Hauptinhalt

Kenia

Situation und Zusammenarbeit

Frauen singen zur Begrüßung einer ausländischen Delegation in einem Dorf in Kenia.

Nach einem beispielhaften demokratischen Machtwechsel brachte die kenianische Regierung unter Präsident Mwai Kibaki ab 2003 wichtige politische, wirtschaftliche und soziale Reformen auf den Weg. Die internationale Gemeinschaft verstärkte daraufhin ihr Engagement in Kenia erheblich. Letztendlich gelang es der Regierung jedoch nicht, die bestehenden Machtgefüge sowie Klientelismus und Korruption wirksam zu bekämpfen.

Im Vorfeld der Wahlen Ende 2007 instrumentalisierten kenianische Politiker ethnische Zugehörigkeiten für ihren politischen Machtkampf. Das führte Anfang 2008 zu gewaltsamen Auseinandersetzungen und politischer Instabilität. Unterstützt von der internationalen Gemeinschaft, darunter Deutschland, und bedeutenden Persönlichkeiten Afrikas, trat der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan als Vermittler auf und erreichte eine friedliche Lösung der Krise. Für die Legislaturperiode 2008 bis 2013 wurde eine große Koalition gebildet.

Im März 2013 wählte Kenia erneut und erlebte einen friedlichen Wechsel der Regierungsverantwortung. Die aktuelle Regierung unter Präsident Uhuru Kenyatta und seinem Stellvertreter William Ruto will die Entwicklungsstrategie "Vision 2030" und die neue Verfassung aus dem Jahr 2010 umsetzen.

Die kenianische Verfassung enthält einen Grundrechtekatalog und sieht den Umbau des Zentralstaats zu einer dezentral aufgebauten Republik vor. Kenias Dezentralisierungsvorhaben ist sehr ehrgeizig, da regionale Politik- und Verwaltungsstrukturen neu etabliert werden müssen. Auch Reformbemühungen in den Bereichen Justiz, Polizeiwesen und Landbesitz, sowie die Armutsbekämpfung erhalten durch die kenianische Entwicklungsstrategie und die Verfassung neue Impulse.

Korruption

Dank internationaler Unterstützung ist die staatliche Verwaltung Kenias in einigen Bereichen professioneller und effektiver geworden. Ein wesentliches Entwicklungshemmnis bleibt die noch immer weit verbreitete und oft ungeahndete Korruption in Politikerkreisen, Polizei und Justiz. Auch arme Menschen müssen teilweise hohe Bestechungsgelder zahlen, um staatliche Leistungen zu erhalten, die eigentlich kostenlos sind.

Auf dem Korruptions-Wahrnehmungs-Index 2015 der Nichtregierungsorganisation Transparency International nimmt Kenia Platz 139 von 168 untersuchten Staaten ein. Im Herbst 2011 wurde eine Ethik- und Antikorruptionskommission geschaffen. Sie ist allerdings nicht mit ausreichenden Ressourcen ausgestattet und es kommt in nur in wenigen Fällen zu Strafprozessen oder Verurteilungen.


Wirtschaft

Pflücken von Kaffeebohnen in der Kooperative in Embu, Kenia

Der wichtigste Wirtschaftsbereich Kenias ist die Landwirtschaft, von der etwa 70 Prozent der Bevölkerung leben. Tee und Kaffee sowie Schnittblumen sind die Hauptexportgüter des Landes. Auch die sich gut entwickelnden Dienstleistungsbranchen, insbesondere der IT-Sektor und der Tourismus, tragen maßgeblich zum Wirtschaftswachstum bei. Aufgrund der verschlechterten Sicherheitslage an der Küste Kenias sind die Umsätze der Tourismusbranche allerdings 2014 eingebrochen und steigen seither nur langsam wieder an.

Das Wirtschaftswachstum lag 2014 bei 5,3 Prozent, für die kommenden Jahre prognostiziert die Weltbank ein Wachstum zwischen fünf und sechs Prozent.

Kenia ist die größte Volkswirtschaft Ostafrikas und gilt bei der Weltbank als "lower middle income state" (Land mit niedrigem mittlerem Einkommen). Das Bruttonationaleinkommen pro Kopf lag 2014 bei 1.290 US-Dollar. Aufgrund seiner relativ hohen Export- und Steuereinnahmen kann das Land seine Kredite tilgen, allerdings wächst das Handelsbilanzdefizit. Das Staatsbudget wird zu etwa 15 Prozent von internationalen Gebern finanziert, das sogenannte Entwicklungsbudget für langfristige Investitionen zu bis zu 40 Prozent.


