Hauptinhalt

Senegal

Situation und Zusammenarbeit

Flugzeug auf dem Leopold-Sedar-Senghor Flughafen in Dakar, Senegal. Im Hintergrund ist das African Renaissance Monument zu sehen.

Im Frühjahr 2012 festigte der Senegal seinen Ruf als stabile Demokratie in einer unruhigen Region Afrikas. In einer friedlichen und transparenten Wahl wurde Macky Sall zum neuen Präsidenten des Landes gewählt. Der Wahlkampf wurde durch heftige, teils gewalttätige Proteste gegen Amtsvorgänger Abdoulaye Wade begleitet: Der 85-Jährige kandidierte für eine dritte Amtszeit, obwohl die Verfassung dies eigentlich verbietet. Insbesondere junge Wähler demonstrierten außerdem gegen Korruption und Misswirtschaft, die Wades Präsidentschaft zuletzt geprägt hatten. Die Wahlen selbst verliefen dann jedoch ruhig und der friedliche Machtwechsel gelang.

Präsident Sall steht vor großen innenpolitischen Herausforderungen: Fast die Hälfte der Menschen lebt in Armut, rund 17 Prozent der Kinder unter fünf Jahren sind unterernährt. Die Einkommen sind sehr ungleich verteilt, besonders groß ist die Armut in den ländlichen Regionen, insbesondere im vorwiegend trockenen Osten und Norden des Landes. Die Gesundheitsversorgung ist mit umgerechnet nur 0,6 Ärzten je 1.000 Einwohner ungenügend. Die Analphabetenrate beträgt rund 55 Prozent. Im Index der menschlichen Entwicklung der Vereinten Nationen (HDI 2015) nimmt die Republik Senegal Rang 162 von 188 Ländern ein.

Die Gleichberechtigung der Geschlechter ist im Senegal verfassungsrechtlich garantiert. Vor allem in den ländlichen Regionen ist die Situation der Frauen jedoch noch durch ein traditionelles Rollenverständnis bestimmt. Weibliche Genitalverstümmelung ist bei einigen Ethnien weiterhin verbreitet. Bei den Parlamentswahlen im Juli 2012 wurde erstmals ein neues Gesetz zur Geschlechtergerechtigkeit wirksam. Es führte dazu, dass nun 64 der 150 Abgeordneten Frauen sind. Mit dieser Quote belegt der Senegal weltweit einen Spitzenplatz.


Wirtschaft

Fischer und ihre Boote am Strand von Dakar, Senegal

Die senegalesische Wirtschaft ist durch starke Importabhängigkeit, einen kleinen Binnenmarkt und eine geringe Exportbreite geprägt. Der Großteil der Bevölkerung arbeitet in Ackerbau und Fischfang, dabei wird der Arbeitsmarkt stark vom informellen Sektor dominiert. Die industrielle Produktion des Landes ist relativ gering und der Tourismus in den letzten Jahren rückläufig.

Im Jahr 2015 wuchs die Wirtschaft des Senegal um beachtliche 6,5 Prozent. Dieses Wachstum geht vor allem auf eine außerordentlich ergiebige und langanhaltende Regenzeit und in der Folge überdurchschnittliche Ertragssteigerungen in der Landwirtschaft zurück, gepaart mit einer nahezu gesicherten Abnahme von Erdnüssen, Cashewnüssen und Reis durch China und Indien. Eine Reihe von Investitionen im logistischen und infrastrukturellen Bereich der Landwirtschaft führen außerdem dazu, dass weniger Erträge verderben. Angesichts des starken Bevölkerungswachstums (2014: 3,1 Prozent) ist für eine wirkungsvolle Bekämpfung der Armut ein Wirtschaftswachstum von dauerhaft sechs bis sieben Prozent notwendig.

