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Kolumbien

Situation und Zusammenarbeit

Straßenszene in der kolumbianischen Hauptstadt Bogota

Kolumbiens Staatspräsident Juan Manuel Santos hat die Beendigung der gewalttätigen Konflikte und den sozialen Ausgleich zur Hauptaufgabe seiner Regierung erklärt. Die Regierung hat sich im "nationalen Entwicklungsplan" (NDP) 2015–2018 der Förderung von nachhaltigem Wachstum verschrieben. Dies soll durch eine produktivere, wettbewerbsfähigere und innovativere Wirtschaft, den Ausgleich der regionalen Einkommens- und Entwicklungsungleichheiten und die Friedenskonsolidierung im ganzen Land erreicht werden. Neben dem ambitionierten staatlichen Leistungspaket zur Opferentschädigung und Landrückgabe hat die Regierung weitere Reformen und Programme zur Reduzierung der Armut und für ein sozial ausgewogenes Wachstum angestoßen, unter anderem die Erhöhung des Mindestlohns. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt hat sich verbessert: Die offizielle Arbeitslosenquote lag 2015 bei 8,9 Prozent. Allerdings arbeitet knapp die Hälfte der Beschäftigten im informellen Sektor.

Die kolumbianische Wirtschaft hat sich in den vergangenen Jahren positiv entwickelt. 2014 betrug das Wirtschaftswachstum 4,6 Prozent, 2015 lag zwar etwas niedriger, aber mittelfristig kann mit einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung Kolumbiens gerechnet werden. Diese wird unter anderem vom hohen Bildungsniveau im Land und den vielen gut ausgebildeten Fachkräften getragen. Kolumbien gehört zu den Ländern mit einem gehobenen mittleren Einkommen (upper middle income) und erzielt ein relativ hohes Bruttonationaleinkommen (2014: 7.970 US-Dollar pro Person). Kolumbien befindet sich seit 2013 im Beitrittsprozess zur Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Ohne Frieden keine Entwicklung

Der seit mehr als 50 Jahren schwelende bewaffnete Konflikt hat die Entwicklung des Landes gehemmt. Er wurde durch die grassierende Armut in ländlichen Gebieten und den anhaltenden Drogenhandel begünstigt. Obwohl die Regierung beachtliche Erfolge bei der Reduzierung des Koka-Anbaus erzielen konnte, wuchs die Anbaufläche zuletzt wieder und Kolumbien ist noch immer der größte Kokainproduzent der Welt. Problematisch ist auch die überdurchschnittlich hohe Straflosigkeit in Kolumbien: Morde sowie physische und sexuelle Gewalttaten gegen Frauen und Kinder bleiben oft ungestraft.


Entwicklungspotenziale

Kolumbien ist weltweit eines der Länder mit den meisten Tier- und Pflanzenarten. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit unterstützt Kolumbien beim Schutz seiner natürlichen Ressourcen und Erhalt der Artenvielfalt. Im Bild ein Kolibri.

Kolumbien gehört zu den sogenannten megadiversen Ländern und beherbergt eine große Vielfalt von Tier- und Pflanzenarten. Etwa 15 Prozent des nationalen Territoriums stehen unter Naturschutz. Gleichzeitig verfügt das Land über viele Bodenschätze wie Erdöl, Kohle, Gold und seltene Erden.

Kolumbien ist bereits heute stark von den Folgen des Klimawandels wie starken Regenfällen und Überschwemmungen betroffenen. Auf internationaler Ebene bringt sich Kolumbien aktiv in globale Prozesse ein und hat sich zum Beispiel intensiv an der Erarbeitung der globalen Nachhaltigkeitsziele (Agenda 2030) und des Weltklimaabkommens von Paris beteiligt.

Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft haben erkannt, dass der Erhalt und die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen wichtige Zukunftsaufgaben sind. Die kolumbianische Regierung gründete 2011 ein Umweltministerium, 2013 legte Kolumbien unter anderem eine ambitionierte Entwicklungsstrategie für den Amazonasraum vor (Vision Amazonia), die vorsieht, die Abholzung im Amazonasgebiet bis 2020 einzustellen.

