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Kamerun

Situation und Zusammenarbeit

Blick auf Jaounde, die Hauptstadt von Kamerun

Für die fragile zentralafrikanische Region ist ein wirtschaftlich starkes und politisch stabiles Kamerun wichtig. Das Land kann als Motor für die Nachbarstaaten und die regionalen Organisationen wirken. Die kamerunische Regierung versucht tatkräftig, diese Rolle auszufüllen. Sie hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, dass Kamerun bis zum Jahr 2035 den Status eines Schwellenlandes erreichen soll. Um die Lebensbedingungen der Bevölkerung zu verbessern, will sich die Regierung in den kommenden Jahren vor allem auf eine Steigerung des Wirtschaftswachstums und die Schaffung von Arbeitsplätzen konzentrieren.

Auf diesem Weg wird Kamerun jedoch weiterhin große Unterstützung benötigen, denn noch lebt mehr als ein Drittel der Menschen unterhalb der nationalen Armutsgrenze, knapp zehn Prozent der Bevölkerung sind unterernährt. Die Lebenserwartung liegt bei 56 Jahren.

Die offizielle Arbeitslosenquote ist mit 4,3 Prozent recht niedrig, allerdings gelten etwa zwei Drittel der Erwerbstätigen als unterbeschäftigt. Sie arbeiten vor allem als Selbstversorger in der Landwirtschaft oder als Kleinstunternehmer im informellen Sektor.

Entwicklungsfortschritte sind vor allem bei der Einschulungsrate und bei der Trinkwasserversorgung zu verzeichnen. Die Säuglings- und Kindersterblichkeit sinkt; die Müttersterblichkeit ist allerdings noch immer noch sehr hoch, und auch bei der Sanitärversorgung waren in den vergangenen Jahren kaum Verbesserungen zu verzeichnen.

Sicherheitslage und Flüchtlingskrise

Kameruns Sicherheit ist durch die instabile Lage in den Nachbarländern Nigeria und Zentralafrikanische Republik bedroht. Gemeinsam mit Nigeria, Niger, Tschad und Benin beteiligt sich Kamerun an der multinationalen Eingreiftruppe (Multinational Joint Task Force, MNJTF), die in Nigeria die Terrorgruppe Boko Haram bekämpft. Die Terroristen reagieren darauf immer wieder mit Vergeltungsschlägen auf kamerunischem Gebiet.

Kamerun zeigt großen humanitären Einsatz in der Region: Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) hatte das Land Anfang 2017 knapp 260.000 Flüchtlinge aus der Zentralafrikanischen Republik und mehr als 85.000 Menschen aus Nigeria aufgenommen. Hinzu kamen knapp 192.000 Binnenvertriebene, die im Norden des Landes vor Angriffen von Boko Haram flüchteten (Stand: Januar/Februar 2017).

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat Kamerun bislang mit rund 25 Millionen Euro dabei unterstützt, die Geflüchteten aufzunehmen und zu versorgen. Bei den Maßnahmen wird besonders darauf geachtet, dass auch Binnenvertriebene und die einheimische Bevölkerung Hilfe erfahren.


Wirtschaft

Furnierproduktion in Douala/Kamerun

2014 und 2015 konnte Kamerun wirtschaftliche Wachstumsraten von rund sechs Prozent verzeichnen. Für die Jahre 2016 und 2017 geht der Internationale Währungsfonds (IWF) von Raten unter fünf Prozent aus. Dieses Wachstum reicht angesichts des Bevölkerungswachstums nicht aus, um die Armut nachhaltig zu verringern, den jungen Menschen Perspektiven zu bieten und die Entwicklungsunterschiede in den verschiedenen Landesteilen auszugleichen.

Kamerun ist bisher nur wenig industrialisiert. Eine schwerfällige Verwaltung, die unzureichende Rechtssicherheit, fehlende Infrastruktur und der Fachkräftemangel halten potenzielle Investoren fern. Ein weiteres Problem ist die allgegenwärtige Korruption. Sie zu bekämpfen, ist zwar erklärtes Ziel der Regierung, im Korruptionswahrnehmungsindex 2015 der Nichtregierungsorganisation Transparency International erreichte Kamerun jedoch nur Rang 130 von 168 ausgewerteten Ländern.

Als Mitglied der Zentralafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (CEEAC) und der Zentralafrikanischen Wirtschafts- und Währungsgemeinschaft (CEMAC) unterstützt Kamerun die regionale Integration. Das Sekretariat der Zentralafrikanischen Forstkommission (COMIFAC), ein Zusammenschluss von zehn afrikanischen Staaten, hat seinen Sitz in Kameruns Hauptstadt Jaunde.


