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Kapitel 4.1

Ernährung und Landwirtschaft


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Wo stehen wir, wo wollen wir hin?

Afrika könnte sich selbst ernähren, stattdessen gibt Afrika jährlich 35 Milliarden US-Dollar (Quelle: AfDB, 2016) für den Import von Lebensmitteln aus. Noch immer hungern südlich der Sahara mehr als 232 Millionen Menschen – fast jeder Vierte (Quelle: VN/WFP, 2016).

Afrika ist weiterhin der einzige Kontinent, in dem die absolute Zahl der chronisch mangelernährten Kinder ansteigt. Es droht das Heranwachsen einer "verlorenen Generation". Die Investition in Ernährungsprogramme vor allem für Schwangere, Mütter und Kleinkinder ist die wichtigste Investition in die Zukunft.

Die Hauptursache für Hunger ist Armut. Armut hat dabei vor allem ein ländliches Gesicht. Investitionen in die Landwirtschaft wurden viel zu lange vernachlässigt. Kostbare Devisen fließen unnötig in die Deckung des Grundbedarfs. Der Agrarsektor, in dem circa 70 Prozent der Bevölkerung tätig sind, trägt nur 30 Prozent zur Wertschöpfung bei.


Die Karte zeigt den Anteil von unterernährten Menschen an der Bevölkerung eines Landes von 2014 bis 2016.
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Die Karte zeigt den Anteil von unterernährten Menschen an der Bevölkerung eines Landes von 2014 bis 2016.


Dabei kann die Produktivität der afrikanischen Landwirtschaft bereits mit Hilfe besserer Bildung, Ausbildung und Beratung sowie einem einfachen Zugang zu Erkenntnissen aus der Agrarwissenschaft enorm gesteigert werden.

Notwendig sind:

  • technische Innovationen (zum Beispiel besseres Saatgut, Tierhygiene, Lagerungs- und Verarbeitungstechnik),
  • organisatorische Innovationen (zum Beispiel Stärkung von Erzeugergemeinschaften und Bauernorganisationen) sowie
  • systemische Innovationen (zum Beispiel Aufbau von Geschäftsmodellen, Vermarktung und Vertrieb).

Über 315 Millionen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern brauchen darüber hinaus:

  • einen einfachen Zugang zu Agrarfinanzdienstleistungen (zum Beispiel zu Krediten für Betriebsmittel und zu Versicherungen),
  • einen Ausbau der Infrastruktur; die Anbindung des ländlichen Raums an die wachsenden Städte muss sichergestellt sein und ist Voraussetzung für die Ausweitung des innerafrikanischen Handels und
  • eine Reform der Landrechte; für die Zukunft der kleinbäuerlichen Betriebe ist dies elementar und zugleich wichtige Voraussetzung für eine gerechte Teilhabe an steigender Wertschöpfung.

Im ländlichen Raum liegt die Zukunft Afrikas. Er darf nicht zum Verlierer der Globalisierung werden. Fortschritte einzelner Länder dürfen nicht durch entfesselte und unregulierte Marktkräfte oder aber verzerrende Agrarsubventionen konterkariert werden. Finanzinvestitionen in Agrarmärkte sollten transparent und reguliert erfolgen. Spekulationen bei drohenden globalen Nahrungspreiskrisen müssen unterbunden werden.

Gleichzeitig müssen die afrikanischen Länder die ihnen gewährten handelspolitischen Möglichkeiten nutzen, um ihre Märkte zu schützen und eine konkurrenzfähige Agrar- und Ernährungswirtschaft aufzubauen. Abhängigkeiten müssen verringert, Unabhängigkeiten gestärkt werden. Dies kann mit einer weltweiten Vereinbarung eines zoll- und quotenfreien Marktzugangs für alle am wenigsten entwickelten Länder gefördert werden.

