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Tansania

Situation und Zusammenarbeit

Markt in Arusha, Tansania

Wegen der weiten Verbreitung von Infektionskrankheiten wie Malaria und Aids ist die Lebenserwartung in Tansania immer noch gering (2013: 64 Jahre). Trotz guter Fortschritte in den vergangenen Jahren – beispielsweise bei der Reduzierung der Kindersterblichkeit, der Reduzierung der HIV-Rate (von 8,1 Prozent im Jahr 1998 auf 5,3 Prozent im Jahr 2014) und der hohen Einschulungsrate (2013: 90 Prozent) – ist die Versorgung im Bildungs- und Gesundheitsbereich immer noch stark verbesserungsbedürftig, besonders für Frauen.

Wirtschaft

Safari im Tarangire-Nationalpark, Tansania

Die tansanische Wirtschaft erzielt seit mehr als zehn Jahren ein konstantes Wachstum und ist stark vom Dienstleistungssektor geprägt. Dieser macht derzeit etwa 43 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Motoren des Wirtschaftswachstums waren in den vergangenen Jahren insbesondere das Bau- und Transportgewerbe. Zweitwichtigster Bereich ist der Agrarsektor, in dem etwa 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet und dabei rund 70 Prozent der Bevölkerung beschäftigt werden. Für den Export werden vor allem Kaffee, Baumwolle, Tee, Tabak, Sisal und Cashewnüsse angebaut. Der Industriesektor trägt mit 25 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei, beschäftigt aber nur 6 Prozent der Bevölkerung. Der Tourismus ist inzwischen zum größten Devisenbringer avanciert.

Die Regierung Tansanias hat ihren Willen bekundet, den Privatsektor verstärkt zu fördern. Das Geschäfts- und Investitionsklima im Land ist derzeit aber noch verbesserungsbedürftig – bürokratische Hürden behindern unternehmerische Initiativen. Hinzu kommen gravierende Mängel in der Energie- und Transportinfrastruktur. Die unternehmerische Tätigkeit findet überwiegend im informellen Sektor statt, dem Staat gehen dadurch wichtige Einnahmen verloren.


Entwicklungspotenziale

Der Hafen von Stonetown, Sansibar, Tansania

Potenziale für eine nachhaltige Entwicklung Tansanias sind vorhanden. Erhebliche Wachstumschancen bestehen im Tourismus: Mit dem Kilimandscharo, bedeutenden Schutzgebieten wie der Serengeti und dem Ngorongoro-Krater, dem Tanganjika- und dem Victoriasee sowie Stränden am Indischen Ozean verfügt Tansania über großes Potenzial als vielseitiges Reiseziel.

In der Landwirtschaft wird nur ein relativ kleiner Teil der vorhandenen Anbauflächen tatsächlich bewirtschaftet. Die Produktion könnte stärker diversifiziert werden, um die Abhängigkeit der Wirtschaft von einzelnen Erzeugnissen und ihren Weltmarktpreisen zu verringern. Schon jetzt sind neue Nischenprodukte wie Schnittblumen, Obst und Gemüse sehr gefragt. Außerdem wäre die Gewinnspanne deutlich größer, wenn Tansania veredelte Produkte und nicht nur Rohwaren ausliefern könnte. Eine solche Weiterverarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse kann neue Arbeitsplätze schaffen, wenn die Rahmenbedingungen für kleine und mittlere Unternehmen verbessert werden.

Auch die Bauwirtschaft befindet sich bereits seit den 1990er Jahren im Aufschwung. Angesichts von Edelstein- und Edelmetallvorkommen sowie großen Gasfunden liegt zudem in der Erschließung dieser Rohstoffe großes Entwicklungspotenzial. Die hohen Erwartungen an die Ausbeutung der erheblichen Erdgasvorkommen haben sich bisher jedoch noch nicht erfüllt.