Entwicklungsziele

Dank des jährlichen Wirtschaftswachstums, der weitgehenden politischen Stabilität und der eingeleiteten Reformen hat Kenia wichtige Entwicklungsfortschritte gemacht. Erfolge gibt es zum Beispiel in der Grundschulbildung, bei der Stärkung der Rechte von Frauen sowie bei der Bekämpfung von HIV und Aids.

Die Verminderung der Kinder- und Müttersterblichkeit stockt hingegen und auch die angestrebte deutliche Reduzierung des Anteils der Armen im Land ist bisher noch nicht gelungen. Das hohe Bevölkerungswachstum von 2,6 Prozent (2014) erschwert Verbesserungen in diesen Bereichen. Auf dem Index der menschlichen Entwicklung (HDI 2015) belegt Kenia Platz 146 von insgesamt 188 aufgelisteten Ländern.


Dürreperioden

Feldarbeit in Nordkenia

Teile von Kenia, vor allem der Norden und Nordwesten, sind häufig von Dürre betroffen. Dort leben viele Viehzüchter und Kleinbauern. Zuletzt litten im Jahr 2011 rund 3,5 Millionen Menschen in dieser Region akut an Hunger und Wassermangel. Gleichzeitig musste das Land Hunderttausende Menschen aus Somalia versorgen, die vor der Dürre und politischen Konflikten in ihrem Land nach Kenia geflüchtet waren. Als Folge des Klimaphänomens "El Niño" kam es auch 2015 in großen Teilen Ostafrikas zu Dürren und Überschwemmungen, mit schlimmen Auswirkungen auf Ernten und die Viehwirtschaft.

Die Regierung Kenias ist nicht in der Lage, die tief greifenden Folgen der Klimaschwankungen allein zu bewältigen. Die Ernährungssicherheit und die Steigerung der Widerstandsfähigkeit gegenüber Dürre stehen darum seit 2013 verstärkt im Fokus der deutsch-kenianischen Entwicklungszusammenarbeit.


Entwicklungspotenziale

Mann beim Schweißen in Karagita, Kenia

Die kenianische Regierung verfolgt mit der "Vision 2030" eine langfristige Strategie zur sozioökonomischen Entwicklung: Bis 2030 will Kenia ein global wettbewerbsfähiges Land mit einer hohen Lebensqualität werden und in die Kategorie der Schwellenländer aufsteigen. Seine "Vision 2030" wird das Land nur mit politischer Stabilität, nationaler Versöhnung und Einheit, klar entwicklungsorientierter Regierungsführung sowie erhöhter Sicherheit und verbesserter Infrastruktur erreichen können.

Im Vergleich zu anderen afrikanischen Staaten verfügt Kenia über eine solide wirtschaftliche Basis. Im Bereich des verarbeitenden Gewerbes hat das Land gut ausgebildete Arbeitskräfte. Durch die Entwicklung der Landwirtschaft und die Erschließung neuer Märkte sowie den Ausbau der Tourismusbranche könnte die Abhängigkeit von den Weltmarktpreisen für Tee und Kaffee reduziert werden.

Kenia ist Gründungsmitglied und treibende Kraft der Ostafrikanischen Gemeinschaft (East African Community, EAC), der auch Tansania, Uganda, Ruanda und Burundi angehören. Seit 2010 existiert ein gemeinsamer Binnenmarkt mit freiem Waren- und Personenverkehr für die mehr als 150 Millionen Bürger der fünf Staaten. Langfristiges Ziel der Gemeinschaft ist eine politische Union mit einer gemeinsamen Währung nach dem Vorbild der EU.


Schwerpunkte der deutschen Zusammenarbeit mit Kenia


Bundesentwicklungsminister Gerd Müller besuchte in Kenia das größte Flüchtlingslager der Welt in Dadaab, einer Ortschaft die etwa 100 Kilometer von der Grenze zu Somalia entfernt ist.
Bildergalerie öffnen gallery27800010_2../../../../mediathek/bildergalerien/20160331_reise_ostafrika/0020_ostafrika_thumb.jpgMichael Gottschalk/photothek.net Bildergalerie öffnen

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller besuchte in Kenia das größte Flüchtlingslager der Welt in Dadaab, einer Ortschaft die etwa 100 Kilometer von der Grenze zu Somalia entfernt ist.

