Hauptinhalt

Kapitel 2.3

Finanzierung in einer neuen Dimension


Das gesamte Dokument als PDF (1,7 MB) finden Sie hier.
Alle zu diesem Kapitel eingegangenen Kommentare finden Sie unter dem Text.


Im Jahr 2015 flossen weltweit über 50 Milliarden Euro an staatlicher Entwicklungsfinanzierung (ODA) nach Afrika. Natürlich brauchen wir angesichts der Herausforderungen mehr ODA-Mittel. Bei einem Investitionsbedarf zur Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) in Afrika von mehr als 600 Milliarden US-Dollar jährlich (Quelle: Economic Development in Africa Report 2016, UNCTAD) können ODA-Mittel alleine nicht die Lösung sein. Wichtig ist daher ein Finanzierungsdreiklang aus:

  • Mobilisierung von eigenen Finanzmitteln in den afrikanischen Staaten und Stärkung der Eigenleistungsfähigkeiten;
  • Stärkung privater Investitionen und Mobilisierung privaten Kapitals mit neuen Förderinstrumenten und Anlageprodukten;
  • Einsatz von ODA-Mitteln zur Hebelung privater Investitionen.

Es ist nicht mehr vermittelbar, weshalb die Steuerquote in den ärmsten afrikanischen Ländern unter 17 Prozent liegt, während sie in OECD-Ländern durchschnittlich 35 Prozent beträgt, oder wieso trotz des Verkaufs von Rohstoffen die Bildungshaushalte in vielen afrikanischen Staaten chronisch unterfinanziert sind.

Entscheidend ist es, eine verstärkte Mobilisierung des Privatsektors zu erreichen. Die Beteiligung Deutschlands und anderer Geber, aber auch multilateraler Entwicklungsbanken an entsprechenden Fonds senkt das Risiko der Anleger deutlich. Öffentliche Mittel fördern damit unmittelbar private Investitionen in Afrika. Jeder Steuer-Euro hebelt ein Vielfaches an privatem Kapital. Investitionen werden dadurch auch für großinstitutionelle Anleger wie Versicherungen und Pensionskassen attraktiv.

Staatliche Entwicklungsgelder können darüber hinaus als Garantieinstrumente – analog der Absicherung von Wirtschaftsexporten durch Hermesbürgschaften – zur Absicherung von privaten Investitionen eingesetzt werden (ODA-finanziertes Bürgschaftsinstrument). Die bereits bestehende Multilaterale Garantieagentur der Weltbank könnte durch entsprechende Zusagen ihre Tätigkeit in Afrika ausweiten.

Investitionen in Afrika dürfen zudem nicht länger unter Währungsrisiken leiden. Wir brauchen daher eine stärkere Absicherung von Lokalwährungsrisiken, beispielsweise durch den Currency Exchange Fund.

Deutschland wird zusammen mit der Weltbank, dem Internationalem Währungsfonds, den regionalen Entwicklungsbanken im Rahmen der G20-Präsidentschaft eine entsprechende Initiative für mehr private Investitionen in Afrika starten.

Wir brauchen zudem eine bessere Koordination und Steuerung der vorhandenen Instrumente. Auch hieran arbeiten wir bereits mit der Weltbank. Die Strukturen des EU External Investment Plan können dabei als Plattform für eine gesamteuropäische Investitionsoffensive dienen.


Basiskapital von Entwicklungsbanken
Bild vergrößerngallery2_28769632

Basiskapital von Entwicklungsbanken


weiter zu Kapitel 3


Lexikon der Entwicklungspolitik

Fenster schließen

 

Seite teilen