Die Globalisierung verknüpft die Lebensbedingungen der Menschen unmittelbar. Die Produktion und der Konsum von Agrarprodukten haben einen erheblichen Einfluss auf die ökologischen und sozialen Verhältnisse in Afrika. Noch immer leben die meisten Kakaobauern unterhalb der Armutsgrenze. Nur 6 Prozent des Kakaopreises kommt bei ihnen an. Es ist zudem ein Skandal, dass immer noch Kinderarbeit in der Kakaoproduktion stattfindet.

Wir brauchen daher dringend neue Wege für nachhaltige agrarische Wertschöpfungsketten und eine Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen vor Ort. Multi-Akteurs-Foren wie das "Forum nachhaltiger Kakao" sind ein erster wichtiger Schritt.

Auch unser Konsumverhalten muss sich ändern. Information und Aufklärung sind die Grundlage hierfür. Faire und umweltschonende Lieferketten müssen durch glaubwürdige Umwelt- und Sozialsiegel auf den ersten Blick für jeden erkennbar sein.

Ziel ist ein Afrika "mit einer modernen Landwirtschaft für höhere Produktion, Produktivität und Wertschöpfung, die zu bäuerlichem und nationalen Wohlstand ebenso beiträgt wie zu Afrikas kollektiver Ernährungssicherheit". (Agenda 2063)


Was muss passieren?

Afrika

  • Gezielte Programme zur Ernährungssicherung vor allem für Schwangere, Mütter und Kinder auflegen.
  • Mindestens 10 Prozent der öffentlichen Ausgaben für eine innovationsorientierte Landwirtschaft einsetzen.
  • Zugang zu Beratung und Ausbildung, Produktionsmitteln und Kapital verbessern.
  • Leistungsfähige Systeme der Agrarfinanzierung aufbauen.
  • Durch Infrastruktur sowie Abbau von Handelshemmnissen den innerafrikanischen Agrarhandel stärken.
  • Nachhaltige Agrarpolitik umsetzen und – insbesondere auch für Frauen – sichere Landrechte schaffen.
  • Möglichkeiten zum Schutz des eigenen Marktes für den Aufbau der eigenen Agrarwirtschaft ausschöpfen.

Deutschland

  • Die Programme der Sonderinitiative EINEWELT ohne Hunger einschließlich der Grünen Innovationszentren weiter ausbauen und deren strukturbildende Wirkung in den Ländern Afrikas stärken.
  • Programme der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit zur Entwicklung des ländlichen Raumes weiter stärken.
  • Öffentliche Agrar-­/Züchtungsforschung und Zugang für kleinbäuerliche Familien zu qualitativ hochwertigem Saatgut stärken.
  • Modernisierung der Landwirtschaft Afrikas durch Entwicklung angepasster Technologien für Kleinbauern fördern.
  • Weiterentwicklung des Aufbaus nachhaltiger Agrarlieferketten durch
    - Aufbau von Multi­-Akteurs-­Foren (Beispiel: Forum Nachhaltiger Kakao),
    - Förderung glaubwürdiger Umwelt-­ und Sozialsiegel im Agrarbereich und
    - Unterstützung von Partnerländern bei der Erfüllung von Qualitätsstandards.

International

  • EU­-Marktzugang für Afrika verbessern und afrikanischen Staaten Schutzmechanismen ermöglichen, um eine Agrarwirtschaft aufzubauen.
  • Alle handelsverzerrenden Agrarsubventionen auf WTO-Ebene abschaffen.
  • Internationale investive Programme, wie das Global Agriculture Food Security Programme (GAFSP) und Programme gegen Mangelernährung stärken.
  • Jugendbeschäftigung im ländlichen Raum und Agrarinnovationen durch stärkeres Engagement der G20 fördern.
  • Afrikanischen Fischereisektor vor Überfischung durch faire Fischereiabkommen und stärkeres Vorgehen gegen illegale Fischerei schützen.
  • Verbesserung der Zusammenarbeit internationaler Organisationen für Ernährung und Landwirtschaft (insbesondere FAO, IFAD, WFP, Weltbank, CGIAR) einfordern.

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Kommentare (15)

 

Dorothea Trappe schrieb am 26.02.2017 um 22:48 Uhr

Weniger Technisierung der Landwirtschaft mehr Unterstützung der Kleinbäuerlichen Strukturen und vor allem: Schutz vor Landgrabbing!

