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10 Thesen für einen Marshallplan mit Afrika

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Alle zu diesem Kapitel eingegangenen Kommentare finden Sie unter dem Text.


  1. Wir brauchen jetzt einen neuen Zukunftsvertrag mit Afrika – Bis zum Jahr 2050 wird sich die Bevölkerung Afrikas auf dann 20 Prozent der Weltbevöl­kerung verdoppeln. Die Sicherstellung der Ernährung, der Zugang zu Energie, Ressourcen­schutz und Arbeitsplätze für Hunderte von Millionen junger Afrikaner sind gewaltige Herausforderungen, aber auch Chancen. Gerade die europäischen Staaten können mit Wissen, Innovation, moderner Technik und direkter Teilhabe zur Bewältigung der gewaltigen Herausforderungen beitragen.
  2. Afrika braucht afrikanische Lösungen – Die Staaten Afrikas haben mit der Gründung der Afrikanischen Union (AU) und der neuen Partnerschaft für die Entwicklung Afrikas (NEPAD) ermutigende Zeichen für einen Neuanfang gesetzt. Mit der Agenda 2063 der AU beschreiben Reformpolitiker den eigenen Weg Afrikas. Deutschland und Europa müssen die afrikanischen Staaten beim Wort nehmen und die Zusammenarbeit in einer neuen Dimension und Qualität gestalten. Die jahrzehntelange Geber­-Nehmer-­Mentalität gilt es abzulösen – durch eine partnerschaftliche und wirtschaftliche Kooperation, die auf Eigeninitiative und Eigenverantwortung setzt. Afrika ist dabei Europas Partner – nicht nur in Fragen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit und Entwicklungspolitik, sondern auch in zen­tralen Fragen der Gestaltung einer zukünftigen Handels-­, Finanz-­, Umwelt-­, Agrar­-, Wirt­schafts­-, Außen-­ und Sicherheitspolitik.
  3. Vorfahrt für Jobs und Chancen für die Jugend – Afrikas Jugend muss eine Zukunft in Afrika haben. Das Durchschnittsalter auf dem Kontinent beträgt 18 Jahre. Bald werden mehr als 2 Milliarden Menschen dort leben. Dafür werden jedes Jahr 20 Millionen neue Jobs benötigt – in Städten und in ländlichen Gebieten. Die Entwicklung wirtschaftlicher Strukturen und die Schaffung neuer Arbeits­ und Ausbildungsplätze ist die zentrale Heraus­forderung. Afrikas Jugend braucht zugleich einen Austausch mit Europa. Europa braucht ein Konzept, das legale Wege der Migration ermöglicht und irreguläre Migration und Schleuser­tum bekämpft.
  4. Investitionen für unternehmerische Entfaltung – Jobs schafft auf Dauer und im erforderlichen Umfang nicht der Staat, sondern die private Wirtschaft. Deshalb braucht Afrika weniger Subventionen und mehr private Investitionen. Dafür müssen för­derliche Rahmenbedingungen vor Ort, aber auch neue Instrumente zur Mobilisierung und Sicherung von Investitionen geschaffen werden. Ergänzt werden sie durch Vorschläge für Steueranreize für Unternehmen, neue Anlageformen wie beispielsweise Afrika­fonds und Infrastrukturanleihen.
  5. Wertschöpfung statt Ausbeutung – Afrika muss mehr sein, als der Kontinent der Rohstoffe. Motor des Marshallplans ist eine neue Wirtschaftspolitik, deren Schwerpunkte die Diversifizierung der Wirtschaft, der Aufbau von Produktionsketten, die gezielte Förderung von Landwirtschaft sowie kleinen und mittleren Unternehmen, die Aufwertung des Hand­werks und damit die Schaffung eines neuen Mittelstands sind. Europa muss dies mit einer Stärkung des Zugangs zum EU-­Binnenmarkt und dem Abbau bestehender Handelshemm­nisse unterstützen.
  6. Politische Rahmenbedingungen fördern und fordern – Rechtsstaatlichkeit, politische Teilhabe von Männern und Frauen sowie eine effiziente Verwaltung frei von Kor­ruption sind Grundlage für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung. Nicht nur die Eliten eines Landes sollen vom wirtschaftlichen Aufschwung profitieren, sondern alle. Dies gilt es zu fördern und täglich einzufordern.
  7. Reformpartnerschaften statt Gießkannenprinzip – Mit der Agenda 2063 haben sich die Mitglieder der Afrikanischen Union zu konkreten Reformen bekannt. Wir neh­men Afrika beim Wort und werden die Entwicklungszusammenarbeit in Zukunft besonders mit den Partnern intensivieren, die diese Reformen für gute Regierungsführung, den Schutz der Menschenrechte und wirtschaftliche Entwicklung umsetzen.
  8. Ein gerechter globaler Ordnungsrahmen – Reformen in Afrika müssen durch Reformen in Europa und auf globaler Ebene ergänzt werden: Dazu zählen insbesondere ein gerechter Handel, der Kampf gegen illegale Finanzströme und der Stopp von Waffenlie­ferungen in Krisengebiete. Neue Formen der politischen Kooperation erfordern auch eine Stärkung der Zusammenarbeit europäischer und afrikanischer Institutionen: ein ständiger Sitz der afrikanischen Staaten im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen sowie eine Aufwer­tung in allen internationalen Organisationen und Verhandlungen wie zum Beispiel bei der Welthandelsorganisation (WTO).
  9. Staatliche Entwicklungsgelder (ODA) alleine sind nicht die Lösung – Mit öffentlicher Entwicklungszusammenarbeit ist sehr viel erreicht worden. Für die Bewälti­gung von Herausforderungen einer neuen Dimension reicht dies nicht aus. Stattdessen sollen diese Mittel zukünftig stärker Antreiber und Förderer privater Investitionen sein. Die afrikani­schen Staaten müssen darüber hinaus deutlich mehr Eigenmittel – zum Beispiel ein höheres Steueraufkommen – mobilisieren.
  10. Wir lassen niemanden zurück – Deutschland steht zu seiner Mitverantwortung gegenüber den am wenigsten entwickelten Ländern. Der Marshallplan behält die Grund­bedürfnisse der Menschen im Blick: Ernährungssicherung, Wasser, Energie, Infrastruktur, Digitalisierung, Gesundheitsversorgung und Zugang zu Bildung – insbesondere für Frauen und Mädchen. Die Chancen und Herausforderungen der Verstädterung müssen ebenso berücksichtigt werden, wie das Heben der Potentiale der ländlichen Entwicklung und der Landwirtschaft.