Um private Investitionen zu fördern, müssen noch viele Barrieren abgebaut werden. Ein erhebliches Problem ist zum Beispiel die Stromknappheit. Lange und häufige Stromabschaltungen legen das Wirtschaftsleben lahm. Zurzeit sind mehrere Kraftwerke im Bau, die im Laufe der nächsten Jahre ans Netz gehen sollen, darunter ein durch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit finanziertes Solarkraftwerk bei Dakar. Dadurch soll sich die Stromversorgung deutlich verbessern, was sich auch auf das Wirtschaftswachstum auswirken würde.

Auch die veraltete Transportinfrastruktur, mangelnde Transparenz in der Verwaltung, ein unattraktiver Steuerrahmen, überholte Bodenrechte und komplexe Auflagen der Behörden behindern die Entwicklung des Landes.

Präsident Sall hat umfassende Reformvorhaben formuliert, um diese Hemmnisse abzubauen und die Lebensbedingungen der Menschen im Land zu verbessern. 2014 stellte Sall den "Plan Sénégal Emergent" (PSE) vor, der die Entwicklungsschritte der nächsten zehn Jahre formuliert. Dazu gehören auch große Infrastrukturprojekte, wie der Bau eines neuen Flughafens und einer neuen Bahnlinie zwischen Dakar und Bamako, der Hauptstadt von Mali.


Abwanderung in die Städte

Stadtansicht von Dakar

Die Mehrheit der senegalesischen Erwerbstätigen arbeitet in der Landwirtschaft. Die Produktivität des Agrarsektors ist allerdings gering. So werden nur rund 15 Prozent des Bruttoinlandproduktes dort generiert. Hauptursachen sind die schlechte Qualität der Böden, die unregelmäßigen Regenfälle sowie Überweidung und Abholzung – mit einer fortschreitenden Verödung der Böden als Folge. Die Küstengewässer werden nicht verantwortungsvoll bewirtschaftet und sind daher überfischt.

Der Klimawandel verschärft die ohnehin schwierige Situation in der Landwirtschaft. Eine zunehmende Zahl von Dürren und Überschwemmungen zerstört Ernten und bedroht die Nutztierhaltung.

Da sich viele Menschen nicht mehr durch die Landwirtschaft ernähren können, wandern sie in die Städte ab. Das führt dort zu großen Problemen, besonders bei der Trinkwasserversorgung und der Abwasser- und Abfallentsorgung. Auch die sozialen Konflikte verschärfen sich, da die städtischen Arbeitsmärkte den Bevölkerungszustrom nicht aufnehmen können. Die Arbeitslosigkeit ist hoch und vor allem die Jugendlichen sind davon betroffen.


Konfliktregion Casamance

Ein Schild warnt vor Landminen an der Grenze zwischen Senegal und Guinea-Bissau

Der Südteil des Senegal, die Casamance, ist geografisch weitgehend vom übrigen Staatsgebiet getrennt. Er ist zudem historisch, kulturell, wirtschaftlich und ethnisch-religiös anders geprägt als der Norden. In der Region kommt es seit drei Jahrzehnten immer wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen, weil Rebellengruppen für eine größere Autonomie der Casamance eintreten.

Mehr als 800.000 Menschen sind bislang von dem Konflikt direkt oder indirekt betroffen. Zehntausende mussten vor den Kämpfen flüchten. Landminen fordern immer wieder Opfer und zwingen zur Aufgabe von landwirtschaftlicher Fläche. Bis zu 80 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche war durch den Einsatz von Landminen unbrauchbar geworden. Der wirtschaftliche Austausch ist blockiert. Die Region verfügt über bedeutende natürliche Ressourcen und hat damit die größten Entwicklungsmöglichkeiten innerhalb des Landes. Der Konflikt verhindert, dass diese Potenziale genutzt werden. Seit dem Machtwechsel 2012 herrscht ein weitgehend eingehaltener de-facto Waffenstillstand.


Entwicklungspotenziale

Der Senegal bietet Investoren stabile politische Verhältnisse. Die Regierung gilt als reform- und entwicklungsorientiert, die Wirtschaftsordnung ist marktfreundlich. Zu den Wachstumsbranchen zählen Bauwirtschaft, Telekommunikation, Forstwirtschaft, Tourismus sowie der Obst- und Gemüseanbau für den Export.