 

 

Felix Ouédraogo schrieb am 26.02.2017 um 20:02 Uhr

- It is recognized that agriculture plays a key role and employs about 70 percent of African populations and is thus the foundation on which we must build up any fair development strategy. To do so, we must first of all encourage and strengthen policies on land rights and land security in the rural area, as this is a prerequisite to responsible investment in agricultural sector, thus to sustainable food security on the continent. As it has been mentioned in the Plan, the future of Africa resides in the rural area. The issue is that there exist some laws, policies or commitments on the agricultural sector and land tenure, but the main problem is the implementation of such laws by local governments. - The growing young population in the African context could offer enormous potential gains to the continent, provided their needs are met and their rights are respected. This youth has the potential to be a powerful engine for development if we invest in them, address their needs, include them in decision-making and empower them to become actors of development. Women also need empowerment and it is recognized that they are a cornerstone of African economic development. According to recent estimates, they provide approximately 70 percent of agricultural labor and produce about 90 percent of all food. - Regarding technologies and best practices, the establishment of extension and adaptive research systems including innovations in agriculture are the key to attracting investment, which must take into account the interests of smallholders by giving priority to aspects such as: investment in capacity-building for research and extension institutions and involvement of farmers organizations in the designing and implementation of extension services using participatory methods. - The creation of financing institutions specializing in agriculture is one of the best solutions for sustainable financing of agriculture. In addition, agricultural value chains have become very important in determining commercial competitiveness. In Africa, where agriculture is the backbone of many economies, they are important not only to enhance export competitiveness, but also to develop sustainable agricultural systems, alleviate poverty and promote financial inclusion, in particular of poor populations in rural areas. - If a farmers crop sells at a low price, it is often because all producers harvest and sell at the same time. The abundance of products on local markets causes the price to fall. To cope with such a situation, farmers and peasant organizations should be provided with processing equipment in order to have value addition for their products and increase their profit.

 

 

Stefanie Timm schrieb am 24.02.2017 um 15:40 Uhr

In Afrika bilden die Tiere in der Landwirtschaft die Lebensgrundlage der Menschen. Die Gesunderhaltung der Tiere ist essentiell für eine nachhaltig erfolgreiche Stärkung der landwirtschaftlichen Entwicklung dieses Kontinents mit positiven Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit. Die in Kapitel 4.1 des Marshallplans vorgestellten Ansätze berücksichtigen Tiere und ihre Bedürfnisse nicht und lassen die teilweise lebensbedrohlichen Folgen, die eine Missachtung grundlegender Tierschutzstandards auch für die Menschen haben kann, außer Acht. Die geforderte landwirtschaftliche Bildung und Ausbildung muss Tierschutzaspekte beinhalten. Die Vermittlung grundlegender Tierschutzstandards, unter Berücksichtigung der international anerkannten Five Freedoms, sollte daher Eingang in den Marhallplan finden. Sie sind die Grundlage jeglichen Agierens global arbeitender Organisation wie der OIE oder auch der FAO und haben Eingang in mehrere Ländergesetzgebungen gefunden. Durch sie wird nicht nur vermeidbares Tierleid verhindert, sie kommen auch unmittelbar den Menschen zugute. Steht das Tier aufgrund einer nicht tiergerechten Haltung unter Stress, kann es zu Wachstumsstörungen, Fortpflanzungsstörungen, einer reduzierten Leistungsfähigkeit und -qualität (beispielsweise Milch) sowie zu einer erhöhten Krankheitsanfälligkeit kommen. Daraus resultieren unter anderem finanzielle Verluste (Masteinbußen, Notwendigkeit der Anschaffung neuer Tiere, schrumpfende Einnahmen beim Viehverkauf) sowie eine Störung des Dorfalltags (Lasttiere können kein Wasser mehr holen oder Waren zum bzw. vom Markt transportieren). Neben der Ernährungssicherheit ist zudem die Gesundheit der Menschen gefährdet, wenn Produkte kranker Tiere verzehrt werden. 60 Prozent aller den Menschen befallenden Krankheitserreger sind tierischen Ursprungs. Sind die Tiere immunsuppremiert, können sie sich z.B. mit Zoonosen wie Salmonellen, Listerien oder auch Tuberkulose infizieren. Schwangere, Mütter und Kinder in Afrika nehmen viel Rohmilch zu sich, die diese lebensbedrohlichen Erreger übertragen können. Eine tiergerechte Haltung, gewährleistet durch eine Ausbildung der Tierbesitzer, eine kontinuierliche tiermedizinische Versorgung und eine konsequente Datenerhebung, kann dies verhindern und muss daher unabdinglicher Bestandteil eines Programms zur Stärkung der Landwirtschaft in Afrika sein. Das Bundesentwicklungsministerium sei hier aufgefordert entsprechende finanzielle Mittel bereitzustellen. Unser tiermedizinisches Weiterbildungsprogramm TIERÄRZTE WELTWEIT sowie unsere Nutztierprojekte in Malawi, Tansania und Südafrika bieten hierfür Anknüpfungspunkte. Wir stehen für einen Wissensaustausch gerne zur Verfügung. Wer Tiere nutzt, egal ob in Deutschland oder einem afrikanischen Land, übernimmt eine Verantwortung und ist verpflichtet, die Tiere respektvoll zu behandeln und ihnen das größtmögliche Maß an Tierwohl zu gewährleisten.

