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Südsudan

Situation und Zusammenarbeit

Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur aktuellen Situation im Südsudan.

Menschen aus dem Südsudan kommen im Flüchtlingslager Bidi Bidi in Uganda an.

Nach Jahrzehnten des Bürgerkriegs ist der Bedarf an internationaler Unterstützung im Südsudan enorm. Es gilt, einen Staat völlig neu aufzubauen. Zahlreiche Einrichtungen, die bis 2011 unter der Verantwortung der Zentralregierung des ehemaligen Gesamtsudan in Khartum standen, müssen in dem neuen Staat erst geschaffen werden. Eine schwierige Aufgabe, da nicht ausreichend ausgebildetes Personal zur Verfügung steht und die politischen Umstände Fortschritte erschweren.

Seit dem Wiederaufflammen des Bürgerkriegs im Juli 2016 hat sich die politische und wirtschaftliche Lage im Südsudan immer weiter verschlechtert. Korruption bestimmt das öffentliche Leben und belastet sowohl das Verhältnis zwischen Staatsführung und Bevölkerung als auch zwischen Regierung und internationalen Gebern. Der Korruptionswahrnehmungsindex 2017 von Transparency International führt Südsudan auf Platz 179 von 180 bewerteten Staaten.

Soziale Situation

Der Südsudan belegt auf dem aktuellen Index der menschlichen Entwicklung der Vereinten Nationen (HDI) Platz 187 von 189 bewerteten Ländern. Ein Großteil der Bevölkerung ist inzwischen von humanitärer Hilfe abhängig, etwa 30 Prozent der rund 12 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner befinden sich auf der Flucht. Durch den Bürgerkrieg ist die landwirtschaftliche Produktion stark beeinträchtigt, Teile des Landes sind von akuter Hungersnot bedroht.

Die Zivilgesellschaft konnte sich im Südsudan bislang kaum organisieren. Lokale Nichtregierungsorganisationen (NRO) leiden unter Geld- und Personalmangel. Zu den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen 2010 und zum Referendum 2011 haben sich allerdings – zum Teil durch Exilsudanesen unterstützte – NRO-Netzwerke gebildet. Hier zeigt sich Potenzial, das für entwicklungspolitische Initiativen genutzt werden könnte. Eine wichtige Funktion in den Bereichen der Basisdienstleistungen aber auch der Versöhnungsarbeit haben auch die Kirchen im Südsudan.


Wirtschaftliche Situation

Dr. Taban Dafala zeigt die Medikamente, die er aus Uganda nach Jalimo im Südsudan geschmuggelt hat, um die Menschen dort versorgen zu können.

Die Wirtschaft des Südsudan ist in erheblichem Maße vom Ölexport abhängig. Er macht rund 60 Prozent des südsudanesischen Bruttoinlandprodukts (BIP) aus. Der Verfall des Ölpreises sowie die reduzierte Ölförderung durch den Bürgerkrieg und eine rapide ansteigende Inflation haben die wirtschaftliche Situation im Land extrem verschlechtert. Das BIP ist laut Internationalem Währungsfonds (IWF) seit 2011 um über 50 Prozent zurückgegangen.

Eine eigene Privatwirtschaft konnte durch ein politisch ungewisses Umfeld und Unsicherheiten noch nicht aufgebaut werden. Fast alle Produkte werden über die Nachbarstaaten Uganda, Kenia und Sudan eingeführt. Durch die Jahrzehnte des Krieges und die daraus folgenden Vertreibungen sind grundlegende landwirtschaftliche Kenntnisse in der Bevölkerung verloren gegangen. Zudem sind viele Ackerflächen nicht nutzbar, weil bürgerkriegsbedingte Unsicherheit herrscht oder dort noch Landminen liegen oder vermutet werden.

Infrastruktur ist im Südsudan praktisch nicht vorhanden. In den Bereichen Energieversorgung, Wasser/Abwasser, Telekommunikation und Verkehr ist das Land kaum erschlossen. Seit dem Friedensabkommen von 2005 war die Regierung des Südsudan jedoch bemüht, die Lebensbedingungen in den bislang stark vernachlässigten Regionen zu verbessern. Nach der Unabhängigkeitserklärung hatte die südsudanesische Regierung mit Unterstützung der Gebergemeinschaft einen umfassenden Entwicklungsplan erarbeitet. Viele seit 2005 erreichte Fortschritte wurden in den vergangenen Jahren durch den Bürgerkrieg zunichte gemacht.


Schwerpunkte der deutschen Zusammenarbeit mit dem Südsudan

Eine Frau aus dem Südsudan und ihr Kind werden im Flüchtlingslager Bidi Bidi in Norduganda versorgt.

In Reaktion auf den Wiederausbruch des Bürgerkriegs im Juli 2016 hat das BMZ die deutsche Entwicklungszusammenarbeit im Südsudan umgesteuert. Laufende Vorhaben wurden angepasst, um mit vergleichsweise schnell wirksamen Maßnahmen die akuten Folgen der anhaltenden Gewalt zu mindern (zum Beispiel mittels der Förderung von Saatgutverteilung und "Cash for Work"-Programmen). Im Mittelpunkt aller Maßnahmen steht die Unterstützung besonders verwundbarer Zielgruppen, dazu zählen Frauen, Kinder, Flüchtlinge, Binnenvertriebene sowie Gemeinden, die viele Geflüchtete aufgenommen haben.

Im Mittelpunkt des Engagements des BMZ stehen die Verbesserung der Ernährungssituation und die Sicherung der Existenzgrundlagen der Bevölkerung. Das BMZ fördert zahlreiche auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Vorhaben von multilateralen Partnern und Nichtregierungsorganisationen einschließlich kirchlicher Träger, die die Lebenssituation der Bevölkerung im Südsudan verbessern. Die deutschen Durchführungsorganisationen KfW und GIZ engagieren sich gemeinsam mit lokalen und internationalen Nichtregierungsorganisationen und multilateralen Organisationen insbesondere in den Bereichen Wasser- und Sanitärversorgung sowie Landwirtschaft und Ernährungssicherung. Eine Umsetzung erfolgt überall dort, wo es die Sicherheitslage zulässt.

Das Engagement des BMZ im Südsudan wird durch zahlreiche entwicklungspolitische Maßnahmen in der Region ergänzt. So werden zum Beispiel Vorhaben im Norden Ugandas unterstützt, das stark von südsudanesischen Flüchtlingsströmen betroffen ist.


Lexikon der Entwicklungspolitik

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