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Honduras

Situation und Zusammenarbeit

Umweltschutz und nachhaltige wirtschaftliche Aktivitäten gehören zu den Kernpunkten des Programmes von CLIFOR (Projekt zur Anpassung an den Klimawandel im Forstsektor).

"Plan aller für ein besseres Leben" (Plan de todos para una vida mejor) lautet der Titel des aktuellen Regierungsprogramms in Honduras. Vier Schwerpunkte sind darin gesetzt, um die Lebensverhältnisse im Land zu verbessern: Frieden und Sicherheit – Schaffung von Arbeitsplätzen und Steigerung der Konkurrenzfähigkeit und Produktivität – menschliche Entwicklung und Abbau sozialer Ungleichheit – Transparenz und Staatsmodernisierung.

Der Handlungsbedarf ist groß. Honduras zählt zu den am wenigsten entwickelten Ländern Lateinamerikas. Einkommen und Vermögen sind innerhalb der Bevölkerung extrem ungleich verteilt; immer wieder kommt es zu Engpässen bei der Versorgung mit Grundnahrungsmitteln.

Ende 2014 unterzeichnete die Regierung ein Beistandsübereinkommen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF). Es verschafft der Regierung Zugang zu zusätzlichen Krediten. Ein Ziel des Abkommens ist, eine Erhöhung der staatlichen Sozialausgaben zu ermöglichen bei gleichzeitiger Deckelung neuer Kreditaufnahmen und der Staatsausgaben.

Durch das Wirtschaftswachstum und den Einsatz der sogenannten konditionierten Sozialhilfe (Bono Vida Mejor), deren Zahlung an bestimmte Bedingungen oder Pflichten gebunden ist, geht die Armut langsam zurück. Fast zwei Drittel der Bevölkerung leben jedoch noch immer in Armut. Zwar liegt die offizielle Arbeitslosenquote nur bei 3,9 Prozent (2014), allerdings ist ein großer Teil der erwerbsfähigen Bevölkerung unterbeschäftigt.

Sicherheit

Ansicht der kleinen Stadt Gracias im Westen von Honduras.

Die Sicherheitslage in Honduras ist problematisch. Die Regierung verzeichnet zwar Erfolge beim Kampf gegen den Drogenhandel und konnte die Zahl der Tötungsdelikte vom Höchststand 2012 (86,5 pro 100.000 Einwohner) auf circa 59 pro 100.000 Einwohner (2015) reduzieren. Dennoch gehört die Mordrate in Honduras zu den höchsten der Welt.

Das organisierte Verbrechen (Drogen-, Waffen-, Menschenhandel) und die Bandenkriminalität in den Großstädten spielen noch immer eine vorherrschende Rolle. Gewalttätige Jugendbanden terrorisieren mit Überfällen und Schutzgelderpressungen ganze Stadtviertel. Von der Gewalt besonders betroffen sind Angehörige ethnischer und sexueller Minderheiten und Straßenkinder. Auch das Maß an häuslicher Gewalt ist hoch. Besonders alarmierend ist die große Zahl an Frauenmorden.

Die Mehrheit der Gewalttaten wird bisher nicht geahndet. Weite Teile von Polizei und Justizbehörden gelten als korrupt, ineffizient und durch das organisierte Verbrechen unterwandert. Die Straflosigkeit zerstört das Vertrauen der Bevölkerung in die staatlichen Institutionen.

Die Regierung Hernández versucht dem Sicherheitsproblem unter anderem durch den Ausbau des Sicherheitsapparats zu begegnen, zum Beispiel gibt es seit 2013 eine neu eingerichtete Militärpolizei. Doch insgesamt sind die staatlichen Institutionen bislang nicht leistungs- und durchsetzungsfähig genug, weil es ihnen an Geld, Fachpersonal und professioneller Ausstattung mangelt.


Korruption

Das politische System von Honduras leidet unter Machtmissbrauch, Klientelismus, einem mangelhaften Rechtssystem, Korruption und Verflechtungen mit der organisierten Kriminalität. Viele einflussreiche Politiker sind zugleich Unternehmer, Großgrundbesitzer, Bankiers oder Besitzer von Medienhäusern und verfolgen eigene Interessen.