Entwicklungspotenziale

Straße bei Mondoni/Kamerun

Vor allem in den zentralen und südlichen Regionen von Kamerun sind die landwirtschaftlichen Bedingungen für den Anbau von Früchten jeder Art ideal. Darüber hinaus verfügt Kamerun über ein großes Potenzial zur Nutzung von Wasserkraft und eine Reihe von Bodenschätzen wie Bauxit, Kobalt, Nickel, Erdöl und Diamanten. Durch ein effektives Management dieser Ressourcen könnten neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

Impulse erhält die Wirtschaft Kameruns auch durch die Umsetzung von Infrastrukturprogrammen. Im Agrarsektor profitieren die Landwirte von Aus- und Fortbildungsangeboten sowie einem besseren Zugang zu Finanzmitteln. Die Produktion von Kakao, Kaffee, Baumwolle und Reis konnte bereits gesteigert werden.

2014 trat ein Interims-Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (Economic Partnership Agreement, EPA) zwischen der Europäischen Union und Kamerun in Kraft. Auf Grundlage dieses Abkommens gewährt die EU Kamerun einen vollständig freien Marktzugang. Kamerun soll bis 2023 seinen Markt für europäische Exporte öffnen. Ein wichtiger Bestandteil des EPA-Prozesses ist die begleitende handelsbezogene Entwicklungszusammenarbeit (Aid by Trade). Die EU unterstützt das afrikanische Land bei der Verbesserung der Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit seiner Industrie. Das bilaterale Abkommen wird als Zwischenschritt hin zu einem regionalen EPA zwischen Zentralafrika und der EU angesehen. Die anderen Länder der Region können ihm beitreten.


Schwerpunkte der Zu­sam­men­ar­beit

Deutschland gehört zu den wichtigsten entwicklungspolitischen Förderern Kameruns. Bei Regierungsverhandlungen im Juni 2016 wurden Mittel in Höhe von 100,5 Millionen Euro neu zugesagt. Davon entfallen 39,5 Millionen Euro auf die finanzielle und 61,0 Millionen Euro auf die technische Zusammenarbeit.

2016 erfolgte außerdem eine weitere Zusage in Höhe von insgesamt 25 Millionen Euro (finanzielle Zusammenarbeit), so dass sich die Zusage 2016 auf insgesamt 125,5 Millionen Euro erhöhte.

Folgende Schwerpunkte der Entwicklungszusammenarbeit wurden vereinbart:

  • Schutz und nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen
  • Gute Regierungsführung
  • Ländliche Entwicklung

Zusätzlich unterstützt Deutschland das Partnerland bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise (siehe oben) und im Bereich Gesundheit.

Kamerun profitiert außerdem von einer Reihe regionaler Programme. So unterstützt Deutschland die zentralafrikanische Waldkommission COMIFAC bei der Förderung einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung. Gemeinsam mit der Zentralafrikanischen Wirtschafts- und Währungsgemeinschaft (CEMAC) werden unter anderem Vorhaben in den Bereichen Rohstoffgovernance/EITI und Gesundheit/HIV/Aids verwirklicht.


Schutz und nach­hal­tige Nutzung natürlicher Ressourcen

Regenwald rund um den Dzanga-Fluss im Dreiländereck von Kongo, Kamerun und Zentralafrikanische Republik

Die ausgedehnten und artenreichen Regenwälder Kameruns sind von weltweiter Bedeutung für Biodiversität und Klima. Sie spielen außerdem eine wichtige Rolle als Nahrungs- und Einnahmequelle für die lokale Bevölkerung. Holz ist neben Mineralöl und Kakao das bedeutendste Exportprodukt des Landes.

Die Wälder sind jedoch durch zu intensive Nutzung zunehmend bedroht. Bergbau und Landwirtschaft dringen immer weiter in die Waldgebiete ein, große Waldflächen gehen durch illegalen Holzeinschlag verloren. Nicht nachhaltige Waldbewirtschaftung und Wilderei gefährden die Artenvielfalt.

Ein Arbeitsschwerpunkt der deutschen Entwicklungszusammenarbeit mit Kamerun ist deshalb der Schutz des Tropenwaldes. Hierzu unterstützt Deutschland die kamerunische Regierung bei der Umsetzung ihres Wald- und Umweltprogramms. Dazu gehören die Beratung bei der Weiterentwicklung und Umsetzung der Forstpolitik, die nachhaltige Waldbewirtschaftung sowie das Schutzgebietsmanagement.

