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Juni

Rede von Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller beim offiziellen Launch des Entwicklungsinvestitionsfonds


am 4. Juni 2019 in Berlin

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Damen und Herren,

heute beginnt ein neuer Aufbruch: Ein Aufbruch in afrikanische Märkte, in den Wachstums- und Chancenmarkt des 21. Jahrhunderts. Wir setzen die dafür erforderliche Neuorientierung der deutschen Entwicklungspolitik um, aufbauend auf vier Säulen:

Erstens: Afrikas Staaten müssen selber mehr leisten. Wir fordern die Umsetzung der Agenda 2063: Good governance, Korruptionsbekämpfung, Rechtsstaatlichkeit.

Zweitens: Die Entwicklungszusammenarbeit über öffentliche Mittel muss gestärkt werden. Wir setzen auf Ausbildung, investieren in Leuchttürme und fördern den Technologietransfer.

Drittens: Wir fördern fairen Handel, mehr Wertschöpfung vor Ort und neue Handelsbeziehungen. Es an der Zeit, neue EU-Partnerschaftsabkommen zu schließen; jetzt, zum Start der afrikanischen Freihandelszone.

Viertens: Privatinvestitionen sind der Schlüssel zur Entwicklung. Schon jetzt sind die Marktpotenziale riesig. Ich nenne einige Beispiele: Äthiopien wird in den kommenden Jahren zum führenden industriellen Hersteller Afrikas. Die Wachstumsraten werden zwischen sieben und elf Prozent liegen, neue Industrieparks entstehen. In Ruanda entsteht Afrikas digitaler Hub. Inzwischen sind zwei Milliarden US-Dollar im Sektor investiert. Wir bauen Digitalzentren und investieren in Ausbildung. Abidjan in der Elfenbeinküste wird zum Konsumgüterzentrum des Kontinents. Vom Parfüm bis zum Fruchtsaft wird zukünftig alles vor Ort in Afrika produziert – riesige Chancen für unsere Anlagenbauer. Tunesien ist der Autostandort. Die Fachkräfte sind gut ausgebildet – auch dank deutscher Entwicklungszusammenarbeit. Von Europas Märkten ist Tunesien nur einen Steinwurf entfernt. 60.000 Arbeitsplätze sind durch deutsche Investments bereits entstanden.

Jetzt gilt es den Sprung nach Afrika zu wagen! Aber Unternehmen wie die Knauf Gruppe und der Medizinkonzern B. Braun sind immer noch Ausnahmen. Nur 1.000 deutsche Unternehmen sind in Afrika aktiv – fast alle im Maghreb oder in Südafrika. Aber 10.000 chinesische Firmen sind vor Ort! Nur ein Prozent der deutschen Auslandsinvestitionen gehen nach Afrika, nur zwei Prozent des Außenhandels.

Die Bundesregierung, mein Ministerium – wir wollen das ändern. Und wir liefern. Der Marshallplan bildet die Grundlage für mehr Investitionspotenzial in Afrika. Wir bilden gemeinsam mit deutschen Unternehmen vor Ort aus. Zum Beispiel allein 25.000 Ausbildungsplätze in Ghana in drei Jahren. Das Hermes-Deckungsvolumen für Afrika hat sich 2018 mehr als verdoppelt – dank der Absenkung des Selbstbehalts. Das alles sind erste Erfolge; aber das reicht noch nicht.

Mit dem Entwicklungsinvestitionsfonds gehen wir darum jetzt in eine ganz neue Dimension: Mehr Mittelstand nach Afrika und in Afrika. Die Kanzlerin hat das Ambitionsniveau vorgegeben – eine Milliarde Euro. Der erste Schritt ist der wichtigste zum Ziel.

AfricaConnect schafft, was dem Mittelstand fehlt. Wir schließen Finanzierungslücken: Denn unter einem Volumen von 4 Millionen Euro finanziert bislang keine Geschäftsbank ein Afrika-Investment. Mit AfricaConnect geht das künftig: Die deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) vergibt Darlehen zwischen 750.000 und vier Millionen Euro zu attraktiven Konditionen. Denn gerade kleinere Investitionen sind entscheidend: wie das Lagerhaus für den Obst- und Handelsbetrieb. Ein erfolgreiches Beispiel ist der kenianische Safthersteller Kevian. Finanziert mit Hilfe der DEG schafft er die Maschinen an. Das Ergebnis: Lieferverträge für 80.000 Bauern – und toller Mango-Saft! Vor allem fördert AfricaConnect aber den klassischen Mittelstand: vom Maschinenbauer bis zum Baustoffhersteller. Unser Ausbildungskonzept setzt deshalb verstärkt auf das Handwerk, hier wie dort.

