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Neue Partnerschaft für Entwicklung, Frieden und Zukunft

Ein Marshallplan mit Afrika

Logo Marshallplan mit Afrika

Wir brauchen einen Paradigmenwechsel und müssen begreifen, dass Afrika nicht der Kontinent billiger Ressourcen ist, sondern die Menschen dort Infrastruktur und Zukunft benötigen.
Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller

Viele der Herausforderungen, vor denen wir heute weltweit stehen, können nur in Zusammenarbeit mit starken afrikanischen Staaten gelöst werden​. Afrika bietet einmalige Chancen dafür, das Potenzial auf dem Kontinent ist groß​: Etwa die Hälfte der 20 am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften liegen dort. 2035 wird Afrika das größte Arbeitskräftepotenzial weltweit haben. Hier wachsen die globalen Märkte, die Kunden und Mitarbeiter der Zukunft heran​.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat darum seine Zusammenarbeit mit den Staaten Afrikas neu ausgerichtet. Der vom BMZ initiierte ​Marshallplan mit Afrika ​hat der Zusammenarbeit mit dem Kontinent in den vergangenen Monaten bereits viele neue und wichtige Impulse gegeben. Auf seiner Basis kann nun eine Partnerschaft zwischen Afrika und Europa entstehen, die weit über eine klassische, projektbezogene Entwicklungszusammenarbeit hinausgeht​.

Die Eckpunkte für diesen Marshallplan mit Afrika hatte das Ministerium Anfang des Jahres im Rahmen eines Online-Dialogs mit Wirtschaft, Wissenschaft, Kirchen, Gesellschaft und Politik zur Diskussion gestellt. Dabei entstand eine Fülle von Anregungen und Ideen für die neue Dimension der Zusammenarbeit.

Ziel des BMZ ist, die eigenen Entwicklungskräfte der afrikanischen Staaten zu stärken​, denn nachhaltige Entwicklung ist nur möglich, wenn sie von innen heraus angestoßen und getragen wird. Dazu müssen die Regierungen Reformen in die Wege leiten und ihrer Verantwortung gegenüber ihren Bürgerinnen und Bürgern nachkommen. Es geht darum, Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass private und öffentliche Investitionen auf einen fruchtbaren Boden fallen können.

Zu diesen Rahmenbedingungen gehören zum Beispiel die Achtung der Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit aber auch Bildung und wirtschaftliche Stabilität. Diese Ziele haben sich die afrikanischen Staaten in der Agenda 2063 der Afrikanischen Union selbst gesteckt​. Es gilt nun, sie bei der Anwendung ihrer innovativen Strategien zu unterstützen.

In den folgenden Unterkapiteln finden Sie Beispiele dafür, wie der Marshallplan für Afrika vom BMZ umgesetzt wird sowie den Originaltext des Plans und einen Rückblick auf den Online-Dialog:


Links zu den verschiedenen Sprachversionen des Marshallplans mit Afrika

Die Eckpunkte für einen Marshallplan mit Afrika (Stand Januar 2017) können Sie hier lesen oder hier herunterladen (PDF 1,6 MB).

Click here to read the English version (as at January 2017) or here to download the file (PDF 1.3 MB).

Vous trouvez la version française du Plan Marshall avec l'Afrique (mise à jour du janvier 2017) ici (PDF 1,7 MB).

Allgemeine Kommentare, die zum Marshallplan eingegangen sind, finden Sie unter diesem Text. Kommentare, die zu den einzelnen Unterkapiteln eingegangen sind, finden Sie jeweils unter den entsprechenden Kapiteln unter Inhalt des Marshallplans.


Siehe auch



Kommentare (66)

 

Joseph Nyagah schrieb am 27.02.2017 um 08:42 Uhr

Sollte ein Marshallplan für und mit Afrika tatsächlich umgesetzt werden, wäre das ohne Zweifel ein Neuanfang für den Kontinent. Ich stamme aus Kenia und lebe seit über 10 Jahren in Deutschland und möchte behaupten, die strukturellen und wirtschaftlichen Probleme in meinem Heimatland und -Kontinent gut zu kennen. Wie und wo sollen 20 neue Millionen Jobs jährlich entstehen? In einem Wort: Landwirtschaft. Der Marshallplan wird den Unterschied machen, wenn man den primären Fokus auf die Landwirtschaft legt. Warum? Die Probleme Afrikas beginnen auf den winzigen Farms der Kleinbauern, die über 90 Prozent aller Bauern ausmachen. Sie erzielen Erträge aus der Landwirtschaft, die ein Bruchteil des weltweiten Durchschnitts sind. Die Kleinbauern haben praktisch keinerlei Finanzierungsmöglichkeiten, da die ganze Zunft generell von lokalen Banken als nicht kreditwürdig angesehen wird. Sie können infolgedessen nicht in qualitativ hochwertiges Saatgut, Düngemittel oder auch einfache Geräte investieren. Nach der mageren Ernte sind sie mit zwei weiteren schwerwiegenden Problemen konfrontiert: eine nicht existierende Nachernte-Infrastruktur wie bspw. Kühlketten und das Fehlen von Märkten, wo sie angemessene Preise für ihre Erzeugnisse bekommen können. Ein erheblicher Anteil der ohnehin mageren Ernte verfault ehe die Bauern sie verkaufen können. Für den Anteil, den sie letztlich verkaufen, erzielen sie in lokalen Märkten niedrige Preise und insgesamt ein niedgriges Einkommen, von dem sie kaum leben können. Die logische Folge ist entweder der Umzug in die Slums der Großstäde oder die „illegale“ Migration in Richtung Europa für diejenigen, die ihr Hab und Gut für die Fahrt veräußern. Meiner Meinung nach wird der Marshallplan die größte Auswirkung haben, wenn man vor allem gezielt in die Landwirtschaft investiert, wo die große Mehrheit der Afrikaner tätig ist. Investionen zur Steigerung der Produktivität sowie Investitionen in einer Nachernte-Infrastruktur, z.B. Kühlketten, sind unabdingbar. Ein besserer Zugang zum EU-Markt würde diese Investitionen abrunden. Mit freundlichen Grüßen Joseph Nyagah

 

 

Sigrid Wieseler schrieb am 26.02.2017 um 22:46 Uhr

Für einen Kontinent ein Konzept zu entwickeln ist an sich schon maßlos. Zwei Punkte möchte ich anmerken. Bei allen Projekten, die Land verbrauchen, ist zu bedenken, dass die Besitzverhälnisse oft nicht mit unseren Vorstellungen einhergehen. Landgrabbing ist ein real auftretendes Unrecht, das bei keiner Maßnahme in Kauf genommen werden darf. Bei Kleinprojekten wird bei der Förderung beachtet, dass ein Projekt nur auf Anforderung aus der betroffenen Zivilgesellschaft realisiert wird. Dieses Prinzip kann auch bei großen Projekten eindämmen, dass an den Menschen vorbeigefördert wird.

 

 

Elisabeth Voß schrieb am 26.02.2017 um 15:04 Uhr

Dem Kommentar von Ludger Schmidt vom 23.02.2017 schließe ich mich an. Auch mir drängte sich beim Lesen die Ähnlichkeit zum Sound der Hartz-Gesetze auf. „Wir nehmen Afrika beim Wort“ ist neokoloniale Herrenmenschen-Sprache, die dem selbst gesetzten Anspruch „Gleichzeitig müssen wir aufhören, für Afrika zu sprechen. Afrika kann selbst für sich sprechen“ widerspricht. Die Bezugnahme auf die Agenda 2063 erfüllt diesen Anspruch keineswegs, sondern nimmt diese (eine) Äußerung aus Afrika zur Legitimation, um sogleich eigene Beurteilungs- und Beherrschungs-Ansprüche zu formulieren. Daneben finden sich durchaus vernünftige Vorschläge in dem Papier, zum Beispiel: „Afrika muss mehr sein als ein Kontinent der Rohstoffe“, und sogar die Mitverantwortung von Europa für Ziele wie „gerechter Handel, der Kampf gegen illegale Finanzströme und der Stopp von Waffenlieferungen in Krisengebiete“ wird benannt. Zutreffend die Erkenntnis: „Und auch heute gründet der Wohlstand der Industrieländer teilweise auf der ungeregelten Ausbeutung von Menschen und Ressourcen des afrikanischen Kontinents.“ Nur ist ja das BMZ selbst Teil der Politik, die über Jahrzehnte all dies zu verantworten hat. Wo ist denn das Ministerium gegen Ressourcenraub, Land- und Watergrabbing, oder gegen die Zerstörung lokaler afrikanischer Märkte durch deutsche Billig- und Müllexporte etc. politisch tätig geworden? Stattdessen werden Freihandelsabkommen (EPAs) diktiert und Millionen für innerafrikanische Grenzschließungen bezahlt, die den Menschen dort ihr Grundrecht auf Bewegungsfreiheit nehmen. Im Marshallplan werden sich widersprechende Dinge behauptet, die noch dazu im Widerspruch zum politischen Handeln stehen, ohne dass diese Widersprüchlichkeiten benannt werden. In der Psychologie gelten solche Double-Binds als mögliche Auslöser für psychotische Erkrankungen. In der politischen Kommunikation machen sie eine sinnvolle Diskussion nahezu unmöglich. Sich auf den Marshallplan zu beziehen, wäre wie einen Pudding an die Wand nageln zu wollen: Es stimmt alles irgendwie und dann doch wieder nicht. Daher halte ich es für falsch, die Vorschläge des Marshallplan zu diskutieren. Neben der inhaltlichen Vergeblichkeit würde damit dessen neokolonialer Duktus akzeptiert. Die in Deutschland politisch Verantwortlichen sollten ihren Teil zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen in afrikanischen Ländern bedingungslos beitragen. Statt „Afrikanische Partnerländer dabei (zu) unterstützen, ihre nationalen Verpflichtungen aus dem Pariser Klimaabkommen umzusetzen“ sollte Deutschland seine eigenen Verpflichtungen erfüllen. Statt mit auftrumpfenden Tonfall zu fordern „Wir wollen afrikanische Lösungen für afrikanische Herausforderungen“ es einfach mal den Menschen in Afrika überlassen, ihre Lösungen, die je nach Land sehr unterschiedlich sein werden, auszuarbeiten und ihre Erwartungen an Deutschland zu formulieren, und darüber dann zu verhandeln. Das wäre Partnerschaft auf Augenhöhe.

 

 

Kerstin Fritzsche schrieb am 26.02.2017 um 13:15 Uhr

Der Verweis auf die Chancen der Digitalisierung im Entwurf für die Eckpunkte eines Marshallplans mit Afrika ist zu begrüßen – im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung sollten jedoch Herausforderungen und Risiken der Digitalisierung evidenz-basiert geprüft werden. Vor diesem Hintergrund sind folgende Anmerkungen zu verstehen: - Kontext und Ungleichheiten beachten: Digitale Entwicklung sollte inklusiv, d.h. unter Einbezug der betroffenen Länder, Regionen und Bevölkerungen, und mit Blick auf den Entwicklungskontext gestaltet werden, um sozial, ökologisch und ökonomisch nachhaltige Lösungen zu finden. Es sollte daher beachtet werden, dass durch Digitalisierung Ungleichheiten und Benachteiligungen zwischen und innerhalb afrikanischer Gesellschaften, bspw. entlang von Kategorien (wie Geschlecht oder Alter), sowie Gefälle zwischen Regionen (besonders zwischen ländlichen und urbanen Gebieten) nicht zusätzlich verstärkt oder neu geschaffen werden. - Digitale Wirtschaft fair entwickeln: Digitalisierung und Vernetzung von Industrie- und Produktionsprozessen – oft als Industrie 4.0 bezeichnet – sind verbunden mit einer Vielzahl von Fragen hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Arbeit der Zukunft sowie globalisierte Wertschöpfungsketten. Hier ergeben sich nicht nur Chancen durch neue Beschäftigungsmöglichkeiten, Geschäftsmodelle und Industrien, sondern auch Herausforderungen, wenn bisherige Produktionsweisen und Berufsbilder abgelöst werden. Chancen und Herausforderungen einer digitalen Industrialisierung sollten gleichwertig diskutiert werden. Auch sollte beachtet werden, dass afrikanische Gesellschaften perspektivisch, bspw. durch Bildung und Technologiekooperationen, in die Lage versetzt werden, digitale Anwendungen und Technologien entsprechend ihrer Entwicklungsprioritäten und Bedürfnisse zu entwickeln. - Kompetenzen und Bewusstsein für Datenschutz entwickeln: Digitalisierung geht mit einer Vielzahl von Herausforderungen in Bezug auf Datenschutz, Schutz der Privatsphäre und Schutz der Menschenrechte einher. Der Aufbau von Kompetenzen und Wissensbeständen, um mit diesen Herausforderungen umzugehen, ist sowohl auf Seiten von Regierungen und Verwaltungen, als auch von zivilgesellschaftlichen Organisationen und Privatpersonen essentiell und sollte Eingang in den Entwurf eines Marshallplans mit Afrika finden. Bei der Frage der Anwendungen und Gestaltung digitaler Technologien sollten die spezifischen Kontextbedingungen der jeweiligen Länder beachtet werden. Die Transformationsprozesse, die mit einer digitalen Entwicklung in afrikanischen Ländern einhergehen, sollten wissenschaftlich begleitet werden. Transdisziplinäre Forschungsansätze, die Akteure aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft in den Forschungsprozess einbeziehen, können eine zentrale Rolle spielen, um die Umsetzung eines Marshallplans mit Afrika sozial, ökonomisch und ökologisch nachhaltig zu gestalten.

 

 

Ulrich Graute schrieb am 26.02.2017 um 12:45 Uhr

Einen Marshallplan MIT und nicht nur FÜR Afrika zu entwerfen halte ich für sehr zeitgemäß. Zu Kapitel 2.2. Neue Regeln der Zusammenarbeit Im Kapitel wird festgehalten, dass a) „wir nationale Alleingänge in Afrika beenden und unsere Kräfte in Europa bündeln“ müssen b) „wir brauchen eine dauerhafte Verflechtung der AU und der EU“ und zudem c) „sollte Afrika einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen erhalten“. Wie dies jedoch in Zeiten geschwächten Multilateralismus geschehen sollen, bleibt jedoch offen. Wenn der Marshallplan warten muss, bis die obigen Bedingungen erfüllt sind, wäre er wohlmöglich von Beginn an zum Scheitern verurteilt. M.E. bedarf es eines Plans B für die Übergangszeit, in dem die sich neu entwickelnde Partnerschaft näher beschrieben wird. Zu denken wäre etwa an einen partnerschaftlich besetzter Beirat zum Marshallplan, in dem die neue Form der Partnerschaft auf Augenhöhe zwischen Europa und Afrika nicht nur im allgemeinen Dialog, sondern auch bei Beschlussfassungen unter Beweis gestellt wird. Die 1. bis 3. Säule Städten werden im Marschallplan fast nur in ihrer Funktion als „wachsend“ bzw. „stark wachsend“ erwähnt. Und der Plan reagiert dann auf dieses Phänomen. Was völlig fehlt ist eine Komponente, welche nicht nur das bedrohliche sondern auch die Chancen von Städten bei der Lösung vieler Probleme anspricht. Die Stimulierung von Eigenverantwortung und wirtschaftlicher Entwicklung fängt häufig auf der lokalen Ebene an und in einer wettbewerbsfähigen Wirtschaft spielen Städte in allen Ländern eine herausgehobene Position. Die wirtschaftlichen Potentiale von Städte werden aber nur an einer Stelle erwähnt. Und die gesellschaftlichen fallen ganz unter den Tisch. Wie die Ziele des Plans in den schnell wachsenden, aber häufig nicht oder nur schlecht geplanten städtischen Wachstumszonen umgesetzt werden sollen, bleibt vom Plan unberücksichtigt. Der Plan kritisiert mutig die Existenz „korrupter Eliten“ (z.B. Seite 8), aber versäumt es, die Notwendigkeit eines Mehrebenensystems mit funktionierenden lokalen Verwaltungen und nicht-staatlichen Partnern ebenso deutlich anzusprechen. Mit dem Fokus auf internationaler Zusammenarbeit ist der Plan etwas zu verkopft. Es fehlt der subnationale Unterbau um funktionsfähig zu sein. Risiko der erneuten Versäulung Dem Plan droht wie vielen anderen Plänen bei der Umsetzung der Absturz von den hehren Zielen in das Kleinklein der Umsetzung. Um dem entgegen zu wirken, ist es unzureichend, auf ein flexibles Mantelabkommen hinzuweisen. Stattdessen bedarf es eine ständigen Schnittstellenmanagements als Kernaufgabe auf allen Ebenen, denn gerade an den Schnittstellen zwischen Fachgebieten, Politikfeldern, Institutionen, etc. beweist sich ob ein Gesamtkonzept tragfähig ist. Die hohe Kunst des Marshallplans wird nicht so sehr darin bestehen, Verantwortlichkeiten zuzuordnen und zu überwachen. Vielmehr muss der Plan das Zusammenspiel der vielen Betroffenen sicherstellen.