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Kommentare (29)

 

Gabriele Weigt schrieb am 27.02.2017 um 00:21 Uhr

1) Wir brauchen jetzt einen neuen Zukunftsvertrag Europas mit Afrika Ein Zukunftsvertrag, der nicht auf der Agenda 2030 basiert und ökonomisch, ökologisch und sozial nicht ausgewogen ist und zur Umsetzung der Menschenrechte beiträgt, kann nicht als Zukunftsvertrag bezeichnet werden. Nicht umsonst ist die Agenda 2030 in einem aufwändigen und konsultativen Prozess entstanden und adressiert Herausforderungen, die in ihrer Gesamtheit von allen Staaten bearbeitet werden müssen. 3) Vorfahrt für Jobs und Chancen für die Jugend Menschen mit Behinderung sind bestrebt, ihre Existenz durch ausreichend bezahlte Jobs zu sichern und nicht auf soziale Transferleistungen angewiesen zu sein. Bei der Schaffung von Jobs ist daher darauf zu achten, dass ausreichend inklusive Beschäftigungsmöglichkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt geschaffen werden. 4) Investitionen für unternehmerische Entfaltung Bei der Gestaltung der Rahmenbedingungen zur Förderung privater Investitionen in Afrika und der Schaffung neuer Instrumente zur Mobilisierung von Investitionen müssen Umwelt- und Sozialstandards als Kriterien Berücksichtigung finden. 6) Politische Rahmenbedingungen fördern und fordern Bei der Förderung politischer Rahmenbedingungen ist darauf zu achten, dass diese inklusiv gestaltet werden, so dass auch Menschen mit Behinderung ihr Recht auf politische Teilhabe wahrnehmen können. 10) Wir lassen niemanden zurück Wir lassen niemanden zurück schließt Menschen mit Behinderung ausdrücklich ein (s. Agenda 2030). Daher sollten neben Frauen und benachteiligten Gruppen Menschen mit Behinderung explizit erwähnt und in die Umsetzung einbezogen werden.

 

 

Georg Neumann schrieb am 26.02.2017 um 21:07 Uhr

Der bewusste Ansatz, von Entwicklungshilfe zur Unterstützung von selbstbestimmtem Wachstum ist willkommen zu heißen. Dies betrifft insbesondere die Förderung von Lösungen, die sowohl besseres Regieren auf Basis offener Daten ermöglichen, eine gerechte und transparente Verteilung der Rohstofferträge, als auch die Wirtschaft und nationalen Wettbewerb fördern. Dies ist besonders relevant für die Thesen 4, 5 und 6. Wo mehr private Investitionen gefördert werden, muss Transparenz herrschen, um nicht existierende Vetternwirtschaft zu fördern, sondern einen offenen Wettbewerb zu gestalten. Die Extractives Industries Transparency Initiative zeigt Lösungen und Standards auf, um Rohstoffhandel transparenter zu gestalten. Einer der Bereiche, der am meisten dem Risiko der Korruption unterliegt ist öffentliche Vertragsvergabe. In vielen Ländern Afrikas macht diese schon die Hälfte des Haushalts aus. Krankenpflege, Schulen, Straßen, alles Bereiche die mittlerweile über öffentliche Verträge geregelt werden. Offene Daten über den ganzen Zyklus der Vertragsvergabe, von der Planung bis zur Implementierung, sind eine erfolgreiche Lösung, die vielfältige Möglichkeiten aufzeigt. Länder wie Kenya, Mauretanien, Sierra Leone oder Uganda haben sich dazu ausgesprochen. Nigeria implementiert bereits den Open Contracting Data Standard, das einzige internationale Schema, dass beschreibt, welche Daten wann veröffentlicht werden sollten. Nigerias Präsident Buhari hat dieses Thema als eines der wichtigsten nationalen Reformvorhaben letztes Jahr bei der Internationalen Antikorruptionskonferenz in London erkannt, und sich zusammen mit 40 anderen Ländern offen als den Default für Daten und Dokumente im Vergabeverfahren ausgesprochen. Diese Daten ermöglichen eine bessere interne Analyse der Daten und die Möglichkeit, Kosten zu senken und den Vergabeprozess effektiver zu gestalten. Sie erlauben potenziellen Firmen, Projekte zu analysieren und neue Märkte zu eröffnen. Sie ermöglicht, Korruption zu erkennen und vermeiden. Schließlich geht es darin um bessere Ergebnisse für die Bürger, bessere Schulen, Krankenhäuser, mehr kleine Unternehmen, mehr Arbeit.

