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April

Afrika – der Chancenkontinent des 21. Jahrhunderts


Neue Dimensionen der Zusammenarbeit nötig – Marshallplan mit Afrika und nicht für Afrika gebraucht – Die Zeit drängt

Gastbeitrag von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller in der Börsen-Zeitung vom 22. April 2017

Afrika ist ein Kontinent der Chancen und Herausforderungen. Armut und Boom liegen eng beieinander. Die Ausgangslage aus deutscher Sicht ist dabei bescheiden: Von 400.000 international tätigen deutschen Unternehmen sind gerade einmal 1.000 in Afrika aktiv. Die Gründe liegen vor allem in den unsicheren Rahmenbedingungen, unklaren Rechtslagen und fehlenden Fachkräften als Partnern. Oft mangelt es auch an nötigen Informationen über den regionalen Markt vor Ort.

Zug hat Fahrt aufgenommen

Das muss sich ändern. Denn der Zug hat längst Fahrt aufgenommen – etwa die Hälfte der 20 am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften liegt in Afrika, der Kontinent ist der Chancenkontinent des 21. Jahrhunderts. Nur ein Beispiel: Afrika überspringt bei seiner digitalen Revolution ein paar Etappen, Computer bleiben abseits, das Internet findet auf dem Handy statt.

Längst haben mobile Zahlungssysteme konventionelle Bankkonten hinter sich gelassen. Im südlich der Sahara gelegenen Teil Afrikas hatten 386 Millionen Menschen im Jahr 2015 einen Mobilfunkvertrag; diese Zahlen sind längst Vergangenheit, kein Markt weltweit wächst rasanter. Dieser Ausschnitt steht nur beispielhaft für die infrastrukturelle Aufholjagd eines Kontinents.

Deutsche Expertise gefragt

All dies weckt Bedarf nach deutschen Produkten, deutsche Expertise ist gefragt. Und andere haben längst die Konsequenzen gezogen: Chinesische, indische und türkische Investoren drängen auf den Markt und engagieren sich in zahllosen Unternehmen. Arbeitsplätze entstehen, die dringend benötigt werden; jedes Jahr kommen fast 20 Millionen junge Menschen neu auf den Arbeitsmarkt, jedes Land Afrikas ist jung. Diese neue Generation nutzt kreativ und entschlossen jede Chance, die sie nicht hat und entwickelt einen Unternehmergeist, der manchen Unternehmer in Deutschland erblassen ließe.

Daher brauchen wir völlig neue Dimensionen der Zusammenarbeit mit Afrika, und zwar eine Partnerschaft auf Augenhöhe, einen Marshallplan mit Afrika und nicht für Afrika. Dabei müssen wir weit über die klassische Entwicklungszusammenarbeit hinausgehen. Investitionen der Wirtschaft, fairer Handel und ein klarer Reformwille unserer afrikanischen Partner sind der Schlüssel zum Erfolg.

Anders als beim Marshallplan nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs geht es hier nun nicht um mehr Geld. Der Begriff zeigt aber die Dringlichkeit und das Potenzial gleichermaßen. Afrika braucht eine Stärkung der eigenen Entwicklungskräfte. Daher hat die Bundesregierung Afrika erstmals zum Thema der G20 gemacht. Nicht nur mehr Investitionen sind angesagt, sondern mehr Wertschöpfung vor Ort.

Neuanfang erforderlich

Afrika ist nicht geholfen, wenn es Rohstofflieferant bleibt und seine Schätze woanders weiterverarbeitet werden. Der Ausbau eigener afrikanischer Wertschöpfungsketten bei verschiedensten Produkten oder die Modernisierung der Landwirtschaft bilden auch ganz neue Möglichkeiten für den deutschen Mittelstand, dort Fuß zu fassen. Macht es schließlich Sinn, dass vom Kaufpreis eines Kilogramms Kaffee, immerhin 10 Euro, nur 50 Cent beim Plantagenbauer in Westafrika verbleiben? Macht es Sinn, dass Afrika durch Steuerflucht und -vermeidung mehr Geld verliert, als es an Entwicklungsgeldern erhält? Daran verdient letztlich keiner.

Es muss einen Neuanfang geben, und den setzen wir mit ausgewählten afrikanischen Ländern um. Wir werden gezielter fördern. Und zwar jene Staaten, die sich auf den Weg machen wollen, sich also für Reformen, eine gute Regierungsführung und die Bekämpfung der Korruption einsetzen. Diese Ziele hat übrigens die Afrikanische Union selbst festgelegt, in der Agenda 2063.

Dafür muss sich auch in Deutschland einiges ändern. Der Marshallplan ist nicht die eine Lösung, er ist ein erster Anstoß. Wir haben bereits unsere Agentur für Wirtschaft und Entwicklung eingerichtet, die deutschen Unternehmen hilft, sich auch in Afrika zurechtzufinden; gerade der Mittelstand braucht mehr Informationen über den afrikanischen Markt. Aber das reicht nicht. Ich denke an steuerliche Anreize und an Risikoabsicherung. Ganz klar braucht es mehr Förderinstrumente wie Garantien für Investitionen.

Mehr Investitionen und Jobs

Vor Ort wollen wir unsere Partner gezielt beim Aufbau eigener Industrien, der Ausbildung von Fachkräften und der Förderung von Unternehmen stärken. Afrika braucht zum Beispiel mehr Handwerker und technische Berufe. Allein in Kenia bilden wir in den nächsten drei Jahren über 5.000 junge Menschen aus – gemeinsam mit der deutschen und der kenianischen Wirtschaft, allein das bildet eine Grundlage für mehr Investitionen und mehr Jobs.

Frauen stärken

Und wir werden in die Gleichberechtigung der Frauen investieren. Sie können so erfolgreicher und selbstbestimmter ihr Leben führen und die Wirtschaft voranbringen. Eine erfolgreiche Bevölkerungspolitik setzt also auf Investitionen in Bildung – und vor allem: die Stärkung von Frauen auf allen Ebenen.

Fairer Handel ist ein Schlagwort, das mit Inhalt gefüllt werden muss. Da ist jeder Einzelne von uns gefordert, zum Beispiel beim Frühstückskaffee, für dessen Bohnen wir keinen anständigen Preis zahlen wollen. Afrika braucht zudem eine stärkere Stimme, vor allem in den internationalen Gremien. Dazu gehört ein Sitz im UN-Sicherheitsrat genauso wie mehr Einfluss in der Welthandelsorganisation.

Die Weltgemeinschaft hat sich beachtlichen Herausforderungen zu stellen, auch und gerade in Afrika. Dazu braucht es nicht nur die Wirtschaft, sondern darin ruhen auch Chancen für sie. Daher nun der Marshallplan. Die Zeit drängt. Wann, wenn nicht jetzt? Hier ein Vorschlag. Konsultieren Sie unsere neu gegründete Agentur: www.wirtschaft-entwicklung.de, Agentur für Wirtschaft und Entwicklung in Berlin.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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