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März

Nachhaltig investieren mit Rendite!


Nachhaltige Geldanlagen: ethisch, ökologisch und rentabel

Rede von Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, in der Hochschule für Philosophie in München am 14. März 2016

 Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Damen und Herren,

"Geld muss dienen und nicht regieren!" An diesen Satz hat Papst Franziskus in seinem apostolischen Schreiben "Evangelii Gaudium" 2013 erinnert. Zu Recht!

Denn die Kontraste sind riesig: Per Mausklick werden in Millisekunden Milliarden erzeugt. Die Geldmenge allein im Euro-Raum liegt bei über 10 Billionen Euro. Zugleich haben weltweit 800 Millionen Menschen nicht mal zwei Dollar pro Tag. Fossile Brennstoffe werden noch immer mit über fünf Billionen Dollar jährlich subventioniert.  Mehr Geld, als nötig wäre, um die Weltwirtschaft klima- und  umweltverträglich umzubauen.

Das ist nicht zukunftsfähig!

Und darum danke ich dem Katholischen Frauenbund, dass Sie das Thema "Nachhaltige Geldanlagen: Ethisch, ökologisch und rentabel" in die Hochschule für Philosophie gebracht haben, zusammen mit der Hauck & Aufhäuser Privatbank!

Ich will heute an Ihr Geld! Denn wir müssen den globalen Reichtum nutzen, um Armut und Hunger zu überwinden, um ein menschenwürdiges Leben für alle zu schaffen – nicht nur für uns, die oberen zwei Wohlstands-Milliarden, sondern für sieben, bald acht oder neun Milliarden Menschen auf der Welt – und dabei zugleich die Schöpfung, die Umwelt vor dem Kollaps zu bewahren.

Die Vereinten Nationen schätzen: Für eine Welt ohne Hunger und Not brauchen wir 30-mal so viele Mittel wie heute an Entwicklungshilfe zur Verfügung stehen: 4 Billionen Euro. Für 70 Prozent mehr Nahrungsmittel, für 40 Prozent mehr Wasser und Energie. Allein für die Folgen des Klimawandels muss die Weltgemeinschaft künftig 300 Milliarden US-Dollar pro Jahr aufbringen. Das schaffen Staaten nicht allein. Aber mit vereinten Mitteln kann es gelingen!

Wir müssen zum einen privates Geld für zukunftsfähige Entwicklung mobilisieren. Und zum anderen erreichen, dass Geld so investiert wird, dass es Mensch und Umwelt nutzt, nicht schadet.

Denn – um mit dem zweiten Punkt zu beginnen – wir tragen Verantwortung: Nicht nur durch die Produkte, die wir kaufen – hergestellt am anderen Ende der Welt. Sondern auch durch die Art und Weise, wie wir unser privates Geld anlegen!

Immer mehr Anleger wollen wissen, welche Unternehmen sie mitfinanzieren: Finanziere ich indirekt Kinderarbeit, Ausbeutung oder Umweltzerstörung?

Und mehr und mehr erkennen auch große Geldinstitute und Versicherungen: nicht-nachhaltige Praktiken schaden dem Ruf – zum Beispiel Rüstungsgeschäfte, Konfliktrohstoffe oder Kinderarbeit. "Reputationsrisikomanagement" nennt sich das heutzutage.

Auch "Divestment" oder "Desinvestition" gewinnt an Fahrt: Immer mehr große Anleger stoßen bewusst Anlagen ab, die unökologisch oder ethisch fragwürdig sind. Nicht nur aus Idealismus. Sondern aus hartem Kalkül: Auf lange Sicht ist nicht-nachhaltig eben auch nicht-rentabel!

Noch ist der Marktanteil für nachhaltige, verantwortliche Investitionen klein: 2,2 Prozent der Gesamtinvestitionen. Vor allem öffentliche Pensionsfonds, Kirchen, Wohlfahrtsorganisationen legen so an. Aber der Marktanteil wächst rasant. Vor zehn Jahren wurden in Deutschland nur fünf Milliarden Euro nachhaltig investiert, heute sind es fast 130 Milliarden!

Nachhaltigkeit muss Standard werden – auch bei Investitionen. Und der Investitionsbedarf ist riesig: Milliarden Menschen brauchen gute Nahrungsmittel, haben noch keinen Zugang zu Strom, zu fließend Wasser, zu digitaler Kommunikation.