Die derzeitige Regierung hat das Ziel formuliert, gegen diese Missstände anzugehen und hat im Oktober 2014 ein Abkommen mit der Nichtregierungsorganisation Transparency International zur Bekämpfung der Korruption geschlossen. In diesem Abkommen hat sich die Regierung zu konkreten Reformschritten mit dem Zielen transparente Verwendung öffentlicher Mittel, Rechnungslegung und Korruptionsbekämpfung in den Bereichen Gesundheit, Erziehung, Sicherheit, Infrastruktur und Steuerverwaltung verpflichtet. Im Korruptionswahrnehmungsindex der Organisation liegt Honduras auf Rang 112 von 168 ausgewerteten Ländern. Nach monatelangen Demonstrationen der Zivilgesellschaft und Opposition unterstützt seit April 2016 auch eine Kommission der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) Honduras mit einer Mission gegen Straflosigkeit und Korruption ("MACCIH").


Menschenrechte

Kleines Taxi in Honduras

Die Menschenrechte werden in Honduras zwar formal anerkannt, im Alltag jedoch meist nicht eingehalten. Grundsätzlich besteht Presse- und Medienfreiheit, die Berichterstattung ist jedoch sehr oft von den politischen Interessen der Eigentümer in der Medienbranche geleitet. Medienschaffende werden regelmäßig eingeschüchtert und bedroht, kritische Journalisten fallen immer wieder Gewalttaten zum Opfer, die in den meisten Fällen unaufgeklärt bleiben.

Immer wieder kommt es auch zu Konflikten mit indigenen Gruppen – zum Beispiel, wenn in deren Gebieten Energie- oder Bergbauvorhaben geplant werden. Auch Landkonflikte zwischen Plantagenbesitzern, Kleinbauern und Landarbeitern sowie kriminellen Gruppierungen werden häufig gewaltsam ausgetragen. Zwar sieht die Gesetzgebung zahlreiche Genehmigungsverfahren und Mitbestimmungsrechte vor. Diese Auflagen werden jedoch regelmäßig missachtet. Ein Problem hierbei stellen nicht vergebenen Landtitel an Indigene dar.

Die Regierung hat die problematische Menschenrechtslage erkannt, die Themen Bürgersicherheit, Rechtsstaatsentwicklung und Korruptionsbekämpfung  werden bearbeitet. Auf Wunsch der Regierung von Honduras wurde 2016 ein Büro des Hohen Kommissars für Menschenrechte der Vereinten Nationen in Tegucigalpa eingerichtet.


Wirtschaft

Sonnenuntergang in Puerto Cortės, Honduras.

Hauptexportmärkte von Honduras sind die USA, Zentralamerika und Europa. Die wichtigsten Exportgüter des Landes sind Textilien, Kaffee, Bananen, Meeresfrüchte, Zuchtfische, tropische Hölzer und Palmöl. Die wirtschaftliche Entwicklung in Honduras hängt stark von der Nachfrage und den Weltmarktpreisen für diese Produkte ab. Weitere wichtige Einnahmequellen sind der Tourismus und die Geldüberweisungen von im Ausland lebenden Honduranerinnen und Honduranern. Im Jahr 2015 schickten sie laut Angaben der Weltbank mehr als drei Milliarden US-Dollar an ihre Familien in der Heimat.

Dem aktuellen Wirtschaftswachstum steht eine starke Bevölkerungszunahme gegenüber. Um das auszugleichen, müssen vor allem in der Industrie neue Arbeitsplätze geschaffen werden und insbesondere für Jugendliche mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt entstehen. Dafür sind neben einer Verbesserung der inländischen Wirtschaft Investitionen durch ausländische Firmen in Honduras notwendig. Diese werden jedoch durch die schlechte Sicherheitslage, die mangelnde Rechtssicherheit und das niedrige Bildungsniveau abgeschreckt.


Umweltprobleme

Zusammen mit der Bosawás-Biosphäre in Nicaragua bildet die Biosphäre Río Plátano das zweitgrößte Regenwaldgebiet Lateinamerikas.

Honduras verfügt über eine außergewöhnliche Artenvielfalt. Doch die Ökosysteme sind in Gefahr: Jedes Jahr werden große Flächen des Regenwaldes abgeholzt, meist unkontrolliert und illegal. Überfischung, Meeresverschmutzung und ein zunehmender Tauchtourismus zerstören zudem die Korallen im Karibischen Meer. Die Viehhaltung und der intensive Einsatz von Düngern und Pestiziden führen zu einer dauerhaften Schädigung der Böden. Im Bergbau eingesetzte Chemikalien gefährden die Trinkwasserreserven.