Als Transitland und Warenumschlagplatz für die zentralafrikanischen Binnenstaaten nimmt Tansania mit seinem Zugang zum Meer eine wichtige Rolle ein. Chancen ergeben sich durch die Einbindung des Landes in die Ostafrikanische Gemeinschaft (East African Community, EAC). 2005 wurde eine Zollunion geschaffen. Im Juli 2010 ist das Protokoll zur Errichtung eines Binnenmarkts in Kraft getreten. Die Bewegung von Waren und Dienstleistungen, Personen und Kapital zwischen den fünf Ländern wird damit grundlegend erleichtert. Langfristig planen die Länder der Ostafrikanischen Union eine Währungsunion (bis 2024) und eine politische Union.


Schwerpunkte der Zu­sam­men­ar­beit


Bundesentwicklungsminister Gerd Müller besuchte in Kenia das größte Flüchtlingslager der Welt in Dadaab, einer Ortschaft die etwa 100 Kilometer von der Grenze zu Somalia entfernt ist.
Bildergalerie öffnen gallery27800010_2../../../../mediathek/bildergalerien/20160331_reise_ostafrika/0020_ostafrika_thumb.jpgMichael Gottschalk/photothek.net Bildergalerie öffnen

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller besuchte in Kenia das größte Flüchtlingslager der Welt in Dadaab, einer Ortschaft die etwa 100 Kilometer von der Grenze zu Somalia entfernt ist.

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Im Flüchtlingscamp Dadaab leben sehr viele Kinder.

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Bundesentwicklungsminister Müller beim Besuch einer Verteilstation für Lebensmittel in Dadaab.

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Frauen warten im Flüchtlingscamp in Dadaab auf die Ausgabe der Nahrungsmittelrationen.

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Minister Müller besucht die Metallwerkstatt im Bildungszentrum "Bosco Boys Kuwinda", das in der Nähe eines Armenviertels von Nairobi liegt.

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Schüler des Bildungszentrums "Bosco Boys Kuwinda" in Nairobi. Minister Müller hat dort einen Fußballplatz eröffnet.

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Bundesentwicklungsminister Gerd Müller und Kenias Finanzminister Henry Rotich unterzeichnen eine Erklärung zur diesjährigen Zusage für die Entwicklungszusammenarbeit.

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Gerd Müller besichtigt in einem Grünen Innovationszentrum in Kenia einen Kuhstall, der die Vorteile der Stallhaltung gegenüber der Tierhaltung am Rande der Landstraßen verdeutlichen soll.

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Im Grünen Innovationszentrum in Kenia hat Gerd Müller ein neues Gebäude zur Milchverarbeitung eingeweiht.

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Besichtigung einer Anlage zur Gewinnung von Biogas im Grünen Innovationszentrum.

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Die Fischzüchterin Zinath Deen zeigt Bundesminister Gerd Müller ihre Fischfarm in der Nähe des Viktoriasees. Die Farm bietet auch Ausbildungsmöglichkeiten.

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Zinath Deen zeigt Bundesminister Gerd Müller Jungfische, die in einem luftgefüllten Plastikbeutel transportiert werden.

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In Tansania besuchte Minister Müller die Schwestern- und Hebammenschule der Aga Khan Universität in Daressalam. Hier unterhält er sich mit zwei Hebammen und einer Schülerin.

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Minister Müller beim Rundgang durch die Schwestern- und Hebammenschule der Aga Khan Universität in Daressalam, Tansania.

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Minister Müller traf sich in Tansania mit religiösen Führungspersönlichkeiten zu einem Gespräch über die Lage der Religionsgemeinschaften im Land. Von links nach rechts: Scheich Musa Kundecha, Vorsitzender des unabhängigen Zentralrats der Muslime, Gerd Müller, Alex Malasusa, Erzbischof der evangelisch-lutherischen Kirche von Daressalam und Abdulrahman Ame, Generalsekretär des muslimischen Wohlfahrtsverbands Ahmadiyya Muslim Jamaat

Bild: © Michael Gottschalk/photothek.net

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Gerd Müller und Jumanne Abdallah Maghembe, der Minister für Naturschutz und Tourismus in Tansania, übergeben ein Kleinflugzeug an die Zoologische Gesellschaft Frankfurt; hier vertreten durch Christof Schenck (rechts) und den zukünftigen Piloten (links). Das Flugzeug soll von der tansanischen Wildlife Management Authority zur Überwachung des Schutzgebietes Selous und zur Bekämpfung der Wilderei eingesetzt werden.

