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Vietnam

Situation und Zusammenarbeit

Zwei Gärtnerinnen vor dem Ho Chi Minh Mausoleum in Hanoi, Vietnam

Vietnam ist eine sozialistische Republik, in der die Kommunistische Partei als Einheitspartei die Führung von Staat und Gesellschaft beansprucht. Eine organisierte Opposition gibt es ebenso wenig wie eine rechtsstaatliche Gewaltenteilung: Regierung, Parlament und Rechtsprechung werden von der Parteiführung kontrolliert. Politische und bürgerliche Rechte wie die Meinungs- und Versammlungsfreiheit können nicht frei ausgeübt werden, die Pressefreiheit ist stark eingeschränkt.

Die vietnamesische Volkswirtschaft verzeichnet seit Mitte der 1980er Jahre ein stabiles Wirtschaftswachstum, dazu kommen in den vergangenen Jahren Erfolge bei der Inflationsbekämpfung. Doch nicht alle Bevölkerungsgruppen profitieren gleichermaßen vom wirtschaftlichen Aufschwung: Den aufstrebenden Stadtregionen stehen zahlreiche ländliche Gebiete mit ausgeprägten Strukturproblemen gegenüber. Viele Menschen ziehen daher in die Städte, weil sie sich dort einen höheren Lebensstandard erhoffen.

Skyline von Ho-Chi-Minh-Stadt

Die zunehmende Verstädterung, die Entstehung einer urbanen Unterschicht und die Auflösung traditioneller Familienstrukturen stellen die vietnamesische Gesellschaft vor große Herausforderungen. Daher hat die Regierung mit dem Aufbau sozialer Sicherungssysteme begonnen, deren Leistungsfähigkeit jedoch gegenwärtig noch begrenzt ist.

Die Analphabetenrate Vietnams liegt bei rund fünf Prozent der über 15-Jährigen und ist damit vergleichsweise niedrig. Das Bildungswesen kann mit der schnellen wirtschaftlichen Entwicklung jedoch nicht mithalten. Der Mangel an arbeitsmarktgerecht ausgebildeten Fachkräften stellt eine große Herausforderung dar. Dies liegt auch daran, dass viele Berufsbildungsangebote nicht den Bedürfnissen des Arbeitsmarkts entsprechen.

Daher kommt der Reform der beruflichen Bildung eine tragende Rolle bei der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung und Erhöhung der Produktivität zu. Die vietnamesische Regierung beabsichtigt einen gezielten quantitativen und qualitativen Ausbau bedarfsorientierter Berufsbildungsangebote. Ein wichtiger Schwerpunkt liegt dabei auf der Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. Damit orientiert sich die vietnamesische Regierung an einem Kernelement des deutschen dualen Berufsbildungssystems.


Dynamische Wirtschafts­entwicklung

Einkaufsstraße in Hanoi bei Nacht

Das vietnamesische Wirtschaftswachstum lag jahrelang stetig über sieben Prozent. Auch nach einem kurzzeitigen Einbruch, bedingt durch die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise 2008, erholte sich die Wirtschaft Vietnams schnell.

Das ehrgeizige Ziel der Regierung lautet, Vietnam bis 2020 zu einem Industrieland zu machen. Dazu muss sie privatwirtschaftliches Engagement noch stärker fördern, die staatlichen Institutionen modernisieren und noch mehr Mittel in den Bildungssektor investieren. Um die Attraktivität des Landes für Investoren zu steigern, müssen rechtsstaatliche Strukturen ausgebaut sowie Korruption und Vetternwirtschaft stärker bekämpft werden.

Im September 2015 hat die vietnamesische Regierung eine auf Nachhaltigkeit  ausgerichtete Politikgestaltung zur Umsetzung der Agenda 2030 angekündigt. Dazu wurde im April 2016 ein nationaler Entwicklungsplans (Socio-Economic Development Plan, SEDP) für den Zeitraum 2016 bis 2020 verabschiedet.

Vietnam verfügt über zahlreiche Bodenschätze, wie etwa Erdöl, Gas, Bauxit, Kohle und Eisenerz. Zu den wichtigsten Exportgütern des Landes zählen Elektronikartikel, Textilien, Schuhe, Möbel, Holzprodukte sowie Fisch und Meeresfrüchte. Außerdem exportiert Vietnam landwirtschaftliche Produkte wie Reis, Sojabohnen, Kaffee, Tee, Pfeffer und Cashew-Nüsse.