Auch die Situation in den großen Städten von Honduras ist besorgniserregend: Eine weitgehend ungeregelte Bautätigkeit, die fehlende Abfall- und Abwasserentsorgung sowie der Schadstoffausstoß dort angesiedelter Industriebetriebe belasten die Umwelt und die Gesundheit der Bevölkerung.

Der globale Klimawandel erhöht das Risiko für Extremwetterlagen und Naturkatastrophen in Honduras erheblich. Obwohl die Folgen bereits zu spüren sind, wird dem Thema ökologische Nachhaltigkeit in Politik, Wirtschaft und in der öffentlichen Wahrnehmung erst langsam Bedeutung beigemessen. Die Regierung hat in den vergangenen Jahren wichtige politische Grundlagen für den Ausbau des Natur- und Klimaschutzes geschaffen. Probleme gibt es nun vor allem bei der Verwirklichung und der Finanzierung.


Entwicklungspotenziale

Menschen in Olanchito, Honduras

Wachstumsmöglichkeiten bestehen insbesondere in der Landwirtschaft. Durch Modernisierung und eine größere Produktvielfalt könnten sich neue Märkte erschließen lassen. Die für die unmittelbare Armutsreduzierung äußerst wichtige bäuerliche Landwirtschaft könnte ihr Potenzial besser entfalten, wenn die offenen Landrechtsfragen geklärt würden. Deutschland unterstützt daher benachteiligte indigene Gemeinschaften dabei, ihre traditionellen Nutzungsrechte politisch und juristisch durchzusetzen.

Weitere Entwicklungsmöglichkeiten liegen in der Weiterverarbeitung von Waren und im Bereich der erneuerbaren Energien: Ein Gesetz zum Ausbau erneuerbarer Energien hat bewirkt, dass deutlich weniger Strom in Kraftwerken produziert wird, die mit umweltschädlichem Schweröl betrieben werden. Immer mehr Energie wird inzwischen mit Wasser-, Solar- und Windkraftanlagen gewonnen.


Schwerpunkte der Entwicklungszusammenarbeit

Bei Regierungsverhandlungen im November 2016 in Berlin hat Deutschland Honduras für die Jahre 2016 und 2017 20 Millionen Euro neu zugesagt. Davon entfallen 10 Millionen Euro auf die finanzielle und 10 Millionen Euro auf die technische Zusammenarbeit.

Die Zusammenarbeit konzentriert sich auf zwei Schwerpunkte:

  • Umwelt- und Ressourcenschutz
  • Bildung

Um den politischen Dialog zwischen der Bundesregierung und der honduranischen Regierung mit konkreten Maßnahmen zu begleiten, wurde 2014 außerdem ein ordnungspolitischer Fonds eingerichtet. Über ihn werden gezielt Reformansätze von Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft im Bereich Transparenz, Menschenrechte und Indigene gefördert.

Gemeinsam mit zentralamerikanischen Nachbarländern ist Honduras außerdem in regionale Vorhaben in den Bereichen nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, Umwelt- und Ressourcenschutz, erneuerbare Energien/Energieeffizienz und Jugendgewaltprävention eingebunden.

Es bestehen zudem Dreieckskooperationen mit südamerikanischen Staaten.


Umwelt- und Ressourcenschutz

Die Biosphäre Río Plátano zählt zu einem der reichsten Biodiversitätsgebiete der Welt.

Noch hat Honduras das größte zusammenhängende Waldgebiet in Zentralamerika; die neueste, im Rahmen der deutschen technischen Zusammenarbeit erstellte Waldkarte von Honduras weist aus, dass 48 Prozent des Territoriums von Wald bedeckt sind. Doch jährlich gehen etwa zwei Prozent der Waldfläche verloren. Hauptursachen dafür waren und sind ein teilweise unkontrollierter Holzeinschlag durch große Unternehmen und die Ausbreitung von Viehzucht und Landwirtschaft (insbesondere Kaffee- und Ölpalmen-Plantagen).

Der Wald wird auch durch jährlich wiederkehrende verheerende Feuer dezimiert. Außerdem traten in den vergangenen Jahren Borkenkäferplagen auf; im Jahr 2015 wurden durch die extreme Vermehrung der Schädlinge rund 30 Prozent der natürlichen Pinienwälder vernichtet. Zwar gibt es Gesetze und Vorschriften zum Schutz der Ökosysteme, doch angewandt und durchgesetzt werden sie bislang kaum.