 

 

BORDA e.V. schrieb am 24.02.2017 um 15:33 Uhr

Die Grundlage von Landwirtschaft ist eine nachhaltige Nutzung der Ressource Wasser. SDG 6 macht deutlich, dass auch die Wiedernutzung von Wasser und Nährstoffen aus Grau- und Schwarzwasser für die Landwirtschaft teil einer nachhaltigen Entwicklung ist. Dezentrales Abwassermanagement und die Nutzung von Biogas in der Landwirtschaft können nicht nur einen gesunden Wasserkreislauf fördern, sondern auch Mangelernähurng Aufgrund von verunreinigtem Trinkwasser vermeiden (WASH - Nutrition)

 

 

Marion Aberle schrieb am 24.02.2017 um 12:21 Uhr

zu 315 Millionen... brauchen... statt "eine Reform der Landrechte": Ein Landrechtsgesetzgebung, welche auf Gewohnheitsrecht basierende Landrechte indigener Völker und ländlicher Gemeinden formell absichert. (siehe dazu UN-Landleitlinien, VGGT)

 

 

für ewa3: Andreas Spangemacher, Engelber schrieb am 23.02.2017 um 20:47 Uhr

Stichwort: Kinderarbeit. Zu Recht spricht der MP von dem Skandal der Kinderarbeit in der Kakaoproduktion. Nach unserer Meinung ist der Skandal der Kinderarbeit umfangreicher zu thematisieren und insbesondere den Verbraucher(inne)n in vielfältiger Weise zu vermitteln: Nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen (ILO) gibt es gegenwärtig 168 Millionen sog. „Kinderarbeiter“ auf der Welt, das sind 11 Prozent aller Kinder zwischen fünf und 17 Jahren weltweit. Knapp die Hälfte der arbeitenden Kinder (85 Millionen) verrichtet gefährliche Arbeiten, in denen „sie physischer, psychischer und sexueller Misshandlung ausgesetzt sind“. Die mit weitem Abstand am meisten von Kinderarbeit betroffene Region in der Welt ist „Afrika südlich der Sahara“, wo mit 21,4 Prozent oder rund 36 Millionen Kindern jedes fünfte Kind Kinderarbeit leistet. Die Kinder arbeiten z.B. im Ostkongo, um die für die Produktion von Handys benötigten speziellen Mineralien aus ungesicherten Minen zu holen, wovon die Mobilfunkunternehmen nichts wissen wollen. Aus dem Verkauf dieser Rohstoffe wird ein Krieg finanziert, der schon 15 Jahre dauert und bis heute fünf Millionen Menschen getötet haben soll. Oder sie arbeiten auf riesigen Schrottplätzen, auf denen alte Computer aus Deutschland und anderen reichen Ländern entsorgt werden, wo sie, ohne jede Schutzmaßnahme und Krebs erregenden Giften ausgesetzt, den Müll nach wertvollen Materialien durchsuchen, die alten Geräte verbrennen und die übrig bleibenden verwertbare Metalle gegen wenig Geld an Metallhändler verkaufen. Oder in westafrikanischen Ländern wie Mali, Burkina Faso und Elfenbeinküste, aus denen ein Großteil der weltweiten Baumwoll- oder Kakaoproduktion stammt, wo Kinderarbeit zwar – wie überall auf der Welt – verboten ist, tatsächlich aber Kinder – gezwungen, angelockt, illegal, selbst über Ländergrenzen hinweg gehandelt und verkauft – millionenfach auf Plantagen arbeiten: oft in unerträglicher Hitze für einen Hungerlohn nicht selten 12 Stunden am Tag. Das Geschäft der Menschenhändler funktioniert, die internationalen Baumwoll- und Süßwarenkonzerne profitieren davon, die – ahnungslosen – Verbraucher freuen sich. für ewa3: Andreas Spangemacher, Aachen, Jörg Siebert, Aachen, Dr. Christian Hajduk, Lonsee

