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1. Säule

Wirtschaft, Handel und Beschäftigung


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Wo stehen wir, wo wollen wir hin?

Mehr als 50 Millionen Jugendliche befinden sich in Afrika in unsicheren Arbeitsverhältnissen. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei bis zu 50 Prozent (Quelle: OECD, 2016). Afrika braucht jährlich rund 20 Millionen neue Arbeitsplätze (Quelle: IWF, 2016).

Es gibt viel zu wenige Ausbildungsplätze für die Jugend, und die existierende Ausbildung afrikanischer Jugendlicher geht vielfach am Bedarf der Wirtschaft vorbei. Nötig sind wesentlich mehr Ausbildungsmöglichkeiten in Afrika, eine Aufwertung des Handwerks und der flächendeckende Aufbau beruflicher Ausbildung, insbesondere auch die Entwicklung eines modernen Berufsbildes in der Landwirtschaft. Wir brauchen neue Wege zur Entwicklung von klein- und mittelständischen Betriebsstrukturen. Die Wertschöpfung aus lokalen Ressourcen ist zu gering, Handelsräume sind zu klein, es fehlt an Unternehmertum und Industrie.

Aufgrund der gesunkenen Nachfrage nach Rohstoffen gab es auch rückläufige Wachstumsraten bei vielen afrikanischen Bruttoinlandsprodukten. Dies zeigt die Abhängigkeit Afrikas von Rohstoffen. Es muss stärker auf eine Diversifizierung der Wirtschaft gesetzt werden. Afrikas Integration in die Weltwirtschaft ist gering, die Rahmenbedingungen für Privatinvestitionen sind instabil, in einigen Ländern steigen die Risiken einer dauerhaften Verschuldung.

Es gibt aber auch ermutigende Entwicklungen: Die Nettokapitalzuflüsse nach Subsahara-Afrika haben sich laut Weltbank seit 2000 mehr als verdreifacht, insbesondere in stabilen Ländern mit guter Regierungsführung und entwicklungsfreundlichen Rahmenbedingungen. In vielen Ländern entwickeln sich inzwischen lokale Finanzsysteme. Unternehmen können sich lokal finanzieren.

Laut Doing Business Index der Weltbank hat sich das Geschäftsklima in Subsahara-Afrika seit 2010 überwiegend verbessert. Afrika hat inzwischen Innovations-Cluster, beispielsweise das "Silicon Savannah" in Kenia, Herz des Afrikanischen Hightech-Booms.

Ressourcenreichtum, fruchtbare Böden, ein wachsender Mittelstand – dies sind nur einige der großen Potentiale Afrikas. Das größte Potential bietet aber Afrikas Jugend. 2035 wird Afrika das größte Arbeitskräfte-Potential weltweit haben (Quelle: Mo Ibrahim Foundation, 2013). Entscheidend wird sein, dass Afrika seine Möglichkeiten in eine "demographische Dividende" umwandeln kann.

Nicht zuletzt für die deutsche Wirtschaft bietet Afrika vielversprechende Perspektiven, als letz​ter noch nicht erschlossener Markt – und das in direkter Nachbarschaft Europas.

Unsere Vision ist in der AU-Strategie bereits formuliert: "Ein prosperierendes Afrika, das auf inklusivem Wachstum und nachhaltiger Entwicklung fußt."


Was muss passieren?

 Afrika

  • Wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen verbessern (unter anderem Investitions-­ und Innovationsklima).
  • Stabile und inklusive Finanzsysteme entwickeln.
  • Innerafrikanischen Handel fördern (AU und Regionalorganisationen).
  • Verhandlungen für eine kontinentale Freihandelszone (Continental Free Trade Area, CFTA) schnell und erfolgreich abschließen.
  • Binnenmärkte durch Schutzzölle partiell und befristet vor globaler Konkurrenz sichern.
  • Berufsbildung ausweiten und stärker an der Nachfrage der lokalen Arbeitsmärkte aus­richten.
  • WTO­-Übereinkommen über Handelserleichterungen ratifizieren.

