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Wege der bilateralen Zusammenarbeit

Entsendung, Vermittlung und Einsatz von Fachkräften


Projektentwicklung bei der Hilfsorganisation CARE International: Erarbeiten eines Projektantrags zur Bekämpfung von Fluchtursachen in Nord-Mali und Nord-Niger

Die Ent­wick­lungs­po­li­tik der Bun­des­re­gie­rung orientiert sich am Grund­satz der Sub­si­di­a­rität (Nach­ran­gig­keit): Ex­ter­ne Fach­kräfte werden in der Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit nur dann ein­ge­setzt, wenn es die be­nö­tig­ten Experten im Ko­ope­ra­tions­land nicht gibt. Ebenso werden Personal­kosten nur dann von deut­scher Seite über­nommen, wenn sie von den Partner­orga­ni­sa­tionen nicht oder nur teil­weise aufgebracht werden können.

Um die eigene Ver­ant­wor­tung der Ko­ope­ra­tions­länder zu stärken, werden so viele einheimische Fachkräfte wie möglich eingesetzt. Trotzdem wird es auch in Zukunft wichtig sein, dass externe Fachkräfte wesentliche Aufgaben in den Entwicklungsvorhaben übernehmen.

Entsandte Fachkräfte

Entsandte Fachkräfte sind Mitarbeiter der deutschen Durch­füh­rungs­orga­ni­sa­tionen oder ihre Auftrag­nehmer. Sie werden in das Ent­wick­lungs­land geschickt, ohne dessen Staats­an­ge­hö­rig­keit zu besitzen. Or­ga­ni­sa­ti­on­en in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land nehmen sie unter Vertrag und setzen sie als fachliche Berater in Projekten und Programmen der Technischen und Finanziellen Zu­sam­men­ar­beit ein. Neben GIZ und KfW Ent­wick­lungs­bank, die im Auftrag des deutschen Staates Fachkräfte entsenden, schicken auch politische Stiftungen und andere private Or­ga­ni­sa­ti­on­en Experten in die Ko­ope­ra­tions­länder der deutschen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit.

Integrierte Fachkräfte

Integrierte Fachkräfte sind deutsche Staatsbürger oder Bürger eines anderen EU-Landes. Sie werden von einer öffentlichen oder privaten Einrichtung eines Kooperations­landes vor Ort eingestellt und sollen vorübergehende Personalengpässe über­brücken. Integrierte Fachkräfte erhalten ein lan­des­übliches Gehalt. Zusätzlich bekommen sie aus deutschen öffentlichen Mitteln Zuschüsse zum Gehalt, zur Vorbereitung auf ihre Tätigkeit und für ihre soziale Absicherung. Wenn sie nach Deutsch­land zurück­kehren, erhalten sie – im Falle von Arbeitslosigkeit – Übergangshilfen für ihre berufliche Wie­der­eingliederung.

Das Programm Integrierte Fachkräfte wird vom Centrum für in­ter­na­ti­o­nale Migration und Ent­wick­lung (CIM) durchgeführt.

Entwicklungshelferinnen und Entwicklungshelfer

Der Begriff des Entwicklungshelfers ist im Entwicklungs­helfer-Gesetz de­fi­niert. Entwicklungs­helfer ist demnach, wer mit einem staat­lich an­er­kann­ten Träger des Ent­wick­lungs­dienstes mindestens ein Jahre lang ununterbrochen "in Ent­wick­lungs­ländern ohne Erwerbs­absicht Dienst leistet, um in partner­schaftlicher Zu­sam­men­ar­beit zum Fortschritt dieser Länder beizutragen".

Darin, dass Entwicklungshelferinnen und Entwicklungshelfer ihren Dienst "ohne Erwerbsabsicht" leisten, unterscheiden sie sich von den anderen Fachkräften. Das Entwicklungshelfer-Gesetz legt fest, dass sie während der Zeit ihrer Tätigkeit Unterhaltsgeld erhalten. Auch für die soziale Absicherung wird gesorgt.