 

 

Michael T. Witt schrieb am 26.02.2017 um 14:39 Uhr

Thesen 1 bis 5: Leider findet sich in den zukunftsweisenden Thesen kein Hinweis darauf, wie viele Mrd. Euro Entwicklungshilfe in Direktinvestitionen für Energieprojekte fließen, um die völlig richtige Kernaussage „Für die Wirtschaft ist eine verlässliche Versorgung mit Wasser und Energie rund um die Uhr essentiell“ erreichbar zu machen, und mit welchen Instrumenten dies geschehen soll. Zur Lösung der Energie- und Trinkwasserprobleme sind kleine (zur Versorgung von netzfernen Dörfern) bis mittelgroße regenerative Kraftwerke notwendig, die die teure Stromproduktion aus Dieselgeneratoren ersetzen. Ganz wichtig ist, dass der Strom autark, verlässlich und preiswert auch nachts zur Verfügung steht. Der einzige Kraftwerkstyp, der dank integriertem Energiespeicher über 24 Stunden pro Tag Strom und gleichzeitig Trinkwasser erzeugen kann, ist das Multi-Effekt-Solarkraftwerk (MES) mit Leistungen zwischen 100 kW und 50 MW. Die Strom- und Trinkwassererzeugungskosten sind so niedrig, dass der afrikanische Kontinent damit deutsche und internationale Unternehmen anziehen könnte. Was zu lösen verbleibt, ist: 1. Sofort greifende Programme aus dem BMZ zu den anfänglich 100 prozentigen Finanzierungen von Projekten, wie z.B. die zu überarbeitenden Programme „Strategische Projekte“ und „Up-Scaling“. 2. Gründung eines Wasser und Energie Rentenfonds für Afrika (WERA), der Kraftwerks- und Trinkwasserprojekte direkt finanziert, und Afrika eine aktive Teilhabe an der Globalisierung ermöglicht, Erträge erwirtschaftet und Bundesmittel, mittelfristig zurückführt, um damit vorrangig die deutschen Rentenkassen wieder aufzufüllen. Selbstverständlich sollten große Energiekonzerne, institutionelle Investoren und Privatanleger ebenfalls nach einer Anlaufphase zu partizipieren, sobald zuverlässige Sicherheiten gestellt werden können. 3. Der im Marshallplan mit Afrika aufgeführte Investitionsbedarf bis 2040 in Höhe von umgerechnet ca. 340 Mio. Euro entspricht, über 23 Jahre verteilt, einer jährlichen Investition von 15 Mrd. Euro. 4. Dies ist deutlich weniger als wir 2016 für 1 Mio. Flüchtlinge (natürlich stammt nur ein Teil der Flüchtlinge aus Afrika) in Deutschland ausgegeben haben (offiziell 22 Mrd. Euro pro Jahr, was durch Familiennachzug leicht auf das Achtfache, ansteigen könnte). 5. Die folgende ENTSCHEIDUNG zwischen 2 Wahlmöglichkeiten ist daher sehr einfach zu treffen, wobei dies sehr bald durch die Bundesregierung erfolgen muss: a) Sollen wir mit einem Betrag von jährlich anfangs mindestens 22 Mrd. Euro eine MILLION Flüchtlinge in Deutschland unterstützen und hunderte Millionen Afrikaner mit einer 20 Watt Lampe abspeisen, die nach einem Jahr versagt? b) Oder sollen wir lieber mit einer jährlichen Investition von 15 Mrd. Euro die Gründung des „WERA“ und die Realisierung der daraus finanzierten Projekte vorantreiben, um damit tausend Mal mehr, also einer MILLIARDE Menschen nachhaltig in ihrer Heimat zu helfen?

 

 

Saskia H. schrieb am 25.02.2017 um 15:22 Uhr

Die Motive des Marshallplans und die Idee, die deutsche EZ von Grund auf neu zu gestalten und zu strukturieren ist dringend notwendig. Diese 10 Thesen sprechen Probleme an, was sehr wichtig ist. Allerdings ist es fraglich, mit wer der Verhandlungspartner sein soll. Ein großes Problem in Afrika ist es, dass in vielen Teilen eine hohe politische Instabilität herrscht. Das Problem der Korruption wird angesprochen und auch, dass man es gedenkt zu bekämpfen. Allerdings gehen alle weiteren Thesen davon aus, dass dieses Ziel, sprich die Bekämpfung der Korruption und die Schaffung einer politisch stabilen Lage und damit die Gewährleistung von Rechtssicherheit, erfolgreich erreicht wird. Gleichzeitig gibt es aber keinen ausreichenden Lösungsansatz. Natürlich sind private Investitionen notwendig und auch die Ansiedlung von Unternehmen, wofür man wiederum die Standortbedingungen verbessern muss, solange jedoch keine Rechtssicherheit herrscht, reichen auch Steueranreize nicht aus. These 5: Wertschöpfung statt Ausbeutung Diese Idee ist grundsätzlich richtig. Afrika muss dringend das Verhältnis seiner Exporte (billige Rohstoffe) und Importe (teure Industriegüter) verbessern. Wie eine Verbesserung der Terms of Trade jedoch durch einen Abbau von Handelshemmnissen und einer Öffnung des europäischen Binnenmarktes geschehen soll, ist für mich nicht direkt schlüssig. Solange die afrikanische Wirtschaft, das heißt vielfältige Produktion und Entwicklung von Gütern, nicht aufgebaut ist, haben die Produkte keine Chance mit europäischen Gütern ernsthaft zu konkurrieren. Zusätzlich halte ich es für wichtig, bereits in einem frühen Stadium auf die Einhaltung von bzw. Umweltstandards zu achten, somit steht vor allem die Nachhaltigkeit im Vordergrund. These 6: politische Rahmenbedingungen Gute Rahmenbedingungen sind die Grundlage für den wirtschaftlichen Aufbau. Allerdings sehe ich, grade bei der Einforderung von Reformen, Bekämpfung von Korruption etc. eine gewisse Problematik, was die Souveränität Afrikas anbelangt. Diese muss unbedingt bewahrt werden, vor allem, da die Partnerschaft und Gleichberechtigung im Vordergrund steht. Gleichzeitig ist eine gewisse Kontrolle wichtig, auch um sicherzustellen, dass die Entwicklungshilfen, wie vereinbart verwendet werden und damit nicht umsonst waren. These 8: gerechter globaler Ordnungsrahmen Dies ist eine fantastische Idee. Allerdings reicht für einen festen Sitz Afrikas innerhalb der WTO nicht allein die Zustimmung der europäischen Staaten. Zusätzlich wäre ein fester Sitz zwar notwendig und richtig, allerdings auch durchaus schwierig umzusetzen. Damit verbunden wären nämlich auch höhere Kosten für mehr Personal, damit Afrika bei jeder Versammlung vertreten ist. Gleichzeitig fordert These 9 jedoch, dass die afrikanischen Staaten mehr Eigenmittel beisteuern, um die Entwicklung mit zu finanzieren. Ein Vorschlag sind dabei erhöhte Steuern. Hierbei stellt sich die Frage, welcher Teil der armen Bevölkerung diese zahlen soll.

