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Namibia

Situation und Zusammenarbeit

Blick durch Mangroven auf einen Fluss in einem namibischen Naturschutzgebiet

Die weit verbreitete Armut und die extrem ungleiche Verteilung von Vermögen sind große Herausforderungen für Namibia. Die seit März 2015 amtierende Regierung von Präsident Hage Geingob, die über eine klare Dreiviertelmehrheit im Parlament verfügt, will sich diesen Problemen stellen und hat sich zum Ziel gesetzt, Wohlstand für alle Namibier zu schaffen.

Voraussetzung dafür ist unter anderem die Beseitigung der Defizite im Bildungsbereich. Bisher ist das Bildungs- und Ausbildungssystem Namibias noch nicht effizient genug. Das liegt unter anderem an der geringen Attraktivität des Lehrerberufs und seiner schlechten Bezahlung sowie daran, dass große Teile der Bevölkerung die offizielle Unterrichtssprache Englisch nicht gut genug beherrschen. Auch wenn die Zahl der Kinder, die ein Grundschule besuchen, mittlerweile auf rund 90 Prozent gesteigert werden konnte, verfügen rund ein Drittel der Namibier über keinen Schulabschluss beziehungsweise haben nur die Grundschule abgeschlossen. Auch die Situation im Bereich der beruflichen Bildung ist stark verbesserungswürdig.

Auf dem Arbeitsmarkt fehlen viele Fachkräfte, gleichzeitig ist die Arbeitslosigkeit hoch: Offiziell liegt die Quote bei rund 25 Prozent. Unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist sie noch deutlich höher.

Eine Hürde für die nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung ist auch die Energieversorgung. Namibia hat zu wenige eigene Kraftwerke und ist auf teure Stromimporte aus den Nachbarländern angewiesen. Auch aufgrund der für die kommenden Jahre erwarteten Energieengpässe ist das Interesse an erneuerbaren Energien in Namibia gewachsen.

Namibia gehört mit einer HIV-Infektionsrate von etwa 13 Prozent (Erwachsene zwischen 15 und 49 Jahren, 2015) weiterhin zu den Ländern, die am schwersten von HIV und Aids betroffen sind, wobei die regionalen Unterschiede enorm sind. Die Epidemie betrifft besonders junge Menschen und vor allem Frauen.

Entwicklungspotenziale

Junge Frau aus Namibia mit traditionellem Kopfschmuck

Namibia gilt als sicherer Investitionsstandort in Afrika, hat allerdings in den vergangenen zehn Jahren seine Wettbewerbsfähigkeit kaum verbessern können. Zwischen 2010 und 2015 erreichte das Land wirtschaftliche Wachstumsraten von fünf bis sechs Prozent. Nach einem Einbruch 2016 (0,1 Prozent) erwartet der Internationale Währungsfonds (IWF) für 2017 ein Wachstum von 3,5 Prozent (Stand: April 2017).

Die im Vergleich mit anderen afrikanischen Ländern gut entwickelte Infrastruktur, insbesondere im Bereich der Telekommunikation und Verkehrswege, bietet Unternehmen gute Voraussetzungen. Der sehr kleine Binnenmarkt, relativ hohe Transport- und Arbeitskosten sowie der Mangel an Fachkräften wirken allerdings noch nachteilig auf mögliche Investoren.

Große Chancen für eine nachhaltige Entwicklung Namibias liegen in der Förderung von mineralischen Rohstoffen, in der Fischerei und im Tourismus. Der Bergbau bildet das Rückgrat der namibischen Volkswirtschaft: Diamanten, Gold, Kupfer, Uran und andere Bodenschätze machen einen Großteil des Exportvolumens aus. Allerdings schafft ihr Abbau aufgrund der immer noch wenig ausgebauten Wertschöpfung im Land nur wenige Arbeitsplätze. Weitaus mehr langfristige Beschäftigungsmöglichkeiten könnten entstehen, wenn die Bodenschätze vor Ort aufbereitet und weiterverarbeitet würden.

Aufgrund seiner landschaftlichen Schönheit, der einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt und der kulturellen Vielfalt hat auch Namibias Tourismussektor große Wachstumschancen. Durch die Einrichtung und das nachhaltige Management von Nationalparks entstehen dauerhafte Arbeitsplätze und neue Einkommensmöglichkeiten. Besonders große Entwicklungspotenziale bietet der Bereich des Ökotourismus.


