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Vor dem Digital-Gipfel

Minister Müller vereinbart Kooperationen mit DHL und Westerwelle Foundation – Medikamente per Drohne, digitale Impulse für die Entwicklungszusammenarbeit


Auf dem BMZ-Innovationsforum schaut sich Bundesminister Gerd Müller einen DHL-Paketkopter an.

Pressemitteilung vom 30.11.2018 |

Berlin – Die Notfallversorgung kommt auf dem Luftweg, selbst in abgelegene Gebiete: Das BMZ und das Logistikunternehmen DHL bauen kurz vor dem Digital-Gipfel der Bundesregierung am 3./4.12. ihre Kooperation aus und setzen die Notfallversorgung per Drohne für medizinische Einrichtungen für bis zu 400.000 Menschen in Ostafrika fort. Das vereinbarten Bundesminister Gerd Müller und Thomas Ogilvie, Vorstandsmitglied Deutsche Post DHL, am Rande des ersten BMZ-Innovationsforums in Berlin.

Beide unterzeichneten eine Absichtserklärung zur Ausweitung des Pilotprojekts "Deliver Future". Ziel ist es zu testen, unter welchen Bedingungen der "DHL Paketkopter" auch im Regelbetrieb für die medizinische Versorgung eingesetzt werden kann. Gemeinsam wollen BMZ und DHL zusätzlich Beschäftigungsperspektiven vor Ort schaffen, zum Beispiel im Bereich Wartung und Instandsetzung der Drohnen, und planen lokale Trainings- und Schulungsmaßnahmen.

Entwicklungsminister Dr. Gerd Müller: "Die Digitalisierung hat längst auch in der Entwicklungszusammenarbeit Einzug gehalten. Entwicklungszusammenarbeit 2.0 muss den technologischen Fortschritt nutzen – gerade auch im Bildungs- und Ausbildungsbereich. 80 Prozent der Afrikaner besitzen ein Handy – und Smartphone, Internet und digitale Verwaltung können dazu führen, dass Afrika mit vielen neuen Jobs in die Moderne zieht und dabei Zwischenschritte überspringt. Jetzt schon kann man in Afrika bargeldlos auch ohne Konto per Handy bezahlen, Landregister werden dank Blockchain transparent, Kleinbauern vergleichen via App die Marktpreise für Weizen in Echtzeit – und Blutkonserven gelangen per Drohne in entlegenste Dörfer in Afrika. Gemeinsam mit unseren Partnern aus der Wirtschaft und Zivilgesellschaft setzen wir schon heute rund 450 Projekte mit digitalem Schwerpunkt in knapp 90 Ländern um."

Dr. Thomas Ogilvie, Vorstandsmitglied Deutsche Post DHL Group : "Wir freuen uns sehr über die Fortsetzung unseres erfolgreichen Medikamentendrohnen-Projekts in Ostafrika. Gerne bringen wir unsere Expertise in den Bereichen Logistik und Digitalisierung ein, um die Gesundheitsversorgung in diesem Teil Afrikas zu beschleunigen und damit zu verbessern."

Eine weitere Kooperation vereinbarte Minister Müller mit der Westerwelle Foundation: Gemeinsam werden beide digitale Start-ups in Afrika fördern, so die Vereinbarung anlässlich des Beitritts der Westerwelle Foundation zur Make-IT Allianz des BMZ. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit nutzt künftig das "Westerwelle Start-up Haus Kigali powered by Evonik Stiftung" für die Tech-Entrepreneurship-Förderung und als Teil des Digitalzentrums Ruanda des BMZ.

Michael Mronz, Vorsitzender des Vorstands der Westerwelle Foundation: "Erfolgreiche Gründerinnen und Gründer sind eine Chance für mehr Arbeitsplätze und einen neuen, digitalen Mittelstand in Afrika."

Dem Digitalzentrum für Gründer, Unternehmen, Programmierer in Ruanda sollen weitere in Ghana und Tunesien folgen. Mit etwa 130 Unternehmen arbeitet das Ministerium bereits auf dem afrikanischen Kontinent zusammen. In Ruanda gibt es zum Beispiel ein Carsharing-Projekt, zusammen mit VW, Siemens und SAR. Die jungen Ruander werden in einem Zentrum vor Ort ausgebildet und haben somit langfristig eine Perspektive. Allein in Afrika investiert das BMZ jetzt schon 150 Millionen Euro für Projekte zur Digitalisierung.

Minister Müller: "Das reicht aber bei weitem nicht aus, um die bestehende digitale Kluft zwischen Industrie- und Entwicklungsländern zu schließen. Je größer der Vorsprung der Industrieländer bei Digitalisierung wird, umso mehr werden Entwicklungsländer als Produktions- und Handelsstandort abgehängt. 60 Prozent aller Menschen weltweit sind offline und haben keinen Zugang zum Internet. In Afrika haben 600 Millionen Menschen noch nicht einmal Zugang zum Stromnetz. Der Nachholbedarf in unserem jungen Nachbarkontinent ist also gewaltig – die Chancen zugleich riesig und das Potenzial gewaltig. Wir wollen daher noch mehr afrikanische Start-ups unterstützen und mit deutschen Unternehmen zusammenarbeiten. Es bieten sich ganz neue Geschäftsfelder für beide Seiten."

Mitte Dezember ist die Digitalmesse re:publica mit Unterstützung des BMZ erstmals auch in Afrika zu Gast – in Ghanas Hauptstadt Accra.

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Lexikon der Entwicklungspolitik

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