 

 

Jürgen Maier schrieb am 25.02.2017 um 20:39 Uhr

Teil3 Der Marshallplan wird glaubwürdig, wenn Nachhaltigkeit sowie Umwelt- und Naturschutz bereits bei der Planung von Maßnahmen stärker berücksichtigt und adressiert werden. Große Umwelt-Herausforderungen durch schnelle Entwicklungen werden kaum adressiert. Jedoch erstickt Afrika zunehmend an seinem eigenen Zivilisationsmüll, Wasserverschmutzung und Ressourcenschädigung z.B. durch Rohstoffabbau oder den Einsatz kostenlos zur Verfügung gestellter Zusätze für die Landwirtschaft (DDT etc.). Auch das Thema Klimawandel und damit einhergehende Herausforderungen wie Dürren, Überschwemmungen, Krankheiten bei Mensch und Feldfrüchten, Flucht und mögliche kriegerische Auseinandersetzungen wegen Wasser und fruchtbarem Boden werden zu wenig berücksichtigt. Der Marshallplan wird glaubwürdig, wenn Deutschland verbindlich ankündigt, neuen Fischereiabkommen der EU mit afrikanischen Ländern nicht mehr zuzustimmen, die europäischen – v.a. spanischen – Flotten erlauben, die Meere vor den Küsten Afrikas leerzufischen und dafür einige Millionen an die Staatskassen zu überweisen, von denen die betroffenen Kleinfischer nichts sehen. Der Marshallplan wird glaubwürdig, wenn Deutschland die eigenen Menschenrechtspflichten in der Entwicklungszusammenarbeit und anderen Bereichen stärker in den Blick nimmt, wenn richtigerweise „Menschenrechte für alle Menschen“ von Afrika gefordert wird. Gerade in Bezug auf die „Mobilisierung privaten Kapitals“ über Kapitalmärkte, Fonds und Fazilitäten wächst die menschenrechtliche Überprüfungslücke aktuell rasant an. Internationale Investoren müssen dabei in die Pflicht genommen werden, ihre Unternehmungen an internationalen Standards auszurichten und Arbeitnehmer- sowie Umweltschutzauflagen zu erfüllen. Das Recht zur Nutzung muss immer auch die Pflicht zur Investition in den Schutz der Ressourcen beinhalten, z.B. Kaffee-Exporteure zum Schutz von natürlichen Kaffee-Wäldern anhalten. Die Einbeziehung der Privatwirtschaft ist wünschenswert - aber nur unter der Bedingung, dass sowohl die ökologischen (Ressourcenschutz, Bodenfruchtbarkeit), die lokalen ökonomischen (Kaufkraft der Bevölkerung, Qualifikationsniveau bei neuen Arbeitsplätzen) als auch sozialen Aspekte (Arbeitnehmerrechte, Gesundheitsvorsorge, Geschlechtergerechtigkeit) ausreichend beachtet und eine Nachhaltigkeit in allen Bereichen gewährleistet ist.

 

 

Jürgen Maier schrieb am 25.02.2017 um 20:39 Uhr

Teil 2 Der Marshallplan wird glaubwürdig, wenn er mit der Ankündigung verbunden wird, dass der Entwicklungsminister seine Zustimmung zu den EPAs verweigert und im Bundestag beantragen wird, dass Deutschland diese Abkommen ablehnt und die Bundesregierung beauftragt, im EU-Rat bei allen geplanten Handelsabkommen mit Nein zu stimmen, die eine weitere Öffnung der Agrarmärkte von Entwicklungsländern für europäische Exporte vorsehen. Die EU-Kommission hat oft genug deutlich gemacht, dass sie nicht bereit ist, auch nur einen Millimeter von ihrer marktfundamentalistischen Handelspolitik abzurücken. Daher muss endlich die Notbremse gezogen werden. Seien wir ehrlich: Der von Müller geforderte »faire Handel statt freiem Handel« verdient diesen Namen nur, wenn die gesamte EU-Handelspolitik (nicht nur mit Afrika) einer Generalrevision unterzogen wird, und diese muss gegen massivste Widerstände in Deutschland, den meisten anderen EU-Staaten und die EU-Kommission durchgesetzt werden. Der Marshallplan wird glaubwürdig, wenn Deutschland dafür sorgt, dass Geldflüsse der afrikanischen Eliten nach Deutschland sehr viel genauer überwacht werden als bisher. Afrika leidet nicht unter Geldmangel. Es leidet darunter, dass das viele Geld falsch eingesetzt wird, zu den falschen Leuten fliesst und von korrupten Eliten in Steueroasen abgezweigt wird. Die Panama Papers haben gezeigt, wie leicht im Schutz der Anonymität in Deutschland Geld versteckt werden kann, inzwischen sogar leichter als in der Schweiz. Solange der Finanzminister die notwendigen Reformen blockiert, hat es die afrikanische Staatsklasse leicht, Milliarden auf Konten bei uns zu transferieren. Auch die aggressive Steuervermeidung multinationaler Konzerne wird wortreich beklagt, gehandelt wird praktisch nicht. Ohne durchgreifende Massnahmen wird es bei den im Marshallplan beklagten 50 Milliarden Dollar jährlich bleiben, die überwiegend durch aggressive Steuervermeidung internationaler Konzerne verloren gehen. Der Marshallplan wird glaubwürdig, wenn sich das BMZ eindeutig zu einer Stärkung des Committee on World Food Security (CFS) bekennt, denn es hat das explizite Mandat für die internationale Koordinierung im Bereich Landwirtschaft und Ernährung, die der Marshallplan genau fordert, ohne das CFS überhaupt zu erwähnen. Das Thema Landgrabbing muss explizit angesprochen werden. Landgrabbing führt Afrika in Zeiten des Kolonialismus zurück statt auf den Weg in eine selbständige, nachhaltige und selbstbestimmte Zukunft. Traditionelle, kleinbäuerliche und biologische Landwirtschaft muss gefördert werden um die langfristige Nahrungssicherung und Beschäftigung zu gewährleisten. Nur so können weitere soziale Spannungen vermieden und die Biodiversität erhalten werden. Teil 3 folgt

 

 

Jürgen Maier schrieb am 25.02.2017 um 20:38 Uhr

Es gibt nichts Gutes ausser man tut es Entwicklungsminister Gerd Müller hat mit den »Eckpunkten für einen Marshallplan mit Afrika« ein bemerkenswertes Dokument vorgelegt. Sieht man einmal vom Titel ab, der völlig unpassende Assoziationen auslöst, ist es ein Papier, das über weite Strecken die Herausforderungen für Afrika und für die europäisch-afrikanischen Beziehungen durchaus richtig analysiert. Vieles davon sagen die Nichtregierungsorganisationen in Afrika und Europa seit langem. Wir freuen uns, dass es hier viele Übereinstimmungen gibt. Fairer Handel statt freier Handel – richtig. Investitionsschutzabkommen überprüfen und entwicklungsorientiert modernisieren – richtig. Wertschöpfung und Arbeitsplatzschaffung in Afrika fördern – richtig. Illegale Finanzströme und aggressive Steuervermeidung stoppen – richtig. Vieles andere mehr – richtig. Es wird eine neue Partnerschaft angekündigt, das ist sehr zu begrüssen. In einer Partnerschaft zwingt niemand dem anderen etwas auf, auch keine Handelsabkommen. Partnerschaften wurden schon oft angekündigt, sie sind alle gescheitert weil es genau an dieser Partnerschaftlichkeit fehlte. Wir haben Bedenken, dass die „anreiz-basierten Reformpartnerschaften“ des Marshallplans Fehler der Vergangenheit widerholen. Die Schwerpunkte sind richtig gesetzt: Jobs und Chancen für die Jugend voranbringen, Investitionen fördern, eine mittelständische Wirtschaft fördern, Wertschöpfung statt Ausbeutung, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte voranbringen, niemanden zurücklassen. Alles richtig. Wir begrüssen auch das Eingeständnis, dass »Europa über Jahrzehnte seine Afrikapolitik häufig an kurzfristigen Wirtschafts- und Handelsinteressen ausgerichtet« hat. Die EU tut das immer noch, mehr und aggressiver denn je. Das muss sich ändern. Was leider im Marshallplan fehlt, ist das, was Europa und Deutschland nicht mehr tun sollten. Die Handelspolitik der EU nützt nur bestimmten Wirtschaftssektoren der EU, nicht den Menschen in Afrika. Die Agrarexporte der EU haben weite Teile der Landwirtschaft, des ländlichen Raums in Afrika schwer geschadet. Sie müssen drastisch zurückgeführt werden. Es stimmt: »Afrika könnte sich selbst ernähren, stattdessen gibt Afrika jährlich 35 Milliarden US-Dollar für den Import von Lebensmitteln aus.« Ein Grossteil dieser Summe wandert nach Europa. »Im ländlichen Raum liegt die Zukunft Afrikas«, so der Marshallplan – aber nicht, wenn Europas Handelspolitik so bleibt wie sie ist. Wer sich über Wirtschaftsmigranten aufregt, muss aufhören, aus purem Eigennutz der (Land-)Wirtschaft in den Ländern Afrikas zu schaden. Teil 2 folgt

 

 

Carola Cieplik-Keukert schrieb am 25.02.2017 um 20:06 Uhr

Eine seltsame Mischung, dieser Plan: Viele sinnvolle Ideen, z.B. betr. Elektrifizierung, Bildung, Verwaltung, erscheinen in einem Text, der sich zwar von kolonialen Verhaltensweisen verbal distanziert, in seiner Form aber fatal an die Fördern und Fordern-Haltung gegenüber Hartz IV-Empfängern erinnert ... wer nicht macht, was wir von ihm erwarten, wird nicht unterstützt! Schwer zu denken gibt mir auch die Erwähnung von Chancen für die deutsche Wirtschaft auf dem letzten noch nicht erschlossenen Markt. Hier wird schon wieder an uns und nicht an Afrika gedacht! M.E. wäre eher Zurückhaltung ausländischer Firmen in Afrika angesagt, damit afrikanische Staaten mit vorsichtiger und respektvoller Unterstützung, soweit erwünscht, z.B. erstmal die wichtigen Binnenmärkte entwickeln können. Export, v.a. nach Europa, ist zweitrangig. Beratungen für die Landwirtschaft sollten keinesfalls von den wenigen international agierenden Saatgutkonzernen kommen, sondern eher von Beratern ohne finanzielles Interesse, die den Menschen vor Ort helfen können, sich auf ihre alten, dem lokalen Klima angepaßten Sorten zu besinnen, kombiniert mit modernem Wissen aus der Biolandwirtschaft. Der Besitz afrikanischer Staaten an ihrem Land und ihren Bodenschätzen müßte endlich einmal respektiert werden, was international extrem schwer durchsetzbar sein wird. Auch Kooperationen mit Staaten wie dem Sudan oder Eritrea, die Menschen schlicht hindern sollen, diese Staaten Richtung Europa zu verlassen, müssen sofort aufhören, die passen gar nicht zu diesem netten Plan! Zum guten Schluß muß ich mit einem Augenzwinkern sagen: Dieser Plan klingt, als wüßten wir Deutsche selbstverständlich bestens, wie das alles geht, als liefe bei uns alles vorbildlich, "Deutschland ist Heimat der sozialen Marktwirtschaft. Gemeinwohlorientierung, Menschenwürde und Verantwortung sind unsere grundlegenden Werte." Klingt schön, wird aber leider immer weniger umgesetzt. Auch bei uns regieren immer mehr Belange der Wirtschaft! Auch bei uns gibt es noch einiges zu tun, also bitte nicht ganz so überheblich! Fazit: Ob sich die vielen guten Ideen oder aber die Wünsche der deutschen und internationalen Wirtschaft durchsetzen werden, die hier verbrämt erwähnt werden, bleibt abzuwarten. Ich wünsche Afrika ersteres!

 

 

Gert Ludwig schrieb am 25.02.2017 um 12:53 Uhr

Sehr geehrter Herr Minister Dr. Müller! Die 3000 Zeichen für diesen Kommentar reichen bei weitem nicht aus für dieses so fundamentale Gebiet der Entwicklungshilfe, deshalb werde ich meinen Beitrag hier raffen und Ihnen gesondert zusenden. Hunger muss nicht sein und dies muss die reichen Industrieländer beschämen. Ich war mehrfach in vielen Ländern Adrikas und sah vor Ort, was da los ist.Immer wieder schreckt die Weltöffentlichkeit auf durch Medienberichte über das hungernde Afrika. Es gibt Länder in Afrika (Uganda z.B.) da sind weitsichtige Menschen an der Regierung und es passiert was.... Billige Nahrungsmittel , die nun von der Welt geliefert werden, bewirkt was ganz anderes, nämlich, das die eigenen fleißigen Bauern auf ihrer Ernte sitzen bleiben.Wenn die einheimischen Bauern ihre Waren nicht verkaufen können, dann bauen sie weniger an.Verteilungsprobleme sind Ursachen und Anderes.Überschüsse dürfen nicht einfach "liebevoll" abgeladen werden. Die Infrastruktur vieler afrikanischer Länder muss erheblich verbessert werden und zwar unter der Aufsicht beispielsweise der UNO,damit Gelder nicht in die falschen Taschen fließen.Das wäre auch ein Marshalplan!!! Die vielen Tiere sind ein großes Problem, denn diese werden kaum geschlachtet und vermehren sich unaufhaltsam.Bleibt der Regen aus, verenden die Tiere anstelle der Nahrungskette zuzuführen. Auch die Verkehrsverbindungen fehlen ( Bestes Beispiel ist der moderne und fast vollendete Ausbau der alten Seidenstraße in China und Mittelasien) Alle angrenzenden Länder provitieren hier bereits !Genau das wäre auch ein Marshalplan für Afrika...?? Der Satz, den ich öfter hörte,lautete ." Helft uns es selber zu tun !" Also Hilfe zur Selbsthilfe. Es dürfen keine Zuwendungsemfänger herangezogen werden. Das Miteinander ist entscheidend. Alle müssen ihre Gaben einbringen und voneinander gewinnen können.Nur diese Strategie hilft, sonst ist niemals ein Ende der Probleme in Afrika in Sicht.Auch wird zu wenig Respekt und Menschenwürde wahrgenommen. Kleiner erwirtschafteter Wohlstand reicht nie aus um die Bedürfnisse der Gesellschaft zu befriedigen. Die Kehrseite der Medaille ist aber auch, dass bei Lieferung von Hilfsgütern Preise sinken wegen des plötzlichen Überangebotes. Bauern bleiben auf ihrer eigenen Ernte sitzen und es fehlt dann auch das Geld für neues Saatgut.Also Ernterückgang im nächsten Jahr. Welche Ursachen müssen mit einem "Marshalplan"zuerst bekämft werden? 1.) Veraltete Anbaumethoden - Kontrollen 2.) Schlechtes Werkzeug - Brunnenbau 3.) Überweidung - Begrenzung der Tiere 4.) Erosion 5.)Lebensmittellieferungen - Kontrolle!!! 6.) Bessere Bildung - Schulen 7.) Preisverfall beobachten (UNO) 8.) Politische Wirren - Bandenkriege Wie man sieht muss an vielen Stellen nachhaltig massiv gehandelt werden. Eines darf nie vergessen werden, die Bauern brauchen einen sicheren Markt. Die Bauern brauchen Märkte und keine subventionierten Lebensmittel.

