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Philippinen

Situation und Zusammenarbeit

Pfahlbauten in einem See auf den Phillippinen

Seit der Jahrtausendwende ist die philippinische Wirtschaft fast jedes Jahr um rund sechs Prozent gewachsen. Die Wirtschaftsentwicklung basiert hauptsächlich auf der Elektronikindustrie, dem Dienstleistungssektor und der Telekommunikationsbranche. Wegen der guten Englischkenntnisse vieler Philippinerinnen und Philippiner gibt es im Land sehr viele Firmen, die telefonische Dienstleistungen für US-amerikanische Unternehmen anbieten (Call Center). Etwa 800.000 Menschen arbeiten bereits in diesem weiterhin wachsenden Wirtschaftsbereich. Die finanziellen Transfers von im Ausland lebenden philippinischen Bürgern tragen ebenfalls wesentlich zur Stärkung der Wirtschaft bei.

Die positive wirtschaftliche Entwicklung hat für die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung jedoch bisher keine dauerhaften Verbesserungen gebracht. Die Herausbildung einer aktiven Mittelschicht wird durch den Einfluss mächtiger Familienclans und die Auswanderung von gut ausgebildeten Fachkräften und Akademikern behindert. Etwa 10 Millionen philippinische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger leben und arbeiten gegenwärtig im Ausland.

Armut und Kor­rup­tion

Terrassierte Reisfelder auf den Philippinen

Rund ein Viertel der philippinischen Bevölkerung lebt unterhalb der nationalen Armutsgrenze, mehr als 10 Prozent sind extrem arm. Etwa ein Drittel der Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft; meist als Selbstversorger. Die Produktivität des Agrarsektors ist gering, da eine wirksame Landreform bisher nicht gelungen ist.

Für die nachhaltige Verminderung der Armut sind vor allem höhere Staatseinnahmen erforderlich. Ausländische Unternehmen investieren zwar verstärkt in das Land, doch die weitverbreitete Korruption und Vetternwirtschaft lässt viele in- und ausländische Firmen noch zögern, sich zu engagieren. Auf dem Index von Transparency International von 2015 steht das Land auf Rang 95 von 168 Staaten.


Sammeltaxi in Manila, Philippinen

Die philippinische Bevölkerung ist jung und wächst jährlich um 1,6 Prozent. Der Einfluss der katholischen Kirche verhindert Sexualkundeunterricht an Schulen und eine öffentliche Diskussion über Fragen der reproduktiven Gesundheit. Die Kinder- und Müttersterblichkeit ist vergleichsweise hoch.

Auf den Philippinen stehen weder ausreichende Bildungs- und Sozialangebote noch genügend Arbeitsplätze zur Verfügung. Das Grundschulwesen ist überlastet, vor allem in den armen Bevölkerungsschichten ist die Zahl der Schulabbrecher und Analphabeten noch hoch. Die Arbeitslosenrate liegt offiziell bei rund sieben Prozent (2015). Zusätzlich gelten rund 23 Prozent der Erwerbstätigen als unterbeschäftigt. Rund eine Million Einwohner, meist qualifizierte Fachkräfte, verlassen deshalb jedes Jahr ihre Heimat, um im Ausland zu arbeiten.


Men­schen­rech­te und Konflikte

Seit dem Ende der Diktatur von Präsident Marcos 1986 hat sich die Menschenrechtslage auf den Philippinen deutlich verbessert. Es kommt aber noch immer zu erheblichen Menschenrechtsverletzungen. Armee und Polizei werden willkürliche Verhaftungen und Morde vorgeworfen. Gleichwohl ist der Inselstaat als Mitglied der Vereinigung Südostasiatischer Länder (ASEAN) zur Verbesserung der Menschenrechtsinstitution verpflichtet. Die Philippinen waren nach Kambodscha das zweite asiatische Land, das 2006 die Todesstrafe abgeschafft und 2010 ein Antifoltergesetz verabschiedet hat. Das Land wurde 2011 in den UN-Menschenrechtsrat gewählt und ist dem Römischen Statut des Internationalen Strafgerichtshofs beigetreten.

