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Kapitel 4.3

Energie und Infrastruktur


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Wo stehen wir, wo wollen wir hin?

Afrika entgehen jedes Jahr 2 Prozent an Wirtschaftswachstum (Quelle: UN Economic Commission for Africa, 2015) durch fehlende oder unzureichende Infrastruktur. Dies gilt sowohl für Transportinfrastruktur als auch für die Energie- und Wasserversorgung: In Afrika produzierte Güter verteuern sich nach Schätzungen  der Vereinten Nationen auf dem Weltmarkt um bis zu 40 Prozent. Nur etwa 32 Prozent der Bevölkerung Subsahara-Afrikas hat nach Angaben der Internationalen Energieagentur Zugang zu Strom und nur die Hälfte hat Zugang zu sauberem Wasser. Für die Wirtschaft ist eine verlässliche Versorgung mit Wasser und Energie rund um die Uhr essentiell. ​Der Sonnenkontinent Afrika hat die Chance, ohne den Umweg über umweltbelastende Technologien, die Energieversorgung auf Basis erneuerbarer Energien massiv auszubauen, direkt zukunftsfähig, nachhaltig und kostengünstig. Technologien zur Gewinnung von Energie durch Sonne, Wasser, Wind, Biomasse und Geothermie sind vorhanden. Wenn die politischen Rahmenbedingungen stimmen, ist die Investitionsbereitschaft hoch. Es kann daher gelingen, bis zum Jahr 2030 für 90 Prozent der afrikanischen Bevölkerung einen sicheren Zugang zu Energie zu schaffen.

Mit dezentralen Energielösungen kann eine schnelle und effektive Versorgung des ländlichen Raums erreicht werden. Dies schafft Arbeitsplätze und ermöglicht lokale Wertschöpfung. Dieselgeneratoren müssen hoch effizienter Solar-, Wind-, Biomasse- und Wasserenergie weichen. Sowohl privatwirtschaftliche Modelle als auch kommunale Ansätze können die notwendige langfristige Finanzierung sicherstellen. Dorfgemeinschaften können beispielsweise durch den Zusammenschluss in Genossenschaften Anlagen zur Gewinnung erneuerbarer Energien selbst aufbauen und betreiben.

Neben der Entwicklung des ländlichen Raums gibt es dringenden Handlungsbedarf vor allem in den stark wachsenden Städten. Die bestehende Infrastruktur hält dem Zustrom nicht stand: Menschen leben in prekären Verhältnissen ohne Energie-, Wasser- oder Sanitärversorgung und tragfähige Mobilitätskonzepte; das wirtschaftliche Potential der Städte wird verschenkt.

Der Investitionsbedarf ist immens: laut Afrikanischer Union sind es 360 Milliarden US-Dollar bis 2040. Ohne privates Kapital und eigene Mittel der Länder Afrikas können die Defizite nicht behoben werden. Der Engpass liegt vor allem in der Vorbereitung finanzierungsreifer Projekte, nicht allein in der Finanzierung. Wenn Rahmenbedingungen stimmen – wie dies beim Mobilfunk der Fall war – können Investitionslücken schnell geschlossen werden.

Unser Ziel ist eine flächendeckende und hochwertige Energie-, Transport-, Wasser- und IKT-Infrastruktur in Ballungsgebieten ("New Urban Agenda") sowie im ländlichen Raum, die "Afrikas beschleunigte regionale Integration sowie Wachstum, technologische Transformation, Handel und Entwicklung unterstützt". (Agenda 2063)

Eine wichtige Grundlage hierfür ist das kontinentale Programme for Infrastructure Development in Africa (PIDA).


Zugang zu Strom in Afrika (Umfrage Afrobarometer 2014/2015)
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Zugang zu Strom in Afrika (Umfrage Afrobarometer 2014/2015)


Was muss passieren?

Afrika

  • Über Kapitalmärkte finanzielle Ressourcen für Infrastruktur mobilisieren und für nach­haltige ländliche und städtische Entwicklung einsetzen.
  • Energiepolitik konsequent auf den Ausbau von erneuerbarer Energie und den Aufbau eines bedarfsgerechten Energiemixes ausrichten.
  • Dezentrale Energiestrukturen in ländlichen Regionen mit Hilfe von privatwirtschaftlichen Investitionen, Kommunen und/oder Genossenschaften aufbauen.
  • Zugang zur lokalen Energieversorgung mit Hilfe von digitalen Bezahlsystemen absichern.

Deutschland

  • Erarbeitung finanzierungsreifer Infrastrukturprojekte unterstützen und Erfahrungen aus der Energiewende für den Ausbau erneuerbarer Energien in konzertierter Form bereitstellen.
  • Privates Kapital für die Modernisierung und Transformation des Energiesektors hin zu erneuerbaren Energien einwerben.
  • Anreizsysteme zum Aufbau dezentraler Energielösungen im ländlichen Raum durch Kommunen, Privatinvestitionen und lokale Genossenschaften ausbauen.
  • Technologie­ und Energiepartnerschaften aufbauen.
  • Mit 40 Städten Afrikas das Potential der rasanten Urbanisierung Afrikas nutzen und Städtepartnerschaften ausbauen.

International

  • G20-­Infrastrukturinitiativen mit Afrika umsetzen und ausweiten.
  • Finanzierungen durch Entwicklungsbanken im Energiesektor auf erneuerbare Energien konzentrieren.

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Lexikon der Entwicklungspolitik

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