 

 

Lena Nehrmann schrieb am 24.02.2017 um 20:54 Uhr

Schuldenschnitt verhandeln und unterstützen Da Schuldentilgungen für viele Länder einen erheblichen Anteil im Staatshaushalt einnehmen, muss über Schuldenschnitte verhandelt und diese durch die EU unterstützt werden. Das zusätzliche Geld ermöglicht es den Staaten, mit den Steuergeldern ihrer Bürger selbstbestimmt und verantwortungsbewusst in ihre sozialen Infrastrukturen zu investieren. Entsprechende Programme, demokratisch abgestimmt im jeweiligen Land, könnten Bedingung für Schuldenschnitte sein. Paritätisches Kontrollgremium einsetzen Ein unabhängiges Kontrollgremium sollte eingesetzt werden, um jedes Vorhaben vor Start auf seine Nachhaltigkeit und die Planziele zu überprüfen. Das Gremium sollte paritätisch besetzt sein aus Vertretern der Afrikanischen Union und EU, Wissenschaftlern aus Wirtschafts-, Sozial- und Umweltwissenschaften und v.a. lokalen NGOs. Aufbau von Institutionen: Vollzug Umweltgesetzgebung, Umweltschutz in Kulturlandschaft Die Einführung von Umweltsteuern ist ein wichtiger Schritt. Doch fehlt eine systematische Regulation der Landwirtschaft bzgl. Düngemittel- und Pestizideinträge in die Umwelt. Funktionierende Institutionen zum Gesetzesvollzug und Monitoring sind unabdingbar v.a. für die Bereitstellung sauberen Trinkwassers. Der Landwirtschaftssektor ist sehr heterogen, daher ist die Regulation und Kontrolle komplex und bedarf Unterstützung. Umwelt- und Biodiversitätsschutz darf sich nicht auf Naturschutzgebiete beschränken, sondern muss auch in der Kulturlandschaft betrieben werden. Bevölkerungsgruppen, denen durch Umweltverschmutzung oder Landraub Schaden zugefügt wurde, muss ein niedrigschwelliger Zugang zum Justizsystem zugesichert werden. Private Wirtschaftsförderung auf Zielorientierung prüfen, afrikanische Firmen bevorzugt fördern Die Unterstützung privater Investitionen ist zur Schaffung von Arbeitsplätzen sehr vielversprechend. Doch sollte jede Maßnahme auf ihre Eignung überprüft werden, die anvisierten Ziele zu erreichen. Bspw. in der Landwirtschaft (4.1) sollte die Vereinbarkeit mit Nachhaltigkeitszielen kritisch überprüft werden, da Konzepte globaler Agrarchemiekonzerne diese nicht erfüllen. Wirtschaftsförderung im privaten Sektor sollte sich nur auf Marktzugang und Investitionssicherung beschränken und keine öffentliche Subventionierung von Prestigeprojekten sein. Afrikanische Unternehmen sind in der Gesellschaft verankert, sodass sie prioritär gefördert werden sollten. Aufbau und Betrieb soziale Infrastruktur nur durch Staat, Kommune, Genossenschaft Der Aufbau und Betrieb von sozialer Infrastruktur (Bildung, Gesundheit, Wasser-, Energie-, Wohnraum- und Nahrungsmittelversorgung, Abfall- und Abwasserentsorgung) ist schwer vereinbar mit dem Prinzip der Profitorientierung. Daher muss soziale Infrastruktur konsequent von Staat (Bildung, Gesundheit) oder kommunalen Genossenschaften (Energie, Wasser, Nahrung) bereitgestellt werden, um die Versorgung aller zu sichern. Dahingehend sollte unterstützt werden

 

 

Vera Siber schrieb am 24.02.2017 um 20:49 Uhr

Frauen: Die Berücksichtigung der der spezifischen Bedarfe der Frauen und insbesondere der jungen Frauen ist ein MUSS und ich schließe mich vollumfänglich den Kommentatorinnen Sonja Bierbaum (23.02.2017 13.27), Bettina Metz-Rolshausen (23.02.2017 10:02) und Jenni Jerabek (13.02.2017 16:20) anschließen kann. generelles zum Marshallplan Afrika mit Afrika: Unter Berücksichtigung aller Bedarfe und Defizite des afrikanischen Kontinents (Bildung, Ernährung, Frieden, Gesundheit, gute Regierungsführung Infrastruktur, Armut, fairer Handel, soziale Sicherheit, Wirtschaft, etc.), wie kann ein einzelnes deutsches Ministerium einen Paradigmenwechsel auf einem Kontinent erreichen wollen – das klingt nach Zauberei. Nachhaltige und positive Veränderungen, werden ohne eine afrikanische Vorgabe nicht realisierbar sein – da kann das BMZ nur einen, mit den relevanten Beteiligten vereinbarten, Beitrag leisten. Auch fehlt es den einzelnen Themenbereichen des Plan an einem konkreten Bezug zu den nachhaltigen Entwicklungsziele (SDG). siehe auch Kommentar zu Kapitel 3 - 1. Säule: Wirtschaft, Handel und Beschäftigung

 

 

RFPD schrieb am 24.02.2017 um 18:42 Uhr

Seit mehr als 20 Jahren initiiert und fördert die Rotarian Action Group for Population and Development (RFPD) Projekte mit dem Schwerpunkt Familienplanung. Unter anderem in Nigeria kann seit Jahren eine zunehmende Akzeptanz der Bevölkerung gegenüber Familienplanung beobachtet werden. Das Gesundheitsministerium Nigeria (FMoH) unterstützt uns bei unseren Familienplanungsprojekten. Wir erhielten 2016 für unsere derzeit 8 Projektstaaten vom FMoH ein Mandat, um u.a. den Zugang der Bevölkerung zu Familienplanungsdiensten zu verbessern. Das jährliche starke Bevölkerungswachstum Afrikas führt dazu, dass die Bevölkerung immer jünger wird und die Jugendarbeitslosigkeit weiter zunimmt. Dieser „Youth Bulge“ wirkt auf die Länder Afrikas destabilisierend und führt viele arbeitslose und unzufriedene Jugendliche ohne Perspektive dazu, dem Migrationsdruck nachzugeben. Um die Chancen dieser demographischen Entwicklung effektiv zu nutzen, empfehlen wir, mit dem Marshallplan Familienplanung gezielt zu fördern und zu unterstützen. Das Ziel ist hierbei die Initiierung einer „demographischen Dividende“ durch Verbesserung des Zugangs zu Familienplanungsdiensten, besonders für die über 200 Millionen Frauen, die gerne verhüten würden. Durch eine gezielte Förderung der Familienplanung und Verankerung im Marshallplan mit Afrika würde ein bedeutender Schritt gemacht werden zur fälligen Enttabuisierung von Familienplanung. Dann kann aus der demographischen Herausforderung eine Chance für mehr ausgebildete junge Arbeitskräfte entstehen, die das Potential der „demographischen Dividende“ sind. Staaten mit einem großen Bevölkerungsanteil, der im Arbeitsleben steht, profitieren aufgrund stärkerer Kapitalbildung und niedrigerer Kosten für wirtschaftlich abhängige Altersgruppen von einem sprunghaften Anstieg des nationalen Einkommens. Ökonomen belegten, dass in den asiatischen Tigerstaaten die demographische Dividende zwischen 1965 und 1990 bis zu 40 Prozent des Wirtschaftswachstums bewirkte. Viele afrikanische Staaten stehen in der Anfangsphase der „demographischen Dividende“ mit einem Potential an jungen Arbeitskräften und wenigen Senioren, die zu versorgen sind. In der Phase des demographischen Übergangs wird ein wirtschaftlicher Wachstumsschub ermöglicht, der voraussetzt, dass die wachsende Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter auch produktive Beschäftigung findet. Der Staat muss hierfür die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen, u.a. ein leistungsfähiges Bildungssystem und eine funktionsfähige Basisinfrastruktur. Voraussetzung für die Initiierung der Dividende ist eine Anpassung des Reproduktionsverhaltens der Bevölkerung und flächendeckend vorhandene Familienplanungsdienste. Um Frauen wie Männer die gleichen Bildungschancen für den Arbeitsmarkt zu geben, ist neben der Verbesserung der Bildungsinfrastruktur unter anderem auch eine Verbesserung der Gesundheitsversorgung mit Familienplanungsdiensten anzustreben.

 

 

Stefanie Timm schrieb am 24.02.2017 um 15:20 Uhr

Der Marshallplan mit Afrika des Bundesentwicklungsministeriums zeigt viele wichtige Ansatzpunkte für den Kontinent auf, lässt aber auch entscheidende Dinge unerwähnt. Ein bedeutender Aspekt ist die Stärkung der Landwirtschaft zur Ermöglichung einer Ernährungssicherheit. Gesunde Nutztiere bilden dabei für viele Menschen die Lebensgrundlage, bleiben aber in diesem Plan gänzlich unadressiert und werden mit ihren Bedürfnissen außer Acht gelassen. Das Bundesentwicklungsministerium kann sich jedoch den international anerkannten, und von Organisationen wie OIE und FAO genutzten, Five Freedoms nicht entziehen. Die Vermittlung dieser grundlegenden Tierschutzstandards ist für verschiedene Bereiche essentiell: Sie geben Richtlinien für eine tiergerechte Haltung vor, die an die Tierhalter vermittelt werden müssen. Zusätzlich sind sie die Rahmenbedingungen von tiermedizinischer und tiergesundheitlicher Versorgung, die in jedem Land gewährleistet werden muss. Dazu muss in vielen Ländern eine Verbesserung der Ausbildung in dem Bereich gefördert werden, in einigen die tiermedizinischen Ausbildungsangebote sogar gänzlich neu geschaffen werden. Nur dann ist es möglich, zusammen mit einer konsequenten Datenerhebung, dass die Tiere auch die für die Menschen überlebenswichtigen Leistungen erbringen können. Zusätzlich kann die lebensbedrohliche Übertragung von Zoonosen verringert werden. Sind Tiere aufgrund der Missachtung der Five Freedoms immunsuppremiert, können sie sich mit Zoonosen wie z.B. Salmonellen, Listerien und Tuberkulose infizieren. Über den Verzehr tierischer Produkte, wie der häufig konsumierten Rohmilch, gelangen die Erreger schließlich auch in den menschlichen Organismus - mit möglicher Todesfolge. Das Bundesentwicklungsministerium sei an dieser Stelle aufgefordert, die Tiere in der Landwirtschaft und die Förderung ihrer Gesunderhaltung in Anlehnung an die Five Freedoms als wesentlichen Baustein des Marshallplans mit Afrika aufzunehmen und die dafür notwendigen finanziellen Mittel bereitzustellen. Seit Jahren engagiert sich die Welttierschutzgesellschaft in mehreren afrikanischen Ländern. Gemäß dem Motto „Tierschutz fängt beim Menschen an“ stehen bei allen Projekten Menschen, die Tiere halten oder sich einen gemeinsamen Lebensraum teilen, im Mittelpunkt der Überlegungen.

 

 

Sid Peruvemba schrieb am 24.02.2017 um 13:29 Uhr

Malteser International begrüßt, dass der Marshallplan den Kontinent Afrika wieder prominent auf die EZ-Agenda hebt. Soll der Plan Erfolg haben, müssen die Ideen allerdings von möglichst vielen Staaten in Europa und Afrika geteilt werden und über eine deutsche Motivation hinausgehen. Eine weitere Voraussetzung für den Erfolg: Als Vorarbeit alle bestehenden (entwicklungspolitischen) Programme durchforsten und fragen, ob diese überhaupt zur Neuausrichtung passen. Sonst ist ein noch größeres Sammelsurium von Programmen zu befürchten, die in der Gesamtschau Zweifel an Wirtschaftlichkeit und Wirksamkeit der EZ aufkommen lässt. Wir brauchen dazu eine unverbrämte Analyse, was funktioniert hat und was nicht. Eine gelungene Zusammenarbeit mit Afrika lebt nicht nur vom Großen, sondern auch von dem, das von humanitären und entwicklungspolitischen Organisationen seit Jahrzehnten mit Erfolg gestaltet wird. Diese finden im Plan wenig Erwähnung. Das ist etwas enttäuschend angesichts der Tatsache, dass diese Organisationen in den letzten 50 Jahren viele Erfolge erzielt haben - vor allem in den Gebieten, für die sich kein Unternehmer interessiert hat und so schnell auch nicht interessieren wird. Die Arbeit solcher Organisationen wird nach wie vor unverzichtbar sein. Ungeachtet dessen ist die Idee, die Privatwirtschaft stärker ins Boot zu holen, grundsätzlich richtig. Dies sollte aber mit sozialen Komponenten versehen sein. So könnte die Förderung von privatwirtschaftlichen Aktivitäten einhergehen mit sozialen Auflagen, die in Partnerschaft mit NRO und Kirchen realisiert werden. Eine weitere Überlegung: Wenn wirklich konsequent auf den Privatsektor gesetzt werden soll, dann dürfte es nur noch in Ausnahmefällen Budgethilfen geben. Stattdessen sollten afrikanische Stadt- oder Distriktverwaltungen auf der unteren Verwaltungsebene, die nahe am Bürger arbeiten, gefördert und mit Geld und Know-how unterstützt werden. Kommunale Infrastruktur- und Dienstleistungsprojekte mögen „klein“ sein, haben aber immer eine Wirkung gerade auf den lokalen privaten Sektor. Hier gibt es viel Potential, Ebenen zu unterstützen, die bislang gar nicht im Blick waren. Aus Sicht von MI liegen die Chancen daher vor allem auf lokaler und regionaler Ebene. Mit neuen Akteuren, die weit über die bisherigen Entwicklungspartnerschaften hinausgehen, sollte vor allem dort angesetzt werden, wo Menschen aus eigener Triebkraft heraus ihre Situation ändern wollen. Das ist auf regionaler Ebene überzeugender zu gestalten als auf nationalen Ebenen mit unkontrollierbaren Geflechten von Verwaltungen, Strukturen und Machthabern. Dazu gehört allerdings auch, mit der Geber-Nehmer-Mentalität radikal zu brechen – und zwar auf beiden Seiten und in allen Bevölkerungsschichten. Bis es zu einer strukturbildenden Wirkung des Marshallplans kommt, wird es dauern. Umso mehr bleibt vorerst die Notwendigkeit an klassischer Entwicklungszusammenarbeit und humanitärer Not- und Katastrophenhilfe bestehen.