Deutschland

  • Bündnis für Beschäftigung und Berufsbildung für Afrikas Jugend zusammen mit der deutschen Wirtschaft und internationalen Partnern (ILO, AfDB etc.) starten.
  • Ressortübergreifendes Paket mit Investitionsanreizen für Unternehmen schnüren:
    - entwicklungsförderliche Doppelbesteuerungsabkommen mit weiteren afrikanischen Staaten abschließen,
    - steuerliche Anreize für Investitionen in Afrika setzen und
    - Wirtschaftsförderungsinstrumente des BMWi mit der Entwicklungspolitik besser verzahnen.
  • Beratungsnetzwerk für deutsche Unternehmen in Afrika ausbauen.
  • Privatwirtschaft beim Aufbau nachhaltiger Lieferketten unterstützen, zum Beispiel "Entwaldungsfreie Lieferketten" für Soja und Palmöl, "Faire Lieferkette" für Kakao, Kaffee und Bananen.
  • Afrikanische Finanzmärkte und Finanzdienstleister unterstützen (zum Beispiel durch Lokalwährungsdarlehen und Übernahme von Währungsrisiken und Garantien).
  • Staatliche Entwicklungsgelder (ODA) zur Mobilisierung privaten Kapitals für mehr Beschäftigung einsetzen.
  • Um Investitionsrisiken für deutsche Unternehmen zu senken, Risikotransferinstrumente (zum Beispiel Darlehens-­ und Kreditgarantieinstrumente) weiterentwickeln und ausbauen (neues ODA-­finanziertes Bürgschaftsinstrument schaffen).
  • Neue Anlageprodukte (Fonds und Anleihen) für Privatanleger entwickeln.
  • Digitalisierungszentrum für die afrikanische Wirtschaft zusammen mit afrikanischen Partnern gründen.

International

  • Wirtschafts­ und Energiepartnerschaft (unter anderem Förderung erneuerbarer Energien, Forschungskooperation und Infrastrukturpartnerschaften) EU­-Nordafrika unterstützen.
  • Politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit der EU­-Mittelmeer­-Union ausbauen.
  • Entwicklungsfreundliche Handels­ und Wirtschaftspartnerschaftsabkommen vereinbaren und umsetzen.
  • Europäischen Investitionsplan unterstützen und für die Ziele und Schwerpunkte dieses Marshallplans einsetzen.
  • Die Marktintegration und ­öffnung des EU-­Binnenmarktes weiter vorantreiben.
  • Den Aufbau lokaler Wertschöpfungsketten fördern.
  • Die afrikanische Wirtschaft dabei unterstützen, EU-­Qualitätsstandards zu erreichen, um Exportpotentiale und die vorhandene Marktöffnung des EU-­Binnenmarktes auch für die eigene Wertschöpfung nutzen zu können.
  • Bestehende Investitionsabkommen mit afrikanischen Staaten überprüfen und entwicklungsorientiert modernisieren.
  • Wertschöpfung in Afrika fördern (zum Beispiel durch Nutzung einheimischer Arbeitskräfte bei Infrastrukturprojekten).
  • Über Möglichkeiten legaler Migration in die EU für die Ausbildung von Fachkräften informieren und werben.
  • Vorbereitung finanzierungsreifer Vorhaben für private Investoren unterstützen.
  • Verdrängung von Privatkapital durch Entwicklungsbanken verhindern und stattdessen Privatkapital mobilisieren.
  • Staatliche Entwicklungsgelder (ODA) nur einsetzen, wenn das Vorhaben für eine private Finanzierung nicht geeignet ist.
  • Um Haushalte von Partnerländern nicht durch die Übernahme von Währungsrisiken bei US-Dollar/Euro­-Krediten zu belasten, mehr Lokalwährungsdarlehen durch Entwicklungsbanken anbieten.

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