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Januar

Klimaschutz – aus Verantwortung für unsere eine Welt


Rede von Bundesentwicklungsminister Müller anlässlich der Verleihung des European Energy Awards an bayerische Kommunen am 30.01.2017 in Kempten

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Kiechle,
Sehr geehrter Herr Friedl,
Sehr geehrter Herr Sambale,
Sehr geehrte Damen und Herren,

Gold für Kempten, meinen Glückwunsch!

30 Gemeinden beteiligen sich in Bayern am Europäischen Energiepreis. Kempten ist Bayerns erste kreisfreie Stadt, die mit ihrem Klima-Engagement die Auszeichnung in Gold erhält! Ich gratuliere natürlich auch den anderen fünf Gemeinden, die wir heute auszeichnen: Durach, Haldenwang, Lindau, Neu-Ulm und Kammerstein.

Sie alle sind Vorreiter. Sie fördern in Ihren Gemeinden Solarstrom, energetische Sanierung, Passivhäuser. Und Kempten hat die erste Klimaschule Süddeutschlands, das Hildegardis-Gymnasium. Das alles treiben Energieteams in Ihren Gemeinden voran – zum Teil ehrenamtlich. Unterstützung kommt vom Energie- und Umweltzentrum Allgäu eza! und den Bayrischen Energieagenturen. Besonderen Dank an Herrn Sambale, Geschäftsführer des eza!, und Herrn Oberbürgermeister Kiechle.

Nachhaltigkeit vor unserer Haustür zu leben, das heißt Verantwortung zu übernehmen für unsere Welt! Denn Klimawandel findet bereits statt. Er trifft die Entwicklungsländer am härtesten. Allein 2016 gab es ungezählte Hungertote durch El Niño in vielen Ländern Afrikas. 1.000 Menschen starben durch Hurrikan Matthew auf Haiti im Oktober 2016.

Das Klimaabkommen von Paris und die "Agenda 2030" – der Weltzukunftsvertrag – sind Paradigmenwechsel. Alle Länder haben sich verpflichtet, nachhaltiger zu werden – alle müssen beitragen, gerade auch Industrieländer wie Deutschland.

400 Millionen Tonnen fossiler Energieträger verbraucht Deutschland pro Jahr. Die Menschen in Deutschland verbrauchen im Monat durchschnittlich so viel Energie wie die Menschen im Senegal im Jahr. Und fast so viel Strom wie alle afrikanischen Länder zusammen! Wir in den Industrieländern haben unsere Entwicklung mit Kohle, Öl und Gas befeuert. Unter den Folgen leiden heute alle: Umweltzerstörung, Klimawandel.

Aber ohne Energie keine Entwicklung! Energie ist die Grundlage für Fortschritt, für Wirtschaftswachstum. Die Nachfrage nach Energie explodiert. Experten schätzen, die Nachfrage wird um 50 Prozent ansteigen allein in den kommenden 15 Jahren! Denn 1,2 Milliarden Menschen weltweit haben noch keinen Zugang zu Energie, 600 Millionen allein im südlichen Afrika. Das heißt nicht nur: die Menschen haben kein Licht und keinen Kühlschrank. Sondern es heißt auch: es gibt kaum Wertschöpfung, keine Industrie, keine Verarbeitung von Rohstoffen, keine moderne Landwirtschaft. Deshalb müssen wir denen helfen, die heute Zugang zu Entwicklung und damit zu Energie brauchen.

Der Nachholbedarf ist riesig: 1.200 Kohlekraftwerke wären nötig, um Afrika einigermaßen zu versorgen. Aber wenn nur ein Drittel der weltweit geplanten Kohlekraftwerke ans Netz geht, ist das 2-Grad-Klima-Ziel nicht zu halten. Deshalb brauchen wir eine globale Energiewende. Energie muss emissionsfrei werden. Sonst gehen bald überall die Lichter aus. 35 Prozent der globalen Treibhausgase entstehen schon heute allein im Energiesektor.