 

 

für ewa3: Andres Spangemacher, Engelbert schrieb am 23.02.2017 um 19:52 Uhr

Sehr geehrter Herr Dr. Gerd Müller, gern nehmen wir die Einladung an, zu dem in Ihrer Verantwortung erstellten „Marshallplan mit Afrika“ sowohl generell als auch zu einzelnen seiner Ausführungen Stellung zu nehmen. Wir sind ehrenamtliche Mitarbeiter(innen) des MISEREOR-Aktionskreises „Eine-Welt-Arbeit im Dritten Lebensalter“ - ewa3 und arbeiten unter der ethischen Maßgabe „Inklusion weltweit“ u.a. zu den Themen „Menschenwürdig Altern“ und „Flucht und Fluchtursachen“. Wir teilen die Auffassung, dass gerade mit dem Zustrom der sog. „Wirtschaftsflüchtlinge“ aus Afrika nach Europa „die globale Armut vor unserer Haustür angekommen ist“ (s. Rainer Forst und Bernd Ulrich, Kann die Linke noch kämpfen? ... DIE ZEIT Nr. 20.2016, 4. Mai 2016). Und wir wünschen uns, ja, wir erwarten und for-dern, dass sich die Politik in Deutschland in dieser Situation in außerordentlicher Weise den Herausforde-rungen der globalen Gerechtigkeit stellt. Auf diesem Hintergrund begrüßen wir generell und grundsätzlich den „Marshallplan mit Afrika“ sehr. Wir sind ausgesprochen dankbar, dass mit ihm in diesen Zeiten des Chauvinismus offensichtlich ein deutliches Zeichen der Solidarität gesetzt werden soll. Um den Preis von Frieden und Sicherheit in Europa wie in Afrika sollten Politik und Gesellschaft hierzulande alles nur Mögliche tun, dazu beizutragen, die Armut und die gefährliche Perspektivlosigkeit des Lebens gerade auch junger Menschen in weiten Teilen Afrikas zu überwinden. Es hat uns auch besonders gefreut, dass Sie es noch vor kurzem entschieden abgelehnt haben, die staatli-che Entwicklungshilfe und die jetzt geplante partnerschaftliche und wirtschaftliche Kooperation mit der Frage nach der Abschiebung von Flüchtlingen zu vermischen. Wir halten es ebenfalls für unabdingbar, die Zusammenarbeit auch mit jenen Ländern fortzusetzen, die abgelehnte Asylbewerber nicht zurücknehmen. Wir sind besorgt, dass die deutsche und europäische Politik in Berücksichtigung des vermeintlichen Wäh-lerwillens aktuell wieder mehr auf „Fluchtvermeidung“ und die Bekämpfung der Flüchtenden, als auf die Bekämpfung der eigentlichen Fluchtursachen setzt. Wir erwarten eine Politik – und sehen uns dabei eher auf Seiten der Mehrheit der Wähler(innen) in Deutschland – , die mit der Fluchtursachenbekämpfung wirklich ernst macht, die Bevölkerung auf die Notwendigkeit einer interkontinentalen Angleichung der Lebenschancen einstimmt und gerade auch jene Fluchtgründe zu beheben sucht, für deren Entstehen un-sere Gesellschaft in Politik und Wirtschaft ursächlich mitverantwortlich ist. Abschließend verweisen wir auf die Pressemeldung von MISEREOR: „Marshallplan mit Afrika – Minis-ter Müller muss sich nun an seinen Worten messen lassen“ vom 18.1.2017. für ewa3: Andreas Spangemacher, Aachen, Jörg Siebert, Aachen, Dr. Christian Hajduk, Lonsee

 

 

Dr. med. Angelika Schammert-Prenzler schrieb am 23.02.2017 um 14:58 Uhr

Das „Schwerpunktthema Afrika der deutschen G20-Präsidentschaft“ ist durch die, sicherlich drängenden, Fragen des transatlantischen Bündnisses in der öffentlichen Diskussion völlig in den Hintergrund getreten. Das ist ein Drama für Afrika. Die jetzige Diskussion über Freihandelsverträge schließt Afrika grundsätzlich aus, dabei müssten die europäischen Märkte für Produkte aus Afrika geöffnet werden. Zollschranken sind Gift für die überwiegend agrarisch ausgelegten Wirtschaften. Warum keine Bananen aus Afrika? In Punkt 5 haben Sie Recht: es geht nicht nur um Rohstoffe (zu denen ich auch die unverarbeiteten Bananen zähle), sondern Investitionen in die Verarbeitung von Rohstoffen, insbesondere der Landwirtschaft. Nicht Kaffeebohnen, sondern Kaffee muss exportiert werden. Dazu braucht es die Unterstützung von Investitionen in der Produktion, womit gleichzeitig das absolut drängende Problem der Arbeitslosigkeit (Punkt 3) angegangen werden kann. Wie kann man Unternehmer dazu gewinnen, Produktionsstätten in Afrika aufzubauen, statt die Rohprodukte in andere (Billig-)Länder zu exportieren. Das Lohnniveau ist in Afrika nicht höher als in Asien. Einen heiklen Punkt sprechen Sie in Punkt 6 an: die afrikanische Korruption, positiv formuliert: die afrikanische Tradition der familiären Teilhabe am Wohlergehen einzelner Mitglieder der Gruppe, wobei Familie mit Klan, Stamm, Region gleichzusetzen ist. Die ist fest verankert in der afrikanischen Gesellschaft und muss in Teilen mitgedacht werden. (In den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts waren bei Geschäftsverträgen u.a. mit arabischen Unternehmen "Transferleistungen" an Personen steuerabzugsfähig, also auch in Deutschland toleriert.) Auf den Abbau dieser Tradition zu warten bedeutet Handlungsunfähigkeit bis zum Sanktnimmerleinstag. Nur die Verbesserung der allgemeinen sozialen Lage einer Bevölkerung kann hier Abhilfe schaffen. Ein gewisses Maß an Korruption muss eine Zeit lang intern toleriert werden. Es ist Teil der viel beschworenen Win-Win-Situation. (siehe auch: Erika Dettmar, 2000: Markt - Macht - Moral) Andere Punkte sind schon hinlänglich kommentiert worden.

 

 

TransFair e.V. schrieb am 23.02.2017 um 14:47 Uhr

Diese Initiative des Ministeriums ist insgesamt sehr begrüßenswert. Es ist notwendig, die Zusammenarbeit mit den Ländern Afrikas neu zu gestalten. Allerdings wären zwei Dinge sehr dringend erforderlich: • Eine umfassende Konsultation afrikanischer zivilgesellschaftlicher Akteure muss gewährleistet sein. Das Fairtrade Produzentennetzwerk „ Fairtrade Africa“ ist ein solcher Akteur. Das Netzwerk vertritt über 400 Produzentenorganisationen in Afrika. • Die Kohärenz zwischen den verschiedenen Politikfeldern und grundsätzlich für alle Vorhaben der Partnerschaft Folgenabschätzungen für arme oder anderweitig marginalisierte Bevölkerungsgruppen und Anliegen aus der Agenda 2030 müssen stärker berücksichtigt werden. Der Verein TransFair e.V. wurde 1992 mit dem Ziel gegründet, benachteiligte Produzentengruppen in Entwicklungsländern zu unterstützen. Als unabhängige Organisation handelt TransFair e. V. nicht selbst mit Waren, sondern setzt sich dafür ein, den Handel mit fair gehandelten Produkten und Rohstoffen zu fördern und mehr Bewusstsein für nachhaltigen Konsum zu erreichen. www.fairtrade-deutschland.de TransFair gehört zum internationalen Verbund Fairtrade International e.V., in dem Fairtrade Organisationen aus 25 Ländern und die drei kontinentalen Produzentennetzwerke zusammengeschlossen sind. Fairtrade International entwickelt die international gültigen Fairtrade-Standards. www.fairtrade.net Alle beteiligten Akteure entlang der Lieferkette werden regelmäßig von FLOCERT GmbH kontrolliert. Die Gesellschaft arbeitet mit einem unabhängigen und weltweit konsistenten Zertifizierungssystem nach den Anforderungen der Akkreditierungsnorm ISO 17065 (DIN EN 45011). www.flocert.net

 

 

Sonja Birnbaum schrieb am 23.02.2017 um 14:27 Uhr

Wir von Plan begrüßen, dass im Marshallplan auf die besondere Rolle von Frauen und Mädchen und Bildung verwiesen wird - bei Digitalisierung, Gesundheitsversorgung und Zugang zu Bildung (S. 6) - Ausschluss von Frauen und Mädchen (S. 8) - Afrikas Jugend braucht Zugang zu Bildung und Ausbildung Wünschenswert wäre, den gesamten Plan auch mit der Agenda 2030 und der Erfüllung der Nachhaltigkeitsziele zu verbinden. Welchen Beitrag kann der Marshallplan hier leisten? Besonders hervorheben möchten wir, dass in Säule 1, Wirtschaft, Handel und Beschäftigung, der dezidierte Hinweis auf die wirtschaftliche Stärkung von Frauen und Mädchen fehlt. In Säule 2, Frieden, Sicherheit und Stabilität, fehlt die Verlinkung zur UN-Resolution 1325 In Säule 3, Demokratie, Rechtstaatlichkeit und Menschenrechte, fehlt der Hinweis zu politischem Empowerment von Mädchen und Frauen und ihrer Teilhabe, der Abschaffung diskriminierender Gesetze und Hinweise zur Umsetzung der Agenda 2030 (es wird nur AU 2063 genannt. Im Kapitel 4.4. Gesundheit, Bildung und soziale Sicherung wird auf die besondere Situation von Mädchen und Frauen beim Zugang zu Bildung, Familienplanung aufmerksam gemacht. Hier ist wünschenswert, den Bezug zur Notwendigkeit der Erhebung disaggregierter Daten und der Verbesserung der nationalen Strukturen der zivilen Registrierungssysteme einzufügen. Die Bundesregierung sollte die gezielte Förderung benachteiligter Gruppen systematisch und deutlich ausweiten. Dies gilt national wie international. In allen entwicklungspolitischen Vorhaben des BMZ und seiner Durchführungsorganisationen sollten Daten nach allen relevanten Diskriminierungsgründen aufgeschlüsselt erhoben werden. Mit bestem Gruß, Sonja Birnbaum

 

 

Bettina Metz-Rolshausen schrieb am 23.02.2017 um 11:02 Uhr

UN Women Nationales Komitee Deutschland e.V.: Geschlechterspezifische Aspekte sind im Entwurf des Marshall-Plans mit Afrika nur sehr schwach repräsentiert. Frauen sind der Motor zur Erreichung der Agenda 2030 und der nachhaltigen Entwicklungsziele. Bekämen Frauen in der Landwirtschaft weltweit den gleichen Zugang wie Männer, könnten die Erträge um 20-30 Prozent steigen, die Wirtschaftsleistung um 2,5-4 Prozent wachsen und die Zahl der Hungernden um 12-17 Prozent sinken, Quelle FAO. Der dreigleisige Ansatz des Gender Aktionsplans des BMZ zur Gleichberechtigung der Geschlechter und Frauenrechten aus Politikdialog, Empowerment und Gender Mainstreaming findet im Marshall-Plan mit Afrika keine Erwähnung. Im Kapitel 3,2. Säule: Frieden, Sicherheit und Stabilität fehlt der Bezug auf den bereits verabschiedeten Nationalen Aktionsplan zur Resolution 1325 zu Frauen, Frieden, Sicherheit des UN-Sicherheitsrats.

 

 

Ludger Schmidt schrieb am 23.02.2017 um 10:17 Uhr

Die Betonung der „Eigenverantwortung der afrikanischen Staaten“, die die „Zeit von ‚Geber und Nehmer‘ ablöst“, und einer „gleichberechtigten Partnerschaft“ relativiert, wer letztlich für die Misere in den meisten afrikanischen Staaten nach Jahrzehnte- oder eher Jahrhundertelangem Kolonialismus, Imperialismus, Rassismus und unvermindert fortbestehender Ausbeutung verantwortlich zeichnet. Die wiederkehrende Betonung von hausgemachter Misswirtschaft und Korruption erhebt Symptome zu den eigentlichen Ursachen. Der anhaltende ausbeuterische „Run“ auf Afrika als „letztem noch nicht erschlossenen Markt“ durch staatlich unterstützte Privatwirtschaft, also vor allem internationalen Konzernen wird verharmlost durch euphemistische Textpassagen wie etwa „Aber auch internationale Konzerne haben noch Schwächen bei der Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards vor Ort und der Erfüllung von Compliance-Vorgaben“. Der sprachliche Duktus in der Art der Agenda 2010 mit Begriffen wie etwa „Fördern und Fordern“, „Klartext statt diplomatischer Zurückhaltung bei Reformverweigerern“, „Jahrzehntelange Geber-Nehmer-Mentalität“ usw. verdeutlicht, dass „Partnerschaft“ keineswegs mit „Gleichberechtigung“ in eins gesetzt wird, sondern offen die Drohung beinhaltet, der Stärkere im Bunde wird gegebenenfalls seine Interessen durchzusetzen wissen. Während in diesem Sinne die beschworene Verantwortung Deutschlands rein deklarativ und ohne jegliche konkrete Verpflichtung ist, wird diejenige der afrikanischen Staaten in „deutlich mehr Eigenmittel(n) – zum Beispiel ein höheres Steueraufkommen“ vorab eingefordert. Es ist schwer ersichtlich, was an solcher Haltung neu gegenüber afrikanische Staaten sein soll.

 

 

Kuno Kübler schrieb am 21.02.2017 um 11:26 Uhr

Vorspann: Der Marshallplan MIT Afrika ist mir zu abstrakt. Er baut für mich Hürden auf, ihn kreativ, visionär, querdenkerisch zu kommentieren. Allein die Ratio ist gefragt. Damit besteht aber die Gefahr, dass es ein Gedankenkonstrukt wird, das nicht mehr greifbar ist, sich mehr und mehr als utopischer Luftballon entpuppt und entschwebt. Vision: Auf der Basis des systemischen,ganzheitlichen Arbeitsinstrumentes „Sensitivitätsmodell“ von Frederic Vester wird eine Systemstudie „Marshallplan“ erstellt. Damit ließe sich bis ins Konkrete weiterarbeiten. Der Einsatz dieses Instrumentes erlaubt es, die Stellschrauben herauszuarbeiten, an denen dann sinnvollerweise die finanziellen Mittel eingesetzt werden sollten, von denen die Rede ist. Eine Systemstudie kostet zwar Geld, aber viele können viel lernen und es spart Millionen, wenn nicht gar Milliarden an Fehlausgaben. Allein schon die Beachtung der acht biokybernetischen Grundregeln wäre viel wert. Wenn die Systemstudie zudem „online“ abliefe, dann könnte weiteres Wissen parallel in einem Marshallplan-Wikipedia einfließen. Mir fallen viele Möglichkeiten ein, die schnell genutzt werden können, weil die Technik vorhanden ist. Es braucht viele Akteure, die die interkulturellen Schwierigkeiten meistern lernen und das geschieht durch Begegnung, Kontakt und Austausch. Wenn es auf Augenhöhe möglich ist, Vertrauen entsteht, Beziehungen wachsen, dann gibt es auch soziale Kontrolle etc., um den Missbrauch von Geldern, Ressourcen, Arbeitskräften (Kinderarbeit, sklavenähnlich) und Macht zurückzudrängen und dauerhaft zu verändern. Dass Projekte schiefgehen können, das ist klar, aber lässt sich nicht auch daraus etwas lernen? Als Kennwert in Evaluierungen passt dies aber nicht hinein. Ausblick: Werde ich genügend Mitstreiter für meine Vision der „Systemstudie – Marshallplan“ finden? - Die Entwicklung des „Sensitivitätsmodells“ war ein Projekt des Programms „Man and the Biosphere“ der UNESCO. Blick über die Schulter: Die Flüchtlingswelle ist bereits tsunamiartig im Anrollen auf Europa. Es ist also höchste Zeit.

 

 

Wilfried Scholl schrieb am 20.02.2017 um 19:49 Uhr

Wie erwartet haben im Forum die Bedenkenträger und Nörgler die Meinungshoheit. Natürlich gibt es Probleme beim Umsetzen des Plans. Aber diese Probleme sind die Aufgaben, die es zu lösen gilt. Anhand eines Beispiels aus Marokko zum Thema Berufsbildung will ich aufzeigen, wie es aussehen kann,eine Infrastruktur zu schaffen, die Zukunft ermöglicht.In Quarzazate entsteht für 3,5 Milliarden € das größte Solarkraftwerk der Erde. Deutsche Beteiligung 834 Millionen € (KFW).Projekt: NOOR. Wesentliche Lieferanten sind Siemens (Turbinen) und Flabeck (Parabolspiegel). 1. Gegründet wird eine deutsch-marokkanische Aktionsgemeinschaft "Work For Live Quarzazate". Ziel: Jobs zur Jugend bringen, Jugend in die Jobs bringen. 2. Aufgebaut wird von den Lieferfirmen ein lokales Berufsbildungsinternat 3. Aufgebaut wird eine lokale Arbeitsagentur - Mobile Arbeitsvermittler rekrutieren "vor Ort" geeignete Jugendliche für Ausbildung und Beruf - Paten begleiten die gewonnenen Jugendlichen in ihren Beruf - Die Arbeitsagentur berät Abiturienten bei der Auswahl ihrer Studiengänge, sie führt Schulergänzungsprogramme durch (Sprachen, IT- Anwendungen, Live Style etc.) Alle Beteiligten sitzen am "Runden Tisch" und sorgen gemeinsam dafür, dass umgesetzt wird, was umgesetzt werden soll, dass Korruption nicht stattfinden kann. Es gibt, außer in Quarzazate, viele Orte, in denen es sich für alle Beteiligten lohnt, eine Aktionsgemeinschaft "Job For Live" zu initiieren. Finanzielle Mittel stehen zur Verfügung, Know How und Personalpower sind vor Ort, Firmen haben dringenden Bedarf an Fachkräften und Marokko ist auf dem Sprung in eine Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft. Was fehlt, ist der Mut und die vor- Ort- Expertise, um nicht nur einen großen Plan zu machen sondern in die Handlungsanweisungen zur detaillierten Umsetzung zu gelangen.

