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Mai

"Mehr Meer – Gemeinsam für Meeresschutz in der Entwicklungspolitik"


Rede von Bundesminister Gerd Müller im GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel am 18.05.2016

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrter Herr Professor Herzig
sehr geehrter Herr Minister Habeck,
sehr geehrte Damen und Herren,

herzlichen Dank für die Einladung ins GEOMAR, Herr Professor Herzig!

Übermorgen ist Europäischer Tag der Meere – er wird in Turku in Finnland begangen. Wir diskutieren schon heute hier in Kiel über Meeresschutz. Das ist mir sehr wichtig.

Das Meer gehört niemandem. Wir alle tragen dafür Verantwortung. Es ist ein öffentliches Gemeingut.

"Was haben Meer und Entwicklungspolitik miteinander zu tun" – mag sich der eine oder die andere gefragt haben. Ich sage: Alle Entwicklung kommt aus dem Meer! Dort entstanden (vor Milliarden Jahren) die ersten organischen Verbindungen. Unsere Ozeane sind der größte Lebensraum der Welt. Weltmeere bedecken 70 Prozent der Erdoberfläche. Ozeane speichern mehr als 50 Prozent des von Menschen verursachten CO2.

Die Ausbreitung der Menschheit erfolgte vor allem entlang der Küsten und setzt sich fort. Heute leben – zahlenmäßig – mehr Menschen denn je nahe am oder vom Meer. Fast 70 Prozent! Weltweit lebt rund ein Zehntel der Menschen direkt oder indirekt vom Fischereisektor. 700 Millionen Menschen. 500 Millionen davon in Entwicklungsländern. Die EU ist der weltgrößte Fischimporteur. Fisch macht mehr Umsatz als Tee, Kaffee und Kakao zusammen.

Heute stehen wir vor gewaltigen Herausforderungen: Die Meere werden höher, saurer, wärmer. Der Anstieg der Meeresspiegel gefährdet Küstenstädte – und nicht alle haben die Mittel, sich zu schützen. Meere werden überfischt, verdreckt, ihre Ressourcen ausgebeutet. Durch illegale Fischerei entgehen den Küstenländern jährlich Einnahmen von bis zu 20 Milliarden US-Dollar. Küstenlandschaften werden zerstört. Mehr als 35 Prozent der Mangroven sind weltweit bereits verschwunden.

Das darf so nicht bleiben. Tiefseefischerei darf nicht zu Unterwasserwüsten führen. Globale Herausforderungen wie Ernährung, Rohstoffversorgung und Klimawandel sind ohne den Meeresschutz nicht lösbar. Wir müssen Ozeane, Meere und Meeresressourcen bewahren und für nachhaltige Entwicklung nutzen! So steht es auch in der Agenda 2030.

Darum sind wir dankbar für Ihre wichtige Arbeit hier am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung! Und darum engagiert sich das BMZ künftig noch stärker für Meeresschutz und nachhaltige Fischerei. Aktuell fördert das BMZ Projekte mit rund 180 Millionen Euro in vielen Partnerländern.

Unsere künftigen Schwerpunkte habe ich jetzt in einem 10-Punkte-Plan festgehalten. Wir werden:

Erstens: Mehr und besser verwaltete Meeresschutzgebiete schaffen. Heute sind nur 3,4 Prozent der Meere Schutzgebiete. 10 Prozent sollten es mindestens bis 2020 werden. Die Herausforderung ist, dass Schutzzonen länderübergreifend sein müssen – denn viele Meeresbewohner (Thunfisch, Meeresschildkröte) wandern weit über Ländergrenzen hinweg. Schutzzonen müssen langfristig abgesichert und effektiv verwaltet sein. Dafür wird das BMZ noch in diesem Jahr einen neuen internationalen Stiftungsfonds einrichten: den Blue Action Fund – gemeinsam mit akkreditierten Nichtregierungsorganisationen mit der notwendige Expertise.

Zweitens fördern wir nachhaltige Kleinfischerei und Aquakultur. Sie bietet vielen Menschen langfristig Lebensgrundlagen und schützt zugleich marine Ressourcen.

Wir wollen drittens daran mitarbeiten, dass Fisch nachhaltig und sozialverträglich produziert, verarbeitet und vermarktet wird. Arbeitsbedingungen im Fischereisektor verstoßen in vielen Fällen gegen international anerkannte Sozialstandards. Hier müssen wir handeln! Wir fördern darum die Zertifizierung von Fisch- und Aquakulturprodukten. Denn wenn mehr Verbraucher mehr zertifizierten Fisch kaufen können, schont das die Fischbestände und garantiert bessere Arbeitsbedingungen.

Wir werden viertens unsere Partnerländer dabei unterstützen, illegale, ungemeldete und unregulierte Fischerei zu bekämpfen, durch Unterstützung beim Aufbau von Überwachungs- und Kontrollsystemen.

Fünftens wollen wir strategische Partnerschaften mit Wirtschaftssektoren aufbauen, die ihrerseits Interesse daran haben, dass Meere und Küsten intakt sind. Zum Beispiel die Tourismuswirtschaft.

Wir unterstützen sechstens beim Kampf gegen den Müll im Meer. Zum Beispiel 20.000 Tonnen Müll jährlich in der Nordsee, darunter auch Öl.

Wir werden siebtens Strategien dafür entwickeln, was dort zu tun bleibt, wo die Schäden nicht mehr umkehrbar sind. Wir stoßen Forschungsprojekte an, fördern Risikoversicherungen, zeigen alternative Beschäftigungsmöglichkeiten. Stichwort "Risiko": Bald werden zwei Drittel der Weltbevölkerung in Küstenregionen leben.

Wir unterstützen deshalb – achtens – Städte, sich dem Klimawandel anzupassen. Das wird auch Thema sein in genau zwei Wochen beim German Habitat Forum.

Wir werden neuntens mit Unterstützung der Wissenschaft helfen, Frühwarnsysteme im Verbund mit Küstenschutz- und Stadtentwicklungsvorhaben auszubauen.

Zehntens unterstützen wir Länder und Regionen durch die "Partnership for Regional Ocean Governance".

Wir wollen mit Ihnen diese Pläne erörtern und umsetzen.

Ich freue mich auf die folgende Diskussion und Ihre Anregungen!

Lexikon der Entwicklungspolitik

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