 

 

Schulze Ulrich, Leipzig schrieb am 24.02.2017 um 19:28 Uhr

Derzeit beste Stichwort- und Datensammlung zu Afrika. Leider nicht viel mehr. Alle Thesen implizieren, man könne mit "Afrika" kommunizieren und agieren. Dabei sind es 54 unterschiedliche Staaten mit unterschiedlichen Interessen - und viele Verantwortliche in den Regierunggen haben überhaupt kein hehres Interesse an der Verbesserung der Situation ihrer Bevölkerung sondern lediglich an der Mehrung ihres Reichtums. Flächendeckende Bildung ermöglichen, grassierende Korruption aktiv bekämpfen - was macht das BMZ da konkret? Was kann es machen?

 

 

für ewa3: Andres Spangemacher, Engelbert schrieb am 23.02.2017 um 20:15 Uhr

Stichwort: Handlungsschwerpunkte. Die im MP aufgeführten Handlungsschwerpunkte aus These 2, die in Kapitel 2.1 auch als Paradigmenwechsel bezeichnet werden, möchten wir in ihrer Notwendigkeit unterstreichen. Für einen Paradigmenwechsel kommt es in unseren Augen vor allem darauf an, die für uns so wichtigen Rohstoffe Afrikas auf eine Art und Weise zu extrahieren und zu entgelten, dass die Umweltbelastungen so gering wie möglich gehalten werden, die Arbeitsbedingungen den westlichen Standards angenähert werden, die Entlohnung den Arbeiter(inne)n einen angemessenen Lebensstandard ermöglicht (der u.a. Kinderarbeit nicht mehr erforderlich macht) und darüber hinaus Mittel zum Aufbau von Infrastruktur und Wertschöpfung vor Ort verbleiben. Den internationalen Konzernen mit Sitz im Westen sollte die Politik deswegen bereits kurzfristig die Einhaltung der Menschenrechte und der internationalen Umwelt- und Sozialstandards abverlangen (einschließlich Kontrollen und Entschädigungen und Strafen), und sie sollte nicht länger auf Freiwilligkeit vertrauen. Schon der deutsche Staat wird seiner völkerrechtlichen Verpflichtung bislang nicht gerecht, die Menschenrechte vor Verstößen durch deutsche Unternehmen im Ausland effektiv zu schützen. Der Marshallplan sieht als Partner Afrikas sehr zu Recht nicht nur Deutschland, sondern Europa. Da die europäischen Länder gegenüber Afrika unterschiedliche Interessen vertreten, was teilweise in ihrer kolo-nialen Vergangenheit begründet ist (siehe Frankreich + Belgien), wird es zunächst darauf ankommen, sich in der EU auf eine kohärente europäische Afrikapolitik zu verständigen, wobei die verschiedenen Interessenlagen und Strategien der Länder in Politik und Wirtschaft nicht verschleiert werden dürfen, sondern offenzulegen sind. Ebenso dringlich ist es, innerhalb der Bundesregierung zu einer Harmonisierung der Außen-, Entwicklungs-, Handels-, Wirtschafts-, Sicherheits-, Agrar-, Klima-, Umwelt- und Migrationspolitik im Sinne des MP zu kommen. Besonderen Bedarf sehen wir hier bezüglich der Politik des Landwirtschafts- und des Wirtschaftsministeriums. für ewa3: Andreas Spangemacher, Aachen, Jörg Siebert, Aachen, Dr. Christian Hajduk, Lonsee

 

 

TransFair e.V. schrieb am 23.02.2017 um 14:56 Uhr

Zu Punkt 6: • Die eben nicht gleichberechtigte Rolle der Frau in den meisten afrikanischen Gesellschaften ist ein zentrales Hemmnis für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung (Landzugang, Bodennutzung, Besitzrechte, Erbrechte etc.). Das wird im Dokument nur unzureichend behandelt. • Desgleichen sollte die gleichberechtigte Teilhabe von ethnischen Gruppen, Minderheiten und anderen marginalisierten Gruppen (z.B. Behinderte) in allen Bereichen der Partnerschaft Beachtung finden. Zu Punkt 7: • Sind damit auch Menschenrechte entlang von Wertschöpfungsketten gemeint?

 

 

TransFair e.V. schrieb am 23.02.2017 um 14:53 Uhr

• Dann kann es nicht dabei bleiben, dass Afrikas Rolle vor allem die eines Rohstofflieferanten für die EU ist. • Politikkohärenz auf deutscher europäischer Seite ist dringend erforderlich.

 

 

Christoph Heinrich schrieb am 20.02.2017 um 16:35 Uhr

Auch wenn die 10 Thesen viele gute Aussagen enthalten, verwundert doch das völlige Fehlen der Umwelt- und Nachhaltigkeitsdimension. Gerade in Afrika, dem Kontinent mit dem erwartbar größten Wasserstress, Ausmaß an WÜstenbildung, Bodenverlusten, ungesteuertem Landnutzungswandel usw muss Entwicklung auf Nachhaltigkeit und Schonung der natürlichen Ressourcen achten.