 

 

Wilfried Scholl schrieb am 20.02.2017 um 14:33 Uhr

Wie erwartet haben im Forum die Bedenkenträger und Nörgler die Meinungshoheit. Natürlich gibt es Probleme beim Umsetzen des Plans, aber diese Probleme sind die Aufgaben, die es zu lösen gilt. Anhand eines Beispiels aus Marokko zum Thema Berufsbildung will ich aufzeigen, wie es aussehen kann, eine Infrastruktur zu schaffen, die Zukunft ermöglicht. In Quarzazate entsteht für 3,5 Milliarden Euro das größte Solarkraftwerk der Erde. Deutsche Beteiligung 834 Millionen Euro(KFW). Projekt: NOOR Wesentliche Lieferanten sind Siemens (Turbinen) und Flabeck (Parabolspiegel). 1. Gegründet wird eine deutsch- marokkanische Aktionsgemeinschaft "Work For Live Quarzazate" Ziel: Jobs zur Jugend bringen, Jugend in die Jobs bringen. 2. Aufgebaut wird ein lokales Berufsbildungs- Internat 3. Aufgebaut wird eine lokale Arbeitsagentur - Mobile Arbeitsvermittler rekrutieren "vor Ort" geeignete Jugendliche für Ausbildung und Beruf - Paten begleiten die gewonnenen Jugendlichen in ihren Beruf - Die Arbeitsagentur berät Abiturienten bei der Auswahl ihrer Studiengänge, sie führt Berufsbildungsprogramme an die Zielgruppe heran, sie führt Schulergänzungsprogramme durch (Sprachen, IT- Anwendungen, Live Style etc.) Alle Beteiligten sitzen am "Runden Tisch" und sorgen gemeinsam dafür, dass Korruption nicht stattfinden kann. Es gibt, außer in Quarzazate, noch viele Orte, in denen es sich für alle Beteiligten lohnt, eine Aktionsgemeinschaft "Job For Live" zu initiieren. Finanzielle Mittel stehen zur Verfügung, Know How und Personalpower sind vor Ort. Firmen haben dringenden Bedarf an Fachkräften

 

 

Dirk schrieb am 17.02.2017 um 10:34 Uhr

Solange unfaire Handelsregeln (EPA u.a.) zugunsten der EU existieren, bleiben viele schöne Absichten einer neuen Partnerschaft Worthülsen.

 

 

Wilfried Scholl schrieb am 16.02.2017 um 11:17 Uhr

Es gibt hunderte von Gründen, warum der Plan niemals funktionieren wird. Es gibt aber auch hunderte von Projekten, die beweisen, es geht genau in diesem Sinn. Schaffen Sie eine Kommunikationsplattform, in der solche Projekte und der Weg zum Erfolg präsentiert werden. Präsentieren Sie "Leuchttürme", präsentieren Sie, wie Berufsbildung funktioniert, auch in Afrika. Schaffen Sie mediale Aufmerksamkeit für diese Leuchttürme. Es sollte deutlich werden: - Projektziele - Projekt Umfeld - Weg zum Ziel (was, wie, Zeit?) - Eingesetzte Mittel (BMZ) - Gewünschte Mittel (BMZ) Weiterführende Ideen liefere ich gerne.

 

 

Andreas Hellmann schrieb am 15.02.2017 um 20:04 Uhr

Deutschen Unternehmen zu fördern, die in Afrika ein Unternehmen oder eine Tochtergesellschaft gründen ist aus meiner Sicht nicht sonderlich hilfreich. Diese Unternehmen haben das Kapital, um das unternehmerische Risiko durchaus tragen zu können. Da diese Unternehmen vor allem in Ballungsräumen investieren, verstärkt dies noch die Landflucht der Bevölkerung. Aus meiner Sicht sollten Beteiligungen angestrebt werden,. Hier werden nur geringe Investitionen und Fördermittel benötigt und es können mehrere Start-ups und Unternehmen gefördert werden. Durch die Beteiligungen mit Rendite und Wertzuwachs der Unternehmen, sollte das Ziel sein, dass die Fördersummen plus X wieder zurückfließen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wieviel Lehrgeld gezahlt werden muss. Ein solches Programm kann aus meiner Sicht schnell helfen und die Länder können aus sich selbst herauswachsen und die Länder entwickeln. Zudem bestehen gute Chancen, dass die Projekte mit geringen Investitionen erfolgreich werden und die Gelder auch wieder zurückfließen können. Ich halte es für kritisch, wenn große Unternehmen in den bereits entwickelten Städten investieren und noch mehr Menschen vom Land angezogen werden und dann in Slums enden. Denn so passiert es jetzt häufig. Es muss meiner Ansicht nach eine flächendeckende Entwicklung stattfinden. Und in nahezu jeder Region gibt es Möglichkeiten erfolgreich mit ganz individuellen Ideen und Konzepten erfolgreich zu wirtschaften. Und hier kann Deutschland mit seiner Expertise und Kapital dortigen Unternehmen helfen und als Gegenleistung Unternehmensanteile oder Profitbeteiligungen erhalten. Dazu benötigt es jedoch auch die politische Einflussnahme, damit es sowohl in Deutschland als auch im afrikanischen Raum eine Rechtsverbindlichkeit besteht.

 

 

Dr. Ursula Schäfer-Preuss schrieb am 15.02.2017 um 18:25 Uhr

Eine lobenswerte Initiative mit einer Fülle von wichtigen Ansatzpunkten für eine "neue" Partnerschaft zwischen Afrika und Europa. Die 10 Thesen bieten klare Botschaften ,wenn sie auch anders priorisiert werden könnten. These 10 hätte besser am Anfang als These 3 Platz gefunden. Auch wäre es zielführender, die Botschaft von These 10 und den Bezug zu Nachhaltigkeitsagenda 2030 direkt in das Einleitungskapitel aufzunehmen. Zur Analyse und Lösungsentwicklung ist dringend geboten, die "lessons learned" aus der langjährigen Entwicklungszusammenarbeit i.w.S. zwischen DeutschlandE EU und den Ländern des afrikanischen Kontinents zu berücksichtigen und andere wichtige Partner Afrikas wie China mit einzubeziehen. Es wäre zielführender klare umsetzungsorientierte Priorisierungen vorzunehmen und nicht eine Fülle von Handlungsempfehlungen aneinander zu reihen. Wichtige Politikfelder wie die Sozialpolitik sind in den 10 Thesen nicht enthalten, werden aber später sichtbar. Enttäuschen ist, dass in den Eckpunkten für einen Marshallplan mit Afrika dem dramatischen und rapide wachsenden Problem der Urbanisierung mit all seinen sozialen, ökonomischen, ökologischen und sozio-kulturellen Folgen nicht genügend Rechnung getragen wird. Warum sind im Zukunftsvertrag mit Afrika (S.12)Umwelt-und Ressourcenschutz einschl. Wasser nicht deutlicher zu Beginn des Papiers herausgestellt und nur Energie und Infrastruktur explizit genannt? Ausgehend von dem Postulat, dass Entwicklungszusammenarbeit ein langfristiges Geschäft ist und Investitionen in nachhaltige Entwicklung auch in den sog. fragilen Staaten dringend erforderlich sind, stellt sich die Frage, ob die in 2.2 genannte Priorisierung tragfähig ist. In Säule 1 von Kap. 3 fehlt in den Handlungsempfehlungen eine gender-differenzierte Betrachtungsweise, obwohl in früheren Kapiteln dieser Bezug hergestellt worden ist. Entsprechendes gilt für Säule 3, wo zumindest bei dem Bezug "VN Global Compact in Afrika ausweiten" der Hinweis "einschließlich der Women´s Empowerment Principles" angezeigt wäre. Zu Recht wird auf S. 25 konstatiert, dass im ländlichen Raum die Zukunft Afrikas liegt. Hier wäre dringend geboten, bei den Handlungsempfehlungen unter 4.1 und 4.2 prominent auf die AAA-Initiative der marokkanischen Regierung, wie bei COP 22 in Marrakesch von den Ländern Afrikas angenommen, einzugehen und durch diesen Marshallplan zu unterstützen (Initiative for the Adaptation of African Agriculture to Climate Change. Diese Initiative enthält eine Fülle von innovativen Ansätzen für eine umweltverträgliche Agrarpolitik. Im Kapitel zu Energie und Infrastruktur wäre eine engere Verknüpfung zwischen Wasser und Energie wichtig (nicht nur sicherer Zugang zu Energie, sondern auch zu sauberem Wasser). Auch in den Handlungsempfehlungen sollte deutlicher auf die Verknüpfungen on WasserSanitär- und Energieversorgung sowohl in ländlichen als auch städtischen Räumen in den verschiedenen Ausprägungen (Nexus-Gedanke) hingewiesen werden.

 

 

Holger Behm schrieb am 15.02.2017 um 17:25 Uhr

Meines Erachtens gibt es drei Bereiche, die besondere Beachtung verdienen. 1) Unterstützung bei allen Bildungs- und Ausbildungsaktivitäten vor Ort(von der Grundschule über die Facharbeiterausbildung bis zur Hochschule) 2) Förderung und Absicherung deutscher Unternehmen bei ihrem Engagement vor Ort 3) ein Kompetenzzentrum, dass seinen Namen wirklich verdient und mit nachvollziehbaren Entscheidungs- und Förderkriterien engagierten Personen und Institutionen Unterstützung gewährt. Also Hilfe zur Selbsthilfe. AfrikanerInnen wissen selbst, was für sie das Beste ist. Man muss Ihnen die Chance geben, selbst aktiv werden zu können. Und da steht Bildung und qualifizierte (und damit gut bezahlte Arbeit) an erster Stelle. Während man früher viel Geld dafür ausgegeben hat, damit afrikanische "Eliten" ihr Volk weiter unterdrücken und ruhigstellen konnten, erfasst die Globalisierung nun über die Migrationswellen Europa und Deutschland. Nur Bildung und wirkliche ökonomische Teilhabe möglichst vieler Afrikaner in ihrem Land wird dies mildern können.

 

 

Jenni Jerabek schrieb am 13.02.2017 um 17:20 Uhr

Wir begrüßen die Initiative einen Marshall Plan in einem partizipativen Prozess zu entwickeln. Wir hoffen sehr, dass unsere Kommentare in die Überarbeitung mitaufgenommen werden. 1. Miteinbeziehung der SDGs in den gesamten Plan als Querschnittsthema 2. Nachdem Frauen immer wieder erwähnt werden, bitte auch darauf achten immer eine gendergerechte Sprache zu verwenden. 3. Im Sinne von Leave no one Behind: Menschen mit Behinderung mitdenken laut Schätzungen der WHO die größte Minderheit mit 15 Prozent 4. Bitte beachten Sie, dass es bereits den Richtwert von 0,7 Prozent gibt, den Deutschland verpflichtet hat als Gelder in die Entwicklungszusammenarbeit zu geben - 2015 waren dies nur 0,52 Prozent. Generell ist es klar, dass auf 30 Seiten nicht alle Details vermerkt werden können. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei der Finalisierung ihres Dokuments.

 

 

Albert Recknagel schrieb am 13.02.2017 um 16:19 Uhr

Grundsätzlich eine begrüßenswerte Initiative. Wenn es wirklich eine "neue Partnerschaft" sein soll, bleibt die Einbeziehung der Afrikaner_innen zu randständig(Regierungen wie Zivilgesellschaft). Ohne sie geht es nicht. Ich denke da u.a. auch an Wissenschaftler_innen afrikanischer Universitäten ebenso wie an junge Menschen aus Afrika, die in Deutschland studieren. Sie sind für uns eine bedeutsame und authentische Quelle. Offen bleibt die Einbeziehung der EU. Ganz zu schweigen von China oder G 20. Ein "deutscher Marshallplan für Afrika" alleine ist zu schwach. 20 Mio neue Jobs schaffen wird man nur können mit deutlich mehr Investitionen, Aufbau weiterverarbeitender Industrie und massivem Ausbau des Dienstleistungssektors. Der informelle Sektor (fast dreiviertel) muss viel stärker mitgedacht werden. Junge Menschen müssen beim Aufbau selbstständiger Existenzen unterstützt werden, das fängt bei entrepreneurial skills an, aber beinhaltet auch bürokratische Erleichterungen, Startkapital etc. Jobs in der Landwirtschaft (Nahrungsmittelproduktion) müssen attraktiver für Jugendliche werden. Es braucht massive Investitionen in Lehrerausbildung und schulische Infrastruktur, beginnend mit der kindlichen Frühförderung. Hier sollten afrikanische Regierungsprogramme, staatliche EZ (ODA) und Programme der Internationalen NGOs besser abgestimmt und zielgerichteter umgesetzt werden. Natürlich sind die politischen Rahmenbedingungen - Antikorruptionskampf, Demokratie - extrem wichtig. Aber auch die lassen sich erfahrungsgemäß nicht von außen und oben verordnen, sondern müssen von unten und innen erkämpft werden. Dazu braucht es Bildung, Kommunikation (Austausch) und praktische Hilfen (s.o.). In der Analyse und damit auch in den Zielsetzungen vermissen wir die zahlreichen externen Faktoren, die mit dem Weiterleben kolonialer Beziehungen und Strukturen zusammenhängen, aber v.a. mit unserem ressourcenintensiven Wachstumsmodell und dem modernen, CO2 intensiven Lebensstil. Viele Studien und die SDGs (Agenda 2030) weisen auf derartige Zusammenhänge hin. Sie gilt es in staatlicher Entwicklungspolitik deutlicher aufzugreifen und umzusetzen.

 

 

Jan-Thilo Klimisch schrieb am 13.02.2017 um 16:03 Uhr

cbm begrüßt die Initiative, gemeinsam zum wechselseitigen Nutzen in eine neue Dimension der Zusammenarbeit zu treten. „Gemeinsam mehr erreichen“, unter dieses Motto stellt auch die cbm ihre weltweiten Bemühungen der Entwicklungszusammenarbeit und Humanitären Hilfe – und richtet dabei einen besonderen Fokus auf benachteiligte und diskriminierte Bevölkerungsgruppen wie Menschen mit Behinderungen. Im Marshallplan wird angekündigt, eine breite Diskussion anstoßen zu wollen, die alle gesellschaftlichen und politischen Gruppierungen einbeziehen soll. Um dies zu unterstützen, beteiligen wir uns durch unser Team für politische Arbeit der cbm hier in Deutschland an der Online-Konsultation (siehe unsere Kommentierung der folgenden einzelnen Abschnitte). Zugleich haben wir den Marshallplan aber auch an unsere cbm-Regionalbüros in Afrika weitergeleitet und diese, sowie unsere Partner und Selbsthilfeorganisationen vor Ort, um Stellungnahme gebeten. Rückmeldungen dazu werden wir weiterleiten.

