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Gavi, die Impfallianz


Impfungen zählen zu den kostenwirksamsten Gesundheitsmaßnahmen: Geimpfte Kinder sind gesünder, besuchen mit größerer Wahrscheinlichkeit erfolgreich eine Schule und haben daher größere Chancen, sich zu gesunden, leistungsfähigen Erwachsenen zu entwickeln. Impfungen kommen dadurch nicht nur den einzelnen Menschen, sondern der gesamten Gesellschaft zugute.

Dennoch hatten zu Beginn dieses Jahrtausends rund 30 Millionen Mädchen und Jungen keinen ausreichenden Impfschutz. Während Kinder in Industriestaaten im Durchschnitt elf bis zwölf Impfungen erhielten, waren es bei ihren Altersgenossen in Entwicklungsländern im Schnitt nur etwa fünf bis sechs. Neu entwickelte und teurere Impfungen, zum Beispiel gegen Hepatitis B, standen für die ärmsten Kinder der Welt praktisch gar nicht zur Verfügung.

Vor diesem Hintergrund und angesichts stagnierender Impfraten in den 1990er Jahren wurde nach neuen Wegen gesucht, die Gesundheit der Menschen vor allem in den ärmeren Ländern zu schützen. Im Jahr 2000 wurde dazu die Globale Allianz für Impfstoffe und Immunisierung (Global Alliance for Vaccines and Immunisation, Gavi) gegründet.


Öffentlich-private Partnerschaft

Als öffentlich-private Partnerschaft setzt sich die Impfallianz dafür ein, das Leben von Kindern in Entwicklungs- und Schwellenländern zu retten – durch den vereinfachten Zugang zu Impfungen und die Stärkung von Gesundheitssystemen. Hierzu werden nationale Impfprogramme unterstützt, neue Impfstoffe eingeführt und zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten eröffnet.

Als einer der größten Abnehmer von Impfstoffen weltweit, handelt die Impfallianz zugleich Preise mit den Pharmaherstellern aus und kann so die Kosten für Impfstoffe kontinuierlich senken. Ziel ist, dass die unterstützten Länder unabhängig von internationaler Hilfe eine hohe Impfrate aufrechterhalten und einen gleichberechtigten Zugang zu lebensrettenden Impfstoffen gewährleisten können.

In der Allianz arbeiten alle wichtigen Entscheidungsträger im Impfbereich partnerschaftlich zusammen: Regierungen von Industrie- und Entwicklungsländern, die Weltgesundheitsorganisation (WHO), das Kinderhilfswerk UNICEF, die Weltbank, die Bill & Melinda Gates Stiftung, Impfstoffhersteller aus Industrie- und Schwellenländern, Einrichtungen des öffentlichen Gesundheitswesens und Nichtregierungsorganisationen.

Die Impfallianz Gavi hat ihren Sitz in Genf und seit Anfang 2009 den Status einer Stiftung nach Schweizer Recht.


Strategie bis 2020

Die Strategie der Impfallianz Gavi für den Zeitraum 2016 bis 2020 ist von vier Zielen geleitet:

  1. Den gerechten und flächendeckenden Zugang zu Impfstoffen beschleunigen
  2. Die Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit der Impfstoffabgabe als zentrales Element gestärkter Gesundheitssysteme steigern
  3. Die Nachhaltigkeit nationaler Impfprogramme verbessern
  4. Die Märkte für Impfstoffe und andere Immunisierungsprodukte gestalten

Bislang wurden knapp 640 Millionen Kinder mit Gavi-Unterstützung geimpft. Die aktuelle Strategie soll dazu führen, dass zwischen 2016 und 2020 weitere 300 Millionen Kinder in Entwicklungsländern die wichtigsten Impfungen erhalten. Langfristig sollen dadurch fünf bis sechs Millionen Leben gerettet werden.


Vermeidung lebensbedrohlicher Krankheiten

Gavi fördert den Einsatz von 13 Impfstoffen, zum Beispiel gegen Hepatitis B, Haemophilus Influenzae Typ B (unter anderem Erreger von Hirnhaut- und Lungenentzündungen), Wundstarrkrampf, Keuchhusten, Masern, Polio und Diphtherie.

Zudem unterstützt Gavi Impfungen, die vor Pneumokokken und Rotaviren schützen. Pneumokokken sind die Haupterreger von Lungenentzündung, Rotaviren sind für schwere Durchfallerkrankungen verantwortlich. Lungenentzündung und Durchfallerkrankungen sind die Haupttodesursachen von Kindern in Entwicklungsländern.


Erfolge

Durch ihre gemeinsamen Aktivitäten trägt Gavi zusammen mit seinen Partnern dazu bei, Ziel 3 der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung (Gesundheit und Wohlergehen für alle) zu erreichen. Nach Angaben der Allianz haben die bislang geförderten Impfprogramme und -kampagnen dazu beigetragen, mehr als neun Millionen Todesfälle in Entwicklungsländern zu verhindern.

Die Impfraten in den armen Ländern sind deutlich gestiegen, die Zahl der nicht ausreichend geimpften Kinder ist auf 19,5 Millionen gesunken. In vielen Entwicklungsländern sind inzwischen Impfstoffe zu einem Bruchteil der Kosten verfügbar, die in Industrieländern anfallen. Neue Impfstoffe kommen in Industrie- und Entwicklungsländern fast zeitgleich zum Einsatz. 16 Länder, die durch Gavi unterstützt wurden, können ihre Impfprogramme inzwischen komplett selbst finanzieren.


Deutsches Engagement

Das BMZ unterstützt die Arbeit von Gavi seit 2006. Als Gastgeber der Wiederauffüllungskonferenz für die Impfallianz im Januar 2015 hat Deutschland seinen Beitrag für Gavi erheblich aufgestockt: Im Zeitraum 2016 bis 2020 werden insgesamt 600 Millionen Euro bereitgestellt. Damit ist die Bundesrepublik viertgrößter staatlicher Geber der Globalen Impfallianz. Insgesamt konnte Gavi im Rahmen der Wiederauffüllungskonferenz mehr als 7,5 Milliarden US-Dollar mobilisieren.

Deutschland bildet eine Stimmrechtsgruppe mit Frankreich, der Europäischen Kommission, Irland und Luxemburg. 2018 vertritt Deutschland die Gruppe als stellvertretendes Vorstandsmitglied im Gavi-Verwaltungsrat, 2019 dann als Vorstandsmitglied.


Weitere Informationen

Informationen

Siehe auch

Externer Link

Kontakt

 
Gavi, the Vaccine Alliance
2 Chemin des Mines
1202 Genf
Schweiz
Telefon: 00 41/ 22 / 9 09 65 00
Fax: 00 41 / 22 / 9 09 65 50

Lexikon der Entwicklungspolitik

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