Infrastruktur

Verkehr in der Altstadt von Hanoi

Das starke Wirtschaftswachstum hat in Vietnam zu Energieengpässen geführt. Die Netze der Stromversorger sind veraltet, dadurch geht viel Energie ungenutzt verloren. Über 40 Prozent des Stroms werden derzeit noch aus Wasserkraft gewonnen. Daher kommt es vor allem in der Trockenzeit von Januar bis Mai zu Stromausfällen, die die Industrieproduktion und das tägliche Leben beeinträchtigen. Die Regierung will die Engpässe durch Kohle, Gas und erneuerbare Energien beheben. Darüber hinaus unternimmt das Land große Anstrengungen zum Ausbau seiner Energieinfrastruktur. So sollen etwa die Transportkapazitäten erhöht sowie die die Übertragungsnetze erweitert und modernisiert werden.

Ein weiteres Problem des Landes sind die unzureichenden Verkehrswege. Zahlreiche Straßen sind noch nicht asphaltiert, viele Gemeinden daher mit dem Auto nur schlecht zu erreichen. Die Eisenbahn transportiert zwar immer mehr Passagiere und Waren, doch ein Großteil der Waggons ist überaltert und zum Teil gar nicht mehr einsatzfähig. Um die Verkehrsinfrastruktur zu verbessern, sucht die Regierung verstärkt nach privaten Investoren für größere Straßenbauprojekte sowie den Ausbau des öffentlichen Personenverkehrs.


Umwelt

Vietnam hat jahrzehntelang unter Krieg und Zerstörung gelitten. Entwaldung, Bodenvergiftung sowie die Verringerung der Artenvielfalt sind Folgen dieser Zeit. Darüber hinaus hat die rasante wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte zu enormen Umweltbelastungen geführt. Die Ausbeutung natürlicher Ressourcen, die Verschmutzung von Luft, Wasser und Boden sowie die ungeregelte Entsorgung von Abfällen haben ein besorgniserregendes Niveau erreicht. Aufgrund der zunehmenden Abwanderung aus den ländlichen Gebieten in die urbanen Zentren ist die Lage vor allem in den Ballungsgebieten kritisch.

Vietnam wird den Auswirkungen des Klimawandels vermutlich besonders stark ausgesetzt sein. Die Regierung hat daher verschiedene Programme und Aktionspläne entwickelt, um den Folgen der globalen Erwärmung wirksam zu begegnen. Der 2014  von Vietnams Regierung verabschiedete Aktionsplan zur Umsetzung der Strategie für grünes Wachstum (Green Growth Strategy) nennt erstmals messbare Zielmarken, um den Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern.

Bei der effizienteren Energienutzung und dem Ausbau erneuerbarer Energien wird die Regierung auch im Rahmen  der Deutschen Klima- und Technologieinitiative (DKTI) unterstützt. Zusätzlich finanziert das Bundesumweltministerium im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) beispielsweise Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel für die Küstenbewohner sowie die Förderung des Waldschutzes.


Schwerpunkte der deutschen Zusammen­arbeit mit Vietnam

Vietnam gehört zu den wichtigsten entwicklungspolitischen Partnern Deutschlands. Mit Vietnam wurden die folgenden drei Schwerpunkte der Zusammenarbeit vereinbart:

  • Berufliche Bildung
  • Umwelt- und Ressourcenschutz
  • Energie

Für die Fortsetzung der bilateralen Ent­wick­lungs­zusam­men­arbeit machte Deutschland zuletzt 2017 eine Zusage in Höhe von bis zu 161,45 Millionen Euro. Davon entfallen 28,20 Millionen Euro auf die technische und die restliche Summe auf die finanzielle Zusammenarbeit, der Großteil der Mittel wird in Form zinsvergünstigter Darlehen zur Verfügung gestellt.


Berufliche Bildung

Lehrlinge in der Schweißwerkstatt in einer Berufsschule in Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon)

Um das Wirtschaftswachstum nachhaltig und sozial ausgewogen zu gestalten und in regionalen und internationalen Märkten wettbewerbsfähig zu sein, benötigt Vietnam dringend qualifizierte Arbeitskräfte. Bislang verfügt nur ein kleiner Anteil der Beschäftigten über eine formale Berufsausbildung. Etwa 1,4 Millionen Schulabgänger drängen jedes Jahr neu auf den Arbeitsmarkt.