 

 

EMA e.V. schrieb am 13.02.2017 um 15:22 Uhr

Die EMA (Euro-Mediterran-Arabischer Länderverein e.V.) begrüßt den „Marshallplan mit Afrika“ und die neue Wahrnehmung von Afrika als Chancenkontinent. Hierbei ist es der EMA jedoch wichtig, Nordafrika als besondere Region stark zu berücksichtigen. Denn Nordafrika bildet das Bindeglied zwischen Europa und Subsahara-Afrika und darf gerade angesichts seiner geographischen Nähe zu Europa nicht übersehen werden. Die EMA betrachtet das Mittelmeer als Brücke zu einem Kontinent voller Wachstumspotenzial. Gemäß ihrem Leitsatz versteht die EMA die Notwendigkeit der wirtschaftlichen Entwicklungszusammenarbeit im Sinne der Förderung der Privatwirtschaft und insbesondere des Mittelstands. Die Kooperation auf Augenhöhe führt zu einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung und zur Schaffung neuer und Sicherung bestehender Arbeitsplätze und somit zu Zukunftsperspektiven für die sehr jungen Bevölkerungen der afrikanischen Länder. Nachhaltigkeit beinhaltet für die EMA einen ganzheitlichen Ansatz. Das heißt, die EMA setzt sich für Umweltschutz, die soziale Verantwortung von Unternehmen (CSR), Gleichberechtigung sowie Bildung und Ausbildung von Fachpersonal gleichermaßen ein. Das preisgekrönte EMA-Projekt Ouissal stärkt schon seit 2012 die wirtschaftliche und gesellschaftliche Teilhabe von Frauen in Nordafrika. Es richtet sich gezielt vor allem an junge Start-up-Unternehmerinnen, die mit erfahrenen Unternehmerinnen gemeinsam an der Umsetzung eines Business-Plans arbeiten. Neben dem konkreten Beitrag zur ökonomischen Stabilisierung und zur Beschäftigung von Frauen dient Ouissal zudem der Sichtbarkeit von Unternehmerinnen in der öffentlichen Wahrnehmung, der Förderung der Zusammenarbeit zwischen nordafrikanischen Ländern und dem interkulturellen Dialog. Als Bindeglied zwischen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) und der Entwicklungszusammenarbeit sowie mit ihrer hohen regionalen Vernetzung und Expertise zeigt die EMA mittelständischen Unternehmen Geschäftschancen in der Region auf und fördert den Aufbau dauerhafter Partnerschaften. Hierbei konzentriert sich die EMA auf wegweisende Branchen wie Wassermanagement, Erneuerbare Energien, Logistik, Gesundheit, Digitalisierung und Landwirtschaft. Es ist dem EMA-Vorstand ein wichtiges Anliegen, seine langjährige Nordafrika-Expertise für den „Marshallplan mit Afrika“ einzubringen. Euro-Mediterran-Arabischer Länderverein (EMA e.V.)

 

 

Ursula Bauhoff schrieb am 10.02.2017 um 12:10 Uhr

Der hier vorgelegte "Marshallplan für Afrika" , ausgearbeitet von deutscher Seite, ist in seiner Intention sehr begrüßenswert. Mir ist nicht bekannt, ob es einen von den afrikanischen Ländern ausgehenden Plan dazu gibt und inwieweit Afrikaner selbst dabei mitgearbeitet haben? In Kenntnis der unterschiedlichen Mentalitäten und Traditionen halte ich die Vorstellungen der Afrikaner selbst für grundlegend, vor allem sie selbst wissen am besten, was in ihren Ländern getan werden sollte. Und das gilt für jeden einzelnen afrikanischen Staat gesondert. Zur Realisierung gehört m. E. ein vorsichtiges Fingerspitzengefühl und einschlägige Kenntnisse der örtlichen Gegebenheiten. Von "außen" sehen wir das Bevölkerungswachstum in Afrika und setzen zur Steuerung auf Familienplanung. Dabei scheinen wir zu vergessen, dass es in vielen Stammestraditionen von Bedeutung ist, hinsichtlich Ehre und Recht, Kinder zu bekommen. Eine unfruchtbare Frau kann z. B. vom Ehemann verstossen werden und für die Frau kann das eine Art "Schande" bedeuten, zumal Kinder als "Altersversorgung" gesehen werden. Dieses kleine Beispiel zeigt wie schwierig unsere Vorstellungen von "Familienplanung" in Afrika sein können. Man bedenke auch, dass Afrikaner sehr stolz sind und aufgrund historischer Erfahrung mit der Kolonialzeit sensibel auf Vorschläge reagieren. Weiter möchte ich noch die finanzielle Förderung erwähnen. Gerade wegen der schon oben erwähnten Korruption ist gute Kontrolle notwendig. Deshalb und aufgrund vieler anderer Punkte halte ich es für das Gelingen des Marshallplans für wichtig, die Afrikaner selbst nach ihren Vorstellungen zu befragen.

 

 

Hans Arpke schrieb am 09.02.2017 um 09:10 Uhr

Jean Ziegler hatte nach der machtübernahme des gesamten Kaffehandels durch die Konzerne aufgezeigt, dass die Einkaufspreise auf ein Drittel reduziert und die Verkaufspreise verdoppelt worden waren. 50 Cent zu 10 Euro haben sich daraus entwickelt. Will die Bundesregierung diese zustände wirklich korrigieren? Wir Aktiven helfen gerne.

 

 

Peter Wiessner schrieb am 08.02.2017 um 16:23 Uhr

3: Eine berufliche Perspektive für Jugendliche in Afrika zu schaffen, ist ein wichtiger Bereich, kann aber nicht als eine Art übergeordnete Herausforderung gelten. Das scheint doch sehr stark einer europäischen Perspektive der Eindämmung der Migration zu entsprechen, statt im Sinne der Menschen in Afrika die mangelnde Befriedigung der Grundbedürfnisse und die eingeschränkten (Über-)Lebenschancen ins Auge zu fassen. Reflektiert werden sollte der Schaden, den der sog. brain drain (bspw. im Bereich Gesundheitsversorgung) anrichtet und die Verpflichtungen, die sich daraus ergeben. Der brain drain muss reguliert, die Ursachen bekämpft werden. Vorhaben im Bereich Migration sollten sich auch auf die Situation und Gesundheitsrisiken afrikanischer Wander- und Saisonarbeiter, Minenarbeiter sowie auf Menschen ohne Papiere und deren Familien beziehen. 6: Im Kontext der Förderung politischer Rahmenbedingungen fordern wir, dass die Themen Menschenrechte und Stärkung der Zivilgesellschaft benannt und akzentuiert werden. 7: Reformpartnerschaft statt Gießkannenprinzip liest sich für uns ein bisschen so, als ob es in der Partnerschaft nur einseitige Verpflichtungen gebe und es nur die afrikanischen Partnerinnen wären, die etwas zu verändern hätten. Wir lehnen einseitig-paternalistische Denkschemata ab. Dass das Wasser aus der Gießkanne fließt, hat - um im Bild zu bleiben - auch etwas mit der Ausbeutung des afrikanischen Kontinents zu tun. Auch wir haben uns daran bereichert und sind von der Situation nicht gänzlich unbetroffen. Wir regen eine vorsichtigere Wortwahl an und fordern in der Beurteilung etwas mehr Bescheidenheit. Die Ressourcenübertragung ist somit auch als Ausgleich zu verstehen. Es darf nicht passieren, dass die Zusammenarbeit nur noch auf die aus deutscher Sicht reformwilligen Länder konzentriert wird. Wo staatliche Strukturen nicht der Verwirklichung der Menschenrechte und der demokratischen Beteiligung dienen, braucht es eine entsprechende Förderung der Zivilgesellschaft. 9: Als Aktionsbündnis stimmen wir zu, dass der Einsatz staatlicher Entwicklungsgelder keine ausreichende Bedingung für Entwicklung darstellt. Die deutliche Erhöhung und Verstetigung der öffentlichen ODA-Leistungen entsprechend der international vereinbarten Verpflichtungen wie insbesondere dem UN Richtwert von 0,7 Prozent der Bruttonationaleinkommens bildet aber eine notwendige Voraussetzung, die endlich zu erfüllen ist. Zudem müssen die Entwicklungsgelder weiterhin zuerst dort eingesetzt werden, wo es ums Überleben geht. Die Fokussierung auf private Investitionen halten wir für einen Irrweg. Die Erhöhung der Eigenmittel ist zudem nur in Ländern möglich, die über die dafür nötigen Handlungsspielräume verfügen. 10: Wir begrüßen den Bezug zur Agenda 2030 und dass in der Darstellung der Grundbedürfnisse der Menschen deren Gesundheit benannt ist. Wichtig ist uns, dass die besonders vulnerablen – vielfach von Armut, Krankheit und Tod bedrohten - Gruppen benannt werden.

 

 

Friederike Brinkmeier schrieb am 07.02.2017 um 23:20 Uhr

Lieber Herr Dr. Mueller, ich unterstütze 180 Prozent Ihr Engagement in Afrika. Ich hätte einen MüllerMerkelplan viel besser gefunden, als den Marshallplan. Letzterer hat einen demokratischen Beigeschmack. Ihre Dr. Friederike Brinkmeier

 

 

Andreas Machnik schrieb am 06.02.2017 um 16:34 Uhr

Seit einigen Jahren reise ich regelmäßig nach Afrika. Die Initiative "Marshallplan", hier verstanden als Bündelung der europäischen Kräfte zur nachhaltigen und partnerschaftlichen Entwicklung Afrikas, unseres Nachbarn, ist aus meiner Sicht positiv zu sehen. Angesichts der großen und zunehmenden Anzahl junger Menschen in Afrika, die gekleidet, ernährt, ausgebildet, gesundheitlich versorgt und denen letztendlich auch Arbeitsplätze und damit Lebensperspektiven angeboten werden müssten, bleibt Europa kaum etwas anderes übrig. Wie von vielen Kommentatoren angesprochen, besteht die Schwierigkeit in der Umsetzung. Viel Zeit für "Erfolge" bleibt nicht, dafür gibt es aber unzählige Herausforderungen (Korruption etc.), die es zu überwinden gilt. Geld allein wird es nicht richten. Ein Kulturwandel in der Zusammenarbeit(auf beiden Seiten) ist notwendig.

 

 

Dr. Edda Brandes schrieb am 06.02.2017 um 13:11 Uhr

Warum nicht einmal auf die Bereiche in den afrikanischen Ländern schauen, die den REICHTUM der KULTUREN zeigen? Dieses Thema geistert seit den 80er Jahren marginal durch die gesamte Entwicklungszusammenarbeit, ohne je maßgeblich berücksichtigt zu werden, auch nicht im Marshallplan. Dabei wurde damals schon festgestellt, dass „die Kultur ein Schlüssel zur Entwicklung“ ist. Partnerschaftliche Großprojekte zur Förderung der Künste und Kulturtechniken, die einen wesentlichen Einfluss auf die Identitätsbildung und –findung haben, die Werte und Wissen transportieren, stellen einen bedeutenden Wachstumsfaktor in der Kultur- und Kreativwirtschaft dar. Statt den Mangel zu verwalten, gilt es, den Reichtum zu erkennen und zu nutzen. Jeder Kommune ihr Kulturzentrum, jedem Zentrum sein Kino, seine Bibliothek, seine Bühne, sein Atelier, Studio, seinen Ausstellungsraum – sein Bistro: als Angebot an die Produktivität der Zivilbevölkerung, vor allem an die Jungen, die aus Mangel an Alternativen und Attraktivität ihres Standorts in die Städte und ins Ausland abwandern.

 

 

Dr. Klaus Stocker schrieb am 06.02.2017 um 11:10 Uhr

In Ihrem Plan haben Sie alles fleißig hingeschrieben, was gut, schön und wünschenswert ist, jetzt fehlt nur noch eine Kleinigkeit: Er müsste Wirklichkeit werden. Wie oft haben wir eigentlich schon einen neuen Ansatz für Afrika, einen Paradigmenwechsel oder wie immer man das gerade nannte, gehabt? Abgesehen davon, das mir die Dimension in Relation zu den Geldern, die jährlich nach Afrika für legale und illegale Rohstoffexporte fließen, etwas mickrig erscheint, sollte man sich doch immer wieder an die ca. eine Billion Dollar erinnern, die bisher in Afrika an Entwicklungsgeldern ausgegeben worden ist. Auch wenn diese Gelder durchaus nicht nutzlos waren, so haben sie jedenfalls keinen Durchbruch gebracht und sie waren oft sogar kontraproduktiv. Bevor wir einen neuen Plan umsetzen, sollten wir doch erst einmal fragen, warum all die alten Pläne nicht den erhofften Erfolg gebracht haben? Acemoglu und Robinson haben ja in ihren Werk „Warum Nationen scheitern” die naheliegende These untermauert, dass es an den „extraktiven Strukturen”, also an den Herrschaftsverhältnissen liegt. Wenn ich sehe, wie afrikanische Präsidentensöhne in der Schweiz mit ihren Ferraris herumbrausen und deren Väter Villen und Schlösser in den besten Lagen verwalten, während ihre Untertanen von zwei Dollar am Tag leben müssen, scheint mir diese These auch sehr naheliegend und vor allem sehe ich, dass offensichtlich durchaus Geld da wäre. Und da kommt doch die entscheidende Frage. Will sich die Politik, wohlgemerkt die gesamte Politik inklusive Außen- und Wirtschaftspolitik Deutschlands wie auch der EU (besonders Frankreichs) ernsthaft mit den Herrschaftsverhältnissen in Afrika anlegen? Wenn ja, so haben Sie auf jeden Fall meinen Segen, aber ohne eine Verankerung auf allerhöchster Ebene der deutschen wie zumindest der europäischen Politik wird das Ganze ein gut gemeintes Papier wie so viele andere bleiben. Die Chancen für so einen Wechsel stünden angesichts der Flüchtlingsproblematik so gut wie nie, aber man muss es eben wollen.

 

 

DF schrieb am 02.02.2017 um 22:16 Uhr

Ich finde den Namen Marshallplan ebenfalls unpassend. Der Marshallplan nach dem 2. Weltkrieg hatte die Bezeichnung "European Recovery Program"

 

 

Esther Fehr schrieb am 02.02.2017 um 20:16 Uhr

Prinzipiell finde ich Engagement, die Welt zu verbessern immer unterstützenswert. Ich schließe mich absolut des anfänglich genannten Zitates von Herrn Dr. Müller an. Mir ist jedoch aufgefallen, dass das entwickelte Programm im Fundament weiterhin in alten Strukturen fortgeführt wird und somit keine tiefgreifenden Veränderungen ermöglicht werden können.Es geht nicht nur um die Veränderungen der Strukturen in Afrika, sondern auch um strukturelle Veränderungen in u. a. Deutschland. Mir fehlen z. B. der Ausbau bzw. Förderungen von wirtschaftlichen Prozessen, die es ermöglichen, dass im Rohstoffland von afrikanischen Firmen selbst, für den Weltmarkt veredelt wird, damit sich deformierte Strukturen erholen können und ein Wachstum erreicht wird. Genauso fehlen mir politische Interventionen gegenüber der Großkonzerne, die maßgeblich für gerechte Löhne von Kleinbauern verantwortlich sind. Dies bezieht sich auch auf die Masseneinführung von z. B. Lebensmittelresten (wie Hühnerteile, die in Deutschland nicht vermarktet werden), die zu Dumpingpreisen den afrikanischen MArkt überschwemmen und die eigene Produktionsfähigkeit damit stärk gefährdet oder gar zerstört. Solange an diesen Punkten nicht angesetzt wird, werden es z. B. weiterhin hohe Geburtenraten, Kinderarbeit und weitere diverse Menschrechtsverletzungen geben, Fluchtursachen fördern und befeuert Korruption sowie andere verbrecherische Handlungen. Die Welt wird weiterhin gespalten sein, Förderunmittel verlaufen im Sand und und und...

 

 

Prof.Dr. Hans F. ILLY, Merzhausen Brsg. schrieb am 02.02.2017 um 14:40 Uhr

Sehr lobenswert ist der Satz, dass es in Afrika nach wie vor zu viele korrupte Eliten gibt. Aber was muss daraus folgen ! Jedenfalls nicht - leider deutet aber Vieles darauf hin - , diesen noch mehr Mittel in den Hals zu stopfen ! Bitte nur mit dynamischen Unternehmern - die es in jedem Land gibt, die aber bisher weitgehend von den Herrschenden ausgebeutet wurden - direkt zusammen arbeiten und Arbeitsplätze schaffen. Und mit den Regierungen - wenn sich das schon nicht vermeiden lässt - prioritär Familienplanungsprogramme stringent durchführen. Alle anderen Ansätze sind im Moment sekundär und oft sinnlos. Die FZ und Budgethilfen sind auf Dauer einzustellen, weil die Abzweigungsgefahr zu gross ist.

 

 

Christoph schrieb am 01.02.2017 um 19:04 Uhr

Bezgl. des Online-Dialogs den ich zutiefst begrüße: Der Dialog sollte in mehren Sprachen möglich sein um die Bedürfnisse, Ideen und Gedanken der Bürger, Stakeholder und Experten der entsprechenden afrikanischen Länder einfließen zu lassen. Dafür sollte zumindest der Sachverhalt und die Menüführung in Englisch und Französisch verfügbar sein. Eine konkrete Einladung an diese sollte auch erfolgen.

