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Südsudan

Situation und Zusammenarbeit

Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur aktuellen Situation im Südsudan.

Menschen aus dem Südsudan kommen im Flüchtlingslager Bidi Bidi in Uganda an.

Nach insgesamt fast 40 Jahren Bürgerkrieg ist der Bedarf an internationaler Unterstützung im Südsudan enorm. Es gilt, einen Staat völlig neu aufzubauen. Zahlreiche Einrichtungen, die bis 2011 unter der Verantwortung der Zentralregierung des ehemaligen Gesamtsudan in Khartum standen, müssen in dem neuen Staat erst geschaffen werden. Eine schwierige Aufgabe, da nicht ausreichend ausgebildetes Personal zur Verfügung steht und die politischen Umstände Fortschritte erschweren.

Seit dem Wiederaufflammen des Bürgerkriegs im Juli 2016 hat sich die politische und wirtschaftliche Lage im Südsudan immer weiter verschlechtert. Korruption bestimmt das öffentliche Leben und belastet sowohl das Verhältnis zwischen Staatsführung und Bevölkerung als auch zwischen Regierung und internationalen Gebern. Der Korruptionswahrnehmungsindex 2016 von Transparency International führt Südsudan auf Platz 175 von 176 bewerteten Staaten.

Soziale Situation

Der Südsudan belegt auf dem Index der menschlichen Entwicklung der Vereinten Nationen (HDI 2015) Platz 181 von 188 bewerteten Ländern. Ein Großteil der Bevölkerung ist inzwischen von humanitärer Hilfe abhängig, fast vier der rund 12 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner befinden sich auf der Flucht. Durch den Bürgerkrieg ist die landwirtschaftliche Produktion stark beeinträchtigt, Teile des Landes sind von akuter Hungersnot bedroht.

Die Zivilgesellschaft konnte sich im Südsudan bislang kaum organisieren. Lokale Nichtregierungsorganisationen (NRO) leiden unter Geld- und Personalmangel. Zu den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen 2010 und zum Referendum 2011 haben sich allerdings – zum Teil durch Exilsudanesen unterstützte – NRO-Netzwerke gebildet. Hier zeigt sich Potenzial, das für entwicklungspolitische Initiativen genutzt werden könnte. Eine wichtige Funktion in den Bereichen der Basisdienstleistungen aber auch der Versöhnungsarbeit haben auch die Kirchen im Südsudan.


Wirtschaftliche Situation

Dr. Taban Dafala zeigt die Medikamente, die er aus Uganda nach Jalimo im Südsudan geschmuggelt hat, um die Menschen dort versorgen zu können.

Die Wirtschaft des Südsudan ist in erheblichem Maße vom Ölexport abhängig. Er macht rund 60 Prozent des südsudanesischen Bruttoinlandprodukts aus. Der Verfall des Ölpreises sowie die reduzierte Ölförderung durch den Bürgerkrieg haben die wirtschaftliche Situation im Land verschlechtert.

Eine eigene Privatwirtschaft konnte noch nicht aufgebaut werden. Fast alle Produkte werden über die Nachbarstaaten Uganda und Kenia eingeführt. Durch die Jahrzehnte des Krieges und die daraus folgenden Vertreibungen sind grundlegende landwirtschaftliche Kenntnisse in der Bevölkerung verloren gegangen. Zudem sind viele Ackerflächen nicht nutzbar, weil bürgerkriegsbedingte Unsicherheit herrscht oder dort noch Landminen liegen oder vermutet werden.

Infrastruktur ist im Südsudan praktisch nicht vorhanden. In den Bereichen Energieversorgung, Wasser/Abwasser, Telekommunikation und Verkehr ist das Land kaum erschlossen. Seit dem Friedensabkommen von 2005 war die Regierung des Südsudan jedoch bemüht, die Lebensbedingungen in den bislang stark vernachlässigten Regionen zu verbessern. Nach der Unabhängigkeitserklärung hatte die südsudanesische Regierung mit Unterstützung der Gebergemeinschaft einen umfassenden Entwicklungsplan erarbeitet. Viele seit 2005 erreichte Fortschritte wurden in den vergangenen Jahren durch den Bürgerkrieg zunichtegemacht.


Schwerpunkte der deutschen Zusammenarbeit mit dem Südsudan

Eine Frau aus dem Südsudan und ihr Kind werden im Flüchtlingslager Bidi Bidi in Norduganda versorgt.

In Reaktion auf den Wiederausbruch des Bürgerkriegs im Juli 2016 hat das BMZ die deutsche Entwicklungszusammenarbeit im Südsudan in den sogenannten Krisenmodus umgesteuert. Dies bedeutet, dass laufende Vorhaben angepasst werden, um mit vergleichsweise schnell wirksamen Maßnahmen ​die akuten Folgen der anhaltenden Gewalt zu mindern (zum Beispiel Saatgutverteilung, "Cash for Work"-Programme). Im Mittelpunkt aller Maßnahmen steht die Unterstützung besonders verwundbarer Zielgruppen, dazu zählen·Frauen, Kinder, Flüchtlinge, Binnenvertriebene sowie Gemeinden, die viele Geflüchtete aufgenommen haben. Eine Umsetzung erfolgt überall dort, wo es die Sicherheitslage zulässt.

Das BMZ hat etwa 100 Millionen Euro für Vorhaben in den Bereichen Wasser- und Sanitärversorgung, Landwirtschaft und Ernährungssicherung zur Verfügung gestellt. Die Umsetzung verantworten die deutschen Durchführungsorganisationen KfW und GIZ, die dafür eng mit lokalen und internationalen Nichtregierungsorganisationen und multilateralen Organisationen zusammenarbeiten.

Das BMZ fördert darüber hinaus zahlreiche auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Vorhaben von multilateralen Partnern und Nichtregierungsorganisationen einschließlich kirchlicher Träger, die die Lebenssituation der Bevölkerung im Südsudan verbessern.

Weitere entwicklungspolitische Maßnahmen der Bundesregierung sind in Planung. Ziel ist, das krisengeschüttelte Land zu stabilisieren und langfristig zu befrieden sowie die Auswirkungen der aktuellen Krise kurz- und mittelfristig zu bewältigen. Das Engagement im Südsudan wird außerdem durch zahlreiche entwicklungspolitische Maßnahmen in der Region ergänzt. So werden zum Beispiel Vorhaben im Norden Ugandas unterstützt, das stark von südsudanesischen Flüchtlingsströmen betroffen ist.


Lexikon der Entwicklungspolitik

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