Das Entwicklungsministerium unterstützt auf verschiedene Weise, Geld in verantwortliche Entwicklung zu lenken. Wir investieren direkt in nachhaltige Zukunft: So verdoppelt die Bundesregierung ihre Klimafinanzierung – und den Löwenanteil davon setzt das BMZ um. Beispiele sind das Solarkraftwerk Ouarzazate in Marokko, die Solarpartnerschaft mit Indien über eine Milliarde Euro bis 2020, oder die Zehn-Giga-Watt-Initiative für erneuerbare Energien für Afrika.

Vor allem aber beraten und unterstützen wir unsere Partnerländer dabei, soziale und ökologische Marktwirtschaften aufzubauen. Dazu gehören etwa sozial und ökologisch ausgerichtete Finanz- und Steuersysteme. Wir mindern mit öffentlichem Geld Investitionsrisiken für private Anleger – und bewegen so privates Geld in die richtige Richtung. So ermöglichen wir über Fonds der KfW Entwicklungsbank institutionellen Anlegern, zum Beispiel deutschen Pensionsfonds, in Mikrofinanzierung, fairen Handel oder erneuerbare Energien zu investieren.

Ein Beispiel ist der Europäische Fonds für Südosteuropa, inzwischen der weltweit größte Mikrofinanzfonds. Mit Hilfe des Fonds konnten 700.000 Kleinunternehmerinnen und -unternehmer im Schnitt 7.000 Euro aufnehmen. Und damit ihr Geschäft erweitern oder sich gegen Krisen absichern.

Oder der sogenannte Quantensprung-Fonds, der Leapfrog-Fund. Er investiert in Mikroversicherungen und baut Versicherungssysteme in Entwicklungsländern auf. Insgesamt 25 Millionen Menschen – vor allem Frauen – sollen sich versichern können, gegen Krankheit, Ernteausfall oder Naturkatastrophen.

Außerdem unterstützt das BMZ Sozialunternehmen, zum Beispiel über den Aavishkaar Fund. Sozialunternehmen haben zum Ziel, soziale oder ökologische Probleme unternehmerisch zu lösen. Gerade in Entwicklungsländern bekommen sie häufig keine Kredite.

In Indien fördern wir zum Beispiel ein Unternehmen, das solarbetriebene Bankautomaten aufstellt. So können auch Menschen in abgeschiedenen Regionen Geld abheben und überweisen.

Das BMZ arbeitet auch direkt mit der Wirtschaft zusammen, um global soziale und ökologische Standards durchzusetzen. Das Bündnis für nachhaltige Textilien ist dafür ein Beispiel: Es hat inzwischen 175 Mitglieder, die Einführung eines "Grünen Knopfes" als Erkennungsmerkmal und Zertifikat ist für 2016 geplant. Dieses Bündnis soll auch Blaupause für andere Sektoren sein.

Damit Anleger besser investieren können, müssen Unternehmen künftig besser informieren – auch über die nicht-finanziellen Auswirkungen ihrer Geschäfte. Eine entsprechende EU-Richtlinie existiert seit Ende 2014. Das BMZ kämpft bei der Umsetzung in Deutschland für große Transparenz.

Außerdem ein schönes Beispiel aus dem BMZ: Wir haben ein "Wasserrisiko-Werkzeug" entwickelt. Es preist den Wasserverbrauch in die Bewertung von Unternehmen ein. Oft sinkt die Kreditwürdigkeit drastisch!

All diese Beispiele zeigen: Es kann gelingen, dass alle nachhaltig profitieren – Anleger und Unternehmen; Mensch und Umwelt!

Die Globalisierung hat vielen Wohlstand gebracht. Jetzt müssen wir sie für alle gerechter gestalten! Seit Herbst letzten Jahres gibt es dafür die "Agenda 2030". Ein Zukunftsvertrag, vereinbart zwischen allen Nationen der Welt. Er zeigt: So kann Entwicklung gehen, die fair ist und nicht die Erde zerstört.

Weil Verantwortung für die EineWelt bei uns beginnt, haben wir gemeinsam eine Zukunftscharta verabschiedet. Sie nimmt auf, was an vielen Stellen in Deutschland schon getan und gedacht wird.

Noch einmal Papst Franziskus. Zitat: "Wir müssen Geld dazu nutzen, die Welt zu einem Ort zu machen, an dem alle Menschen ein Leben in Würde führen können, auch die künftigen Generationen."

Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass Geld nachhaltig dient!

Lexikon der Entwicklungspolitik

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