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Bundesentwicklungsminister Gerd Müller bei der Besichtigung der Hafenanlagen in Dschibuti, der Hauptstadt des gleichnamigen afrikanischen Staates

Bild: © Michael Gottschalk/photothek.net

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Im Hafen von Dschibuti entladen Arbeiter ein Schiff mit Mineraldünger, füllen ihn in 50-Kilo-Säcke ab und beladen damit einen Lastwagen.

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Bundesentwicklungsminister Gerd Müller besuchte in Kenia das größte Flüchtlingslager der Welt in Dadaab, einer Ortschaft die etwa 100 Kilometer von der Grenze zu Somalia entfernt ist.

Im Flüchtlingscamp Dadaab leben sehr viele Kinder.

Bundesentwicklungsminister Müller beim Besuch einer Verteilstation für Lebensmittel in Dadaab.

Frauen warten im Flüchtlingscamp in Dadaab auf die Ausgabe der Nahrungsmittelrationen.

Minister Müller besucht die Metallwerkstatt im Bildungszentrum "Bosco Boys Kuwinda", das in der Nähe eines Armenviertels von Nairobi liegt.

Schüler des Bildungszentrums "Bosco Boys Kuwinda" in Nairobi. Minister Müller hat dort einen Fußballplatz eröffnet.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller und Kenias Finanzminister Henry Rotich unterzeichnen eine Erklärung zur diesjährigen Zusage für die Entwicklungszusammenarbeit.

Gerd Müller besichtigt in einem Grünen Innovationszentrum in Kenia einen Kuhstall, der die Vorteile der Stallhaltung gegenüber der Tierhaltung am Rande der Landstraßen verdeutlichen soll.

Im Grünen Innovationszentrum in Kenia hat Gerd Müller ein neues Gebäude zur Milchverarbeitung eingeweiht.

Besichtigung einer Anlage zur Gewinnung von Biogas im Grünen Innovationszentrum.

Die Fischzüchterin Zinath Deen zeigt Bundesminister Gerd Müller ihre Fischfarm in der Nähe des Viktoriasees. Die Farm bietet auch Ausbildungsmöglichkeiten.

Zinath Deen zeigt Bundesminister Gerd Müller Jungfische, die in einem luftgefüllten Plastikbeutel transportiert werden.

In Tansania besuchte Minister Müller die Schwestern- und Hebammenschule der Aga Khan Universität in Daressalam. Hier unterhält er sich mit zwei Hebammen und einer Schülerin.

Minister Müller beim Rundgang durch die Schwestern- und Hebammenschule der Aga Khan Universität in Daressalam, Tansania.

Minister Müller traf sich in Tansania mit religiösen Führungspersönlichkeiten zu einem Gespräch über die Lage der Religionsgemeinschaften im Land. Von links nach rechts: Scheich Musa Kundecha, Vorsitzender des unabhängigen Zentralrats der Muslime, Gerd Müller, Alex Malasusa, Erzbischof der evangelisch-lutherischen Kirche von Daressalam und Abdulrahman Ame, Generalsekretär des muslimischen Wohlfahrtsverbands Ahmadiyya Muslim Jamaat

Gerd Müller und Jumanne Abdallah Maghembe, der Minister für Naturschutz und Tourismus in Tansania, übergeben ein Kleinflugzeug an die Zoologische Gesellschaft Frankfurt; hier vertreten durch Christof Schenck (rechts) und den zukünftigen Piloten (links). Das Flugzeug soll von der tansanischen Wildlife Management Authority zur Überwachung des Schutzgebietes Selous und zur Bekämpfung der Wilderei eingesetzt werden.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller bei der Besichtigung der Hafenanlagen in Dschibuti, der Hauptstadt des gleichnamigen afrikanischen Staates

Im Hafen von Dschibuti entladen Arbeiter ein Schiff mit Mineraldünger, füllen ihn in 50-Kilo-Säcke ab und beladen damit einen Lastwagen.


