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Länder

Naher Osten und Nordafrika

Brücken bauen zwischen Europa und der arabischen Welt

Diese Kartendarstellung gibt nicht in jedem Einzelfall die völkerrechtliche Position der Bundesregierung wieder.


Die Staaten der Region Naher Osten und Nordafrika (Middle East and North Africa, MENA) sind wegen ihrer welt­poli­tischen Bedeutung und ihrer räum­lichen Nähe zu Europa seit vielen Jahren wichtige Partner der deutschen Ent­wick­lungs­po­li­tik. Die Bun­des­re­pu­blik engagiert sich in ins­ge­samt elf Ländern der Region. Mit Zusagen für die Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit von durch­schnitt­lich rund 400 Mil­li­onen Euro pro Jahr ist Deutsch­land dort – nach den USA – der zweitgrößte Geber.

Die MENA-Region erstreckt sich südlich des Mittel­meeres von Marokko bis Ägypten und östlich des Mittel­meeres vom Jemen über die Länder der ara­bischen Halb­insel bis nach Syrien und den Irak. Nach Angaben der Weltbank lebten dort 2011 rund 336,5 Mil­li­onen Menschen, und die Be­völ­ke­rung wuchs im gleichen Jahr um 1,7 Prozent. Das hohe Bevöl­ke­rungs­wachs­tum ist eine große He­raus­for­de­rung für die Länder der Region, von denen viele unter Res­sour­cen­knapp­heit sowie einer stei­genden Arbeits­losig­keit leiden.

Protest gegen autoritäre Herrschaftssysteme

Viele Staaten im Nahen Osten und in Nordafrika wurden von auto­kra­tischen Regimen geführt. Die Grund­rechte wurden dort viel­fach beschnitten. Auch die Mög­lich­keit der poli­tischen Mit­wir­kung war auf­grund staat­lich ein­ge­schränkter Medien- und Organi­sa­tions­freiheit, Infor­ma­tions­mangel, in­ef­fek­tiver Ver­wal­tungen und man­gelnder Trans­pa­renz von Ent­schei­dungen für die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger ins­ge­samt gering. Darüber hinaus be­nach­tei­ligt die über­wiegend patriarcha­lische Gesell­schafts­struktur in den arabischen Ländern Frauen in sozialer, wirt­schaft­licher und politischer Hinsicht.

Seit Dezember 2010 erlebt die Region einen umfassenden poli­tischen Wan­del. Mil­li­onen Menschen fordern öffent­lich mehr Demokratie und mehr poli­tische Be­tei­li­gung ein. In Tunesien, Ägypten, im Jemen und in Libyen wurden 2011 die Macht­haber gestürzt und Parlamente aufgelöst.

Weitere Informationen über den demokratischen Aufbruch in Nord­afrika und im Nahen Osten finden Sie hier.

Große wirt­schaft­liche und soziale Unterschiede

Blick auf die Altstadt von Sanaa (Jemen) bei Nacht. Urheberrecht: photothek.netDas Wachstum der meisten arabischen Volks­wirt­schaften wird entweder vom Erdöl oder vom Tourismus getragen. Die Land­wirt­schaft und die ver­ar­bei­tende Industrie tragen nur wenig zum Brutto­in­lands­pro­dukt bei und die Privat­wirt­schaft ist in vielen Ländern gering ent­wic­kelt. Die nach­hal­tige Erholung und Ent­wick­lung der wichtigsten Wirtschaftssektoren hängt in den Ländern, in de­nen seit 2011 Reform­be­we­gungen ent­stan­den sind, zu­sätz­lich von einer lang­fristigen Sta­bi­li­sie­rung der politischen Lage ab.

Insbesondere der Maghreb (Algerien, Libyen, Mauretanien, Marokko und Tu­ne­sien) gilt als eine der wirt­schaft­lich am wenigsten inte­grierten Welt­regionen: Die Exporte sind ein­sei­tig auf Europa aus­ge­rich­tet; unter­ein­ander treiben die nord­afri­ka­nischen Staaten kaum Handel. Die seit den 1990er Jahren geplante Frei­handels­zone zwischen den fünf Maghreb-Staaten gibt es auf­grund poli­tischer Dif­fe­renzen bislang nicht. Chancen für die wirt­schaft­liche Ent­wick­lung der Region bleiben so ungenutzt.