 

 

Carina Baldt schrieb am 19.02.2017 um 22:23 Uhr

Zu 1: Es können Chancen entstehen, jedoch ob man sie richtig nutzen kann ist fraglich. Es wird ja auch schon jetzt nicht die Grundversorgung von jedem in Afrika gesichert. Und jetzt hat Afrika noch keine 20 Prozent der Weltbevölkerung. Hilfe ist gut, allerdings entsteht so noch mehr eine Abhängigkeit Von den Europäischen Staaten und die Fragestellungen offen bleibt ist die Finanzierung. Soll jedes Land einzeln sich beteiligen, kommt das Geld aus einem EU Fond für einen gemeinsamen Plan oder kann man es über die IWF finanzieren. Zu 3: Legale Wege nach Europa zu schaffen sehe ich positiv. So kann man größere Katastrophen wie die vor Lampedousa verhindern. Allerdings sehe ich es schwierig in Afrika Arbeitsplätze zu schaffen, da es dort eher weniger starke Wirtschaftsstandorte gibt. Zu 4:An sich ist der Plan gut Urlaub bei instabilen Staatsstrukturen und einer großen Scherer zwischen Arm und Reich befürchte ich eine mögliche Ausbeutung der Arbeiter. Zu 5:Der Abbau von Handelshemmisphären birgt die Gefahr, dass der Markt mit billigen Produkten von anderen Kontinenten überschwemmt wird. Zu 6: Finde ich gut, da es ohne stabilen Staat nichts funktioniert. Zu 7: Partnerschaften sind nur auf Augenhöhe gut.

 

 

Gudrun Krüger schrieb am 19.02.2017 um 16:05 Uhr

Extrem hohe Steuerbeträge Afrikas lagern als Privatvermögen korrupter Staatenlenker in der Schweiz. Da müsste eine konzertierte Aktion in Gang gesetzt werden, diese Geldmengen für dringend erforderliche Infrastrukturmaßnahmen (z.B. Schulen, Frauenförderung, Berufsbildung etc.) in Afrika freizusetzen. Die Schweiz muss ins Boot geholt werden.

 

 

Fekadu Bekele schrieb am 19.02.2017 um 14:19 Uhr

Ohne geistige Revolution kann keine vernünftige Entwicklung geben. Entwicklung muss holistisch begriffen werden. Entwicklung ist mehr als eine reine wirtschaftliche Entwicklung. Ohne kultureller Wandel gibt ist keine sinnvolle Entwicklung. Jedes Land muss als Gesellschaft verstanden werden, und sie muss dem entsprechend adäquat analysiert werden bevor man zu einer solchen Idee, wie Marschall Plan kommt.

 

 

Kolaiel Hamdan schrieb am 15.02.2017 um 14:16 Uhr

Great plan. The most promising points of the 10 theses plan are: Self-initiative and Self-responsibility More Private investment Effective administration free of corruption Not only the elites should benefit A guiding help and support is extremely needed to guarantee a higher success for each project. This can be achieved in one way by creating a certification procedure within the Plan. Local or international investors can submit their ideas and get certified by the plan. This certification should be only valid for maximum 6 months and need renewal for each stage. This will pave the way of highly though of projects and provide an assurance for potential investors in each certified project.

 

 

Jenni Jerabek schrieb am 13.02.2017 um 16:48 Uhr

These Nr. 3: Es sollte nicht vergessen werden hier auch darauf zu achten besonders Ausbildung und Arbeitsmöglichkeiten für benachteiligte Jugendliche zu schaffen, zB. Jugendliche mit Behinderung. These Nr. 10: Da Sie sich hier insbesondere auf die Nachhaltigen Entwicklungsziele mit dem Motto: "Leave no one behind" beziehen, wäre es einerseits wichtig generell die Nachhaltigen Entwicklungsziele konkreter mitaufzunehmen, andererseits Menschen mit Behinderung in ihrem Marshall Plan nicht zu vergessen.

 

 

Jan-Thilo Klimisch schrieb am 13.02.2017 um 15:49 Uhr

In These 1 bitte ergänzen: „direkter und gleichberechtigter Teilhabe“. These 2 sollte im Sinne der „Neuen Globalen Partnerschaft“ umformuliert werden, wie sie in der 2030-Agenda verankert ist: Hervorzuheben ist dabei die besondere Solidarität mit den Ärmsten und Menschen in vulnerablen Situationen. Hierzu zählen alle Kinder, Jugendlichen, Menschen mit Behinderungen, Menschen mit HIV\Aids, älteren, indigenen und geflüchteten Menschen und Menschen mit Migrationshintergrund. In These 3 bitte ergänzen: „Schaffung neuer Arbeits- und Ausbildungsplätze und die gleichberechtigte Teilhabe aller am Arbeitsmarkt ist die zentrale Herausforderung“. These 6 sollte auf Verpflichtungen aus der 2030-Agenda sowie aus UN-Menschenrechtsverträgen wie der UN-Behindertenrechtskonvention verweisen. Über die dezidierte Förderung von politischer Teilhabe von Frauen und Männern hinaus ist insbesondere auch die gleichberechtigte politische Teilhabe von Minderheiten und diskriminierten Randgruppen wie Menschen mit Behinderungen zu fördern. These 9 sollte in Einklang mit SDG 17 der 2030-Agenda und der Addis Ababa Action Agenda formuliert werden. Zu These 10: Der Anspruch, niemanden zurückzulassen, sollte durchgängig in das gesamte Dokument eingearbeitet werden. Bislang greift keines der folgenden Kapitel diesen Anspruch explizit auf. Chancengerechtigkeit, Befähigung und Inklusion der Ärmsten und der bisher Ausgegrenzten werden nicht akzentuiert oder mit konkreten Maßnahmen und Verantwortlichkeiten untermauert. Die Formulierung in These 10, dass der Marshallplan die Grundbedürfnisse aller Menschen im Blick behält, insbesondere für Frauen und Mädchen, ist ein Widerspruch in sich. Niemanden zurückzulassen heißt eben nicht nur Geschlechtergerechtigkeit, sondern vielmehr bei allen Entwicklungsbemühungen stets die besonders ausgegrenzten, die bisher besonders benachteiligten Menschen in den Blick zu nehmen. Das umfasst laut 2030-Agenda ausdrücklich viele unterschiedliche Bevölkerungsgruppen, wie Menschen mit Behinderungen. „Reach those furthest behind first“ ist ein klarer Imperativ, der nur umgesetzt werden kann, indem man den Bedürfnissen der Bedürftigsten oberste Priorität einräumt.

