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September

Rede von Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller beim UN-Klimagipfel in New York


Es gilt das gesprochene Wort!

Eine Tonaufnahme der Rede (englisch) finden Sie hier.

Sehr geehrter Generalsekretär Ban Ki-moon,
sehr geehrter Weltbankpräsident Jim Yong Kim,
Exzellenzen,

der globale Klimaschutz ist eine gemeinsame Ver­ant­wor­tung aller Nationen. Wenn wir die Erderwärmung auf 2 Grad begrenzen wollen, müssen wir sehr schnell und entschlossen handeln.

Für Millionen von Menschen kann der Klimawandel bedeuten, dass ihre Heimat unbewohnbar wird.

Die Auswirkungen – Flutkatastrophen, Dürrekrisen und Wasserknappheit – treffen die Menschen in Ent­wick­lungs­ländern am härtesten. Für die kleinen Inselstaaten in Pazifik, Karibik und im Indischen Ozean geht es im wahrsten Sinne des Wortes um ihre Existenz.

Selbstverständlich wäre auch Deutsch­land betroffen. Ein Ansteigen der Meeresspiegel würde unsere Küsten bedrohen. Ein Einbrechen der Weltwirtschaft hätte für uns als Handelsnation dramatische Folgen.

Deshalb brauchen wir ein weltumspannendes Bewusstsein für Klimawandel.

Wir sitzen alle in einem Boot. Klimaschutz ist eine Überlebensfrage der gesamten Menschheit.

Deutsch­land geht mit ehrgeizigen Zielen voran:

  • ​Bis 2020 wollen wir unsere Kohlendioxid-Emissionen um mindestens 40 Prozent ​gegenüber 1990 verringern.
  • Bis 2022 steigen wir aus der Kernkraft aus.
  • Und bis 2025 steigern wir den Anteil der erneuerbaren Energie auf mindestens 40 Prozent.

Wir können die Erderwärmung aber nur unter 2 Grad halten, wenn auch die Ent­wick­lungs- und Schwellen­länder dazu beitragen. Dabei werden wir sie massiv unterstützen.

Die Industrieländer haben 2009 in Kopenhagen zugesagt, ab 2020 jährlich 100 Milliarden US-Dollar zu mobilisieren.

Deutsch­land steht zu dieser Verpflichtung. Wir sind bereits jetzt der zweitgrößte Geber in der Klimafinanzierung: Wir haben die öffentlichen Leistungen in den letzten zehn Jahren auf rund 1,8 Milliarden Euro vervierfacht.

Ich werde mich dafür einsetzen, dass Deutsch­lands Beiträge bis 2020 weiter wachsen und wir dadurch unserer Führungsrolle bei der Umsetzung der in­ter­na­ti­o­nalen Klimafinanzierung gerecht werden.

Zudem setzen wir unsere Mittel gezielt für Initiativen mit hohem Kohlendioxid-Minderungspotential ein. Wir müssen das Wirt­schafts­wachs­tum vom Emissionswachstum entkoppeln. Lassen Sie mich nur zwei Beispiele nennen:

  • ​In der klima- und ent­wick­lungs­po­litischen Zu­sam­men­ar­beit werden wir keine Finanzierung für den Neubau von Kohlekraftwerken mehr zur Verfügung stellen. Die Modernisierung laufender Kohlekraftwerke werden wir nur noch eingeschränkt und nach klar definierten Kriterien finanzieren.
  • ​Wie im Inland setzen wir auch global auf eine Energiewende. Wir investieren jährlich 300 Millionen ​Euro, um mit deutscher Technologie und Expertise die Erzeugung erneuerbarer Energien wie zum Beispiel Wind- und Solarenergie und die Ener­gie­ef­fi­zienz inEntwicklungsländern zu unterstützen.

Klimaschutz ist ohne Waldschutz nicht denkbar. Bis zu einem Fünftel der weltweiten Treibhausgasemissionen entstehen durch Abholzung und die Degradierung von Wäldern.

Deutsch­land stellt deshalb pro Jahr eine halbe Milliarde Euro für den weltweiten Erhalt von Wäldern und anderen Ökosystemen bereit. Auch bei der Finanzierung von REDD+ (Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation) gehört Deutsch­land zu den größten Gebern. Dabei haben wir stets die rund 1,6 Milliarden Menschen im Blick, deren Lebensgrundlage unsere Wälder bilden.

Der Green Climate Fund (GCF) ist für Deutsch­land das zentrale Instrument der zukünftigen Klimafinanzierung. Ich bin zuversichtlich, dass die Erstauffüllung bis Ende November erfolgreich sein wird.

Deutsch­land hat bereits im Juli als erster Geber einen signifikanten Beitrag angekündigt. Wir sind bereit, bis zu 750 Millionen Euro (das heißt circa 1 Milliarde US-Dollar) in den GCF einzuzahlen. Dies verbinden wir mit der Erwartung, dass auch andere Industrieländer einen fairen Anteil zur Auffüllung des GCF beitragen.

Im Rahmen dieses Gipfels hat es bereits weitere Zusagen gegeben, die ich sehr begrüße. Wichtig ist, dass auch "emerging economies" einen signifikanten Beitrag leisten.

Jedes Land muss sich gemäß seiner Leistungsfähigkeit am globalen Klimaschutz beteiligen. Dann wird es uns auch gelingen, Ende 2015 in Paris ein neues Klimaschutzabkommen abzuschließen.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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