Die Einkommensunterschiede in den einzelnen Ländern der MENA-Region sind groß. Während die reichen Golf­staaten vor­aus­sicht­lich die meisten Ent­wick­lungs­ziele der Vereinten Nationen (Mil­len­ni­ums­ent­wick­lungs­ziele) erreichen werden, gehören Länder wie der Jemen und Mauretanien zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt.

Konflikte

Im Nahen Osten und Nordafrika werden verschiedene Konflikte aus­ge­tragen. Neben den schon lang an­dau­ernden Krisen rund um Israel und die Pa­läs­ti­nen­sischen Ge­biete sowie im Irak, hemmt seit 2011 der Bür­ger­krieg in Syrien die Ent­wick­lung der Region. In vie­len wei­teren Staaten gibt es inner­staat­liche Aus­ein­an­der­set­zun­gen, etwa um Min­der­hei­ten­rechte und die Selbst­be­stim­mung ein­zelner Be­völ­ke­rungs­gruppen. Sowohl inner- als auch zwischen­staatlich gibt es Kontro­versen um die Nut­zung von Res­sour­cen wie Wasser, Öl und Erdgas.

Zunehmend werden auch nichtstaatliche Akteure und Bewegungen zu Sicher­heits­risiken: Die Verarmung durch Arbeits­losig­keit sowie die feh­lende Mei­nungs­frei­heit und die oft herrschende Unter­drückung haben den Zulauf zu ter­ro­ris­tischen Grup­pen wie der "Al-Qaida im Maghreb" und "Al-Qaida auf der Ara­bischen Halb­insel" ver­stärkt. Sie rufen zu Gewalt im eigenen Land sowie im Aus­land auf und bedrohen die regionale und weltweite Sicherheit.

Wassermangel

Die MENA-Region gehört zu den wasser­ärmsten Gebieten der Welt. Es regnet nur sehr selten und Feuch­tig­keit ver­dunstet wegen der hohen Tem­pe­ra­turen schnell. Der größte Teil der ver­füg­baren Was­ser­res­sour­cen be­fin­det sich in Flüs­sen und Seen. Nur 43 Prozent dieser Gewässer haben ihren Ur­sprung in­ner­halb der Region, die anderen müs­sen ge­mein­sam mit An­rainern außer­halb der Region genutzt werden.

Da die knappen Wasserressourcen seit vielen Jahren sehr intensiv genutzt werden, ist der Grund­was­ser­spiegel in der ge­samten Re­gi­on ge­sun­ken. Schon jetzt reichen die Was­ser­vor­räte einiger Länder – be­son­ders be­trof­fen ist der Jemen – nicht mehr für die Ver­sor­gung der Be­völ­ke­rung, der Land­wirt­schaft und der Industrie aus. Es gibt An­zeichen dafür, dass auch der be­gin­nende Klima­wandel sich bereits be­merk­bar macht und es noch heißer und noch trockener wird. Die Aus­brei­tung der Wüsten schrei­tet voran und be­droht ein Fünftel der Gesamt­fläche der arabischen Länder.

Schwerpunkte der Zu­sam­men­ar­beit

Deutsch­land genießt großes Vertrauen in der arabischen Welt. Die Bun­des­re­pu­blik ist ein gefragter politischer Partner und wichtiger Akteur in Han­del, Wirt­schaft und Ent­wick­lung.

Die deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit mit der Region ist ein Bei­trag zur lang­fristig an­ge­legten Friedens­politik der Bun­des­re­gie­rung. Die Schwer­punkte der Zu­sam­men­ar­beit sind auf die Kern­probleme und wich­tigsten Ent­wick­lungs­poten­ziale der Region ausgerichtet:

Lexikon der Entwicklungspolitik

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