Tansania ist ein wichtiges Kooperationsland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit in Afrika. Bei Regierungsverhandlungen, die im August 2015 in der tansanischen Hauptstadt Daressalam stattfanden, wurden dem Land für drei Jahre Mittel in Höhe von 158,5 Millionen Euro zugesagt. Davon entfallen 121 Millionen Euro auf die finanzielle und 37,5 Millionen Euro auf die technische Zusammenarbeit.

Ende 2015 erhielt das Land zudem zwei Sonderzusagen für Nahrungsmittel für burundische Flüchtlinge in Tansania über das Welternährungsprogramm (14 Millionen Euro) und zur Förderung des Gesundheitswesens (13 Millionen Euro).

Folgende Schwerpunkte der Zusammenarbeit wurden mit der Regierung von Tansania vereinbart:

  • Trinkwasser, Wassermanagement und Abwasser-/Abfallentsorgung
  • Gesundheit, Familienplanung, HIV und Aids
  • Umweltpolitik, Schutz und nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen (insbesondere Biodiversität)

Seit 2012 unterstützt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit zudem die nachhaltige, klimaschonende Energieerzeugung in Tansania. Dies umfasst zum Beispiel die Elektrifizierung und den Anschluss der Nordwest-Region (Kagera) an das nationale und regionale Netz wie auch technische Beratung des Energieministeriums. Ein Aspekt dabei ist auch die Entwicklung der Geothermie.

Ein 2015 zugesagtes Vorhaben der technischen Zusammenarbeit dient der Förderung der guten finanziellen Regierungsführung. Es wird die Reform des öffentlichen Finanzmanagements unterstützen und die Transparenz und Rechenschaftspflicht in Tansania stärken.

Zudem werden weitere Maßnahmen im Bereich der erneuerbaren Energien und Energieeffizienz, zur Förderung guter Regierungsführung sowie zum Klimaschutz unterstützt.


Trinkwasser, Wassermanagement und Abwasser-/Abfallentsorgung

Mitarbeiter in einer Wasseraufbereitungsanlage in der Stadt Tanga in Tansania

Der noch geringe Entwicklungsstand Tansanias zeigt sich unter anderem im Wassersektor: Für fast die Hälfte der Bevölkerung ist der Zugang zu Trinkwasser noch immer unzureichend; nur etwa 16 Prozent haben Zugang zu angemessenen sanitären Einrichtungen.

Dort, wo Wasser knapp und von zweifelhafter Qualität ist, ist der Beschaffungsaufwand – vor allem für Frauen und Kinder – groß. Durch unsauberes Wasser hervorgerufene Krankheiten wie Durchfall und Cholera sind weit verbreitet. Die Hauptursachen der mangelhaften Versorgung liegen in fehlender oder maroder Infrastruktur und unzureichendem Management der zuständigen Institutionen.

Die Rahmenbedingungen haben sich insgesamt jedoch stark verbessert. Die mit deutscher Unterstützung formulierte nationale Wasserpolitik verankert Prinzipien wie Nutzerbeteiligung, Kostendeckung, nachhaltige Ressourcenbewirtschaftung, Einbeziehung des Privatsektors und dezentrale Betriebsverantwortung.

Die positiven Erfahrungen aus innovativen ländlichen und städtischen Wasservorhaben und die von Deutschland geförderte Entwicklungsstrategie haben wesentlich zur Reform des Wassersektors beigetragen. Die tansanische Regierung hat gemeinsam mit den Gebern ein ehrgeiziges Entwicklungsprogramm für den Wassersektor erarbeitet.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit bettet sich in das Programm der tansanischen Regierung ein. Deutschland leistet Beiträge zu den folgenden Bereichen:

  • Infrastruktur (insbesondere städtische Wasserversorgung)
  • Förderung der Umsetzung der Sektorreformen
  • Institutionenförderung und Kapazitätsaufbau
  • Unterstützung kommerzieller Wasserversorger
  • Verbesserung der Geberkoordination