Die kolumbianische Regierung bemüht sich aktiv um ausländische Investitionen sowie eine Diversifizierung der Exportmärkte, auch im asiatisch-pazifischen Raum. Kolumbien ist Verfechter der regionalen Integration und Mitglied der Pazifikallianz. Vor allem die Bauwirtschaft, der öffentliche Dienst, Immobilien und Finanzdienstleistungen gelten für Kolumbien als Motoren der wirtschaftlichen Entwicklung.

Kolumbien hat eine aktive und engagierte Zivilgesellschaft und eine lebendige und pluralistische Medienlandschaft. Die Bedrohungen und Einschüchterungen gegen die Zivilgesellschaft, vor allem gegen prominente Menschenrechtsvertreter, sind jedoch weiterhin besorgniserregend, besonders im ländlichen Raum.


Schwerpunkte der deutschen Zusammenarbeit mit Kolumbien

In der Entwicklungszusammenarbeit Deutschlands mit Kolumbien engagieren sich neben der zwischenstaatlichen Zusammenarbeit auch viele Nichtregierungsorganisationen, kirchliche Organisationen und politische Stiftungen in den Bereichen Demokratieförderung, Friedenserziehung und Förderung der Menschenrechte sowie in der Not- und Flüchtlingshilfe.

Bei Regierungsverhandlungen zwischen Deutschland und Kolumbien im Dezember 2014 wurde für die zwischenstaatliche Entwicklungszusammenarbeit eine Gesamtsumme von 327 Millionen Euro für die Jahre 2015 und 2016 zugesagt.

Die Zusammenarbeit konzentriert sich auf die Bereiche

  • Friedensentwicklung und Krisenprävention
  • Umweltpolitik, Schutz und nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen
  • Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung im ländlichen Raum

Friedensentwicklung und Krisenprävention

Deutschland unterstützt die kolumbianische Regierung bei der Umsetzung der Friedensgesetzgebung von 2012, unter anderem bei der Anwendung des Opferentschädigungsgesetzes. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit berät Opferverbände und staatliche Institutionen zu Konfliktprävention und schafft damit Vertrauen zwischen Staat und Zivilgesellschaft. Sie berät auch die Generalstaatsanwaltschaft zu Verfahren der Übergangsjustiz und der Aufklärung und Aufarbeitung von Kriegsverbrechen in Kolumbien. Außerdem unterstützt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit die zivilen Aktivitäten der Friedensmission der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS). Sie leistet so einen Beitrag zur gesellschaftlichen Teilhabe vertriebener Frauen und zu ihrem Schutz vor Gewalt.

Ein Schlüsselthema bei der Friedensförderung ist die ländliche Entwicklung. Durch die Schaffung nachhaltiger Beschäftigungsmöglichkeiten für die Bevölkerung in ländlichen Gebieten werden neue Perspektiven geöffnet.


Umweltpolitik, Schutz und nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen

Fischer am Guarinó-Fluss in der kolumbianischen Provinz Caldas. Das Wasser des Flusses sollte für die Energiegewinnung zu einem Staudamm umgeleitet werden, das hätte die Lebensgrundlage der Fischer enorm eingeschränkt. Deutschland unterstützte bei der Aushandlung eines Kompromisses zwischen Fischern, Energiekonzern, Umwelt- und Regionalbehörden.

Deutschland unterstützt den Erhalt der biologischen Vielfalt und den Klimaschutz in Kolumbien. Die biologische Vielfalt im Land ist zunehmend bedroht. Ursachen hierfür sind unter anderem die Ausweitung der Landwirtschaft und des Rohstoffabbaus. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit unterstützt Maßnahmen zum Erhalt der Biodiversität, der Reduktion von Emissionen aus Entwaldung und Schädigung von Wäldern (Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation, REDD) und den Aufbau und die Stärkung des nationalen Schutzgebietsmanagements.

Im Rahmen des "Early Movers" Pionierprogramms von REDD vergüten Deutschland und Norwegen einen nachgewiesenen Rückgang von Kohlenstoff-Emissionen finanziell. Im Gegenzug verpflichtet sich Kolumbien, den Waldschutz und die Entwicklung und Stärkung von Gemeinden und Institutionen zu stärken. Die Initiative unterstützt das ambitionierte Ziel Kolumbiens, bis zum Jahre 2020 die Entwaldung im Amazonasraum einzustellen.


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