2011 unterzeichnete Kamerun ein freiwilliges Partnerschaftsabkommen mit der Europäischen Union zur Bekämpfung des illegalen Holzeinschlags. Es sieht den Aufbau eines Dokumentations- und Zertifizierungssystems für Tropenholz vor. Nur für Holz, das nachweislich legal eingeschlagen wurde, erhält Kamerun dann einen erleichterten Marktzugang in die EU. Deutschland hat die kamerunische Regierung in der Verhandlungsphase beraten und begleitet nun die Umsetzung des Abkommens.


Gute Regierungsführung

Straßenszene in Mondoni/Kamerun

Auf nationaler Ebene unterstützt Deutschland die kamerunische Regierung bei der Verwaltung der öffentlichen Finanzen. Das Thema Steuereinnahmen und Steuerverwaltung soll dabei in Zukunft einen Schwerpunkt bilden. Um die Steuereinnahmen zu steigern, werden mögliche Einnahmequellen ermittelt. Auf Basis einer umfassenden Organisationsanalyse der Steuerverwaltung soll ihre Effizienz gesteigert und eine angepasste IT-Struktur aufgebaut werden.

Auf kommunaler Ebene werden ausgewählte mittelgroße Städte dabei unterstützt, ihre wichtige Funktion als regionale Wirtschafts- und Dienstleistungszentren zu erfüllen. Über den kamerunischen Investitionsfonds FEICOM (Fonds Spécial d'Equipement et d'Intervention Intercommunale) stellt die KfW Entwicklungsbank diesen Städten Geld für soziale oder wirtschaftliche Infrastrukturprojekte zur Verfügung. Dazu zählen zum Beispiel Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser, Straßen und Märkte.

Ein Vorhaben zur Dezentralisierung ist Ende 2015 nach 12-jähriger Laufzeit beendet worden. Derzeit wird ein neues Vorhaben zur Kommunalentwicklung vorbereitet. Es richtet sich vor allem an die Gemeinden, die am Programm zur ländlichen Entwicklung oder am Wald- und Umweltprogamm teilnehmen. Sie sollen in die Lage versetzt werden, ihre Verwaltungsaufgaben besser wahrzunehmen, um die angestoßenen Entwicklungen selbst vorantreiben zu können.


Ländliche Ent­wick­lung

Auf Wunsch der kamerunischen Regierung wurde bei den Regierungsverhandlungen Ende 2013 vereinbart, ländliche Entwicklung zu einem neuen Schwerpunkt der Entwicklungszusammenarbeit zu machen. Wichtige Handlungsfelder sind dabei die Ernährungssicherung und die Anpassung an den Klimawandel.

Die Aktivitäten werden sich auf die weniger entwickelten Regionen im Norden Kameruns konzentrieren. Inhaltlich soll der Schwerpunkt auf der Ausbildung, der Verbesserung von Anbau- und Produktionsmethoden (zum Beispiel durch besseres Saatgut), der Verringerung von Nachernteverlusten und auf dem Wassermanagement liegen. Ein entsprechender Programmvorschlag wird derzeit erarbeitet.

Darüber hinaus wird in Kamerun im Rahmen der Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger" ein sogenanntes Grünes Innovationszentrum aufgebaut. Es soll Neuerungen in den Wertschöpfungsketten bei der Produktion von Kakao, Kartoffeln und Geflügel verbreiten und Fortbildungen anbieten. Eine Dreieckskooperation zwischen Deutschland, Kamerun und Israel soll eine Ausweitung auf die Wertschöpfungskette Mango/Obstbäume ermöglichen.

Die Sonderinitiative zielt darauf ab, die Einkommen kleinbäuerlicher Betriebe zu steigern, Arbeitsplätze zu schaffen und die regionale Versorgung mit Nahrungsmitteln zu verbessern. Dies erfolgt in enger Zusammenarbeit mit Partnern aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft.


Gesundheit

Deutschland unterstützt die kamerunische Regierung bei der Wiederherstellungund Ausstattung von Gesundheitseinrichtungen. Außerdem wurde die Hebammenausbildung reformiert und die Funktionsfähigkeit von Hebammenschulen unterstützt.


Weitere Informationen

Video

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Bericht über die Reise von Bundesminister Dr. Gerd Müller vom 11. bis 15. März 2015 in die Demokratische Repubik Kongo, Kamerun und die Südspitze der Zentralafrikanischen Republik (ZAR).

Lexikon der Entwicklungspolitik

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