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Akteure der bilateralen Zusammenarbeit

Nichtregierungs­orga­ni­sa­tionen (Private Träger und Sozial­struktur­träger)

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hilfsorganisation CARE International erarbeiten einen Projektantrag zur Bekämpfung von Fluchtursachen in der Region Mali-Nord und Niger-Nord.

Nichtregierungsorganisationen (NROs, auf Englisch non-governmental organisations, NGOs) sind prinzipiell alle Verbände oder Gruppen, die nicht von Regierungen oder staatlichen Stellen abhängig sind und gemeinsame Interessen vertreten, ohne dabei kommerzielle Ziele zu verfolgen. Im allgemeinen Sprachgebrauch hat sich der Begriff NRO besonders für Organisationen, Vereine und Gruppen durchgesetzt, die sich gesellschaftspolitisch engagieren und gemeinwohlorientiert sind. Einige wichtige und typische Betätigungsfelder von NROs sind Entwicklungspolitik, Umweltpolitik und Menschenrechtspolitik.

Die Kompetenzen der Nichtregierungsorganisationen

Nichtregierungsorganisationen sind Ausdruck zivilgesellschaftlichen Engagements sowohl in den Partner- als auch den Geberländern der Entwicklungszusammenarbeit. Die Stärke der Nichtregierungsorganisationen liegt unter anderem in der hohen Motivation und Sachkompetenz ihrer Mitarbeiter und Partner sowie in ihrer Nähe zu unterprivilegierten Bevölkerungsgruppen – einer wesentlichen Voraussetzung zur Mobilisierung von Selbsthilfe und Eigeninitiative.

Durch ihre langjährige Erfahrung vor Ort haben NROs oftmals tragfähige entwicklungsfördernde Strukturen und Netzwerke aufgebaut. Seit vielen Jahren findet daher ein intensiver Meinungs- und Erfahrungsaustausch zwischen der Bundesregierung und den NROs statt, sowohl über die großen politischen Themen, als auch über Verfahrensfragen und die konkrete Zusammenarbeit vor Ort. Zusammen mit Kirchen, politischen Stiftungen und anderen privaten Trägern werden sie zum Beispiel regelmäßig an der Erarbeitung von entwicklungspolitischen Länder- und Regionalkonzepten des BMZ beteiligt.

Ein gemeinsames Merkmal aller NROs ist, dass sie über keine staatlichen Machtmittel verfügen und dass der Staat keinen direkten Einfluss auf sie hat. Dennoch – oder gerade deshalb – ist die Akzeptanz der Arbeit von NROs bei der Bevölkerung und in den Medien weltweit groß. Denn viele NROs haben einen direkteren Zugang zu den Menschen vor Ort als staatliche Einrichtungen und ihnen wird häufig besonders viel Vertrauen entgegengebracht. Das ermöglicht es ihnen, auch in politisch sensiblen Situationen Kontakt zu halten. So können sie oft auch in jenen Ländern Menschen in Krisensituationen unterstützen, mit denen eine staatliche Zusammenarbeit aus politischen Gründen schwierig oder unmöglich ist.

Nichtregierungsorganisationen tragen entscheidend dazu bei, dass die Bedeutung der Entwicklungszusammenarbeit im Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit verankert wird. Sie geben entscheidende Anstöße für die gesellschaftliche Diskussion – in Europa ebenso wie in Entwicklungsländern. Immer größere Bedeutung erlangen sie auch als "watchdogs", also als Mahner und "Anwälte" der Menschen, deren eigene Stimme im politischen Raum kein Gehör findet und als "change agents", das heißt als Wegbereiter für eine sozial-ökologische Transformation der Weltgesellschaft.

Beim Aufbau des Zivilen Friedensdienstes haben Nichtregierungsorganisationen gemeinsam mit den Kirchen eine Vorreiterrolle eingenommen.


Die Vielfalt der Nichtregierungsorganisationen

Allein in Deutschland gibt es mehrere Tausend entwicklungspolitische Nichtregierungsorganisationen – Fördervereine, Initiativgruppen, Aktionsbündnisse, Arbeitsgemeinschaften, Solidaritätskreise, Partnerschaftseinrichtungen, Stiftungen, entwicklungspolitische Netzwerke und viele mehr.

Die meisten dieser Organisationen sind private, kirchliche oder politisch orientierte Träger von Programmen und Projekten der Entwicklungszusammenarbeit. Die wichtigsten Arbeitsbereiche der NROs sind die Armutsbekämpfung, die Förderung von Meinungsbildungs- und Partizipationsprozessen, der Aufbau sozialer und institutioneller Strukturen, die Nahrungsmittel-, Not- und Flüchtlingshilfe, der Umweltschutz sowie die entwicklungspolitische Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit.