Schwerpunkte der deutschen Zusammenarbeit mit Namibia

Die besondere historische Verantwortung Deutschlands gegenüber Namibia drückt sich auch im großen Engagement der deutschen Entwicklungszusammenarbeit aus. Deutschland ist seit der Unabhängigkeit 1990 einer der wichtigsten Geber des Landes. Für den Zweijahreszeitraum 2017/2018 hat die Bundesrepublik 130 Millionen Euro zugesagt.

Oberste Ziele der deutsch-namibischen Entwicklungszusammenarbeit sind die Bekämpfung der Armut und Ungleichheit in Namibia. Diese Ziele sind auch wesentliche Bestandteile der langfristigen namibischen Entwicklungsstrategie "Vision 2030" und der dazugehörenden nationalen Entwicklungspläne (aktuell National Development Plan 5 mit Laufzeit bis 2021/22). Darin hat sich Namibia das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2030 den Lebensstandard eines Industrielandes zu erreichen. Auch der Kampf gegen HIV und Aids sowie die Förderung guter Regierungsführung, die Durchsetzung der Menschenrechte und die Gleichberechtigung der Geschlechter sind Bestandteil der "Vision 2030".

Namibia gehört zu den Ländern mit der höchsten HIV-Infektionsrate der Welt. HIV-Prävention ist daher ein Querschnittsthema der bilateralen Zusammenarbeit von Deutschland und Namibia.

Die Kooperation konzentriert sich vorwiegend auf drei Schwerpunktbereiche, die zuletzt bei den Regierungsverhandlungen im September 2017 bestätigt wurden:

  • Management natürlicher Ressourcen
  • Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung
  • Transport und Logistik

Von 2007 bis 2015 wurde außerdem im Rahmen der "Deutsch-Namibischen Sonderinitiative der Versöhnung" zusammengearbeitet. Für diese Initiative hat die Bundesregierung zusätzlich zur zwischenstaatlichen Entwicklungszusammenarbeit insgesamt 34 Millionen Euro bereitgestellt. Das Geld wurde in den Siedlungsgebieten der Volksgruppen, die in besonderer Weise unter der deutschen Kolonialherrschaft gelitten hatten, in Maßnahmen der Kommunalentwicklung investiert. Die Sonderinitiative setzte ausdrücklich auf einen in die Zukunft gerichteten Entwicklungsprozess statt auf eine rückwärtsgewandte "Wiedergutmachung". In ihr wurden Aspekte der Armutsbekämpfung und der Mitbestimmung sowie der Begegnung und Verständigung miteinander verknüpft.


Solaranlage in Tsumkwe, Namibia

Außerhalb der Schwerpunktbereiche unterstützt Deutschland die namibische Regierung insbesondere beim Klimaschutz und der Verbesserung der Energiesicherheit. Durch die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien und die Verbesserung der Energieeffizienz soll die Abhängigkeit von kohlebasierten Stromimporten aus Südafrika reduziert werden. Dabei kommen Sondermittel des BMZ im Rahmen der "Initiative für Klima- und Umweltschutz" zum Einsatz.

In Kooperation mit dem Deutschen Fußballbund (DFB) und dem Weltfußballverband FIFA finanziert das BMZ außerdem den Bau von 45 Sportplätzen für sozial benachteiligte Jugendliche. Landesweit können künftig fast 14.000 junge Namibierinnen und Namibier kostenlos Fußball spielen oder anderen Sport treiben.


Management natürlicher Ressourcen

Ein Ranger und ein Elefant im Khaudum-Nationalpark in Namibia

Namibia ist das trockenste Land südlich der Sahara. Das einzigartige Ökosystem der Wüste Namib, die die gesamte Küste des Landes bedeckt, ist durch die Auswirkungen des Klimawandels bedroht. Viele Böden in Namibia sind erosionsgefährdet; Wasser ist generell knapp und die Wassernutzung des Landes ist nicht nachhaltig. Große Gebiete sind von Wüstenbildung und Verbuschung betroffen.

