Hauptinhalt

Afrika südlich der Sahara

Bildung, Gesundheit und ländliche Entwicklung als weitere Schlüsselsektoren


Schüler der rehabilitierten Schule Bwakya in Goma, Kongo.

Die fünf Profilbereiche der deutschen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit Good Gover­nance, nach­hal­tige Wirt­schafts­ent­wick­lung, Wasser, Energie und Umwelt- und Ressourcen­schutz werden durch weitere wichtige Politik­felder ergänzt. Zu den Schwer­punkten der Zu­sam­men­ar­beit mit Subsahara-Afrika gehören die Sektoren Bildung, Gesund­heit und ländliche Ent­wick­lung.

Bildung

In Afrika südlich der Sahara leben rund 30 Millionen Kinder im Grund­schul­alter, die keine Grund- oder Sekundar­schule be­su­chen. Das sind etwa 43 Prozent der weltweit 67 Millionen Kinder, die nicht zur Schule gehen. Allein in Nigeria sind 8,6 Millionen Kin­der betroffen, in Äthiopien 2,7 Millionen und in Niger 1,2 Mil­lio­nen Kin­der. Hinzu kommt, dass der Anteil der Grund­schul­abbrecher – also der Erst­klässler, die die letzte Grund­schul­klasse nicht er­rei­chen – in Subsahara-Afrika im welt­weiten Vergleich am höchsten ist.

Der Anteil der Grundschulkinder, die den Über­gang von der Grund­schule zur Sekundar­stufe schaffen, liegt in Subsahara-Afrika nur bei 64 Prozent (weltweit 94 Prozent). Es ist davon aus­zu­gehen, dass der Bedarf nach Sekundar- und weiter­füh­ren­den Schulen ansteigen wird, da immer mehr Schüler die Grund­schule beenden. Ein relativ kleiner Anteil – nur fünf Prozent der ent­spre­chen­den Alters­gruppe – ist in der Region für die Hoch­schul­bildung eingeschrieben.

In Subsahara-Afrika liegt das Geschlechter­verhältnis in der Grund­bildung (92 Mädchen auf 100 Jungen) immer noch leicht unter den durch­schnitt­lichen welt­weiten Werten (94:100). Im Sekundar- und Hoch­schul­bereich sind Geschlechter­ungleich­heiten noch ausgeprägter.

Vorschule Aam Been Dee in Windhuk, Namibia. Urheberrecht: photothek.netViele Bil­dungs­sys­te­me wer­den in der näch­sten De­ka­de durch das Be­völ­ke­rungs­wachs­tum zu­sätz­lich unter Druck ge­ra­ten, da die Be­völ­ke­rungs­gruppe im Grund­schul­alter voraus­sicht­lich um 22 Pro­zent wach­sen wird. Rech­net man Pen­sio­nie­rung sowie chro­ni­sche Krankheits- und Todes­fälle von Lehrern mit ein, werden schätzungs­weise 3,8 Millionen zusätzliche Lehrer in Subsahara-Afrika benötigt, um das Ziel der universellen Grund­schul­bildung bis 2015 noch erreichen zu können.

Weltweit ist das Schüler-Lehrer-Verhältnis in den vergangenen zehn Jahren konstant geblieben: Auf einen Lehrer kamen durch­schnitt­lich 25 Schüler. Subsahara-Afrika gehört zu den Regionen mit der stärksten Zunahme der Einschulungen. Hier stieg das Verhältnis von 41:1 auf 45:1 an. Die Situation wird noch dadurch verschlechtert, dass nur etwa 80 Prozent der Lehrer angemessen ausgebildet sind.

Die Zahl der erwachsenen Analphabeten ist in Subsahara-Afrika sehr hoch: 29 Prozent der Männer und 46 Prozent der Frauen können nicht lesen und schreiben. Das ist die weltweit höchste Rate. In einigen Ländern, wie Burkina Faso, Guinea, Mali und Niger, liegt die An­alphabeten­quote sogar über 70 Prozent. Die Zahl der jugend­lichen An­alphabeten (15 bis 24 Jahre) stieg in Subsahara-Afrika in der letzten Dekade um sieben Millionen. Besonders gravierend ist die Situation in instabilen Ländern und Krisengebieten.

