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Juni

Die Zukunftscharta "EINEWELT – Unsere Verantwortung"


Artikel von Bundes­ent­wick­lungs­mi­nister Dr. Gerd Müller im Rundbrief Bildungsauftrag Nord-Süd, Nr. 79, Juni 2014.

Im nächsten Jahr laufen die Mil­len­ni­ums­ent­wick­lungs­ziele der Vereinten Nationen aus und die Weltgemeinschaft muss eine zukunftsfähige Grundlage für ein neues globales Zielsystem schaffen. Dabei geht es um die Bewältigung der beiden größten He­raus­for­de­run­gen der nächsten Dekaden, die Beseitigung von extremer Armut und Hunger und den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen – unserer Schöpfung.

Vor einigen Wochen hat unser Ministerium zusammen mit fast 400 Vertreterinnen und Vertretern aus Zivil­ge­sell­schaft, Kirche, Wirtschaft, Stiftungen, Medien, Kommunen und vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen das Startsignal für die Zukunftscharta "EINEWELT –  unsere Ver­ant­wor­tung" gegeben. Gemeinsam wollen wir der Frage nachgehen, wie wir auf dieser Erde in Zukunft leben wollen - denn um nichts anderes geht es. Die Zukunftscharta soll eine Richtschnur sein für den Beitrag, den Deutsch­land in die in­ter­natio­nale Debatte über die neuen globalen Ziele einbringen wird.

Bei der Auftaktveranstaltung haben wir beschlossen, die Diskussion anhand der vier Dimensionen von Nach­hal­tig­keit zu führen, das heißt der ökologischen, sozialen, ökonomischen und politisch-kulturellen Dimension. Wir waren uns auch einig, das Thema "Globale Partner­schaft" in den Dialog einzubeziehen. Denn die Einteilung in Arm und Reich, in Nehmer und Geber bringt uns nicht mehr weiter - längst sitzen wir in einem Boot und müssen gemeinsame Lösungswege suchen.

Wir haben festgestellt, dass es sehr unterschiedliche Ansichten darüber gibt, wie wir zu einer Welt ohne Hunger und Armut gelangen können und wie wir uns eine nach­hal­tige Lebensweise vorstellen. Trotz dieser Unterschiede wollen wir über diese Fragen einen größtmöglichen Konsens herausarbeiten und dies in der Zukunftscharta auch festhalten.

Mein Leitbild ist eine sozial und ökologisch ausgerichtete Markt­wirt­schaft. Ökonomie und Ökologie dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden, gleichzeitig müssen wir die sozialen, kulturellen und politischen He­raus­for­de­run­gen des 21. Jahrhunderts mitberücksichtigen. Dafür werde ich mich innerhalb der Bun­des­re­gie­rung, in der Europäischen Union und bei den Vereinten Nationen einsetzen.

Deutsch­land steht zu seiner in­ter­na­ti­o­nalen Ver­ant­wor­tung und ist weltweit ein anerkannter und verlässlicher Partner. Gemeinsam mit allen Koalitionsfraktionen bin ich der Überzeugung, dass unser Land nur mit den Partnern in Europa und der Welt seine erfolgreiche soziale und wirt­schaft­liche Ent­wick­lung wird fortsetzen können.

Wichtig ist mir allerdings, dass wir bei dieser Diskussion den Blick nicht nur nach außen richten. Seit der ersten Veröffentlichung über "Die Grenzen des Wachstums" durch den Club of Rome im Jahr 1972 wissen wir, dass für den Erhalt der Umwelt die Industrie- und Schwellen­länder eine besonders große Ver­ant­wor­tung tragen.

Eine global nach­hal­tige Ent­wick­lung, die Armut und Hunger beseitigt und planetare Wachstumsgrenzen berücksichtigt, kann nur durch eine umfassende Verhaltensänderung aller Menschen erreicht werden.

Und hier komme ich zu Ihnen, die Sie sich für die ent­wick­lungs­po­litische Bildungsarbeit in Deutsch­land engagieren. Für mich ist wichtig, dass gerade Sie sich am Prozess der Zukunftscharta beteiligen. Sie tragen mit Ihrer Arbeit maßgeblich dazu bei, dass das Papier nicht in der Schublade vergilbt, sondern lebt – sei es in der Schule oder im Verein, sei es beim Aufbau einer Städtepartnerschaft, beim Jugendaustausch oder bei der Zu­sam­men­ar­beit mit Migrantinnen und Migranten. Und dies sind nur einige der zahlreichen gesellschaftlichen Schnittstellen, in die Sie sich aktiv einbringen.

Lassen Sie uns mit der Zukunftscharta das ent­wick­lungs­po­litische Denken erweitern und im besten Sinne gemeinsam "Global Lernen". So geben wir Anstöße, gängige und vermeintlich feststehende Antworten auf die zentralen Zukunftsfragen neu zu überdenken: Wie können wir die Welt ernähren? Wie können wir allen Menschen ein Leben in Würde sichern mit fairen Arbeitsbedingungen und einem angemessen Einkommen? Gibt es die Chance, die Natur zu bewahren und zugleich nach­hal­tig zu nutzen? Wie können wir gute Regie­rungs­führung stärken? Ist es möglich, dass Männer und Frauen in allen Ländern die gleichen Rechte haben, dass die Men­schen­rech­te gewahrt und gefördert werden? Wie schaffen wir es, den Frieden auf der Welt zu sichern und bestehende Konflikte zu beenden?

Ent­wick­lungs­po­litische Bildung ist für mich der zentrale Hebel, um den Menschen in Deutsch­land globale Probleme und ihre Zusammenhänge greifbar zu machen. Sie verknüpft sie mit Fragen aus unserem täglichen Leben: Wie sieht meine eigene Kohlendioxid-Bilanz aus? Unter welchen Arbeitsbedingungen wird meine Kleidung produziert? Wie viel Lohn bekommt der Kleinbauer für den Kaffee, den ich trinke?

Liebe Leserinnen und Leser, Sie haben mit Ihrem Wissen und Ihren Erfahrungen die Möglichkeit, die in­ter­natio­nale Debatte über die neuen globalen Ziele aus der "Spezialisten-Ecke" herauszuholen. Helfen Sie mit, hierfür ein bürgernahes, breit verständliches Echo zu erzeugen! Denn die Zukunftscharta wird das sein, was wir gemeinsam daraus machen.

Mehr Informationen finden Sie auf unserer Internetseite www.zukunftscharta.de.

Den Beitrag finden Sie auch abrufbar hier auf der Website des Deutschen Komitees des World University Service (PDF 321 KB).

Lexikon der Entwicklungspolitik

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