Zugleich sind die natürlichen Ressourcen Namibias die Basis für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung durch Landwirtschaft, Bergbau und Tourismus. Die Konkurrenz um die ohnehin knappen Ressourcen wird dadurch verschärft, dass der Landbesitz äußerst ungleich verteilt ist. Trotz erster Erfolge einer Landreform kontrollieren noch immer einige wenige, überwiegend weiße Großfarmer mehr als 75 Prozent des kommerziellen Farmlandes. Bis 2020 sollen insgesamt 15 Millionen Hektar Land umverteilt werden, das entspricht etwa 40 Prozent des gesamten Landbesitzes.

Die gerechte und nachhaltige wirtschaftliche Nutzung der natürlichen Ressourcen ist ein Hauptziel der namibischen Strategie zur Armutsminderung und eine Voraussetzung zum Erhalt des sozialen Friedens in Namibia. Deutschland unterstützt die namibischen Bemühungen, einen fairen Zugang zu den natürlichen Ressourcen des Landes herzustellen und durch nachhaltiges Management langfristig zu erhalten. Mithilfe eines deutschen Darlehens wird die Trinkwasserversorgung in der Hauptstadt Windhuk verbessert.

Auf nationaler Ebene wird die Regierung bei der Verbesserung der Rahmenbedingungen und beim Aufbau institutioneller Kapazitäten für das Umwelt- und Biodiversitätsmanagement beraten. Auf regionaler und kommunaler Ebene wird die nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen zum Beispiel durch die Einrichtung und Bewirtschaftung von Gemeindewäldern, Hegegebieten und Nationalparks gefördert. Auch Maßnahmen zur Eindämmung der stark angestiegenen Wilderei in Namibia werden im Rahmen dieser Programme unterstützt.

Im Osten Namibias entsteht das größte Naturschutzgebiet der Welt: Der transnationale Park Kavango-Zambezi (KAZA) besteht aus Flächen der Nachbarstaaten Angola, Botsuana, Namibia, Sambia und Simbabwe. Das BMZ hat dafür bislang 35,5 Millionen Euro bereitgestellt ​und unterstützt die beteiligten Behörden unter anderem durch die Mitarbeit an rechtlichen Vereinbarungen und an der Landnutzungsplanung sowie durch die Beratung bei Parkmanagement und Tourismus. Auch im Norden des Landes fördert das BMZ den Ausbau von Nationalparks. Durch den behutsamen Aufbau touristischer Infrastruktur profitiert auch die lokale Bevölkerung vom Schutz der Natur.

Außerdem werden im Rahmen dieses Schwerpunktbereichs der Zusammenarbeit Kleinbauern im Norden des Landes dabei unterstützt, angepasste Anbaumethoden zu entwickeln und anzuwenden. Auf diese Weise sollen sie in die Lage versetzt werden, die vorhersehbaren Ernteeinbußen durch den Klimawandel auszugleichen.


Nachhaltige Wirtschafts­entwicklung

Leitstand der Wasseraufbereitungsanlage Goreangab in Windhuk, Namibia

Namibias wirtschaftliche Entwicklung wird durch verschiedene Faktoren gebremst. Dazu gehören der schlechte Zugang breiter Gesellschaftsschichten zu Finanzdienstleistungen, schwache staatliche Institutionen und wenig entwickelte Verbandsstrukturen, der Mangel an Fachkräften und der relativ kleine lokale Absatzmarkt. Um diese zentralen Probleme des Landes lösen zu können, ist eine breitenwirksame, von der Privatwirtschaft getragene nachhaltige Wirtschaftsentwicklung notwendig.

Die deutsch-namibische Zusammenarbeit orientiert sich an den in der "Vision 2030" formulierten Zielen und konzentriert sich auf die Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Privatwirtschaft einschließlich der Unterstützung von kleinen und mittleren Unternehmen.

Eine wichtige Rolle spielt dabei die Entwicklung der strategisch wichtigen Wirtschaftssektoren Landwirtschaft, Bergbau und Tourismus. Da der Mangel an gut ausgebildeten Fachkräften und der niedrige Bildungsstand großer Bevölkerungsteile ein anhaltendes Problem für die namibischen Wirtschaftsentwicklung darstellt, fördert die Bundesrepublik bei allen ihren Maßnahmen auch die Aus- und Weiterbildung.