 

 

Guido Brune schrieb am 11.02.2017 um 23:22 Uhr

Please contact Brenda Nabukenya (member of parliament of UGANDA) in order to make AFRICA HAPPY! All the best, Guido Brune

 

 

Samuel L. Mukasa schrieb am 09.02.2017 um 16:25 Uhr

Unter These 3 gilt ein besonderes Augenmerk folgenden Aspekten: „Afrikas Jugend muss eine Zukunft “in“ Afrika haben.“ „Die Entwicklung wirtschaftlicher Strukturen und die Schaffung neuer Arbeit- und Ausbildungsplätze ist „die“ zentrale Herausforderung.“ Highlights wurden aus dem PDF übernommen und sind die einzigen Markierungen im gesamten Thesenpapier. Innenpolitisch ist Forderung nach minimaler Migration in der aktuellen Situation legitim. Im diesem Rahmen ist jedoch die Bezeichnung „Marshallplan mit Afrika“ lediglich ein Euphemismus – vor allem mit der nachgeschobenen Legitimation des Vorhabens über die christlichen Werte. Fazit: Grundsätzlicher Tenor erwünscht, Priorisierung der Motive jedoch fragwürdig. Durch die Nichtberücksichtigung von tatsächlichen Prozessen EPA ohne Agrarschutzklausel etc. extrem unrealistisch.

 

 

Samuel L. Mukasa schrieb am 09.02.2017 um 16:25 Uhr

Unter These 3 gilt ein besonderes Augenmerk folgenden Aspekten: „Afrikas Jugend muss eine Zukunft “in“ Afrika haben.“ „Die Entwicklung wirtschaftlicher Strukturen und die Schaffung neuer Arbeit- und Ausbildungsplätze ist „die“ zentrale Herausforderung.“ Highlights wurden aus dem PDF übernommen und sind die einzigen Markierungen im gesamten Thesenpapier. Innenpolitisch ist Forderung nach minimaler Migration in der aktuellen Situation legitim. Im diesem Rahmen ist jedoch die Bezeichnung „Marshallplan mit Afrika“ lediglich ein Euphemismus – vor allem mit der nachgeschobenen Legitimation des Vorhabens über die christlichen Werte. Fazit: Grundsätzlicher Tenor erwünscht, Priorisierung der Motive jedoch fragwürdig. Durch die Nichtberücksichtigung von tatsächlichen Prozessen EPA ohne Agrarschutzklausel etc. extrem unrealistisch.

 

 

Marwin Meier schrieb am 08.02.2017 um 19:02 Uhr

Zu These 10: Leider wird dieses Leitprinzip der nachhaltigen Entwicklungsziele nur erwähnt, aber nicht konkretisiert. Die Bedeutung ist nämlich enorm: "Wir verpflichten uns, auf dieser großen gemeinsamen Reise, die wir heute antreten, niemanden zurückzulassen. ...wir werden uns bemühen, diejenigen zuerst zu erreichen, die am weitesten zurückliegen." (Seite 3, Transformation unserer Welt: die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung) Diese Umkehrung der Priorisierung - die schwächsten Zuerst - findet aber leider keine Anwendung in den vorgeschlagenen Aktiviäten des Marshallplans.

 

 