 

 

Dieter Guhlke schrieb am 01.02.2017 um 17:13 Uhr

Vor Jahren das Motto vom BMZ: Wir machen Zukunft,machen Sie mit. Ich habe mitgemacht und einen Bericht über 42 DIN A4 Seiten über Ghana verfaßt. Ein Rückblick auf 40 Jahre GH Kenntnis, von A bis Z: Erfahrungen,Erlebnisse,Überlegungen. Möglichkeiten für die Zukunft. Der Bericht ging im BMZ "verloren"!? Habe ihn nach telef. Aufforderung durch BMZ Mitarbeiter in verschiedenen Abständen noch 3 mal an`s BMZ Berlin geschickt. Der Bericht wurde, sorry to say, immer wieder in die "Tonne" getreten", weil teilw. BMZ kritisch.Man will doch keine Erfahrungen "kennen"! Diese Erfahrung haben leider schon sehr viele Afrika- Kenner machen dürfen und haben aufgegeben. Hätte man vor ca.40 Jahren bis Heute, mal auf die vielen jungen Menschen gehört, die für die dt. Entwicklungshilfe in Afrika tolle Arbeit geleistet haben, würde man jetzt keinen Marshall Plan für Afrika brauchen. Leider Führen aber wohl sog. Afrikalaien überwiegend "das Wort". SCHADE!

 

 

Oscar Kamga W. schrieb am 30.01.2017 um 23:45 Uhr

Das Thema Geburtenkontrolle in Afrika scheint hier wichtiger zu sein als sauberes Wasser! Das Thema ist jedoch strittig! Nieman kann in das private Recht einer Frau auf Fortpflanzung eingreifen. Weltweit sind die Kinderzahlen je Frau im Laufe der vergangenen 60 Jahre gesunken sind, auch in Afrika (Berliner Institut für Bevölkerung und Entwicklung 2011). Außerdem sind die Grundvoraussetzungen für die Senkung der Geburtenrate benannt worden: mehr Mitsprachemöglichkeiten für Frauen, Zugang zu Sexualaufklärung, Familienplanung und Verhütungsmitteln, Bildung, insbesondere weiterführende Schule garantiert aktive Familienplanung, bessere Verdienstmöglichkeiten, Reduktion der Kindersterblichkeit. Alle diese Maßnahmen führen zusammen zu einer starken Mittelschicht und zur Stärkung der Stellung von Frauen in der Gesellschaft. Aber die Realität sieht vor Ort anders aus! Rund 72 Prozent der Bevölkerung südlich der Sahara leben von weniger als 2 US $ pro Tag. Wie können wir bei dieser Ausgangslage eine effektive Familienplanung bzw. eine effektive Geburtenkontrolle in Afrika durchführen? Welche der oben genannten Maßnahmen hat bei weniger als 2 US $ Lebensunterhalt pro Tag den größten Nutzen? Welche Maßnahmen hat den höchsten marginalen Nutzen für die betreffende Frau und für Ihre Gesellschaft? Ein Paradigmenwechsel ist möglich! Dafür brauchen wir aber die richtigen Menschen, traditionsgebundenen und weltoffenen Menschen in Afrika. Vielen Dank.

 

 

Jürgen Kaiser schrieb am 30.01.2017 um 16:14 Uhr

Wenn der Plan vorsieht, "die alte Geber-Nehmer-Mentalität abzulösen" und sich vom "Gießkannenprinzip" zu verabschieden - müssen wir dann daraus schließen, dass diese bis heute vorherrschende Denkweisen im Ministerium sind? Ich kann mich an einige Papiere unter früheren Minister_innen erinnern, in denen die gleichen Absichten bereits mit diesen oder ähnlichen Worten geäußert wurden. Offenbar ohne Folgen. In die Abteilung "Unfreiwillige Komik" gehören auch die beiden Karten: Auf S.3 zeigt die zentrale Afrika-Karte die auch von der Bundesregierung anerkannte völkerrechtlich verbindliche Grenze zwischen Sudan und Süd-Sudan ale eine Art Zonengrenze. Und auf S. 21 verlassen die illegitimen Finanzströme zwar korrekt dargestellt den afrikanischen Kontinent, versinken aber allesamt in den Tiefen verschiedener Ozeane. Eigentlich weiss das BMZ doch schon etwas genauer, wo die trickreich außer Landes geschafften Mittel ankommen. Oder?

 

 

F.D. Lindner schrieb am 30.01.2017 um 11:39 Uhr

Ich vermisse das, was einem als erstes in den Sinn kommt. Bei dieser Thematik und dem Problem der Bevölkerungsexplosion das Naheliegendste. Das Thema der Geburtenkontrolle. Auf Seite 31, im letzten Kapitel einmal das Wort "Familienplanung". Das war es. Ein Wort zu einem grossen Thema.

 

 

F.D. Lindner schrieb am 30.01.2017 um 11:39 Uhr

Ich vermisse das, was einem als erstes in den Sinn kommt. Bei dieser Thematik und dem Problem der Bevölkerungsexplosion das Naheliegendste. Das Thema der Geburtenkontrolle. Auf Seite 31, im letzten Kapitel einmal das Wort "Familienplanung". Das war es. Ein Wort zu einem grossen Thema.

 

 

Gara Pierre-David Takpara schrieb am 28.01.2017 um 01:21 Uhr

Der Marshallplan mit Afrika: Teile V Und dann Regierungsführung und Korruption. Man muss Kämpfen, Länder müssen transparent gemacht werden. Und vor allem müssen jungen Leute mitagieren lassen. Wir haben Wir haben Genie in unseren jungen Leuten. Ich sehe es jeden Tag. Wir müssen das Genie unserer jungen Menschen entfalten, sie unterstützen. Und ich weiß, dass sie uns in die richtige Richtung führen werden. Und unsere Frauen und unsere Mädchen: Wir müssen erkennen, dass Mädchen und Frauen ein Geschenk sind. Sie haben Kraft, und wir müssen diese Kraft entfalten, damit sie zum Kontinent beitragen können. Ich glaube fest daran, dass, wenn wir all diese Dinge tun, finden wir, dass die schnell Wachstum Afrika-Erzählung ist kein Zufall. Es ist ein Trend, und wenn wir fortsetzen, wenn wir Jugend entfesseln, wenn wir Frauen entfesseln, können wir vorwärts gehen, aber der Trend ist klar. Afrika wird weiter Wachsen. An die Investoren, Geschäftleute sage ich, Investitionen in Afrika sind nicht für heute, nicht für morgen, es ist nicht eine kurzfristige Sache, es ist eine längerfristige Sache. Aber wenn Sie nicht in Afrika investiert werden, dann werden Sie eine der wichtigsten aufstrebenden Möglichkeiten in der Welt verpassen. Vielen Dank Gara Pierre-David Takpara „Die besten Afrika Experten sind afrikanische Diaspora(Afrodeutsche). Wir stehen für Zirkuläre Migration“.

 

 

Gara Pierre-David Takpara schrieb am 28.01.2017 um 01:21 Uhr

Der Marshallplan mit Afrika: Teile IV Die Regierungsführung ist ein ernstes Thema. Afrikaner haben schwache Institutionen, und manchmal nicht vorhandene Institutionen, und ich denke, das gibt Weg für Korruption. Korruption ist ein Problem, das Afrikaner noch nicht gut genug erledigt haben, und man muss mit dem Zahn und Nagel kämpfen, das und mehr Transparenz in der Bewirtschaftung ihrer Volkswirtschaften und die Art und Weise, wie Finanzen verwaltet wird. Wir müssen auch vor neuen Konflikten, neuen Arten von Konflikten, wie wir es mit Boko Haram in Nigeria, Kamerun, Tschad und mit Al-Shabaab in Kenia, Somalia haben, vorsichtig sein. Wir müssen mit internationalen Partnern, den Industrieländern, zusammenarbeiten, um gemeinsam zu kämpfen. Andernfalls schaffen wir eine neue Realität, die nicht die Art ist, die wir für ein wachsendes Afrika wollen. Und schließlich, die Frage der Bildung. die Bildungssysteme sind in vielen Ländern auf dem Kontinent gebrochen. Sie schaffen nicht die für die Zukunft benötigten Fähigkeiten. Also müssen sie einen Weg finden, besser zu erziehen. Das sind also die Dinge, die sie nicht richtig machen. Afrika muss lernen den Erfolg zu managen. Sehr oft, wenn Menschen oder Länder Erfolg gelingen haben, vergessen sie, was ihnen gelingt. Lernen, was sie erfolgreich gemacht hat, es zu verwalten und es zu halten ist entscheidend für uns. Also was richtig gemacht wird muss man lernen es richtig zu tun, zu halten. Also all die Dinge, die ich sagte, dass wir richtig gemacht haben, müssen wir lernen, es richtig zu tun, halten Sie es richtig. Sehr oft sind wir nicht konsistent. Ein Regime geht aus, ein anderes kommt herein und sie werfen auch die funktionierende Politik weg, die es vorher gab. Was bedeutet das? Es schafft Unsicherheit für Menschen, für Haushalte, Unsicherheiten für die Wirtschaft. Sie wissen nicht, ob und wie zu investieren. Afrikaner müssen den Erfolg, den sie bei der Verringerung ihrer Schulden hatten, verwirklichen, aber jetzt sind die Länder wieder zurück zur Kreditaufnahme, und in bestimmten Ländern wird die Verschuldung zu einem Problem. Man muss diese vermeiden. So Erfolg managen. Die Sache ist, die Dinge, die nicht gut genug gemacht wurden auf der Lupe zu nehmen. In erster Linie ist die Infrastruktur. Ja, die meisten Länder erkennen jetzt, dass sie in diese investieren müssen, und sie versuchen, das Beste zu tun, was sie tun können. Sie müssen. Das Wichtigste ist Macht. Man kann sich nicht im Dunkeln entwickeln.

 

 

Gara Pierre-David Takpara schrieb am 28.01.2017 um 01:20 Uhr

Der Marshallplan mit Afrika: Teile III Was ist falsch gelaufen? Trotz starken Wachstums, wurde nicht genüge Arbeitsplätze geschafft. Die Jugendarbeitslosigkeit auf dem Kontinent beträgt etwa 15 Prozent, und die Unterbeschäftigung ist ein ernstes Problem. Die Qualität des Wachstums war nicht gut genug. Selbst jene Arbeitsplätze, die geschafft würden, waren Arbeitsplätze mit geringem Arbeitsproduktivitätsbedarf, so dass Menschen von der landwirtschaftlichen Produktion mit geringer Produktivität zu einem produktivitätsarmen Handel geführt werden und im informellen Sektor in den städtischen Gebieten arbeiten. Die Ungleichheit hat sich erhöht. Korruption, Gier schufen Milliardäre. Da sind weniger als ein Prozent Milliardären im Wert von 100 Milliarden besitzen mehr Reichtum als 80 Millionen auf dem Kontinent. Der Anteil der Menschen in Armut sank, aber die absolute Zahl ist nicht vorhanden wegen des Bevölkerungswachstums. Und das Bevölkerungswachstum ist etwas, worüber auf dem Kontinent nicht genug debattiert. Und ich denke, wir müssen ein Griff haben, vor allem, wie wir Mädchen erziehen. Das ist der Weg, um wirklich zu diesem Thema zu arbeiten. Afrika hat nicht genug in Infrastrukturen investiert. Viele Länder hatten Investitionen von Chinesen, aber in welchen Preisen? Das half einigen Ländern, aber es ist nicht genug. Der Verbrauch von Elektrizität in Afrika auf dem Kontinent in Afrika südlich der Sahara entspricht Spanien. Der Gesamtverbrauch entspricht der von Spanien. So viele Menschen leben in der Dunkelheit, und wie der Präsident der Afrikanischen Entwicklungsbank vor kurzem gesagt hat, kann sich Afrika nicht im Dunkeln entwickeln. Das andere, worüber wir noch reden müssen, ist dass die Volkswirtschaften die gleiche Struktur behalten, die seit Jahrzehnten hatten. Auch wenn sie wachsen, hat sich die Struktur der Volkswirtschaften nicht sehr verändert. Afrikaner exportieren noch Rohstoffe und was ist Rohstoffe Export? Es ist der Export von Arbeitsplätzen. Ihr Produktionswert beträgt nur 11 Prozent. Sie schaffen nicht genug menschenwürdige Arbeitsplätze für die Jugend, und der Handel unter Afrikanern ist gering. Nur etwa 12 Prozent des Handels gehören zu Afrikanern. Das ist ein weiteres ernstes Problem.

 

 

Gara Pierre-David Takpara schrieb am 28.01.2017 um 01:18 Uhr

Der Marshallplan mit Afrika: Teile II Also lass mich über Dinge reden, die ich für richtig gehalten habe: Die Verwaltung der Volkswirtschaften wird nach und nach besser. Die 80er und 90er Jahre waren die verlorenen Jahrzehnten, als Afrika nicht gut ging. Das war "Der verlorene Kontinent". Aber in den 2000er Jahren erfuhren die Politischen Entscheidungsträgern, dass sie das makroökonomische Umfeld besser bewältigen mussten, um Stabilität zu gewährleisten, die Inflation im einstelligen Bereich niedrig zu halten, ihre Haushaltsdefizite unter drei Prozent des BIP niedrig zu halten und Investoren sowohl inländische als auch ausländische Stabilität zu sichern so dass sie Vertrauen haben, in diese Volkswirtschaften zu investieren. 1994 betrug die Schuldenquote der afrikanischen Länder 130 Prozent und sie hatten keine budgetäre Freiheit. Sie konnten ihre Ressourcen nicht nutzen, um in ihre Entwicklung zu investieren, weil sie Schulden bezahlten. Regierungen waren an Geschäften, die unrentablen Unternehmen, beteiligt, an denen sie kein Geschäft hatten. Und sie führten Geschäfte, sie machten Verluste. So wurden einige dieser Unternehmen restrukturiert, kommerzialisiert, privatisiert oder geschlossen, und sie wurden weniger von einer Belastung für die Regierung. Eine interessante Sache. Die Telekom-Revolution kam, und afrikanische Länder sprangen auf sie. Im Jahr 2000 hatten Afrikaner 11 Millionen Telefonleitungen. Heute haben sie rund 687 Millionen mobile Leitungen auf dem Kontinent. Und das hat Afrika Fortschritt ermöglicht, voranzutreiben mit einigen mobilen Technologien, wo Afrika eigentlich führend ist. In Kenia, die Entwicklung von mobilen Geld (M´Pesa) dauerte einige Zeit bevor die Welt bemerkt, dass Afrika voraus in dieser Technologie war. Und dieses mobile Geld ist auch eine Plattform für den Zugang zu alternativen Energien. Menschen, die jetzt für Solar bezahlen können die gleiche Weise für ihre Telefonkarte bezahlen. Das war also eine sehr gute Entwicklung. Es wurde auch mehr in Bildung und Gesundheit investiert, nicht genug, aber es gab einige Verbesserungen. 250 Millionen Kinder wurden in den letzten eineinhalb Jahrzehnten geimpft. Die andere Sache war, dass Konflikte sanken. Es gab viele Konflikte auf dem Kontinent. Aber sie kamen herunter, und die Führer schafften es sogar, einige Coups zu dämpfen. Neue Arten von Konflikten sind entstanden, und ich werde später darauf zurückkommen. So basiert auf all dies, gibt es auch einige Differenzierung auf dem Kontinent, die ich man wissen müssen, denn auch, wenn M und T da sind, es gibt einige Länder - Ghana, Kenia, Äthiopien, Tansania und Senegal – die gute Führung haben.