Bildung ist ein Schlüssel­sektor der deutschen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit. Im Rahmen der staat­lichen bilateralen Zu­sam­men­ar­beit unterstützt das BMZ vier Ko­ope­ra­tions­länder in Afrika im Schwer­punkt Bildung: Malawi, Mosambik, Angola und Äthiopien. Zusätzlich dazu fördert das BMZ Bildungs­maßnahmen in etwa 35 weiteren Partner­ländern der Region, sei es im Rahmen der bi­lateralen staatlichen Zu­sam­men­ar­beit, im Gestaltungs­spiel­raum oder im Rahmen der nicht-staatlichen Zu­sam­men­ar­beit. Die Kooperation erstreckt sich von der Grund­bildung über die beruf­liche Bildung bis zum Hoch­schulbereich.

Im Rahmen der finanziellen Zusammenarbeit werden primär Infra­struk­tur­maß­nahmen wie Bau, Umbau, Sanierung und Ausstattung von Bildungs­einrichtungen, Lehrer­ausbildung sowie Capacity-Building-Maßnahmen finanziert. Zusätzlich laufen Pilot­projekte innovativer Bildungs­finanzierung.

In der technischen Zusammenarbeit findet Bildungs­förderung in Subsahara-Afrika im Rahmen von Politik-, Organisations- und Fach­beratung statt. Die Beratung umfasst entweder das ganze Bildungs­system oder setzt an einzelnen Themen­bereichen an, zum Beispiel bei be­nach­tei­lig­ten Kinder und Jugendlichen.

Wie in seiner Bildungs­strategie angekündigt, wird das BMZ die Regierungs­zusagen für Bildung in Afrika auf 137 Millionen Euro in 2013 erhöhen. Das bedeutet eine Verdopplung der Mittel im Vergleich zu 2009, als die Regierungs­zusagen für Bildung in Afrika 68,5 Millionen Euro betrugen.

Leutturm-Vorhaben: Pan-Afrikanische Universität

Ein Leucht­turm­vorhaben im Bereich der Bildungs­för­derung ist der Auf­bau einer Pan-Afrika­nischen Uni­ver­sität (PAU) in Tlemcen, Algerien. Deutsch­land unter­stützt dieses Vor­haben gemein­sam mit der Afrika­ni­schen Union. An der PAU soll es künftig Studien­pro­gramme auf Master- und Dok­to­randen­niveau geben, für die sich Stu­die­rende aus ganz Afrika be­wer­ben können. Die Ab­schlüsse sollen in ganz Afrika aner­kannt werden. Außer­dem soll an­wendungs­orien­tierte For­schung zur nach­haltigen wirt­schaft­lichen und so­zialen Ent­wick­lung Afri­kas be­trieben werden.

Das BMZ för­dert den Auf­bau der Hoch­schule in enger Zu­sam­men­arbeit mit dem Aus­wär­tigen Amt und dem Bundes­bildungs­ministe­rium: Die deutsche Unter­stüt­zung erfolgt in den Bereichen Wasser, Energie und Klima­wan­del. Für 2011 und 2012 wurden der Afrika­ni­schen Union und der alge­rischen Partner­univer­sität für den Auf­bau der Hoch­schule 9 Millio­nen Euro zu­gesagt. Im Juni haben Deutsch­land, Algerien und die Afrika­nische Union eine poli­tische Ab­sichts­erklä­rung über eine trila­terale Partner­schaft zur För­derung der Pan-Afri­kani­schen Uni­versi­tät unter­zeich­net. Deutsch­land sagte dabei weitere 20 Millio­nen Euro für Infra­struktur­maßnah­men am Hoch­schul­stand­ort zu.

Gesundheit und soziale Sicherung

Kinderstation eines Krankenhauses in Kigali, Ruanda. Urheberrecht: photothek.netHohe Gesund­heits­risiken und schwache Ge­sund­heits­systeme tra­gen er­heb­lich zur Krank­heits­häu­fig­keit und Sterb­lich­keit in Afrika bei. Zu den wich­tig­sten Vo­raus­setzungen für eine funk­tio­nie­ren­de Ge­sund­heits­ver­sor­gung zählt ausreichend qualifiziertes Gesund­heits­personal. In Subsahara-Afrika leiden der Welt­gesund­heits­organisation (WHO) zufolge 36 Länder unter einem Fach­kräfte­mangel von krisen­haften Ausmaßen.