Peter Wiessner schrieb am 08.02.2017 um 16:24 Uhr

3: Eine berufliche Perspektive für Jugendliche in Afrika zu schaffen, ist ein wichtiger Bereich, kann aber nicht als eine Art übergeordnete Herausforderung gelten. Das scheint doch sehr stark einer europäischen Perspektive der Eindämmung der Migration zu entsprechen, statt im Sinne der Menschen in Afrika die mangelnde Befriedigung der Grundbedürfnisse und die eingeschränkten (Über-)Lebenschancen ins Auge zu fassen. Reflektiert werden sollte der Schaden, den der sog. brain drain (bspw. im Bereich Gesundheitsversorgung) anrichtet und die Verpflichtungen, die sich daraus ergeben. Der brain drain muss reguliert, die Ursachen bekämpft werden. Vorhaben im Bereich Migration sollten sich auch auf die Situation und Gesundheitsrisiken afrikanischer Wander- und Saisonarbeiter, Minenarbeiter sowie auf Menschen ohne Papiere und deren Familien beziehen. 6: Im Kontext der Förderung politischer Rahmenbedingungen fordern wir, dass die Themen Menschenrechte und Stärkung der Zivilgesellschaft benannt und akzentuiert werden. 7: Reformpartnerschaft statt Gießkannenprinzip liest sich für uns ein bisschen so, als ob es in der Partnerschaft nur einseitige Verpflichtungen gebe und es nur die afrikanischen Partnerinnen wären, die etwas zu verändern hätten. Wir lehnen einseitig-paternalistische Denkschemata ab. Dass das Wasser aus der Gießkanne fließt, hat - um im Bild zu bleiben - auch etwas mit der Ausbeutung des afrikanischen Kontinents zu tun. Auch wir haben uns daran bereichert und sind von der Situation nicht gänzlich unbetroffen. Wir regen eine vorsichtigere Wortwahl an und fordern in der Beurteilung etwas mehr Bescheidenheit. Die Ressourcenübertragung ist somit auch als Ausgleich zu verstehen. Es darf nicht passieren, dass die Zusammenarbeit nur noch auf die aus deutscher Sicht reformwilligen Länder konzentriert wird. Wo staatliche Strukturen nicht der Verwirklichung der Menschenrechte und der demokratischen Beteiligung dienen, braucht es eine entsprechende Förderung der Zivilgesellschaft. 9: Als Aktionsbündnis stimmen wir zu, dass der Einsatz staatlicher Entwicklungsgelder keine ausreichende Bedingung für Entwicklung darstellt. Die deutliche Erhöhung und Verstetigung der öffentlichen ODA-Leistungen entsprechend der international vereinbarten Verpflichtungen wie insbesondere dem UN Richtwert von 0,7 Prozent der Bruttonationaleinkommens bildet aber eine notwendige Voraussetzung, die endlich zu erfüllen ist. Zudem müssen die Entwicklungsgelder weiterhin zuerst dort eingesetzt werden, wo es ums Überleben geht. Die Fokussierung auf private Investitionen halten wir für einen Irrweg. Die Erhöhung der Eigenmittel ist zudem nur in Ländern möglich, die über die dafür nötigen Handlungsspielräume verfügen. 10: Wir begrüßen den Bezug zur Agenda 2030 und dass in der Darstellung der Grundbedürfnisse der Menschen deren Gesundheit benannt ist. Wichtig ist uns, dass die besonders vulnerablen – vielfach von Armut, Krankheit und Tod bedrohten - Gruppen benannt werden

 

 

Peter Wiessner schrieb am 08.02.2017 um 15:25 Uhr

Kommentar zu den Themen 1 und 2 These 1: Als Aktionsbündnis gegen AIDS vermissen wir die Erwähnung, dass Menschen in Afrika an vielen Orten und aus unterschiedlichen Gründen eine erheblich geringere Lebenserwartung haben. Wenn es einen Zukunftsvertrag mit Europa geben soll, dann muss sich dieser auch ganz real auf die Zukunftsaussichten und die Gesundheit der Bürgerinnen der betroffenen Länder und Regionen beziehen. Themen wie Energie, Ressourcenschutz und Arbeitsplätze sind dabei wichtig, stellen das Problem jedoch eher verkürzt dar, bzw. legen die Gewichtung auf Aspekte, die unseres Erachtens nachrangig sind. Zuallererst sollte es immer um das Überleben der Menschen gehen. Infolge von menschenunwürdigen und gesundheitsgefährdenden Lebensbedingungen sowie dem Mangel an finanziellen Ressourcen und politischem Willen für die Bereitstellung von lebenswichtigen Gesundheitsdiensten sind derzeit in Afrika geborene Kinder einem um das 15-fache höheren Risiko ausgesetzt, vor dem Erreichen des 40. Lebensjahres zu sterben als Kinder, die in Deutschland zur Welt kommen (24 Prozent bzw. 1,5 Prozent) Das ist die wichtigste Dimension der Ungerechtigkeit und zugleich das größte Entwicklungshindernis. Die Gesundheitsversorgung muss daher zusammen mit der Ernährungssicherung, der Wasser- und Sanitärversorgung sowie anderer gesundheitsentscheidender Bereiche an oberster Stelle stehen. These 2: Dass in der Gestaltung der Entwicklungspolitik und -Partnerschaft die Bereiche der Handels-, Umwelt-, Agrar- und Wirtschaftspolitik benannt werden, ist wichtig. Was wir vermissen, ist der Bereich der GESUNDHEITSPOLITIK - auch als Querschnittthema: Das Konzept Health in all Policies sieht vor, Gesundheit in allen Bereichen mitzudenken und zu reflektieren: sowohl beim Straßenbau (Unfälle reduzieren etc. ), als auch in der Landwirtschaft (mikrobakterielle Resistenzen vermeiden durch drastisch reduzierte Antibiotikagabe in der Tierhaltung etc. ). Gesundheit ist zuallererst eine humanitäre Aufgabe, sie ist aber auch die Grundlage und Voraussetzung einer prosperierenden Wirtschaft und nicht anders herum: der vorliegende Entwurf zäumt das Pferd von hinten auf. Die kolportierte Geber-Nehmer-Mentalität sollte doch längst der Vergangenheit angehören. Das darf aber keineswegs als Vorwand dienen, um sich der Verantwortung für dringend benötigte und immer wieder zugesagte Transferleistungen aus den öffentlichen Haushalten der wirtschaftlich bevorteilten Staaten zu stehlen. Diese Mittel sind gerade für die am stärksten benachteiligten Länder und Bevölkerungsgruppen eine unabdingbare Voraussetzung, um die Lebenschancen deutlich und nachhaltig zu verbessern

 

 

Karl-Heinz Rücker schrieb am 05.02.2017 um 11:46 Uhr

Wenn ich über die 10 Thesen hinweggehe, kommen mir schon wieder die Tränen: so viele schöne Worte ... Wenn nicht alle in den Prozeß des Umdenkens eingebunden werden (nicht nur Politik, sondern auch Wirtschaft und Gesellschaft - hier wie da) wird es auch mit diesem Ansatz nichts werden. Mein Plädoyer zielt auf Aufklärung - was wollen wir voneinander (u.a. Afrika eine Stimme geben, Afrikas Stimme hören - und verstehen, akzeptieren). Ich möchte noch an die menschliche Pflicht Europas erinnern, Afrika zu unterstützen. Dazu gehört auch eine gerechtere Weltwirtschaftsordnung. Der (Neo-)Kolonialismus währt schon viel zu lange.

