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Schwellenländer: Wichtige Partner für die internationale Zusammenarbeit für nachhaltige Entwicklung

Luftaufnahme von São Paulo, Brasilien

Aus dem Kreis der Entwicklungs­länder ist im vergangenen Jahr­zehnt eine Reihe von Schwellen­ländern zu wichtigen globalen Akteuren aufgestiegen. Ihnen kommt bei der Lösung globaler Heraus­forderungen und Entwicklungs­prozessen eine Schlüssel­rolle zu.

Zu den großen Schwellen­ländern zählen wirt­schaft­lich und politisch auf­strebende G20-Staaten wie Brasilien, China, Indien, Indonesien, Mexiko und Süd­afrika. Sie sind zwar noch mehr oder weniger weit davon entfernt, beim Pro-Kopf-Einkommen das Niveau typischer Industrie­länder zu erreichen. Doch sie haben so deutliche wirt­schaft­liche Fortschritte – zum Beispiel beim Ausbau ihrer Mittelschicht – gemacht, dass sie aus der Liste der Mittel­einkommens­länder hervor­stechen.

Ihre weitere Ent­wick­lung und die Stabi­li­sie­rung ihres Aufstiegs sind deshalb besonders wichtig. Denn über ihre eigene Ent­wick­lung wie auch ihr Verhalten und ihren Vorbild­charakter im regionalen und globalen Rahmen haben sie Einfluss auf andere Länder und Kontinente. Der Schutz globaler öffent­licher Güter wie Frieden, Sicherheit und eine intakte Umwelt sowie eine weltweite nach­haltige Entwicklung können nur gemeinsam mit diesen Ländern erreicht werden. Für die Ent­wick­lungs­politik sind diese Länder deshalb wichtige Partner.

Keine exakte Definition

Eine exakte, inter­national gültige Definition des Begriffs "Schwellen­land" gibt es nicht. Schwellen­länder sind zwar inter­national meist noch als Entwicklungs­länder klassifiziert. Typisch für diese Länder ist aber, dass sie sich in einem umfassenden Wandlungs­prozess befinden. So ist in den vergangenen Jahren in vielen Schwellen­ländern das Wirt­schafts­wachs­tum und das Pro-Kopf-Einkommen über­durch­schnitt­lich gestiegen. In vielen Schwellen­ländern kann jedoch trotzdem die soziale Ent­wick­lung noch nicht mit den wirt­schaft­lichen Wachstums­raten mithalten. Das zeigt sich zum Beispiel bei der Lebens­erwartung, der Säuglings­sterb­lich­keit, dem Bildungs­niveau oder bei Zugang zu Energie- und Wasser­versorgung.

Schuhputzer in Neu Delhi, Indien. Urheberrecht: photothek.netDas rasante Wachs­tum wird zudem häufig durch eine zu­neh­men­de Un­gleich­heit bei den Einkommen be­glei­tet. So ist zum Bei­spiel Indien – trotz beacht­licher wirt­schaft­licher Erfolge in den ver­gan­ge­nen 20 Jahren – nach wie vor das Land mit den meisten Armen: Mehr als 800 Millionen Ein­wohner müssen mit weniger als umgerechnet zwei US-Dollar pro Tag auskommen.

Im Juni 2013 veranstaltete das BMZ gemeinsam mit dem Entwicklungs­programm der Vereinten Nationen (UNDP) und der Deutschen Gesell­schaft für die Vereinten Nationen (DGVN) eine inter­nationale Konferenz in Berlin, die sich unter dem Titel "Der Aufstieg des Südens und neue Entwicklungs­partner­schaften" mit den Veränderungen in der Welt und ihren Konsequenzen für die Ent­wick­lungs­po­li­tik beschäftigte. Grundlage war der UNDP-Bericht über die menschliche Ent­wick­lung 2013 ("Der Aufstieg des Südens: Menschlicher Fortschritt in einer ungleichen Welt").

Die Konferenz bestätigte die Chancen und Heraus­for­de­run­gen, die diese Veränderungen mit sich bringen. Längst nicht alle Schwellen­länder entwickeln sich so nach­haltig dynamisch wie die großen Schwellen­länder, die die Nachrichten bestimmen. Unter anderem wurde über die sogenannte "Mittel­einkommens­falle" diskutiert: Viele Schwellen­länder kämpfen mit fort­bestehenden strukturellen Problemen und wachsen nur bis zu einem gewissen Punkt. Sie kämpfen dann mit niedrigeren Wachstums­raten, wirt­schaft­lichem Still­stand oder sogar der Gefahr des Zurück­fallens, ohne den Sprung zum Hoch­einkommens­land zu schaffen.

Aktive Rolle in der Weltpolitik

Auch wenn sie also noch selbst vor immensen Heraus­for­de­run­gen stehen, sind Schwellen­länder wichtige welt­politische Akteure. Verstärkt und zu Recht fordern sie, auf globaler Ebene mehr Gehör zu finden und eine aktivere Rolle in den inter­nationalen Orga­ni­sa­tio­nen zu spielen. Zunehmend arbeiten sie mit ärmeren Ländern ent­wick­lungs­po­litisch im Rahmen der Süd-Süd-Kooperation zusammen

Lexikon der Entwicklungspolitik

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