In Israel und Palästina zum Beispiel ermöglichen die "Combatants for Peace" allen Menschen, die Angehörige im Konflikt verloren haben, gemeinsam zu trauern. Die Mitglieder selbst sind ehemalige, israelische Soldaten und ehemalige, palästinensische Attentäter oder Paramilitärs. Sie werden vom Zivilen Friedensdienst unterstützt.

Auch in Bosnien-Herzegowina unterstützt der Zivile Friedensdienst, so dass Kriegsveteranen, die in den Jugoslawienkriegen gegeneinander gekämpft haben, miteinander sprechen und gemeinsam die Opfer betrauern. Gemeinsam besuchen sie Kriegsgräber, die immer ethnisch getrennt angelegt sind. Das ist ein großer persönlicher Schritt für alle.

Investition in Frieden und Gerechtigkeit zahlt sich aus! Denn sie schafft Zukunft, gibt Hoffnung und eine Perspektive.

Heute feiern wir den 20. Geburtstag des Zivilen Friedendienstes! Seit 1999 setzen sich 1.400 zivile Friedensfachkräfte in 60 Ländern für Dialog und Verständigung ein. Denn seit der Debatte um deutsche Streitkräfte im Kosovo kristallisiert sich deutlich heraus: Neben militärischen Friedenseinsätzen braucht es auch eine staatliche Förderung für zivile Friedensdienste.

Mittlerweile ist der Zivile Friedensdienst unverzichtbar für die Friedensarbeit der Bundesregierung. In den Leitlinien der Bundesregierung hat die zivile Konfliktbearbeitung ihren zentralen Platz – im Dreiklang mit der Außen-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik.

Aktuell arbeiten rund 330 Fachkräfte in 45 Ländern in Afrika, Asien, im Nahen Osten, in Lateinamerika und in Südosteuropa. Allein dieses Jahr hat unser Haus 76 Millionen Euro für den Zivile Friedensdienst eingesetzt!

Der Zivile Friedensdienst ist einzigartig! Ein Programm, in dem staatliche, kirchliche und zivilgesellschaftliche Akteure zusammenwirken. Konkret arbeiten wir zusammen mit der katholischen Agiamondo, Brot für die Welt, EIRENE, der staatlichen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit, KURVE Wustrow, Aktionsgemeinschaft Dienste für den Frieden, forumZFD sowie Peace Brigades International. Mit dieser Vielfalt erreichen wir ganz unterschiedliche Menschen, die sich für den Frieden engagieren.

Ich danke allen ehemaligen und aktiven Fachkräften für ihr beeindruckendes Engagement. Sie stellen Menschlichkeit wieder her, wo sie zerstört ist, und stärken den Frieden, wo er in Gefahr ist. Sie arbeiten in Ländern und Situationen, in denen Sie auch persönlich großen Gefahren ausgesetzt sind. Ihre Arbeit ist von unschätzbarem Wert!

Die Welt ist ein Dorf. Es kann uns nicht egal sein, wie sich andere Länder entwickeln.

Ich danke Ihnen von ganzem Herzen und wünsche Ihnen weiter viel Kraft und Erfolg.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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