 

 

für ewa3: Andreas Spangemacher, Engelber schrieb am 23.02.2017 um 20:42 Uhr

Stichworte: Hunger und Armut. Der Aussage: „Die Hauptursache für Hunger ist Armut. Armut hat dabei vor allem ein ländliches Gesicht.“ stimmen wir zu und verweisen darauf, dass der Hunger nachhaltig nur vor Ort überwindbar ist, wie es auch der Weltagrarbericht ausgeführt hat: „Über 70 Prozent aller Hungernden leben auf dem Lande. Als Klein- und Subsistenz-Landwirte, Hirten, Fischer, Sammler, Landarbeiter und Landlose sind sie direkt von der lokalen Landnutzung abhängig, können sich davon aber nicht nachhaltig und sicher ernähren. Hunger und Armut sind in den meisten Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas deshalb wesentlich eine Frage der regionalen Selbstversorgung. Der Zugang der Armen auf dem Lande zu Boden, Wasser und Produktionsmitteln, zu sozialer Mindestabsicherung und Bildung entscheidet in erster Linie darüber, ob das Menschenrecht auf ausreichende und gesunde Ernährung umgesetzt wird oder nicht. In zweiter Linie hängt dies davon ab, in welchem Maße sich in den am meisten betroffenen Regionen der Welt zusätzliche Erwerbsmöglichkeiten auf dem Lande bieten.“ Stichworte: Aufklärung und Konsumverhalten. Der MP spricht an, dass auch unser Konsumverhalten sich ändern muss und dass Information und Aufklärung hierfür die Grundlage sind. Wir stimmen voll zu. Auch wir vertrauen darauf, dass Information und Aufklärung unser Handeln verändern kann. Bei der Aneignung der Rohstoffe Afrikas – weit unter fairen Preisen – blenden wir die Arbeitsbedingungen, die Hungerlöhne, die Kinderarbeit, die Gesundheitsgefahren und die Zerstörung von Umwelt und Klima aus. Es ist daher zur Änderung unseres Konsumverhaltens unumgänglich, dass wir als Verbraucher anschaulich und nachvollziehbar wenigstens einige nachteilige Aspekte unseres Konsums erkennen können. Hierzu unser Vorschlag am Beispiel von Kaffeekapseln: Auf jeder Kaffeekapsel-Verpackung ist ersichtlich, welchen Lohn die Arbeiter auf der Kaffeeplantage für Anbau und Ernte des Rohkaffees und die Arbeiter beim Rohstoffabbau Bauxit erhalten, der zur Herstellung der Aluminiumkapsel Verwendung findet. Diese beiden Lohn-Angaben werden in Prozent des bei uns geltenden Mindestlohns angegeben. Bei einem Aufdruck von 3 Prozent und 5 Prozent kann jeder Konsument auf einen Blick erkennen, dass er ein Produkt genießt, für dessen Grundsubstanz die Arbeiter einen Stundenlohn von 27 Cent und 44 Cent erhielten. Selbstverständlich ist der Lohn nur ein einzelner Aspekt, der über Arbeitsbedingungen, Gesundheitsgefahren, Zerstörung von Umwelt und Klima nichts aussagt, jedoch ein Beitrag zum verantwortlichen Konsumverhalten sein kann. für ewa3: Andreas Spangemacher, Aachen, Jörg Siebert, Aachen, Dr. Christian Hajduk, Lonsee