Mit Blick auf die gesundheits­bezogenen Millenniums­ziele (MDGs) intensiviert die Bun­des­re­gie­rung ihre Anstrengungen in Afrika und setzt damit ihre in­ter­na­ti­o­nalen Ver­pflichtungen ins­be­son­dere in dieser Region um. Beim G8-Gipfel 2007 in Heiligen­damm hat sich Deutsch­land verpflichtet, von 2008 bis 2015 mindestens 500 Mil­lio­nen Euro pro Jahr für die Bekämpfung von HIV/AIDS, Tuber­ku­lose und Malaria und die erforderliche Gesund­heits­system­stär­kung aufzuwenden. Beim G8-Gipfel in Muskoka 2010 hat Deutsch­land erklärt, von 2011 bis 2015 zusätzlich bis zu 400 Millionen Euro für die Mutter-Kind-Gesundheit bereit­zu­stellen. Außerdem hat Bundes­kanzlerin Angela Merkel 2008 zusätzliche 100 Mil­lio­nen Euro für die Ausrottung der Polio zugesagt.

Zentraler Förderansatz der deutschen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­arbeit ist die Stärkung der Gesund­heits­systeme, einschließlich der Fach­kräfte­entwicklung. Auch die Bekämpfung von HIV/AIDS und die Förderung der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte sowie der selbst­bestimmten Familien­planung stehen im Mittel­punkt des deutschen Engagements.

Die deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit unterstützt zudem den Aufbau von Systemen sozialer Sicherung, um die sozialen und wirtschaftlichen Folgen von Krankheit und Krisen für Ein­zel­per­sonen und Haushalte besser abzufedern. In mehreren Staaten südlich der Sahara werden unter­schiedliche Formen der sozialen Absicherung, etwa (Mikro-)Kranken­versicherungen, Alters­sicherung oder Sozial­transfers, gefördert. Auch im Kontext der HIV/AIDS-Pandemie kann mit zugeschnittenen Maßnahmen sozialer Sicherung ein erheblicher Beitrag zu Prävention, Be­hand­lung, Pflege und Folgen­linderung geleistet werden.

Ländliche Ent­wick­lung

Ländliche Ent­wick­lung ist in Afrika ein Schlüssel­faktor für die von Dürre­krisen und Klima­wandel bedrohte Er­näh­rungs­siche­rung. Rund 240 Millionen Menschen in Subsahara-Afrika sind von Unter­ernährung betroffen. Die Bun­des­re­gie­rung trägt als einer der größten Geber in diesem Bereich wesentlich dazu bei, die in­ter­na­ti­o­nalen Beschlüsse der G8-Gipfel in L’Aquila (2009) und Camp David (2012) zur Stärkung der Er­näh­rungs­siche­rung umzusetzen.

Bundeskanzlerin Merkel hat auf dem G8-Gipfel 2009 zugesagt, dass Deutsch­land sich mit rund 2,1 Milliarden Euro von 2010 bis 2012 an der L’Aquila Food Security Initiative (AFSI) beteiligt. Die Bun­des­re­gie­rung hält diese Zusage ein: Das BMZ hat durch­schnitt­lich 700 Millionen Euro jährlich zur Verfügung gestellt – das sind etwa 200 Millionen Euro mehr als noch 2008 und fast 11 Pro­zent des gesamten BMZ-Haushalts. Etwa 45 Prozent der Mittel für ländliche Räume fließen in die Länder Afrikas.

Ein Beispiel dafür ist die breit angelegte deutsche Un­ter­stüt­zung der pan­afrikanischen Land­wirt­schafts­strategie, die die Afri­ka­ni­sche Union entworfen hat (Comprehensive Africa Agriculture Devel­op­ment Programme, CAADP). Die Strategie setzt auf Wachs­tums­impulse in den ländlichen Räumen durch erhöhte In­ves­ti­tio­nen.

Ländliche Ent­wick­lung heißt für das BMZ: länd­liche Räume ins­ge­samt beleben. Dafür fördert das Ministerium Bildung und Aus­bil­dung, Zugang zu Energie, Wasser und angepassten Finanz­dienst­leistungen sowie einen nachhaltigen Umgang mit den natür­lichen Ressourcen. Auch eine gute Regie­rungs­führung und eine funktionierende Verwaltung, die den Menschen verlässliche Land­rechte gibt und ihre Eigen­initiative unter­stützt, gehören zu den Ansatz­punkten der Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit.

Weitere Informationen

Lexikon der Entwicklungspolitik

Fenster schließen

 

Seite teilen