Entwicklungshelfer können nur von den folgenden sieben anerkannten Or­ga­ni­sa­ti­on­en entsandt werden:

  • Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe (AGEH), getragen von katholischen Or­ga­ni­sa­ti­on­en und In­sti­tu­tionen
  • Deutsche Ge­sell­schaft für In­ter­na­ti­o­nale Zu­sam­men­ar­beit (GIZ), im Besitz der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land
  • Dienste in Übersee gGmbH, getragen von Brot für die Welt – Evangelischer Entwicklungsdienst
  • Christliche Fachkräfte In­ter­na­ti­o­nal (CFI), eingerichtet von der Arbeitsgemeinschaft evangelikaler Missionen in Verbindung mit der Deutschen Evangelischen Allianz
  • EIRENE, Internationaler Christlicher Friedensdienst
  • Weltfriedensdienst
  • Forum Ziviler Friedensdienst (forum ZFD)

Die sieben Or­ga­ni­sa­ti­on­en haben sich 1993 in der Arbeitsgemeinschaft der Entwicklungsdienste (AGdD) zusammengeschlossen. Zusammen vermitteln sie jährlich mehr als 1.500 Ent­wick­lungs­hel­fer­innen und -helfer in Partner­projekte in Afrika, Asien, Latein­amerika und in die Reform­länder Osteuropas. Zur AGdD gehört auch das Förderungs­werk für rück­kehrende Fach­kräfte der Ent­wick­lungs­dienste. Es hilft zurück­kehrenden Ent­wick­lungs­helfern bei der beruflichen Wiedereingliederung.

Die nicht­staat­lichen Träger des Entwicklungsdienstes arbeiten neben anderen Frei­wil­li­gen­diensten auch im Arbeitskreis "Lernen und Helfen in Übersee" e.V. (AKLHÜ)  zusammen. Er unterhält eine gemeinsame Beratungs- und Anmeldestelle sowie eine Daten­bank für mögliche Einsätze von Frei­willigen im Ausland (zum Beispiel Entwicklungshelfer-, Workcamp- oder Praktikumseinsätze).

ASA-Programm

Das ASA-Programm vermittelt Praxis­aufenthalte in Afrika, Latein­amerika und Asien an Studierende, Graduierte und junge Berufstätige unter 30 Jahren. Sie können für ihre Tätigkeit bei geeigneten In­sti­tu­tionen in Ent­wick­lungs­län­dern Stipendien erhalten. Das Programm entstand 1960 aus einer Initiative von Studentinnen und Studenten.

Ein Auslandsaufenthalt dauert in der Regel drei Monate, der gesamte Programm­durchlauf einschließlich der Trainings­seminare zur Vor- und Nachbereitung etwa ein Jahr. Ein aktives Netzwerk bietet die Möglichkeit zum langfristigen Wissens- und Erfahrungsaustausch sowie zum En­gage­ment in der ent­wick­lungs­po­litischen Bildungsarbeit. Bisher haben sich mehr als 6.000 Personen an den Programmen beteiligt. Träger ist seit Jahresbeginn 2012 die neu gegründete Servicestelle En­gage­ment Global gGmbH.

Ent­wick­lungs­po­litische Nachwuchsförderung

Um deutsche Nachwuchskräfte für einen Einsatz in der Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit auszubilden beziehungs­weise fort­zubilden, unterstützt die Bun­des­re­gie­rung verschiedene Or­ga­ni­sa­ti­on­en und Programme.

Im Bereich der in­ter­na­ti­o­nalen Ent­wick­lungs­po­li­tik ist die Nach­wuchs­för­de­rung über das Programm "Bei­ge­ord­nete Sach­verständige zu in­ter­na­ti­o­nalen Or­ga­ni­sa­ti­on­en" wichtig. Es wird seit 1976 aus Mitteln des BMZ gefördert. Bei­ge­ord­nete Sach­verständige werden bei den Vereinten Nationen mit ihren ver­schie­de­nen Unter- und Sonder­orga­ni­sa­tionen sowie bei der Welt­bank und den regionalen Entwicklungs­banken eingesetzt.