 

 

Gara Pierre-David Takpara schrieb am 28.01.2017 um 01:17 Uhr

Der Marshallplan mit Afrika: Teile I von V Afrikanische Diaspora 6. Region "Afrikanische Union" Deutschland „bestehend aus Menschen afrikanischen Ursprungs, die unbeschadet ihrer Staatsbürgerschaft und Nationalität außerhalb des Kontinents leben und die willens sind, zur Entwicklung des Kontinents und zum Aufbau der Afrikanischen Union beizutragen“. Wie wir zum „Marshallplan mit Afrika“ beitragen Rolle der afrikanischen Diaspora(Afrodeutsche) Nach Angaben eines Weltbank-Berichts von 2001 übertrifft die Summe der finanziellen Überweisungen der Diaspora in die Herkunftsländer die offizielle staatliche finanzielle Entwicklungshilfe um mehr als das Dreifache. afrikanische Diaspora senden jährlich Beträge von mehreren Milliarden US-Dollar in ihre Heimatländer. Trotz der Wirtschafts- Handels- und sozialen Ungleichheiten, Afrika ist stark auf Wachstum. Ich spreche hier über ein Afrika der Hoffnung und viele Möglichkeiten, ein Afrika der Unternehmer, ein Afrika ganz anders als das Afrika, das Sie normalerweise über Tod, Armut und Krankheit hören. Und das, worüber ich spreche, ist Teil dessen, was jetzt als die Erzählung des „schnell wachsenden Afrika“ bekannt ist. Das ist ein Afrika, das, mehr Verantwortung für sich selbst zu übernehmen muss und nach Lösungen für seine eigenen Probleme suchen. Aber ist das Wirtschaftsboom nachhaltig? Wird der Kontinent davon profitieren? Die Wirtschaftskraft Afrikas wächst zwar weiterhin, großen Teilen der Bevölkerung des Kontinents aber kommt dies nicht zugute. Wirtschaftswachstum heißt nicht gleich Entwicklung. Das ist jetzt eine Herausforderung, weil auf dem Kontinent in den letzten drei Jahren weniger gut gelaufen ist. Sie war in den letzten eineinhalb Jahrzehnten um fünf Prozent pro Jahr gestiegen, aber die diesjährige Prognose lag bei knapp 4 Prozent. Warum? In einem unsicheren globalen Umfeld sind die Rohstoffpreise gesunken. Viele der Volkswirtschaften sind noch Rohstoff-getrieben, und daher ist ihre Leistung gerutscht. So, jetzt haben wir diese Situation, und ich denke, es ist Zeit, Bilanz zu ziehen und zu sagen, was waren die Dinge, die die afrikanischen Länder richtig gemacht haben? Was haben sie falsch gemacht? Wie bauen wir das alles auf und eine Lektion lernen, damit wir Afrika weiter Wachstumskurs beibehalten können?

 

 

Oscar Kamga W. schrieb am 27.01.2017 um 00:46 Uhr

Der Geist des Marshallplans unterscheidet sich leider nicht wesentlich von den bisherigen (gescheiterten) Entwicklungshilfemaßnahmen und –projekten. Ich möchte daher bei dem Satz des Bundesentwicklungsministers Dr. Gerd Müller bleiben: „Wir brauchen einen Paradigmenwechsel und müssen begreifen, dass Afrika nicht der Kontinent billiger Ressourcen ist, sondern die Menschen dort Infrastruktur und Zukunft benötigen“. Aus meiner Sicht (kommt aus Afrika) haben wir in Afrika heute zwei Paradigmen nebeneinander. Ein erstes Paradigma, das die Werte und die Traditionen der Menschen seit Jahrhunderten prägt und ein zweites (neokolonialistische) Paradigma, das die heutige Politik, die Wirtschaft, das Bildungs- und Erziehungswesen prägt. Ein wesentlicher Anteil der aus dem zweiten Paradigma hervorgegangenen Eliten ist so fern vom Volk, das sie das Geld für Bildung, Erziehung, Gesundheit und für Arbeitsplätze im eigenem Land in ausländischen Banken verstecken oder damit befreundete Politiker in Europa bei Wahlen unterstützen. Der Marshallplan setzt auf afrikanische Lösungen. Ich begrüße diesen Ansatz und empfehle hier den Nyerere-Bericht. Der ehemalige Ministerpräsident Tansanias Julius Nyerere beschreibt Entwicklung, als einen „Prozess, der es den Menschen ermöglicht, ihre Fähigkeiten zu entfalten, Selbstvertrauen zu gewinnen und ein erfülltes menschenwürdiges Leben zu führen…, der die Menschen von der Angst vor Armut und Ausbeutung befreit. Sie ist der Ausweg aus politischer, wirtschaftlicher oder sozialer Unterdrückung. Erst durch Entwicklung erlangt die politische Unabhängigkeit ihre eigentliche Bedeutung. Entwicklung ist daher gleichbedeutend mit wachsender individueller und kollektiver Eigenständigkeit“. Diese Definition von Entwicklung aus afrikanischer Sicht, lange vor NEPAD ist ein neues Paradigma. Dafür würden sich viele Afrikanerinnen und Afrikaner gern einsetzen. Das Entwicklungsprogramm der vereinten Nationen hat weitere Kriterien für die menschliche Entwicklung definiert, die in diesem Marshallplan kaum Berücksichtigung finden. Ich möchte auf das Problem des Bevölkerungswachstums, das hier so heiß diskutiert wird, zurückkommen. Wenn wir die Geburtenrate nach der Schichtzugehörigkeit - Oberschicht, Mittelschicht, und Unterschicht darstellen -, dann erhalten wir eine U-förmige Kurve. Wir haben also in der Ober- und Unterschicht eine höhere Geburtenrate als in der Mittelschicht. Wenn wir das Bevölkerungswachstum steuern wollen müssen wir eine Mittelschicht in Afrika aufbauen und stärken.Das Bevölkerungswachstum ist nicht die Ursache des Problems in Afrika, sondern die Folge des Problems, oder mindestens ein Bestandteil des Problems. Ich begrüße die Initiative des Ministers und hoffe, dass Er ernst meint und, dass Er die richtigen Menschen in Deutschland, Europa und in Afrika finden, die den Plan anpassen und erfolgreich umsetzen können. Vielen Dank

 

 

Univ.-Prof. em. Dr. Helmut Altenberger schrieb am 25.01.2017 um 15:37 Uhr

Den Hinweisen zur Geburtenregelung schließe ich mich vollinhaltlich an. Zusätzlich sollte in der Kategorie "Wirtschaft" augenommen werden: Als Alternativmodell zum kapitalistischen Wirtschaftssystem sollte die Förderung der "Gemeinwohl-Ökonomie" systematisch auf- und ausgebaut werden! Siehe auch: www.ecogood.org

 

 

Jürgen Haushalter schrieb am 25.01.2017 um 14:35 Uhr

Die hehren Ziele des Marshallplans mit Afrika sehe ich eher symbolhaft, dieses im Jahr einer Bundestagswahl und in Zeiten der Flüchtlingskrise. Man möchte geneigt sein, in den allumfassenden Handlungszielen einen Hoffnungsschimmer zu sehen, jedoch ist Skepsis aufgrund der zurückliegenden Fehlschläge in der Entwicklungshilfe angesagt. Die Verwendung des nach dem 2. Weltkrieg besetzten Begriffs Marshallplan für die Entwicklung Afrikas ist irreführend wie irreal. Die Voraussetzungen für das damalig erfolgreiche Wirtschaftswiederaufbauprogramm der USA für Europa sind in keiner Weise vergleichbar mit denen in Afrika. Der vom BMZ vorgestellte, monströse Marshallplan mit dem schwarzen Kontinent ist der falsche Weg, die Vergeudung von Steuergeldern würde sich fortsetzen. Eine massive Aufstockung der staatlichen Entwicklungshilfe wird nach aller Erfahrung keine wesentliche Verbesserung der Lebensverhältnisse in den afrikanischen Ländern bewirken, so das von renommierten Experten unterzeichnete „Kölner Memorandum“ von November 2016. Weiterhin u. a. : Staatliche Entwicklungshilfe verstärkt die Abhängigkeit der Empfängerländer und behindert das Entstehen wirtschaftlicher Eigendynamik. Alle Ansätze, staatliche Korruption - das Hauptübel Afrikas - einzudämmen, hat sich bisher weitgehend als unwirksam erwiesen. Aus meiner Sicht ist das überwiegende Nichtgreifen der Entwicklungshilfe maßgeblich in kulturellen Barrieren zu sehen, was in allen Debatten unverständlicherweise immer noch ausgeblendet wird. Diskurse über diesen wesentlichen Aspekt - zusammen mit anerkannten Politikern und Experten Afrikas - sind längst überfällig. Zweifelhaft ist, ob der deutsche Mittelstand trotz geplanter Absicherung das Risiko eingehen wird, in Afrika in breiter Form tätig zu werden. Ohne das Verständnis für andere Denkweisen und Einstellungen wie auch für die Vereinbarkeit soziokultureller Unterschiede wird es m. E. keine von innen kommende, den Kulturen angepasste Entwicklung geben. Diesen Ansatz mit wenigen, ausgewählten Ländern auf unterschiedlichen Feldern zu testen, sollte erprobt werden. Mit einem völlig überzogenen, überaus anspruchsvollen Marshallplan werden sich die Beteiligten beider Seiten nicht identifizieren können.

 

 

Josef Göppel schrieb am 25.01.2017 um 14:35 Uhr

Minister Müller will einen Paradigmenwechsel in der Zusammenarbeit mit Afrika. Damit hat er völlig recht. Das muss sich vor allem durch den Wechsel von Hilfsprojekten zu partnerschaftlichem Wirtschaften auf Augenhöhe vollziehen. Ein zentraler Punkt ist dabei der Zugang zu Elektrizität auf zellularer Basis außerhalb der Netzanbindung. Ich schlage deshalb eine Energiepartnerschaft mit Afrika vor, die aus drei Elementen besteht. 1.Deutschland verhilft jungen Afrikanern zu einer Basisausbildung im Elektrobereich. 2.Den Absolventen wird eine Starthilfe zur Unternehmensgründung angeboten. Das Angebot an sie ist, auf diese Weise den Aufbau dezentraler Stromversorgung bei den Endkunden ihrer Heimatregionen eigenwirtschaftlich zu betreiben. 3.Auf Wunsch erhalten sie einen Rückhalt in Deutschland, der in Form von persönlichen Partnerschaften deutscher Energiegenossenschaften, Stadtwerke, ideellen Gruppen oder Kirchengemeinden zu den jungen Unternehmern in Afrika wirkt. Ein vielfältiges Netzwerk persönlicher Kontakte verschafft den wirtschaftlichen Aktivitäten größere Stabilität! So wird lebendige Nachbarschaft auf einer gleichberechtigten Basis möglich.

 

 

Kevin Borchers schrieb am 24.01.2017 um 11:48 Uhr

Ich finde den Namen Marshallplan absolut unpassend. Er transportiert m.E. wieder diese Abhängigkeit des afrikanischen Kontinents, der auf Hilfe angewiesen ist, und wertet ihn somit ab. Der Marshallplan war ein Wiederaufbauprogramm. Immerhin heißt es "mit Afrika". Warum nicht auch im Titel von "Partnerschaft" o.ä. sprechen? So frage ich mich tatsächlich, wie ernst hier die Zusammenarbeit gemeint ist.

 

 

Hans Müller schrieb am 24.01.2017 um 08:43 Uhr

Den Kommentar von Frau Ostermann ist sehr relevant. In keinem Kapitel wird konkret Bezug genommen auf Themen wie Aufklärung von Frauen zur Empfängnissverhütung. Die Themen Überbevölkerung und mangelnde Geburtenkontrolle sind mittlerweise vollständig von der Agenda der nachhaltigen Entwicklung verschwunden, obwohl sie die größte Herausforderung der Menschheit schlechthin sind. Alle Produktivitätsfortschritte und Errungenschaften auf den Bereichen der medizinischen Versorgung, Bildung, Ernährung sowie Ressourcenschonung werden ansonsten obsolet, wenn das Bevölkerungswachstum in den Entswicklungsländern nicht deutlich gesenkt wird.

 

 

Renate Simon schrieb am 23.01.2017 um 23:41 Uhr

Wenn in entwickelten Ländern die Geburtenrate auch nach unten geht, wird man in Afrika und Nahost kaum auf diese Entwicklung warten und hoffen können, weil die Voraussetzungen einfach nicht gegeben sind. Es wird jeglicher Plan scheitern, ohne Bildung, Geburtenkontrolle, Verhütung und da weitergehende Maßnahmen wie Sterilisation (nicht zwangsweise, als Angebot an Männer allgemein [das wird schwierig] und Frauen mit z.B. 3 Kindern). Was hat Bill Gates in Afrika mit der Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit erreicht? M.E. genau das Gegenteil dessen, was nötig wäre, denn welche Perspektive haben die überlebenden Kinder? 100.000 von Gates gestiftete Hühner… Wo wäre China heute ohne die Einkind-Politik? Mir erschien sie damals als grausam, erwies sich aber letztlich las richtig.

 

 

Silke Schurack schrieb am 23.01.2017 um 09:28 Uhr

Ich begrüsse diese Initiative "mit" Afrika sehr .Ich bin vor 26 Jahren als Musikerin auf Einladung des Goethe- In stituts zum ersten Mal nach Afrika ,in den Maghreb,gekommen.Seit 4 Jahren reise ich so oft ich kann nach Südafrika..Mittlerweile lasse ich mein Instrument zu Hause und höre den Menschen ,denen ich in Südafrika begegne einfach mal zu.

 

 

Brigitte Merbach-Gerl schrieb am 22.01.2017 um 12:08 Uhr

Ich möchte mich dem Kommentar von Frau Ostermann anschließen: der wichtigste Ansatzpunkt scheint mir eine Geburtenkontrolle (Aufklärung und Bildung von Frauen) zu sein.Es kann kein derartiges Wirtschaftswachstum geben, damit diese ständig wachsende Zahl von Millionen von Menschen auch ein menschenwürdiges Leben führen kann. Da muss unbedingt angesetzt werden. Es irritiert mich stark, dass dieser Gedanke so selten angesprochen wird und im politischen Denken und Planen kaum vorkommt.

 

 

Margret Barner schrieb am 21.01.2017 um 23:04 Uhr

Ich schließe mich Heike Ostermann an und möchte die Wichtigkeit von Familienplanung und Frauenförderung betonen. Auch wäre es hilfreich, an Hilfen eine Überprüfung der Rechtssysteme und die Rechtssprechung besonders in Bezug auf ie Gleichstellung der Geschlechter zur Bedingung zu machen, bevor Hilfsgelder gezahlt werden.

 

 

Frank Kuczera schrieb am 21.01.2017 um 16:24 Uhr

Sehr begrüßenswerte Initiative, das richtige Schwerpunkt Thema in diesen Zeiten. Meine konkrete Bitte hierzu: Die Zielsetzungen sollten gleich von Anfang an mit ausreichend Budget unterlegt sein, um einen spürbaren Unterschied zu den bisherigen Aktivitäten zu machen. Ein erster Schritt sollte daher sein, in der bevorstehenden Erarbeitung der Eckwerte für den Bundeshaushalt 2018 und den Finanzplan bis 2021 endlich die schon seit langem committete Ausfinanzierung der Entwicklungszusammenarbeit (ODA Quoten) durchzusetzen: die zugesagten 0,15Proz.xBNE an die bedürftigsten Länder (LDC) müssten direkt kurzfristig darstellbar sein, die 0,7Prozent Gesamt-ODA Quote sollten bis 2021 ins Visier genommen werden können. Das wäre ein starkes Zeichen Deutschlands gleich zu Beginn des Afrikajahres!! Und auf dieser Basis kann Deutschland dann auch die anderen G20-Länder glaubhaft stärker in die Pflicht nehmen.

 

 

Heike Ostermann schrieb am 19.01.2017 um 13:17 Uhr

Hallo, ohne in die Tiefe der einzelnen Kapitel eingedrungen zu sein, faellt mir doch auf den 1. Blick auf, dass eine der naheliegendsten Massnahmen vor dem Hintergrund des geschilderten Bevoelkerungswachstums fehlt: Familienplanung und alles was damit zusammen haengt (u.a. auch die Bildung von Frauen). Immer mehr Wirtschaftswachstum, Infrastruktur, Produktivitaet, da bleibt einem ja der Atem weg, abgesehen davon, dass es hoechst unrealistisch erscheint, wirtschaftliche Wachstumsraten (auch noch nachhaltig) zu erreichen, die das Bevoelkerungswachstum ueberkompensieren. Familienplanung gehoert definitv wieder in den Diskurs, auch wenn es bestimmt viele Emphindlichkeiten hier gibt!

 

 

Lexikon der Entwicklungspolitik

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