Das deutsche Engagement hat bereits zu beachtlichen Erfolgen geführt. So konnte zum Beispiel in der Programmregion Arusha der Wasserversorgungsgrad von 75 auf 98 Prozent gesteigert werden. Die Wasserverluste wurden auf 26 Prozent halbiert, die Einnahmen des städtischen Wasserwerks auf umgerechnet 2,1 Millionen Euro pro Jahr verfünffacht. Wasserinduzierte Krankheiten sind deutlich zurückgegangen. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich insbesondere auf Investitionen im Bereich der städtischen und semi-städtischen Wasserver- und Abwasserentsorgung.


Gesundheit, Familienplanung, HIV und Aids

Verkauf von Kondomen an einem Kiosk in Tansania

Eine Lebenserwartung von nur 64 Jahren, eine hohe Sterblichkeitsrate bei Müttern sowie ein Bevölkerungswachstum von rund drei Prozent pro Jahr kennzeichnen die Herausforderungen, mit denen der tansanische Gesundheitssektor konfrontiert ist. Zugleich herrscht ein gravierender Mangel an qualifiziertem Personal.

Die Regierung Tansanias hat mit umfassenden Reformen auf diese Situation reagiert. Ihre Ziele: Dezentralisierung, Sicherung einer primären Gesundheitsversorgung, Bewältigung der Personalknappheit, Aufbau einer nachhaltigen Gesundheitsfinanzierung, Aufbau eines sozialen Krankenversicherungssystems, Einbindung des Privatsektors sowie die Bekämpfung von Infektionskrankheiten wie Aids, Malaria und Tuberkulose.

Deutschland konzentriert sich in seiner Entwicklungszusammenarbeit vorrangig auf die Verbesserung des Gesundheitszustandes besonders gefährdeter und benachteiligter Bevölkerungsgruppen. Der geographische Schwerpunkt liegt in den Regionen Tanga, Lindi, Mtwara und Mbeya mit etwa sechs Millionen Einwohnern. Die Haupthandlungsfelder sind soziale Absicherung im Krankheitsfall, Qualitätsverbesserung und dezentrale Regierungsführung. Die Stärkung der Zivilgesellschaft und die Zusammenarbeit mit dem Privatsektor sind wichtige Querschnittsthemen.

In enger Abstimmung mit anderen Gebern unterstützt Deutschland die Erarbeitung einer langfristigen Strategie zur Gesundheitsfinanzierung. Dazu gehört die Förderung sozialer Sicherung, um auch der armen Bevölkerung den Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen zu ermöglichen und Verarmung im Krankheitsfall vorzubeugen. Im Bereich der reproduktiven Gesundheit und HIV-Prävention setzt sich Deutschland für einen menschenrechtsbasierten Ansatz ein, der auf Abbau von Diskriminierung sowie den ungehinderten Zugang zu Information und Dienstleistungen zielt.

Der deutsche Beitrag hat deutlich zu den Erfolgen im tansanischen Gesundheitssektor beigetragen. Dazu zählen die Verbesserung der dezentralen Gesundheitsdienstleistungen, eine Senkung der Kindersterblichkeit (Kinder unter fünf Jahren pro 1.000 Geburten von 63 im Jahr 2010 auf 49 im Jahr 2015) sowie die Eindämmung der HIV-Rate (2010: 6,1 Prozent, 2014: 5,3 Prozent). Tansania kann außerdem eine hohe Impfabdeckung sowie Erfolge bei der Malaria- und Tuberkulosebekämpfung vorweisen.


Umweltpolitik, Schutz und nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen (insbesondere Biodiversität)

Giraffe in der Serengeti, Tansania

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit in Tansania in diesem Bereich leitet sich zum einen aus der Verantwortung Deutschlands für globale öffentliche Güter ab, zum anderen aus der hohen Relevanz des Sektors für breitenwirksame Armutsbekämpfung.