 

 

TransFair e.V. schrieb am 23.02.2017 um 15:08 Uhr

• Europäische Agrarsubventionen sind nicht marktverzerrend? • Die Etablierung diverser neuer Siegel, Standards im Zuge von Entwicklungsprojekten kann zu einer Verwirrung der Verbraucherinnen und Verbraucher beitragen und hat teilweise in der Vergangenheit auch zu einer Absenkung bereits entwickelter Sozial- und Umweltstandards geführt. Hier gilt es, bestehende und gut etablierte Systeme zu stärken, die auch bereits vor Ort in Afrika in partizipatorischer Weise verankert sind. • Ein maßgeblicher Hinderungsgrund für den verstärkten Einkauf zertifizierter Produkte sind die im Normalfall höheren Kosten (sowohl bei EndverbraucherInnen als auch bei öffentlicher Beschaffung oder im Außer-Haus-Markt). Hier darf die Verantwortung nicht alleine auf den KäuferInnen lasten, sondern es müssten mehrere Maßnahmen ansetzen, z.B.: o Regulierung gegen Sozial- und Umweltdumping, das unverhältnismäßig niedrige Preise für nicht-nachhaltige Produkte ermöglicht und damit den Kauf nachhaltiger Produkte finanziell unattraktiv macht, o Stärkung der Unternehmensverantwortung durch klare Berichtspflichten und Verantwortungsübernahme im Falle von Menschenrechtsverletzungen (NAP), o niedrigere Mehrwertsteuersätze für nachhaltige, zertifizierte Produkte, etc. • Vor allem müssten sie durch niedrigere Mehrwertsteuersätze günstiger werden als nicht nachhaltige, nicht faire Produkte. Solange Produkte, deren Geschäftsmodelle auf sozial- und Umweltdumping beruhen, parallel und billiger angeboten werden können, wird fair und nachhaltig nicht zur Regel, sondern die Ausnahme bleiben.

 

 

Linda Kleemann schrieb am 20.02.2017 um 09:36 Uhr

Eine gezielte Förderung der lokalen Wertschöpfung kann nicht wichtig genug genommen werden und steht im engen Zusammenhang mit Thesen 2 und 3. Die große Frage ist jedoch wie dies besser gelingen kann, als in der Vergangenheit. Aktuelle Initiativen wie das Forum nachhaltiger Kakao (Kapitel 4.1) beschränken sich zu stark auf die lokale Primärproduktion. Lokale Wertschöpfung entsteht insbesondere durch lokale Weiterverarbeitung und spielt nach wie vor eine zu geringe Rolle in diesen Foren und Initiativen. Lokale Weiterverarbeitung im Agrarsektor hat aber bei durch Agrarsubventionen verzerrten Märkten und der bestehenden Konzentration kapitalintensiver Weiterverarbeitungsindustrie kurzfristig keine Chance auf dem Weltmarkt. Der starke Anstieg nichttarifärer Handelshemmnisse, insbesondere im Bereich Qualitäts-, Umwelt- und Sozialstandards, erschwert zusätzlich den Markteinstieg. Hier besteht ein konkreter Anknüpfungspunkt für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit. Zusätzlich zeigt die Wissenschaft seit Jahren, dass offene, selbst weitgehende unverzerrte, Märkte alleine auch Verlierer produzieren. (Eine gute Übersicht bieten die letzten 5 Jahre der Arbeit von Paul Krugman. Indirekt lässt es sich u.a. bei Piketty ableiten, u.a. Bhagwati hat schon in den 90iger Jahren die Debatte angestoßen.) Dies zeigt sich insbesondere in agrarischen Wertschöpfungsketten, in denen eine Mischung aus Marktöffnung, Rohstoffe favorisierender Handelspolitik und europäischen Investitionen lokale Wertschöpfung konsequent verhindert wird. Fair im Sinne von Entwicklungszielen wäre eine regulierte Öffnung der lokalen Märkte, die lokalen Unternehmen und Start-Ups eine Entwicklungschance gibt. Dabei muss transparent und offen mit der Problemstellung umgegangen werden, dass dies nicht immer den Interessen der deutschen (Agrar-)Wirtschaft entspricht. An dieser Stelle sollten Kompromisse und Lösungen gefunden werden, die lokalen Unternehmen eine behutsame Öffnung in den internationalen Markt ermöglicht und zunächst den regionalen Handel stärker fördert.