Seit Jahrzehnten kämpfen auf den Philippinen separatistische Gruppen für einen unabhängigen muslimischen Staat. Zwischen der Rebellengruppe Moro National Liberation Front (MNLF) sowie der Splittergruppe Moro Islamic Liberation Front (MILF) und der philippinischen Regierung gab es in der Vergangenheit bereits Friedensverhandlungen. Ein weiterer ungelöster Konflikt besteht mit der bewaffneten kommunistischen Gruppe New People’s Army (NPA), die im ganzen Land aktiv ist.

Beide Konflikte haben seit den 1960er Jahren mehr als 100.000 Opfer gefordert. Sie binden in hohem Maße staatliche Ressourcen, die sonst für die Entwicklung des Landes eingesetzt werden könnten, und schrecken Touristen und Investoren ab.


Um­welt­schutz und Energieerzeugung

Holzstämme warten auf den Abtransport

Die ökologische Vielfalt des philippinischen Inselstaates ist stark gefährdet. Abholzung, Dezimierung der Korallenriffe und des Fischbestandes sowie eine extreme Luft- und Wasserverschmutzung sind die Folgen einer zu intensiven Nutzung der natürlichen Ressourcen bei gleichzeitig fehlenden Maßnahmen zum Umweltschutz. Der Raubbau an der Natur ist unter anderem auf die extrem ungleiche Landverteilung und das hohe Bevölkerungswachstum zurückzuführen.

Die Menschen auf den Philippinen haben jedoch erkannt, welches Potenzial eine intakte Umwelt bietet – auch im Hinblick auf den zunehmenden Tourismus und die Nutzung erneuerbarer Energien. In den letzten Jahren wurden Gesetze zur Förderung erneuerbarer Energien, der Bekämpfung des Klimawandels sowie zum Erhalt der Biodiversität verabschiedet. Erneuerbare Energien tragen schon jetzt zur Stromversorgung im Inselstaat bei und sollen weiter ausgebaut werden.


Entwicklungspotenziale

Gute Entwicklungschancen bietet vor allem der Dienstleistungssektor mit Angeboten im Telekommunikationsbereich. Der Bergbau hat ebenfalls großes Potenzial, denn die Philippinen verfügen über große Lagerstätten an Gold, Kupfer und Nickel. Auch eine weitere Intensivierung des Tourismus könnte die Wirtschaft weiter voranbringen. Besonders vielversprechend ist zudem der Ausbau erneuerbarer Energien. Hier stehen vor allem Erdwärme, Windenergie, Wasserkraft und auch die Solarenergie im Mittelpunkt.


Schwerpunkte der Zu­sam­men­ar­beit

Gemeinsam mit Japan, den USA, Australien, Kanada und Spanien gehört Deutsch­land zu den wich­tigsten bila­teralen Gebern der Philippinen. Die EU ist nach der Asiati­schen Entwicklungs­bank und der Weltbank der wichtigste multila­terale Partner des Landes.

Die finanzielle Zusammen­arbeit mit den Philippinen ist seit 2009 aus­gesetzt, da ein von einem deutschen Unternehmen finanziertes Terminal am Flughafen Manila enteignet und die daraufhin geforderte Entschädigung nur teilweise gezahlt wurde. Eine Wiederaufnahme der finanziellen Zusammenarbeit kommt für die Bundesregierung erst dann in Frage, wenn mit der philippinischen Regierung eine Lösung gefunden ist. Zwar hat der Oberste Gerichtshof der Philippinen inzwischen ein den Interessen der deutschen Seite weitestgehend entsprechendes Urteil gefällt. Die Umsetzung des Urteils steht jedoch noch aus.