In den Jahren 2012 und 2015 wurden Mittel für ein Biodiversitätsprogramm zugesagt, das sich insbesondere auf das Serengeti- und das Selous-Ökosystem, sowie auf den Aufbau der neuen Schutzgebietsbehörde TAWA fokussiert.


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Neben dem verbesserten Management der Schutzgebiete wird das Ziel verfolgt, die Lebensbedingungen der lokalen Bevölkerung zu verbessern. Der Erhalt des UNESCO-Welterbe-Status der Schutzgebiete ist eine Voraussetzung für die Umsetzung der Zusagen.

Ein wichtiges Thema stellt dabei auch die Bekämpfung der Wilderei dar, bei der unter anderen mit der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF) und dem World Wide Fund For Nature (WWF) zusammengearbeitet wird.

Um das Ökosystem und die einzigartige Migration von Wildtieren nicht zu gefährden, unterstützt Deutschland Tansania auch dabei, eine alternative Transportroute südlich der Serengeti zu entwickeln. Bei den Regierungsverhandlungen 2015 wurde ein Beitrag zur Finanzierung einer südlichen Umgehungsstraße zum Serengeti-Nationalpark zugesagt. Zurzeit wird mit deutscher Unterstützung eine Machbarkeitsstudie durchgeführt.


Weitere Aktivitäten der deutschen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit

Deutschland verfügt über besonderes Know-how im Bereich erneuerbare Energien und Energieeffizienz und ist weltweit einer der größten Geber in diesem entwicklungspolitischen Sektor. Ein leistungsfähiger Energiesektor ist eine wichtige Voraussetzung für nachhaltige wirtschaftliche und soziale Entwicklung; fehlender Zugang zu verlässlicher und günstiger Energieversorgung hingegen stellt ein wesentliches Entwicklungshemmnis dar.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit fördert daher auch in Tansania die Verbreitung erneuerbarer Energien sowie Maßnahmen zur erhöhten Energieeffizienz. Der Fokus im Bereich der finanziellen Zusammenarbeit liegt bei der Elektrifizierung und dem Anschluss des Nordwestens Tansanias (Kagera) an das nationale und regionale Netz. Diese Region hat einen großen Bedarf an verlässlicher Energieversorgung und ist derzeit am stärksten von den bestehenden Engpässen betroffen.

Zudem werden das tansanische Energieministerium, die Regulierungsbehörde für Energie und Wasser sowie die Ländliche Energie-Agentur zur Verbesserung der sektorpolitischen Rahmenbedingungen, der Ausgestaltung staatlicher Fördermechanismen und der Einbindung privatwirtschaftlicher Expertise beraten. Übergeordnetes Ziel ist es, die Voraussetzungen für die langfristige Versorgung mit kostengünstiger, verlässlicher und nachhaltiger Energie in Tansania zu verbessern. Die Zusammenarbeit umfasst auch die Entwicklung der Geothermie und eine Beratungsmaßnahme im Bereich der Rohstoff-Governance.

Ein 2015 neu zugesagtes Vorhaben der technischen Zusammenarbeit zur Förderung von Good Financial Governance unterstützt die Reform des öffentlichen Finanzmanagements und stärkt die Transparenz in Tansania.


Weitere deutsche Beiträge

Ziegenhirten in der Serengeti, Tansania

Deutschland ist über seine Beiträge an den Europäischen Entwicklungsfonds auch an der Entwicklungszusammenarbeit der Europäischen Union mit Tansania beteiligt. Hier liegt der Fokus auf guter Regierungsführung, Energie und Landwirtschaft.

Weitere Beiträge für die Entwicklung Tansanias leistet die Bundesrepublik über die multilateralen Institutionen Weltbank, Afrikanische Entwicklungsbank, die Vereinten Nationen, die globale Impfallianz Gavi oder den Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria (GFATM).


Weitere Informationen

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Videobeitrag über die Reise von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller nach Kenia und Tansania

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Allein in Afrika wurden 2016 über 1.000 Nashörner und 20.000 Elefanten durch Wilderer getötet. Deutschland engagiert sich im Kampf gegen die Wilderei, zum Beispiel in Tansania.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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