Großes wirtschaftliches Potenzial hat der 50 Kilometer östlich von Dakar entstehende Flughafen, der voraussichtlich 2017 in Betrieb gehen soll. Er könnte dazu beitragen, den Senegal zu einem Drehkreuz für die Region Westafrika und darüber hinaus zu entwickeln.

Der wichtigste Wachstumsbereich ist der Dienstleistungssektor. Transport, Logistik und Kommunikation machen zusammengenommen 11,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus.


Schwerpunkte der deutschen Zusammenarbeit mit dem Senegal

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller trifft den Präsidenten Senegals, Macky Sall, beim G7-Gipfel in Elmau

Deutsch-senegalesische Regierungsverhandlungen fanden zuletzt im November 2012 statt. Bei einer Reise nach Dakar im Oktober 2015 kündigte der Afrikabeauftragte des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Günter Nooke, während eines Gesprächs mit Staatspräsident Sall eine deutsche Zusage in Höhe von 53,66 Millionen Euro für den Zeitraum von 2015 bis 2018 an, im August 2016 sagte Bundesminister Dr. Gerd Müller weitere 10 Millionen Euro für Beschäftigungsförderung zu, darunter eine Million Euro aus der Initiative "Digitales Afrika".

Die Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich auf den Bereich erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Vorhaben in den früheren Schwerpunkten nachhaltige Wirtschaftsentwicklung und Dezentralisierung wurden 2015 abgeschlossen und in senegalesische Verantwortung übergeben.

Deutschland unterstützt den Senegal auch über die African Risk Capacity Insurance Company (ARC). Es handelt sich um eine Klimarisikoversicherung für afrikanische Länder, die vom BMZ mit 50 Millionen Euro mitfinanziert wird. 2015 erhielt der Senegal als erstes Land eine Auszahlung von 16,5 Millionen US-Dollar aus dieser Versicherung.


Erneuerbare Energien und Energieeffizienz

Projekt der deutsch-senegalesischen Zusammenarbeit  PERACOD in Kayar, in dem Solartechnik zum Betreiben von Wasserpumpen eingesetzt werden

Energiemangel gehört zu den großen Entwicklungshemmnissen im Senegal. Die Stromproduktion hält mit der wachsenden Nachfrage nicht Schritt – Gewerbebetriebe, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen sind dadurch in ihrer Funktionsfähigkeit stark eingeschränkt. Vor allem in ländlichen Regionen hat die Bevölkerung keinen ausreichenden Zugang zu Elektrizität und modernen Energiedienstleistungen. Durch Preissubventionen wird zudem der Staatshaushalt stark belastet.

Angesichts der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen, die importiert werden müssen, zeigt die Regierung großes Interesse, ihre Abhängigkeit von Importen zu reduzieren und verstärkt Sonnen- und Windenergie zu nutzen. Deutschlands Kenntnisse und Erfahrungen in diesem Bereich werden im Senegal sehr geschätzt. Ziel der Zusammenarbeit ist, den Zugang zu Energie in ländlichen Gebieten zu erhöhen und die Energieversorgung insgesamt sicherer, effizienter und umweltfreundlicher zu gestalten, um damit einen Beitrag zur Armutsbekämpfung zu leisten.

Dafür unterstützt Deutschland die senegalesische Regierung in ihrer Reformpolitik und berät sie zum Beispiel bei der Erarbeitung von Einspeiseregelungen und der Beteiligung des Privatsektors. Darüber hinaus fördert die Bundesregierung Investitionen in erneuerbare Energien und Energieeffizienz, um die Stromproduktion, -übertragung und -verteilung im Senegal zu verbessern. Deutschland unterstützt beispielsweise den Bau eines Photovoltaikkraftwerks und kleinerer Anlagen, die 2017 ans Netz gehen sollen.


Weitere Informationen

Video

Loading the player...

Bericht über die Reise von Bundesminister Müller nach Niger, Ruanda und in den Senegal im August 2016

Lexikon der Entwicklungspolitik

Fenster schließen

 

Seite teilen