 

 

Norbert Kunz schrieb am 29.01.2017 um 12:29 Uhr

These 1: Vor den Herausforderungen und Problemlagen stehen nicht nur junge Menschen. Allen Menschen in Afrika benötigen unsere Unterstützung. These 2: Eigenverantwortung und Eigeninitiative sind wichtige Treiber für Entwicklung. Bedenken müssen wir jedoch, dass die Ausgangsvoraussetzungen sehr unterschiedlich sind. Wir müssen die jungen Menschen ermutigen und ertüchtigen, dass sie entsprechend gute Startvoraussetzungen haben, um eigenverantwortlich wirken zu können. These 3: Um Jobs und Ausbildungsplätze zu schaffen, bedarf es der Förderung des Unternehmertums in Afrika. These 4: Private Investitionen sind von zentraler Bedeutung. Aber es gilt sicherzustellen, dass nicht nur verlängerte Werkbänke geschaffen werden und dass die Erträge der Wertschöpfung in Afrika reinvestiert werden. These 5: Wenn die deutsche oder europäische Industrie ungehindert in Afrika investieren kann, wird dies die lokale Ökonomie zerstören. Der Abbau von Handelshemnnissen könnte also gegenteilige Wirkung erzeugen. Vielmehr müßte es darum gehen, lokale Ökonomien und regeionale Wertschöpfung in Afrika zu stärken.

 

 

Dr. Beatrice Moreno schrieb am 28.01.2017 um 17:37 Uhr

Die Thesen sind umfassend und ein richtiger erster Schritt. Gerade die These 2 (Afrikanische Lösungen für afrikanische Probleme)ist zentral. Allerdings impliziert dies, dass junge Techniker aus Afrika (Ingenieure, Informatiker u.a.) die Chance erhalten, ihre Geschäftsmodelle vor Ort zu implementieren. Großinvestoren haben in der Regel kein Interesse daran, ihr Lizenzmodelle auf den tatsächlichen afrikanischen Bedarf anzupassen. Hier müssen neue Konzepte entwickelt werden.

 

 

Susanne Kindler-Adam schrieb am 28.01.2017 um 11:17 Uhr

Welche Schlussfolgerungen haben wir eigentlich aus einer Analyse von fast 70 Jahren Entwicklungshilfe gezogen? Z.B. die von Herrn Blaschke beschriebenen Projekte hatten wir doch alle schon. Oder haben wir diese jungen Leute "migrationsfit" gemacht?

 

 

Hildegard Meier schrieb am 26.01.2017 um 17:41 Uhr

Plan International sorgt schon seit mehr als 2 Generationen für eine Schulbildung und gesundheitliche Aufklärung, sowie Brunnenbauten und Instalation von Solaranlagen in einzelnen Gemeinden. Würde es nicht Sinn machen diese und ähnliche Aktionen von NGO zu erfassen und miteinzubeziehen?

 

 

Georg Ignatius schrieb am 25.01.2017 um 01:59 Uhr

Ich denke, dass es an der Zeit ist, wirklich neuartige Überlegungen anzustellen! Die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens wird in diesem Sinne immer mehr diskutiert. Eigenartiger Weise geschieht dies in vor allem in den Ländern, in denen es ein solches bedingungsloses Grundeinkommen bereits gibt! Ich meine damit die Sozialstaaten Europas! Das Besondere am bedingungslosen Grundeinkommen, Sozialhilfe genannt, ist, dass dieses sich am Existenzminimum orientiert. Hier nun meine Frage an alle: „Was würde geschehen, wenn jeder Bürger eines afrikanischen Landes ein persönliches Bankkonto besäße, auf das über einen externen Sozialfonds regelmäßig die Geldsumme transferiert wird, die das Existenzminimum für die Person absichert?“

 

 

Bernd Blaschke schrieb am 21.01.2017 um 02:33 Uhr

These 3 ist die erste und wichtigste: ohne Jobs geht gar nichts. Mit unserer Organisation erproben wir ein PPP-Modellprojekt für Ausbildungszentren für arbeitslose Jugendliche (die sind besonders gefährdet): die Investitionskosten übernimmt die deutsche Regierung, die laufenden Kosten die einheimische, hier die in Kenia und in Nigeria. Keine lange Ausbildung, drei bis max. 6 Monate, Training on the Job und bei erfolgreichem Abschluss einen Zuschuss oder Werkzeugausstattung um als Selbstständiger weiter zu arbeiten. Die Besten werden für den Ausbau weiterer Zentren angeheuert. Unser Ausbildungszentrum wird auf diesem Wege zu einem Eco-Zentrum entwickelt, auf dem Farmgelände werden überwiegend Gebäude aus PET-Flaschen verbaut (die zu Millionen die Landschaft verschanden), die Wohnhäuser erhalten Solartechnik für Strom und Warmwasser, die Toiletten als Trenntoiletten ausgeführt, die (wertvollen) Abfälle werden auf dem Feld kompostiert, die Wohnhäuser besitzen einen Gemüsegarten und eine Regenzisterne (natürlich aus PET-Flaschen), es entsteht eine Mustersiedlung. Alle Berufe (Elektriker, Maurer, Sanitärtechniker, Zimmermann) werden in dem Ausbildungszentrum unterrichtet. Unsere deutsche NGO ist Ideengeber, stellt Trainer zur Verfügung und besorgt die Anschubfinanzierung. Hier könnte erheblich mehr geleistet werden.

 

 

Güler Yanak schrieb am 19.01.2017 um 16:13 Uhr

Bitte gebt afrikanischen Autokraten kein Geld dafür, dass sie ihre Grenzen dicht halten (bzw. dafür, dass sie Rückkehrer aufnehmen)!!

 

 

Lexikon der Entwicklungspolitik

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