Honduras teilt sich mit seinem Nachbarland Nicaragua das Herz des zentralamerikanischen Biokorridors, der von Mexiko bis Kolumbien reicht. Dieses große zusammenhängende Tropenwaldgebiet soll durch die vor einigen Jahren erfolgte Einrichtung von drei Schutzgebieten erhalten werden. Um den Klima- und Ressourcenschutz mit den Nutzungsinteressen der Bevölkerung in Einklang zu bringen, berät die deutsche Entwicklungszusammenarbeit Honduras beim Einrichten und Verwalten von Naturschutzgebieten und dem Aufbau eines Katastersystems im Biosphärenreservat Río Plátano.

Außerdem beraten deutsche Experten Honduras bei der Umsetzung eines Konzeptes der kommunalen Waldwirtschaft für circa 10 Prozent der gesamten Waldfläche des Landes unter besonderer Berücksichtigung der Effekte des Klimawandels. Die sehr arme ländliche Bevölkerung wird dabei unterstützt, die ihr überlassenen Waldressourcen nachhaltig zu nutzen, ihre Landwirtschaft an den Klimawandel anzupassen und sich neue Einkommensmöglichkeiten zu erschließen. Dabei zählen in allen Vorhaben der deutschen Entwicklungszusammenarbeit insbesondere indigene Gemeinschaften zu den Zielgruppen.

Ein weiteres Thema der Zusammenarbeit wird künftig die Anpassung an den Klimawandel in den Städten sowie der Biodiversitätsschutz in den Küstengewässern sein.


Bildung

Kinder transportieren Holz auf ihren Fahrrädern.

Im internationalen und regionalen Vergleich hat das honduranische Bildungswesen nach wie vor ein geringes Niveau. Das Schulsystem weist Mängel auf: Viele Schulen sind in einem schlechten baulichen Zustand. Besonders in ländlichen Gebieten gibt es nur wenige weiterführende Schulen und diese sind oft sehr schlecht ausgestattet. Viele Lehrer sind unzureichend ausgebildet. Das geringe Bildungsniveau schränkt die Arbeitsproduktivität des Landes ein: Die Verwaltung findet keine ausgebildeten Bediensteten, die Unternehmen keine qualifizierten Facharbeiter. Verbesserungen im Bereich der Bildung, insbesondere der Grundbildung, spielen daher für die künftige Entwicklung des Landes eine Schlüsselrolle.

Hauptziel der deutschen Entwicklungszusammenarbeit im Bereich Bildung ist es, den Zugang zu einer qualitativ hochwertigen Bildung für alle Kinder und Jugendliche in ländlichen Räumen zu verbessern. In den vergangenen Jahren konnten bereits Erfolge erzielt werden. So stieg die Einschulungsrate von 63 Prozent im Jahr 2011 auf 79 Prozent 2014. Mit der Verabschiedung eines neuen Bildungsgesetzes wurden 2012 wichtige Reformen im Bildungssystem eingeleitet, die von Deutschland unterstützt werden. Unter anderem wird das Bildungssystem dezentralisiert sowie transparent und partizipativ gestaltet. Auch die Lehrerausbildung wird verbessert.

Die Schulpflicht wurde auf 13 Jahre ausgeweitet und umfasst ein Jahr Vorschulerziehung, neun Jahre Grundbildung und drei Jahre Sekundarschulbildung. Zum dritten Mal in Folge wurden im Jahr 2015 die vorgeschriebenen 200 Tage Schulunterricht erreicht. Die Analphabetenrate ist auf rund 11,5 Prozent (2015) gesunken. Grundlegende Informationen über Schulen, Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler werden nun systematisch erfasst. So wurde ein Masterplan für schulische Infrastruktur erstellt und zukünftige Investitionen können besser am konkreten Bedarf ausgerichtet werden.

Zu diesen Erfolgen hat die deutsche Entwicklungszusammenarbeit wesentliche Beiträge geleistet – etwa durch die Beratung des Erziehungsministeriums bei der Umsetzung der Bildungsreform (Dezentralisierung und Bildungsqualität) und durch die finanzielle Förderung der Schulinfrastruktur und des Masterplans.


Lexikon der Entwicklungspolitik

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