Die gute Nachricht ist: Wandel findet bereits statt. Letztes Jahr gab es zum ersten Mal mehr Stromkapazität aus erneuerbaren Energien als aus Kohle. Und schon heute kommen 40 Prozent der erneuerbaren Energien weltweit aus Entwicklungsländern. Die Kosten sinken: in 30 Ländern ist Solarstrom schon günstiger als konventioneller Strom. Für unsere Partner ist besonders wichtig, dass es Solarenergie unabhängig von Infrastruktur gibt, auch ohne Stromnetz. Das Entwicklungsministerium fördert darum nachhaltige Entwicklung in allen Bereichen. Wir unterstützen unsere Partnerländer dabei, beides zu erreichen: eine funktionierende Wirtschaft und gleichzeitig Umwelt- und Klimaschutz.

2,7 Milliarden Euro hat die Bundesregierung 2015 für internationalen Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel ausgegeben. Die Gelder haben wir unter anderem eingesetzt für Meeresschutz, den Erhalt von Regenwäldern, eine klimasichere Landwirtschaft. Und wir wollen Klimarisikoversicherungen für zusätzlich 400 Millionen Menschen schaffen, denn aktuell sind erst 100 Millionen Menschen versichert. Das ist gut investiertes Geld, denn ein Euro Vorsorge spart vier Euro Nothilfe!

Im Energiebereich fördern wir den Zugang zu Energie, mehr Energieeffizienz und den Ausbau erneuerbarer Energien. In Afrika installieren wir gemeinsam mit Partnern 10 Gigawatt erneuerbare Energie. Zehn Kohlekraftwerke werden überflüssig! Denn in Afrika sind 90 Prozent des Potenzials für Erneuerbare noch ungenutzt. Afrika kann grüner Zukunftskontinent werden! Die Erfolge unserer Arbeit können sich sehen lassen: Mit Indien haben wir eine Solarpartnerschaft vereinbart, die 25 Millionen Tonnen CO2 einspart. Und das größte und modernste Solarkraftwerk der Welt steht in Marokko, erbaut mit Krediten und Technik aus Deutschland: 500.000 Parabolspiegel aus Furth im Wald, Turbinen von Siemens, Spezialsalz von BASF. 1,3 Millionen Menschen werden von dort künftig mit grünem Strom versorgt.

Unsere Klimaschutzprojekte vermeiden so viel CO2 wie Landwirtschaft und Verkehr in Deutschland im Jahr ausstoßen. Und Entwicklungsländer steigen gleich in "saubere" Entwicklung ein.

Nachhaltige Entwicklung braucht Partner. Gemeinsam mit Ihnen in den Kommunen können wir noch mehr erreichen. Denn Kommunen können alles, was wir vor Ort brauchen – Energieeffizienz, Infrastruktur, Abfallbeseitigung. In kommunalen Klimapartnerschaften machen Gemeinden in Deutschland und in Entwicklungsländern gemeinsam Klimaschutz. Das BMZ unterstützt. 50 deutsche Kommunen sind schon dabei. Darunter übrigens auch Preisträger des European Energy Awards. Würzburg zum Beispiel trägt zum Bau von Photovoltaikanlagen in der zweitgrößten Stadt Tansanias bei. Und das Energie- und Umweltzentrum Allgäu arbeitet für Energieeffizienz in ukrainischen Kommunen.

Meine Damen und Herren, Deutschland hat als erstes Land seinen Klimaschutzplan 2050 vorgestellt. Und im Herbst sind wir stellvertretend Gastgeber der Welt-Klimakonferenz. Da können wir noch mehr bewegen, unter anderem mit einem Städte-Klimagipfel. Wandel braucht politischen Willen, Veränderungsbereitschaft und private Investitionen. Wenn wir eine gute Zukunft auf unserem Planeten wollen, müssen wir jetzt gemeinsam handeln. Sie hier in Ihren Kommunen tun das schon!

Noch einmal meinen herzlichen Dank für Ihr Engagement und Glückwunsch zum Energie-Award! Ich hoffe, dass viele Ihrem Beispiel folgen werden!

Lexikon der Entwicklungspolitik

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