 

 

Jenni Jerabek schrieb am 13.02.2017 um 17:08 Uhr

Gerade im landwirtschaftlichen Raum ist es wichtig inklusive Systeme zu schaffen. Wenn Menschen mit Behinderung keine "Last" mehr für die Familie sind, sondern ihr eigenes Einkommen generieren oder am Feld mitarbeiten, kommt dies der ganzen Familie zu Gute. Wichtig ist auch stets auf eine gerechte Verteilung von Landrechten zu achten, gemeint ist hier eine faire Verteilung an Frauen und Männer. -> Afrika Daher: Inklusive Landwirtschaft fördern, und eine nachhaltige Agrarpolitik insbesondere für Frauen und aber auch benachteiligte Gruppen, wie Menschen mit Behinderung sicherstellen.

 

 

Samuel L. Mukasa schrieb am 09.02.2017 um 17:29 Uhr

Die Aussage zu Schutzzöllen sind widersprüchlich zu den aktuellen EPAs. Eine Agrarschutzklausel wird von der EU aktuell abglehnt und soll seperat über WTO behandelt.

 

 

Peter Wiessner schrieb am 09.02.2017 um 11:59 Uhr

Bei der Produktion von Nahrungsmittel und in der Tierhaltung muss beachtet werden, dass die Antibiotikagabe begrenzt wird, um die Entstehung mikrobakterieller Resistenzen zu verhindern, welche mittlerweile international ein ernsthaftes Problem darstellen. Wir fordern, dass Hunger im Kontext armutsassoziierter Krankheiten diskutiert wird. S. 26 – Was muss passieren - Afrika Die besonders vulnerable Situation von Wander- und Saisonarbeiter und Saisonarbeiterinnen sollte reflektiert und Maßnahmen entwickelt werden.

 

 

Norbert Kunz schrieb am 29.01.2017 um 13:30 Uhr

Land Grabbing muss konsequent bekämpft werden, zu dem muss sichergestellt werden, dass der Zugang zu Wasserressourcen nicht privatisiert wird, sondern den Kleinbauern ermöglicht wird. Des Weiteren gilt es neben o.g. Innovationen auch soziale Innovationen zu fördern.

 

 

Dr Wiebke Foerch schrieb am 25.01.2017 um 07:48 Uhr

Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft und Ernaehrungssicherung sind ein zentraler Faktor und sollten hier mit abgedeckt werden (das naechste Kapital ist in dieser Hinsicht etwas mager). Dabei sollten Anpassungs- und Minderungsoptionen diskutiert und neue Ansaetze unterstuetzt werden. Zum Beispiel klimaintelligente Landwirtschaft, die Anpassung, Minderung und Produktivitaetssteigerung zum Ziel hat und aus einem Portfolio verschiedener Praktiken und Technologien die richtigen Massnahmen fuer lokale Kontexte identifiziert und verbreitet.

 

 

Albrecht Kern schrieb am 19.01.2017 um 17:06 Uhr

Die Exportausrichtung der deutschen Landwirtschaftspolitik ist Teil des Problems.

 

 

Lexikon der Entwicklungspolitik

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