Die Förderungsvoraussetzungen sind transparent: Mindestens 30 Prozent Eigenbeteiligung an der Investitionssumme, ein betriebswirtschaftlich durchdachtes Konzept, ein erkennbarer Beitrag zur Entwicklung der Zielmärkte. Wir teilen die Risiken fair auf. Politische und wirtschaftliche Risiken mildern wir durch eine einzigartige Risikoaufteilung. Unser Darlehen wird behandelt wie Eigenkapital, im Stressfall ist es nicht vorrangig zu bedienen.

Wir bieten Beratung aus einer Hand: Mit der DEG in Köln, mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) – Dank an Peter Altmaier; dem Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft und der Agentur für Wirtschaft und Entwicklung (AWE). Wir beraten zum Einstieg in neue Märkte; zur Antragstellung; im gesamten Investitionszyklus.

Es darf aber nicht nur ums schnelle Geld gehen. Nachhaltigkeit muss das Grundprinzip sein – auch und gerade bei Investitionen in Afrika.

AfricaConnect wird daher wirtschaftlich und ökologisch nachhaltige Konzepte fördern. Das heißt konkret: Wir wollen Projekte, die vor Ort Mehrwert schaffen – Arbeitsplätze, Umweltschutz, lokale Entwicklung.

Ein weiterer wichtiger Aspekt: Afrikas kleine und mittlere Unternehmen könnten rasant wachsen – ​aber viel zu häufig fehlt der Zugang zur Finanzierung.

Deshalb die Fonds-Komponente "AfricaGrow" – ein afrikanisches Mittelstandsförderungsprogramm. Mit Beteiligung an afrikanischen Wagnis-Fonds schaffen wir mehr Kapital für innovative Unternehmensideen – aus Afrika selbst. Drei Ziele soll AfricaGrow erreichen: Durch die attraktive Risikoteilung gewinnen wir weitere Investoren dazu. Wir stärken Afrikas lokale Finanzmarktstrukturen und wir fördern die afrikanische Start-up-Szene mit Kapital für wichtige Investitionen: Denn mehr Kapital gleich mehr Jobs vor Ort.

Wir flankieren diese neue Zusammenarbeit durch unsere Arbeit mit Afrikas Reformstaaten. Wir starten mit AfricaConnect und AfricaGrow vorrangig in den "Compact with Africa"-Ländern. Wer auf Investitionen setzt, bürokratische Hürden abbaut, Korruption bekämpft, der profitiert. Und wir setzen auf Sie – die Unternehmer. Ab sofort ist AfricaConnect operativ. Die DEG und die AWE stehen schon bereit: Fragen Sie nach, lassen Sie sich beraten! Und gemeinsam mit dem BMWi werden wir ein "Wirtschaftsnetzwerk Afrika" bauen.

Der Entwicklungsinvestitionsfonds ist ein weiterer wichtiger Schritt. Aber wir wollen unser Angebot an Sie noch weiter ausbauen: Bedarfsorientiert, effizient, entwicklungswirksam. Wir werden unser develoPPP-Programm flexibler und unbürokratischer machen, damit mehr KMU dabei sein können. Wir helfen unseren Partnerländern, Industrieparks und Gewerbecluster aufzubauen – mit attraktiven Konditionen für Investoren. Im Rahmen der "Sonderinitiative Ausbildung und Beschäftigung" haben wir einen flexiblen Titel, mit dem wir Afrika-Engagement bedarfsgerecht fördern können – von der Fachkräfteausbildung bis zur schnelleren Zollabwicklung.

Mein Wunsch an die Kabinetts- und Ministerialkollegen: Legt die Eifersucht beiseite. Zusammenarbeit ist angesagt; weniger Bürokratie, schnellere Wege. Wir bieten ein gemeinsames Afrika-Konzept.

Meine Wünsche an Sie als Unternehmer: Leinen los, auf nach Afrika. Stellen Sie Anträge, reichen Sie Projekte ein. Nicht 100, 500 oder 1.000; sondern so viele, dass alle sehen: Ich muss jetzt in Afrika dabei sein!

Lexikon der Entwicklungspolitik

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