Auch der jährliche Postgraduierten-Ausbildungs­kurs des Deutschen Instituts für Ent­wick­lungs­po­li­tik (DIE) in Bonn ist ein wichtiges Instrument der Nachwuchsförderung. Er dauert insgesamt neun Monate und beinhaltet einen elfwöchigen Aufenthalt in einem Ent­wick­lungs- oder Trans­for­ma­tions­land. Der Kurs wird jedes Jahr von rund 20 Hoch­schul­ab­sol­ventinnen und -absolventen besucht.

Das Seminar für ländliche Ent­wick­lung (SLE) gehört zur Humboldt-Universität in Berlin. Es bietet jedes Jahr ein zwölfmonatiges Ergänzungsstudium für bis zu 20 Hochschulabsolventen an, in dem Methoden und Instrumente der ländlichen Ent­wick­lung unterrichtet werden. Ein wichtiges Element des Ausbildungskurses ist ein dreimonatiger Auslandseinsatz, um ent­wick­lungs­po­litische Fragestellungen in der Praxis zu bearbeiten und die analytischen und sozialen Kompetenzen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu stärken.

Das BMZ bietet jungen Akademikerinnen und Akademikern ein "EZ-Traineeprogramm" an. Es dauert 17 Monate und wird von der Deutschen Gesell­schaft für Inter­nationale Zusammen­arbeit (GIZ) im Auftrag durch­geführt. Die Teilnehmerinnen und Teil­nehmer lernen die deutsche und multilaterale Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit aus unterschiedlichen Perspektiven aktiv kennen. An die einmonatige Vorbereitung schließt sich ein achtmonatiger Aufenthalt in einem bilateralen EZ-Vorhaben in einem Ent­wicklungs­land an. Die Trainees absolvieren darüber hinaus Stationen bei weiteren deutschen oder in­ter­na­ti­o­nalen Or­ga­ni­sa­ti­on­en sowie einen fünfmonatigen Einsatz im BMZ.

Die GIZ bietet neben einem Praktikumsprogramm, zu dem auch Auslands­aufent­halte in Ent­wick­lungs­länder gehören, für fachlich qualifizierte Berufseinsteigerinnen und -einsteiger verschiedene Juniorpositionen in den Büros in Deutsch­land sowie in den Partnerländern auf der ganzen Welt an. Nähere Informationen finden Sie hier.

Die KfW Entwicklungsbank bietet ebenfalls ein Traineeprogramm an. 

Weitere Informationen

Video von 2013:
50 Jahre Ent­wick­lungs­helferin und Ent­wick­lungs­helfer

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24.07.2013 - Vor 50 Jahren, im Sommer 1963, wurde in Bonn der Deutsche Ent­wick­lungs­dienst (DED) gegründet. Seit­dem waren rund 28.000 Ent­wick­lungs­hel­fer­innen und Ent­wick­lungs­hel­fer in über 100 Ländern tätig. Ende Juni würdigte Bun­des­mi­nis­ter Niebel in einem Festakt alle Entwicklungshelfer für ihr herausragendes En­gage­ment. Einen Überblick über diese Er­folgs­ge­schichte bietet – ​in  Ori­gi­nal­bil­dern – ​dieser Film.

24.07.2013

Vor 50 Jahren, im Sommer 1963, wurde in Bonn der Deutsche Ent­wick­lungs­dienst (DED) gegründet. Seit­dem waren rund 28.000 Ent­wick­lungs­hel­fer­innen und Ent­wick­lungs­hel­fer in über 100 Ländern tätig. Ende Juni würdigte Bun­des­mi­nis­ter Niebel in einem Festakt alle Entwicklungshelfer für ihr herausragendes En­gage­ment. Einen Überblick über diese Er­folgs­ge­schichte bietet – ​in  Ori­gi­nal­bil­dern – ​dieser Film.

1963 wurde der Deutsche Ent­wick­lungs­dienst (DED) gegründet. Bis 2013 waren rund 28.000 Ent­wick­lungs­hel­fer­innen und Ent­wick­lungs­hel­fer in über 100 Ländern tätig.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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