Im Rahmen der technischen Zusammenarbeit berät die Bundesrepublik deshalb das Ministerium für Arbeit und Soziales unter anderem bei der Überarbeitung der nationalen Berufsbildungsstrategie. Weiterhin unterstützt sie ausgewählte Berufsbildungsinstitute beim Aufbau einer bedarfsgerechten Weiterbildung und an deutschen Berufsstandards orientierten beruflichen Ausbildung. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Ausbildung von Fachkräften für Wirtschaftssektoren mit besonders hohem Wachstumspotenzial, zum Beispiel Industriemechanik, Metallbearbeitung, Mechatronik und Elektrotechnik. Auch die Ausbildung in Umweltberufen wird gezielt gefördert.

Ein wichtiger Aspekt ist die Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft. Um eine nachhaltige Wirkung zu erzielen, müssen vor allem vietnamesische Unternehmen mehr Ausbildungsplätze bereitstellen. Dabei setzt die technische Zusammenarbeit vor allem auf die Kooperation mit Sektorverbänden. Ein erfolgreiches Beispiel dafür ist die Ausbildung zur "Fachkraft für Abwassertechnik" am Ho Chi Minh Vocational College of Technology.


Umwelt- und Ressourcenschutz

Anpflanzung von Mangroven zum Uferschutz

Vor allem in den Küstenregionen wird Vietnam zukünftig mit den Folgen des Klimawandels konfrontiert werden. Weil sich die Taifunsaison verlängert hat, kommt es bereits heute häufiger zu Überschwemmungen und Sturmschäden in Süd- und Mittelvietnam. Verschiedene Klimaszenarien lassen erwarten, dass Zahl und Stärke solcher Katastrophen schon in naher Zukunft steigen werden. Im Mekong-Delta treffen solche Naturereignisse auf ein Gebiet mit hoher Bevölkerungsdichte und haben einschneidende Auswirkungen auf die Lebensbedingungen der dort lebenden Menschen.

Der Küstenschutz sowie der Schutz und die Wiederherstellung der Mangrovenwälder im Mekong-Delta bilden daher einen Schwerpunkt der deutsch-vietnamesischen Zusammenarbeit. Gleichzeitig werden mit den Menschen in den Küstengebieten Konzepte entwickelt, wie sie ihre Ökosysteme nachhaltig nutzen können.

Erheblicher Handlungsbedarf besteht auch im Bereich nachhaltige Forstwirtschaft, Wiederaufforstung und Schutz der Biodiversität. Die Waldflächen Vietnams sind schon heute deutlich dezimiert. Verantwortlich dafür ist nicht nur die aus den Kriegen resultierende Entwaldung und Bodenvergiftung, sondern auch illegaler Holzeinschlag und Brandrodung. Deutschland fördert die Verteilung von Forstland an die lokale Bevölkerung, die Einrichtung von kommerziellen, nachhaltig wirtschaftenden Forstbetrieben sowie den Schutz und das Management von Nationalparks.

Staatliche Forstbetriebe werden dabei unterstützt, verantwortungsvoll mit den Waldressourcen umzugehen. Ziel ist, die Vorgaben für international anerkannte Zertifikate wie das FSC-Label (ein Siegel der Organisation Forest Stewardship Council) zu erfüllen. So führt nachhaltiges Wirtschaften zu einem Wettbewerbsvorteil. Um auch den Klimaschutz einzubeziehen, werden Finanzierungsmechanismen wie REDD+ (Reduktion von Emissionen aus Entwaldung und Schädigung von Wäldern) genutzt.


Energie

Vietnams wachsende Wirtschaft lässt die Nachfrage nach Strom kräftig steigen. Die vietnamesische Regierung geht davon aus, dass der Stromverbrauch zwischen 2016 und 2020 jährlich um mehr als10 Prozent wachsen wird. Deutschland unterstützt Vietnam beim Ausbau erneuerbarer Energien und bei der Steigerung der Effizienz bei Erzeugung, Übertragung und Verteilung von Strom.


Weitere Informationen

Lexikon der Entwicklungspolitik

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