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Januar

Kakaobäuerinnen – Säulen der Familien und der Kakaoproduktion


Rede zur Eröffnung der gleichnamigen Veranstaltung des Forums Nachhaltiger Kakao auf der internationalen Süßwarenmesse am 31. Januar 2016 in Köln

 Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrter Herr Kropp-Büttner,
sehr geehrte Frau Touré-Litse,
sehr geehrte Damen und Herren,

wir sind hier unter Champions! Deutschland ist Weltmeister im Schokoladenkonsum, circa 12,2 Kilogramm pro Kopf pro Jahr und führend im Export von Schokolade. Vor allem aber haben wir Sie, die Champions der Nachhaltigkeit: das Forum nachhaltiger Kakao! Sie zeigen wie Schokolade alle glücklich macht! Nicht nur uns, sondern auch die Menschen am Anfang der Lieferkette, die den Kakao produzieren.

Das Forum Nachhaltiger Kakao zeigt: So könnten alle profitieren von Handel und Konsum. So kann globale Partnerschaft gelingen. So können Standards Standard werden! Vertreter von Regierung (BMZ und BMEL), Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Entwicklungsländern arbeiten erfolgreich zusammen. Das Forum hat mittlerweile 70 Mitglieder – das sind 80 Prozent des deutschen Marktes! Ich danke allen, die sich diesem Forum verpflichtet haben und ich hoffe, dass sich viele überzeugen lassen.

Das Forum hat beeindruckende Fortschritte gemacht:

  • 2011 lag der Anteil nachhaltigen Kakaos in deutschen Süßwaren noch bei 3 Prozent.
  • 2014 schon 27 Prozent - neunmal so viel in drei Jahren!
  • Bis 2020 hat das Forum anvisiert, 50 Prozent zu erreichen.

Aber ich meine, dass da sogar noch viel mehr drin ist: 100 Prozent müssten zu schaffen sein! Warum nicht? Dazu brauchen wir auch die Verbraucher. Nachhaltiger Konsum muss Standard werden. 100 Prozent fair ist das Ziel.

Denn Deutschland hat Marktmacht – Schokoladenmacht! - und damit auch die Macht, die Verhältnisse entlang der globalen Kakao-Lieferkette zu verbessern. Sie im Forum Nachhaltiger Kakao wissen: Verbesserungen sind bitter nötig!

90 bis 95 Prozent des Kakaos werden von Kleinbauern und Bäuerinnen angebaut, überwiegend aus West- und Zentralafrika durch Kleinbauern. Rund 60 Prozent unseres Kakaos stammen aus der Elfenbeinküste. Ich freue mich daher sehr über unsere Gäste aus der Elfenbeinküste.

Man sollte meinen, dass Kakaoreichtum auch Reichtum für die Kakaobauern und ihren Familien bedeutet. Das Gegenteil ist der Fall! Die am härtesten arbeiten, profitieren am wenigsten: Der Großteil der Kakaobauern lebt unterhalb der Armutsgrenze von 2 US-Dollar pro Tag! In der Elfenbeinküste hat ein Kakaobauer im Durchschnitt ein tägliches Einkommen von gerade mal 60 Cent – trotz der Preisanstiege im vergangenen Jahr!

Und die Bedingungen verschlechtern sich, statt sich zu verbessern: In den 80er-Jahren landete noch fast ein Sechstel des Schokoladenpreises bei den Kakaobauern. Heute sind es gerade mal noch 6 Prozent (ein Sechzehntel). Eine Folge von Armut ist Kinderarbeit! In der Elfenbeinküste und Ghana müssen 10 bis 20 Prozent aller Kinder im Schulalter arbeiten, insgesamt circa eine Million Kinder in beiden Ländern. Die Folgen sind Mangelernährung und Wachstumsstörungen bei Kindern. Hiervon sind allein in der Elfenbeinküste 30 bis 35 Prozent der Kinder im ländlichen Raum betroffen.

Besonders trifft es die Kakaobäuerinnen. Frauen stellen 50 Prozent der Arbeitskraft im Kakaosektor – sie erhalten aber nur einen Bruchteil des Einkommens! Dabei sind sie hauptsächlich für die Ernährung der Familien und der Kinder zuständig. Dabei investieren gerade Frauen in Chancen: Sie stecken 90 Prozent ihrer Einkünfte in Essen, Bildung und bessere Gesundheit für ihre Familien.

Und dies gilt nicht nur für Kakao: Frauen verrichten weltweit zwei Drittel der Arbeitsstunden. Sie produzieren bis zu 80 Prozent der Nahrungsmittel. Aber sie erhalten dafür nur ein Zehntel des Welteinkommens und besitzen gerade einmal ein Prozent des Weltvermögens.

Die Benachteiligung von Frauen und Mädchen muss überwunden werden. Wir müssen die Rolle der Frauen stärken – nur so können wir Mangelernährung und Kinderarbeit reduzieren! Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit leistet dazu einen Beitrag. Wir arbeiten in einem gemeinsamen Projekt in der Elfenbeinküste daran, das Einkommen von 20.000 Kakaobauern zu erhöhen und die Rolle der Frau zu stärken.

In mehr als zehn Entwicklungspartnerschaften in Afrika, Asien und Lateinamerika arbeiten wir mit der Wirtschaft an einem nachhaltigen Kakaosektor. In Nigeria, Ghana, Kamerun, der Elfenbeinküste und Togo haben wir hat das gemeinsam mit den Regierungen und 20 lokalen Partnern sogenannten "Farmer Business Schools" entwickelt. 230.000 Kakaobauern – ein Viertel davon Frauen – haben bereits das Ausbildungsprogramm durchlaufen. Der Großteil von ihnen konnte die Ernte von Kakao und anderen Nahrungsmitteln um mindestens 50 Prozent steigern.

Und wir setzen und weltweit für die Einhaltung von Sozial- und Umweltstandards ein – nicht nur beim Kakako. Manche sagen: Das treibt die Kosten. Aber eigentlich ist es andersherum: Bei uns ist vieles oft nur so billig, weil andere die Kosten tragen! Wir können die Globalisierung fairer gestalten. Und wir müssen es! Wenn wir nicht helfen, mehr Gerechtigkeit zu schaffen, dann schaffen die Menschen Fakten. Dann suchen sie ihr Glück woanders.

Das Kakaoforum zeigt: Verantwortung tragen funktioniert! Lassen Sie uns gemeinsam die Erfolgsgeschichte fortschreiben! Für faire und gerechte Arbeits- und Lebensbedingungen! Für eine gerechte Gestaltung der Globalisierung! Für Zukunftsperspektiven! Und wir werden alle davon profitieren – Frauen und Männer.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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