Für ein breitenwirksames Wirtschaftswachstum ist der Zugang der Bevölkerung zu Finanzdienstleistungen erforderlich. Daher unterstützt Deutschland Namibia bei der Weiterentwicklung des Finanzsektors. Besonders die ländliche Bevölkerung und die Kleinbetriebe – vor allem im informellen Sektor – haben bisher kaum Zugang zu Finanzdienstleistungen. Die Finanzinstitutionen sollen daher mit deutscher Unterstützung ihr Angebot auf diese zurzeit noch benachteiligten Bevölkerungsgruppen ausweiten – zum Beispiel durch das Angebot von Mikrokrediten. Durch sie erhalten auch Kleinstbetriebe die Möglichkeit, längerfristig zu planen, mehr Arbeitsplätze zu schaffen und gewinnbringender zu wirtschaften.

Mit deutscher Unterstützung wurde die landesweit erste Bank für Mikrofinanzdienstleistungen, die Fides Bank Namibia, gegründet, die 2014 von der Trustco-Gruppe übernommen wurde. Bis zur Übernahme konnte die Bank rund 14.000 Kredit- und 40.000 Sparkunden erreichen, die vorher kaum Zugang zu Finanzdienstleistungen hatten.


Transport und Logistik

Der Hafen Walvis Bay in Namibia

Namibia ist ein großes, extrem dünn besiedeltes Land. Die Verkehrswege sind bisher nicht flächendeckend ausgebaut und dadurch sind die Chancen der Bevölkerung, am sozialen und wirtschaftlichen Leben teilzunehmen, regional noch sehr unterschiedlich. Um allen Menschen Zugang zu lokalen Märkten, Bildungs-, Gesundheits- und Verwaltungseinrichtungen zu bieten und damit die wirtschaftliche und soziale Entwicklung Namibias zu fördern, benötigt das Land eine leistungsfähige Transportinfrastruktur.

Darum beraten deutsche Expertinnen und Experten die namibische Regierung im Verkehrssektor und erarbeiten Ausbildungsprogramme für den Transportbereich. Zusätzlich wird das Straßennetz verbessert – vor allem im dicht besiedelten Norden des Landes, wo mehr als die Hälfte der Gesamtbevölkerung lebt.

Zur besseren wirtschaftlichen Integration Namibias im südlichen Afrika werden Hauptverkehrsachsen ausgebaut, unter anderem zum namibischen Tiefseehafen Walvis Bay. Der Hafen ist ein überregional bedeutender Verkehrsknotenpunkt für nationale und internationale Transporte. Er wird unter anderem von den benachbarten Binnenländern Sambia und Botsuana genutzt und soll für mehrere Länder der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika (SADC) zum Hauptumschlagplatz werden.

Im Rahmen der technischen Zusammenarbeit wurde außerdem eine "Road Safety Strategy" entwickelt und zu Verkehrssicherheitskampagnen beigetragen.


Leuchtturmvorhaben "Energy for Future"

Das BMZ strebt in den Kooperationsländern der deutschen Entwicklungszusammenarbeit eine intensive Zusammenarbeit aller gesellschaftlichen Kräfte an. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Privatwirtschaft, denn sie kann zusätzliches Know-how und Geld für die Erreichung entwicklungspolitischer Ziele zur Verfügung stellen.

Zu den besonders Erfolg versprechenden Projekten in Namibia gehört das 2011 gestartete Vorhaben "Energy for Future": Mit finanzieller Unterstützung des BMZ werden hier von mehreren tausend Hektar brachliegendem Farmland Büsche entfernt. Das Land kann anschließend wieder landwirtschaftlich genutzt werden. Die abgeernteten Büsche werden zur Energiegewinnung für eine Zementfabrik genutzt. Diese Zementfabrik ist die modernste in Afrika und eine der umweltfreundlichsten Anlagen dieser Art weltweit. Das Projekt trägt damit zugleich zur Reduzierung von klimaschädlichen Treibhausgasen bei und fördert die nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung der Region.


Weitere Informationen

CHECK [D]EINEWELT

Skelett mit der Frage "Wofür ist die Skelettküste bekannt?"

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Lexikon der Entwicklungspolitik

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