Derzeit sind 124 entwicklungspolitisch ausgerichtete Nichtregierungsorganisationen im Dachverband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe deutscher Nichtregierungsorganisationen e.V. (VENRO) zusammengeschlossen (Stand: Juli 2015). Viele kleinere Nichtregierungsorganisationen sind zudem über entsprechende Landesnetzwerke in die Arbeit von VENRO eingebunden. Die Gesamtzahl der bei VENRO organisierten entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisationen beläuft sich daher auf rund 2.000.


Die Förderung von Privaten Trägern

Um ihre Programme verwirklichen zu können, sind die meisten NROs auf ehrenamtliche Arbeit und Spenden angewiesen. Bei der Finanzierung ihrer entwicklungspolitischen Arbeit werden die NROs aber auch von staatlichen Stellen unterstützt. Kommunen, Bundesländer, das BMZ, aber auch die Europäische Union und die Vereinten Nationen können auf Antrag Geld für die Arbeit der NROs zur Verfügung stellen. Diese Fördermittel sind eine wichtige Ergänzung der Eigenmittel der NROs. Bei vielen Maßnahmen von NROs besteht der Hauptanteil der finanziellen Mittel aus solchen staatlichen Zuschüssen. Das BMZ hat die Vorhaben der privaten Träger im Jahr 2014 mit fast 64 Millionen Euro gefördert.

Damit Projekte privater deutscher Träger der Entwicklungszusammenarbeit bezuschusst werden können, müssen unter anderem folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Der Träger muss eine juristische Person des privaten Rechts mit Sitz und Geschäftsbetrieb in der Bundesrepublik Deutschland sein, deren Gemeinnützigkeit steuerrechtlich anerkannt ist.
  • Fachliche und administrative Kompetenz.
  • Grundsätzlich mindestens dreijährige Erfahrung in der Zusammenarbeit mit leistungsfähigen, nicht gewinnorientierten Partnerorganisationen in Entwicklungsländern.
  • Das zu fördernde Projekt muss die wirtschaftliche, soziale oder ökologische Situation armer Bevölkerungsgruppen nachhaltig verbessern oder zur Verwirklichung der Menschenrechte in Entwicklungsländern beitragen. Maßnahmen zu Capacity Development und Stärkung lokaler Zivilgesellschaft sind hier besonders wichtig.
  • Erstantragsteller können künftig mit bis zu 50.000 Euro gefördert werden; erfahrene Träger in Einzelfällen auch mit über 500.000 Euro.
  • Das BMZ finanziert grundsätzlich höchstens 75 Prozent der förderungsfähigen Gesamtausgaben.

Im Auftrag des BMZ unterstützt und berät die Beratungsstelle für private Träger in der Entwicklungszusammenarbeit (bengo) innerhalb der Engagement Global gGmbH private Träger bei der Antragstellung.

Für den Transport entwicklungspolitisch förderungswürdiger Sachspenden können insbesondere kleinere NROs einen Transportkostenzuschuss erhalten.


Sozialstrukturträger

Sozialstrukturförderung ist ein entwicklungspolitisches Instrument, das in den 1960er Jahren geschaffen wurde, um durch den Aufbau nachhaltiger sozialer Strukturen die Partizipation benachteiligter Bevölkerungsgruppen in den Kooperationsländern an sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen ihres Landes sicherzustellen sowie Selbsthilfe und Eigeninitiative der Zivilgesellschaft zu stärken.

Das BMZ fördert mit diesem Ziel die weltweite Arbeit von aktuell acht sogenannten Sozialstrukturträgern die über spezielle Fachkompetenz verfügen:

Die geförderten Sozialstrukturträger haben ihre Schwerpunkte im Aufbau und der Stärkung sozialer Strukturen, und sind in so unterschiedlichen inhaltlichen Bereichen tätig wie , Erwachsenenbildung, Genossenschaftsförderung, gewerkschaftlicher Bildung, Kleinkreditwesen, sanitäre Grundversorgung, Sozialarbeit, Gemeinwesenentwicklung, und Organisationsentwicklung.

Die acht Sozialstrukturträger haben sich in der Arbeitsgemeinschaft Sozialstruktur (AGS) zusammengeschlossen, um ihre Erfahrungen auszutauschen, ihre Fachkompetenzen zu bündeln und um sich bei ihrer Arbeit mit den Fachpartnern im Ausland abzustimmen.

Die Sozialstrukturträger führen Projekte in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa durch. Das BMZ unterstützte ihre Arbeit im Jahre 2013 mit 44 Millionen Euro.


Lexikon der Entwicklungspolitik

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