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Dreieckskooperationen

Neue Wege der Zusammenarbeit gehen


Beratungstreffen der GIZ Chile mit den Partnern in Paraguay.

Länder wie Brasilien, Indien, Indonesien, Mexiko und Südafrika, die zur Gruppe der sogenannten Schwellenländer gehören, beteiligen sich immer intensiver an der Entwicklungszusammenarbeit. Sie sind inzwischen in der Lage, andere Entwicklungsländer mit Fachwissen sowie finanziell und personell zu unterstützen. Ihr wachsendes Engagement ermöglicht eine neue Form der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit: die Dreieckskooperation.

Dabei schließt sich meist ein Industrieland – also ein traditioneller Geber, der Mitglied im Entwicklungsausschuss (DAC) der OECD ist – mit einem Schwellenland (Süd-Geber) und einem dritten Land (Empfängerland) zusammen, um gemeinsame Maßnahmen zu verwirklichen. Diese Form der Zusammenarbeit ermöglicht einen besonders intensiven internationalen Wissensaustausch und fördert bei allen drei Partnern das gemeinsame Lernen. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit verfolgt dabei auch das Ziel, die Wirksamkeit von Entwicklungsvorhaben weiter zu verbessern.

Dreieckskooperationen sollen einen Beitrag dazu leisten, dass sich die Partner gleichberechtigt begegnen und gemeinschaftlich an Lösungen für globale Entwicklungsprobleme arbeiten. Zugleich bieten sie die Chance, ein gemeinsames Verständnis von Entwicklungspolitik aufzubauen sowie über Standards, Kriterien und Werte zu diskutieren.

Inzwischen gibt es in allen Weltregionen und zu den unterschiedlichsten Themen entsprechende Kooperationen, zum Beispiel in den Bereichen Wasser, Landwirtschaft, nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, Umwelt, Bildung oder gute Regierungsführung.

Der deutsche Ansatz

Diese Feuerwehrmänner in Liwale, Tansania, wurden im Rahmen einer Dreieckskooperation von südafrikanischen Experten ausgebildet.

Eine international vereinbarte Definition für Dreieckskooperationen gibt es nicht. In der deutschen Entwicklungszusammenarbeit wird ein Ansatz verfolgt, bei dem Deutschland als traditionelles Geberland gemeinsam mit einem Schwellenland als zweitem Geber Know-how, Erfahrungen und finanzielle Mittel mobilisiert, um ein Entwicklungsland (als Empfängerland) zu unterstützen. Empfängerländer können hierbei alle Kooperationsländer der deutschen Entwicklungszusammenarbeit sein.

Für das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ist es wichtig, dass alle drei Partner die Dreieckskooperation gemeinsam planen, umsetzen und finanzieren. Deutschland möchte hierbei nicht nur Geldgeber oder Kontaktvermittler sein, sondern die Maßnahme aktiv mitgestalten. Das gemeinsame Lernen steht dabei im Vordergrund: Jeder Partner soll seine speziellen Fachkenntnisse und Fähigkeiten einbringen.

Um Konflikte zu vermeiden und einen effizienten Einsatz der Mittel zu gewährleisten, müssen die Interessen der einzelnen Partner im Vorfeld umfassend geklärt werden. Wie alle entwicklungspolitischen Vorhaben des BMZ müssen auch Dreieckskooperationen genau auf den Bedarf und die Entwicklungsziele des Empfängerlandes ausgerichtet werden. Auch muss gesichert sein, dass das Empfängerland die Verantwortung für das Vorhaben übernehmen kann (Ownership).

Bei den bisherigen Dreieckskooperationen des BMZ handelte es sich fast ausschließlich um Vorhaben im Rahmen der technischen Zusammenarbeit. Grundsätzlich kann dafür aber auch finanzielle Zusammenarbeit zum Einsatz kommen.

Daneben gibt es weitere Formen der Zusammenarbeit, bei denen Deutschland mit neuen Gebern, die nicht dem OECD-DAC angehören, oder auch mit privaten Akteuren wie Stiftungen kooperiert. Dies kann zum Beispiel im Rahmen regionaler Kooperationen oder in programmbasierten Ansätzen der Fall sein, die aber über die engere BMZ-Definition von Dreieckskooperationen hinausreichen.


Internationale Zusammenarbeit

Dreieckskooperationen und die entwicklungspolitische Zusammenarbeit einzelner Entwicklungsländer (Süd-Süd-Kooperation) sind seit dem 4. Internationalen Forum zur Steigerung der Wirksamkeit der Entwicklungszusammenarbeit (2011 in Busan, Südkorea) stärker in den Mittelpunkt des internationalen Interesses gerückt. Das Abschlussdokument von Busan hebt die Bedeutung dieser neuen Formen der Zusammenarbeit hervor.

Unter dem Dach der Vereinten Nationen und der OECD befassen sich eine Reihe von Foren und Netzwerken mit dem Thema. Dazu zählen zum Beispiel das UN-Büro für Süd-Süd-Kooperation (United Nations Office for South-South Cooperation, UNOSSC) und das alle zwei Jahre tagende Development Cooperation Forum (DCF), das beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen (Economic and Social Council of the United Nations, ECOSOC) angesiedelt ist.


Lexikon der Entwicklungspolitik

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