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April

New Horizons: Berlin Energy Transition Dialogue 2019


Rede von Dr. Maria Flachsbarth am 10. April 2019 in Berlin

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Klimaschutz ist eine Überlebensfrage der Menschheit! Denn es ist schon Realität. Die Treibhausgase sind auf einem Rekordhoch. Die Artenvielfalt schwindet: 2019 ist sogar das erste Säugetier aufgrund des menschengemachten Klimawandels ausgestorben! Die Ressourcen sind übernutzt – Wasser, Natur. Wenn wir nicht gegensteuern, drohen uns 100 Millionen Menschen bis 2030 zu verarmen. Und noch mehr Ernteausfälle, Wetterkatastrophen – wie zuletzt in Mosambik. Wir müssen das Klimaabkommen von Paris umsetzen! Sonst ist das Zwei-Grad-Ziel nicht zu erreichen.

Allein auf den Energiebereich entfallen rund zwei Drittel der weltweiten Treibhausgasemissionen und 80 Prozent der Kohlendioxidemissionen. Hier müssen wir ansetzen!

Entscheiden wird sich die Klimafrage in Entwicklungs- und Schwellenländern. Eine Milliarde Menschen dort haben noch keinen Strom. Neun von zehn geplanten Kohlekraftwerken werden in Entwicklungsländern gebaut. Eine wachsende Mittelschicht fordert Konsum und Mobilität.

Aber das enthebt uns in den Industrieländern nicht der Verantwortung – im Gegenteil! Die Industrieländer haben 200 Jahre lang ihren Wohlstand mit fossilen Ressourcen befeuert. Wir stehen in der Verantwortung zu zeigen, dass ein CO2-armes Leben möglich ist! Und Entwicklungsländer darin zu unterstützen, sich klimaverträglich zu entwickeln und an die Folgen des Klimawandels anzupassen.

Deutschland hat 2017 hierfür 6,7 Milliarden Euro für den internationalen Klimaschutz bereitgestellt und ist Spitzenreiter in der Europäischen Union! Mehr als 80 Prozent davon aus dem Haushalt des Bundesentwicklungsministeriums. Unser Haus treibt klimafreundliche Entwicklung maßgeblich voran und setzt auf erneuerbare Energien, die wirtschaftliche Entwicklung – ohne Emissionen! - möglich machen. Dabei unterstützen wir den Sektor in circa 50 Ländern und sind einer der größten bilateralen Geber im Energiebereich. Allein im Jahr 2017 waren es 2,7 Milliarden Euro.

Wir fördern die globale Energiewende unter anderem mit Solarkraftwerken in Indien, Marokko und Sambia in Kooperation mit hiesigen Unternehmen. Afrika könnte der grüne Kontinent werden! Bundesentwicklungsminister Dr. Müller hat hierfür 2017 die Initiative Grüne Bürgerenergie für Afrika gestartet. Sie unterstützt dezentrale, erneuerbare Energiesysteme. Denn sie sind preiswert, leicht zu vernetzen und durch neue Technologien sehr gut skalierbar. Außerdem bindet die Initiative lokale Akteure und private Investoren ein. So sollen insbesondere Menschen auf dem Land bedarfsgerechten Zugang zu Energie erhalten. Und lokale Wertschöpfung, Arbeitsplätze vor Ort werden möglich!

Zudem wollen wir eine strukturierte Energiesektor-Transformation erreichen. Denn um das Pariser Abkommen zu erfüllen, reichen die derzeitigen Verpflichtungen nicht aus. Sowohl beim Ausbau von erneuerbaren Energien als auch bei der Erhöhung der Energieeffizienz. Wir wollen daher erneuerbare Energien und Energieeffizienz mit den national festgelegten Beiträgen (Nationally Determined Contributions, NDCs) verbinden.

Mit der NDC-Partnerschaft unterstützen wir Entwicklungs- und Schwellenländer dabei, Klimabeiträge in Haushalts-, Wirtschafts-, Agrar- und Energiepolitik umzusetzen. Hier teilen mehr als 100 Mitglieder ihr Know-how und unterstützen sich gegenseitig im globalen Klimaschutz. Länder, internationale Organisationen und die Zivilgesellschaft. Angestrebt werden ehrgeizigere Ziele der Länder: Erstens müssen Energie- und Klimaziele miteinander verbunden werden, um den Klimawandel auf zwei Grad Celsius – idealerweise auf 1,5 Grad Celsius – zu begrenzen. Zweitens soll der politische Rahmen aufgebaut werden zur Ausweitung erneuerbarer Energien und zur Förderung der Energieeffizienz. Dazu gehört auch ein globaler Emissionshandel.

Bis 2050 wollen wir damit eine Dekarbonisierung aller Volkswirtschaften von nahezu 100 Prozent erreichen. Dazu sind Innovationen, Digitalisierung und neue Technologien erforderlich. Wir müssen die Sektorkopplung vorantreiben, also Klima, erneuerbare Energien, Mobilität und Städte als Elemente des gleichen Systems betrachten. Somit lebt die NDC-Partnerschaft einen neuen Geist der Zusammenarbeit! Rund 40 Entwicklungsländer profitieren schon.

Deutschland nimmt den globalen Klimawandel als Herausforderung an. Allein in Marokko ermöglichen wir 800 Mega-Watt Windenergie und 1.380 Mega-Watt Solarenergie! Das flankieren wir mit einer Unterstützung für höhere Energieeffizienz und den Netzausbau.

Zur Bewältigung der Klima-Herausforderungen leistet der Berlin Energy Transition Dialogue einen wichtigen Beitrag. Denn er bringt weltweit alle wichtigen Akteure zusammen. Und erlaubt es, unseren Horizont für noch ambitioniertere Klima- und Energieziele zu erweitern.

Vielen Dank!

Lexikon der Entwicklungspolitik

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