Bild: © Michael Gottschalk/photothek.net

Bild {{counter}} von {{maxCount}}

Im Flüchtlingscamp Dadaab leben sehr viele Kinder.

Bild: © Michael Gottschalk/photothek.net

Bild {{counter}} von {{maxCount}}

Bundesentwicklungsminister Müller beim Besuch einer Verteilstation für Lebensmittel in Dadaab.

Bild: © Michael Gottschalk/photothek.net

Bild {{counter}} von {{maxCount}}

Frauen warten im Flüchtlingscamp in Dadaab auf die Ausgabe der Nahrungsmittelrationen.

Bild: © Michael Gottschalk/photothek.net

Bild {{counter}} von {{maxCount}}

Minister Müller besucht die Metallwerkstatt im Bildungszentrum "Bosco Boys Kuwinda", das in der Nähe eines Armenviertels von Nairobi liegt.

Bild: © Michael Gottschalk/photothek.net

Bild {{counter}} von {{maxCount}}

Schüler des Bildungszentrums "Bosco Boys Kuwinda" in Nairobi. Minister Müller hat dort einen Fußballplatz eröffnet.

Bild: © Michael Gottschalk/photothek.net

Bild {{counter}} von {{maxCount}}

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller und Kenias Finanzminister Henry Rotich unterzeichnen eine Erklärung zur diesjährigen Zusage für die Entwicklungszusammenarbeit.

Bild: © Michael Gottschalk/photothek.net

Bild {{counter}} von {{maxCount}}

Gerd Müller besichtigt in einem Grünen Innovationszentrum in Kenia einen Kuhstall, der die Vorteile der Stallhaltung gegenüber der Tierhaltung am Rande der Landstraßen verdeutlichen soll.

Bild: © Michael Gottschalk/photothek.net

Bild {{counter}} von {{maxCount}}

Im Grünen Innovationszentrum in Kenia hat Gerd Müller ein neues Gebäude zur Milchverarbeitung eingeweiht.

Bild: © Michael Gottschalk/photothek.net

Bild {{counter}} von {{maxCount}}

Besichtigung einer Anlage zur Gewinnung von Biogas im Grünen Innovationszentrum.

Bild: © Michael Gottschalk/photothek.net

Bild {{counter}} von {{maxCount}}

Die Fischzüchterin Zinath Deen zeigt Bundesminister Gerd Müller ihre Fischfarm in der Nähe des Viktoriasees. Die Farm bietet auch Ausbildungsmöglichkeiten.

Bild: © Michael Gottschalk/photothek.net

Bild {{counter}} von {{maxCount}}

Zinath Deen zeigt Bundesminister Gerd Müller Jungfische, die in einem luftgefüllten Plastikbeutel transportiert werden.

Bild: © Michael Gottschalk/photothek.net

Bild {{counter}} von {{maxCount}}

In Tansania besuchte Minister Müller die Schwestern- und Hebammenschule der Aga Khan Universität in Daressalam. Hier unterhält er sich mit zwei Hebammen und einer Schülerin.

Bild: © Michael Gottschalk/photothek.net

Bild {{counter}} von {{maxCount}}

Minister Müller beim Rundgang durch die Schwestern- und Hebammenschule der Aga Khan Universität in Daressalam, Tansania.

Bild: © Michael Gottschalk/photothek.net

Bild {{counter}} von {{maxCount}}

Minister Müller traf sich in Tansania mit religiösen Führungspersönlichkeiten zu einem Gespräch über die Lage der Religionsgemeinschaften im Land. Von links nach rechts: Scheich Musa Kundecha, Vorsitzender des unabhängigen Zentralrats der Muslime, Gerd Müller, Alex Malasusa, Erzbischof der evangelisch-lutherischen Kirche von Daressalam und Abdulrahman Ame, Generalsekretär des muslimischen Wohlfahrtsverbands Ahmadiyya Muslim Jamaat

Bild: © Michael Gottschalk/photothek.net

Bild {{counter}} von {{maxCount}}

Gerd Müller und Jumanne Abdallah Maghembe, der Minister für Naturschutz und Tourismus in Tansania, übergeben ein Kleinflugzeug an die Zoologische Gesellschaft Frankfurt; hier vertreten durch Christof Schenck (rechts) und den zukünftigen Piloten (links). Das Flugzeug soll von der tansanischen Wildlife Management Authority zur Überwachung des Schutzgebietes Selous und zur Bekämpfung der Wilderei eingesetzt werden.

