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April

Marshallplan mit Afrika: Know-how von Kommunen für Entwicklung nutzen


Gastbeitrag von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller im Behörden Spiegel​ vom 11. April 2017

Nördlich der südafrikanischen Stadt Durban wurde in den vergangenen Jahren der Natur ein großes Feuchtgebiet zurückgegeben. Es kann künftig wieder Regenwasser zurückhalten und hilft, Überschwemmungen zu vermeiden. Vor Ort im Einsatz: kommunale Experten aus Bremen. Gemeinsam mit ihren Kollegen aus der Stadtverwaltung Durbans arbeiten sie daran, die südafrikanische Großstadt gegen die Folgen des Klimawandels zu wappnen.

Auch im tansanischen Mwanza sind Fachleute aus deutschen Kommunen im Einsatz und beraten ihre Kollegen beim Aufbau von Photovoltaikanlagen. Und in Daressalam, Tansania, wird mit Unterstützung aus Hamburg eine Kompostierungsanlage für Marktabfälle gebaut.

Alle drei Projekte sind durch "Klimapartnerschaften" zwischen deutschen und afrikanischen Kommunen entstanden, die das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) fördert.

Die Idee dahinter: Viele globale Probleme können nur lokal gelöst werden – und deutsche Kommunen verfügen über genau das Know-how, das in unseren Partnerländern gebraucht wird. Dieses Wissen müssen wir nutzen – nicht nur im Bereich Klima und Energie, sondern auch bei Themen wie Rechtsstaatlichkeit, Stadtentwicklung und Mobilität, Trinkwasserversorgung und Abfallmanagement oder bei der Integration von Flüchtlingen.

Neue Partnerschaft für Entwicklung und Frieden

Wir fördern daher den Auf- und Ausbau von Know-how-Partnerschaften, in denen sich Kommunen in Deutschland und in Entwicklungsländern auf Augenhöhe begegnen, voneinander lernen und mit gemeinsamen Projekten Verantwortung für die Welt von morgen übernehmen.

Kommunen sind wichtige Kräfte bei der Umsetzung des "Marshallplans mit Afrika", den das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zur Diskussion stellt. Ziel ist eine neue Dirnension der Zusammenarbeit mit unserem Nachbarkontinent: Eine Partnerschaft für Entwicklung, Frieden und Zukunft.

"Reformchampions" gezielt unterstützen

Die rasante Urbanisierung in Afrika hat große Potenziale, die wir für die zukünftige Zusammenarbeit nutzen können. Dazu werden wir bestehende kommunale Partnerschaften ausbauen und Kommunen darin unterstützen, neue zu initiieren. Dabei werden wir eng mit kommunalen Spitzenverbänden und den Bundesländern zusammenarbeiten, die Partnerschaften mit afrikanischen Ländern unterhalten.

Im Rahmen der Umsetzung des Marshallplans werden wir dieses Potenzial nutzen und mit regionalen Schwerpunkten innovative Akzente setzen. Wir wollen "Reformchampions" gezielt unterstützen, zum Beispiel Marokko und Tunesien, Burkina Faso und Togo, Ruanda und Namibia.

Der Maghreb gehört zu den Regionen mit den am schnellsten wachsenden Städten weltweit. Bis 2050 rechnen die Vereinten Nationen mit einem Zuwachs von circa 100 Millionen Menschen in den Städten rund um das südliche und östliche Mittelmeer.

Traditionell zentralstaatliche Strukturen haben dazu geführt, dass Kommunen im Maghreb wenig Kompetenzen und Kapazitäten zur Steuerung ihrer Entwicklung und Daseinsvorsorge haben. Seit dem Arabischen Frühling verlangen Bürgerinnen und Bürger zunehmend Qualität und Effizienz bei den kommunalen Dienstleistungen, sowie Bürgernähe, Transparenz und Mitwirkungsmöglichkeiten in der Kommunalpolitik. Eine Mammutaufgabe für die Kommunen in Tunesien.

Vor diesem Hintergrund wollen wir sowohl bestehende Partnerschaften zu Know-how-Partnerschaften ausbauen, aber auch neue Partnerschaften initiieren, um so den Wissens- und Erfahrungsaustausch zu Abfallwirtschaft, Energie und Klima, Mobilität, Stadtentwicklung und Bürgerbeteiligung zu ermöglichen.

Gestalten Sie mit!

Mehr als 500 Kommunen sind in unseren Programmen bereits aktiv. Mein Ziel ist es, viele weitere Städte und Gemeinden für Partnerschaften mit einer Kommune in einem Entwicklungsland zu gewinnen. Wir leisten Anschubfinanzierungen für solche Projekte und begleiten sie inhaltlich. Direkte und passgenaue Beratung gibt es online auf skew.engagement-global.de oder telefonisch über die Hotline 0228 / 20717 670.

Dafür haben wir unsere Mittel für die Zusammenarbeit mit Kommunen deutlich aufgestockt: von fünf Millionen Euro im Jahr 2014 auf 15 Millionen Euro 2017. Denn die Kommune ist der Ort, an dem wir Zukunft gestalten!

Fördern Sie Nachhaltigkeit!

Übrigens: Veränderungen können Sie auch im Rahmen Ihrer täglichen Arbeit anstoßen, zum Beispiel durch die Beachtung von Umwelt- und Sozialstandards bei der öffentlichen Auftragsvergabe. Unser Online-Tool unter www.kompass-nachhaltigkeit.de hilft Ihnen dabei: Vom Papier bis zum Pflasterstein, vom Kaffee bis zum Computer informiert das Portal über Nachhaitigkeitskriterien und Gütezeichen.

Unterstützung für Kommunen

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) bietet Ihnen:

Finanzielle Förderung

Wir bieten Ihnen unkomplizierte Möglichkeiten, Ihr entwicklungspolitisches Engagement finanziell zu unterstützen.

Personelle Unterstützung
  • Erfahrungslernen für junge Menschen in Ihrer Partnerkommune, sowie Kurzzeiteinsätze für Fach- und Führungskräfte im Ruhestand,
  • längere Einsätze von Fachkräften in Ihrer Partnerkommune,
  • Kürzere Aufenthalte von Fachleuten aus Entwicklungsländern in Ihrer Kommune.
Beratung

Wir erarbeiten gemeinsam mit Ihnen Möglichkeiten, wie sich Ihre Kommune in der Entwicklungszusammenarbeit engagieren kann.

Vernetzung mit Gleichgesinnten und Partnern

Wir fördern Ihren Erfahrungsaustausch untereinander, bilden Netzwerke und bieten Ihnen interessante Veranstaltungen und Fortbildungen an - in Deutschland und international.

Kontakt:

Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns eine Mail, wir beraten Sie gerne:

ENGAGEMENT GLOBAL gGmbH
SKEW - Servicestelle Kommunen in der Einen Welt
Telefon: 0228 / 20 717 670
E-Mail: anfrage@service-eine-welt.de
www.service-eine-welt.de

Lexikon der Entwicklungspolitik

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