Bild: © Michael Gottschalk/photothek.net

Bild {{counter}} von {{maxCount}}

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller bei der Besichtigung der Hafenanlagen in Dschibuti, der Hauptstadt des gleichnamigen afrikanischen Staates

Bild: © Michael Gottschalk/photothek.net

Bild {{counter}} von {{maxCount}}

Im Hafen von Dschibuti entladen Arbeiter ein Schiff mit Mineraldünger, füllen ihn in 50-Kilo-Säcke ab und beladen damit einen Lastwagen.

Bild: © Michael Gottschalk/photothek.net

Bild {{counter}} von {{maxCount}}

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller besuchte in Kenia das größte Flüchtlingslager der Welt in Dadaab, einer Ortschaft die etwa 100 Kilometer von der Grenze zu Somalia entfernt ist.

Im Flüchtlingscamp Dadaab leben sehr viele Kinder.

Bundesentwicklungsminister Müller beim Besuch einer Verteilstation für Lebensmittel in Dadaab.

Frauen warten im Flüchtlingscamp in Dadaab auf die Ausgabe der Nahrungsmittelrationen.

Minister Müller besucht die Metallwerkstatt im Bildungszentrum "Bosco Boys Kuwinda", das in der Nähe eines Armenviertels von Nairobi liegt.

Schüler des Bildungszentrums "Bosco Boys Kuwinda" in Nairobi. Minister Müller hat dort einen Fußballplatz eröffnet.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller und Kenias Finanzminister Henry Rotich unterzeichnen eine Erklärung zur diesjährigen Zusage für die Entwicklungszusammenarbeit.

Gerd Müller besichtigt in einem Grünen Innovationszentrum in Kenia einen Kuhstall, der die Vorteile der Stallhaltung gegenüber der Tierhaltung am Rande der Landstraßen verdeutlichen soll.

Im Grünen Innovationszentrum in Kenia hat Gerd Müller ein neues Gebäude zur Milchverarbeitung eingeweiht.

Besichtigung einer Anlage zur Gewinnung von Biogas im Grünen Innovationszentrum.

Die Fischzüchterin Zinath Deen zeigt Bundesminister Gerd Müller ihre Fischfarm in der Nähe des Viktoriasees. Die Farm bietet auch Ausbildungsmöglichkeiten.

Zinath Deen zeigt Bundesminister Gerd Müller Jungfische, die in einem luftgefüllten Plastikbeutel transportiert werden.

In Tansania besuchte Minister Müller die Schwestern- und Hebammenschule der Aga Khan Universität in Daressalam. Hier unterhält er sich mit zwei Hebammen und einer Schülerin.

Minister Müller beim Rundgang durch die Schwestern- und Hebammenschule der Aga Khan Universität in Daressalam, Tansania.

Minister Müller traf sich in Tansania mit religiösen Führungspersönlichkeiten zu einem Gespräch über die Lage der Religionsgemeinschaften im Land. Von links nach rechts: Scheich Musa Kundecha, Vorsitzender des unabhängigen Zentralrats der Muslime, Gerd Müller, Alex Malasusa, Erzbischof der evangelisch-lutherischen Kirche von Daressalam und Abdulrahman Ame, Generalsekretär des muslimischen Wohlfahrtsverbands Ahmadiyya Muslim Jamaat

Gerd Müller und Jumanne Abdallah Maghembe, der Minister für Naturschutz und Tourismus in Tansania, übergeben ein Kleinflugzeug an die Zoologische Gesellschaft Frankfurt; hier vertreten durch Christof Schenck (rechts) und den zukünftigen Piloten (links). Das Flugzeug soll von der tansanischen Wildlife Management Authority zur Überwachung des Schutzgebietes Selous und zur Bekämpfung der Wilderei eingesetzt werden.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller bei der Besichtigung der Hafenanlagen in Dschibuti, der Hauptstadt des gleichnamigen afrikanischen Staates

Im Hafen von Dschibuti entladen Arbeiter ein Schiff mit Mineraldünger, füllen ihn in 50-Kilo-Säcke ab und beladen damit einen Lastwagen.


Deutschland ist ein wichtiger Geber Kenias. Bei Regierungsverhandlungen im Jahr 2013 wurden Kenia für die Jahre 2014 bis 2016 insgesamt 138 Millionen Euro für die zwischenstaatliche Zusammenarbeit zugesagt. Davon entfallen 106,5 Millionen Euro auf finanzielle und 31,5 Millionen Euro auf technische Zusammenarbeit. Diese Zusagen wurden ergänzt durch ein zinssubventioniertes Darlehen sowie Mittel aus dem Energie- und Klimafonds der Bundesregierung. Mit der kenianischen Regierung wurde eine Zusammenarbeit in den folgenden Schwerpunkten vereinbart:

  • Landwirtschaft: Verbesserung der Ernährungssicherheit und Stärkung der Widerstandsfähigkeit gegenüber Dürren
  • Wasser- und Sanitärversorgung: Zugang zu Wasser- und Sanitärversorgung insbesondere in städtischen Wachstumsgebieten sowie Wasserressourcenmanagement
  • Gesundheit: Aufbau eines Systems nachhaltiger Gesundheitsfinanzierung

Darüber hinaus erfolgt eine Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung sowie erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Außerdem unterstützt die Bundesregierung Kenia bei der Bekämpfung der Korruption.

Die Schwerpunkte der deutschen Zusammenarbeit greifen die Ziele der kenianischen Entwicklungsstrategie "Vision 2030" sowie der fünfjährigen Entwicklungsstrategie (Medium-Term Plan II; 2013 bis 2018) auf. Im Rahmen der gemeinsamen Programmierung der Europäischen Union wurden sie mit den anderen europäischen Gebern abgestimmt.

Im Rahmen der Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger" unterstützt die deutsche Regierung Kenia zusätzlich bei Vorhaben zur Ernährungssicherung und zur Verbesserung der Böden.

Mit Mitteln der Initiative "Fluchtursachen bekämpfen – Flüchtlinge reintegrieren" unterstützt Deutschland seine kenianischen Partner bei der Versorgung von Binnenflüchtlingen und südsudanesischen Flüchtlingen.


Förderung der Landwirtschaft

Feldarbeit auf einer kleinen Bauernfarm in Ishiara, Kenia

Die Landwirtschaft ist der wichtigste Wirtschaftsbereich Kenias – 29 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) können ihr direkt zugeordnet werden; informell sind es noch weit mehr. Sie spielt damit eine entscheidende Rolle für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Landes.

Typisch für die kenianische Agrarwirtschaft sind ihre kleinbäuerlichen Strukturen, ihre große Abhängigkeit von Niederschlägen und eine bisher noch geringe Produktivität. Wachstum innerhalb dieses Wirtschaftssektors erfolgt zunehmend zulasten der Umwelt und der Wasserressourcen. Vor dem Hintergrund des hohen Bevölkerungswachstums führt die beschriebene Struktur der Landwirtschaft dazu, dass sie nicht in der Lage ist, ausreichend Nahrungsmittel für die Versorgung der Menschen in Kenia zu erzeugen.

Die in der Verfassung verankerte Dezentralisierung – durch die rund 90 Prozent der Aufgaben auf die neugeschaffene Bezirksebene verlagert werden – wirkt sich auch auf den Agrarsektor aus. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit begleitet und unterstützt die Umsetzung des Reformprozesses.

Geographische Schwerpunkte des deutschen Engagements sind der Westen des Landes sowie der von den Dürren der vergangenen Jahre besonders betroffene Norden. Die kenianische Regierung wird dabei unterstützt, die Ernährungssicherheit zu verbessern sowie die Widerstandsfähigkeit gegen Dürrefolgen zu stärken. Ein wesentliches Anliegen ist es dabei, die notwendige Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität mit dem Schutz der natürlichen Ressourcen in Einklang zu bringen.

Im Rahmen der Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger" wird in Kenia zudem ein Grünes Innovationszentrum entstehen. Es wird kleinbäuerliche Betriebe dabei unterstützen, ihre Produktion und ihr Einkommen nachhaltig zu steigern.

Seit 2011 arbeitet das BMZ im Rahmen einer Dreieckskooperation eng mit der israelischen staatlichen Entwicklungsagentur Mashav zusammen, um den Aufbau von Fischfarmen zu unterstützen. Dies entlastet den überfischten Viktoriasee und erschließt zudem neue Einkommensquellen für die lokalen Fischer.


Entwicklung des Wasser- und Sanitärsektors

Slumbewohner in Nairobi holen sich Wasser

Mehr als ein Drittel der Menschen in Kenia haben keinen angemessenen Anschluss an eine Trinkwasserversorgung, etwa 70 Prozent haben keine angemessenen sanitären Anlagen. Die Bundesregierung unterstützt darum die Reformbemühungen der kenianischen Regierung im Wasser- und Sanitärsektor. Ziel ist, den nachhaltigen und gleichberechtigten Zugang zu sauberem Wasser und grundlegenden sanitären Einrichtungen in städtischen Gebieten zu sichern und die Wasserressourcen zu schützen. Wichtige Arbeitsfelder sind:

  • Reform und Verbesserung der Rahmenbedingungen: Beratung und Kapazitätsaufbau von Institutionen von der lokalen Ebene bis zum nationalen Umwelt- und Wasserministerium
  • Verbesserung der Wasser- und Sanitärversorgung in städtischen Armutsgebieten: Investitionen in die Infrastruktur der mittelgroßen Städte am Viktoriasee und in der Wachstumsregion Nairobi; Unterstützung des Water Services Trust, über den seit 2009 mehr als 1,4 Millionen Menschen in städtischen Armutsgebieten einen verbesserten Zugang zur Wasserversorgung und mehr als 150.000 Personen Zugang zu Basissanitäreinrichtungen erhalten haben
  • Integriertes Wasserressourcenmanagement: Schutz der Umwelt und der wichtigsten Wassereinzugsgebiete vor weiterer Zerstörung

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit kooperiert im Wassersektor eng mit anderen Gebern und übernimmt in regelmäßigen Abständen den Gebervorsitz.


Gesundheit

Die Biafra-Klinik in Eastleigh, einem Armutsgebiet Nairobis

Das Gesundheitssystem in Kenia steht vor enormen Herausforderungen. Sehr deutlich wird das zum Beispiel durch die hohe Müttersterblichkeit, die bei 510 pro 100.000 Lebendgeburten liegt (Deutschland: 6 pro 100.000). Trotz der kostenfreien Basisgesundheitsdienste sind Krankheitskosten für den Großteil der kenianischen Bevölkerung mit dem Risiko des finanziellen Ruins verbunden. Nur etwa 20 Prozent der Bevölkerung sind für den Krankheitsfall abgesichert. Es besteht daher ein dringender Bedarf, ein solides und finanziell nachhaltiges soziales Gesundheitsversicherungssystem zu schaffen.

Ziel der deutschen Entwicklungszusammenarbeit ist es, armen und benachteiligten Bevölkerungsgruppen einen verbesserten Zugang zu qualitativ hochwertigen Basisgesundheitsdienstleistungen zu ermöglichen. Die finanziellen Risiken im Krankheitsfall sollen abgedeckt werden, gleichzeitig soll die Qualität der Gesundheitsdienstleistungen verbessert werden. Um dies zu erreichen, fördert die deutsche Entwicklungszusammenarbeit die Einführung tragfähiger Ansätze der Gesundheitsfinanzierung und unterstützt unter anderem Reformen im Bereich des Qualitätsmanagements.

Deutschland finanziert die Bereitstellung von Gutscheinen für Gesundheitsdienstleistungen im Bereich Familienplanung, Geburt und geschlechterspezifische Gewalt. Bisher wurden etwa 500.000 arme Frauen erreicht. Die Ansätze des Gutscheinsystems (zum Beispiel Abrechnung nach medizinischen Leistungen, Zulassungsverfahren) und die Erfahrungen aus dem Qualitätsmanagement werden für den Ausbau des Versicherungssystems genutzt.


Weitere Informationen

Video

Loading the player...

Videobeitrag über die Reise von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller nach Kenia und Tansania

Lexikon der Entwicklungspolitik

Fenster schließen

 

Seite teilen