Die technische Zusammenarbeit mit den Philippinen fokussiert auf den Schwerpunkt Friedensförderung und Konflikttransformation. Die Zusammenarbeit in diesem Bereich konzentriert sich vor allem auf die Region Caraga auf Mindanao, der zweitgrößten Insel der Philippinen.


COSERAM

Planungs-Workshop im Rahmen des COSERAM-Projektes zur Verbesserung der Lebensumstände in ländlichen Gebieten

Das erfolgreiche En­gage­ment der Bun­des­re­gie­rung auf Mindanao unter dem Namen COSERAM (Conflict Sensitive Resource and Asset Management) wird bis Ende 2018 fort­geführt. Nachdem es Ende 2012 einen Friedens­schluss zwischen der Regierung und der dort an­sässigen Rebellen­be­wegung gege­ben hat, können die Maßnah­men in der Konflikt­region aus­geweitet werden.

Politische und soziale Auseinandersetzungen sind in der Region Caraga im Nordosten der philippinischen Insel Mindanao häufig. Ursache der Konflikte ist die ungleiche Verteilung von Land und der ungleiche Zugang zu natürlichen Ressourcen und Basisdienstleistungen. Von den rund zwei Millionen Einwohnern der Region sind knapp 300.000 Angehörige indigener Gruppen, die besonders benachteiligt sind.

Die Wirtschaft der Region basiert auf Nutzung des Waldes und der Landwirtschaft. Es sind reiche natürliche Vorkommen von Mineralien vorhanden. Trotz dieser Ressourcen gehört die Region zu den ärmsten der Philippinen. Das gesamte Ökosystem und seine Biodiversität sind durch ökonomische Interes­sen stark gefährdet. Wissen und Praktiken der indigenen Gemeinschaften, die hier einen Großteil der Bevölkerung ausmachen, werden nicht angemessen berücksichtigt.

Die Bundesregierung unterstützt mit COSERAM die Institutionen vor Ort dabei, die vorhandenen natürlichen Ressourcen und Vermögenswerte friedlich, nachhaltig und zum Nutzen der lokalen Bevölkerung zu bewirtschaften. Zudem wird der Dialog mit allen Konfliktakteuren belebt, um die Auseinandersetzungen dauerhaft beilegen zu können. Damit wird ein Beitrag zur Behebung der Konfliktursachen geleistet.


Fit for School

Programm Fit For School: Kinder, die sich die Zähne putzen.

Gesundheit, Bildung und Zugang zu Wasser und Sanitäranlagen gehören zu den Rechten eines jeden Kindes. Vielen Kindern in Südostasien bleibt dieses Recht jedoch verwehrt. Sie leiden an Erkrankungen, die durch einfache Hygienemaßnahmen zu vermeiden wären.  Durch "Fit for School" unterstützt die Bundesregierung die Bildungsministerien in den Philippinen, Indonesien, Kambodscha und Laos, die Wasser-und Sanitärversorgungssituation an Schulen zu verbessern und Hygieneaktivitäten, wie Händewaschen und Zähneputzen als Gruppenaktivitäten in den täglichen Schulalltag zu integrieren.

"Fit for School" wird vom australischen Department of Foreign Affairs and Trade (DFAT) mitfinanziert und wurde durch die Weltbank, das Ent­wicklungs­programm der Verein­ten Nationen (UNDP) und die Welt­gesundheits­organisation (WHO) ausgezeichnet.


Taifun Haiyan – Hilfe für die Menschen in den Katastrophengebieten

Nach dem Taifun Haiyan auf den Philippinen: Die zerstörte Stadt Tacloban.

Am 8. November 2013 traf der Taifun Haiyan auf die Philippinen. Er gilt als der stärkste jemals gemessene Taifun. Der Sturm und die von ihm aufgepeitschten meterhohen Wellen zerstörten vor allem die südöstlichen Regionen der Philippinen. Mehrere Tausend Menschen starben, die lokale Infrastruktur wurde zerstört. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind mehr als 13 Millionen Menschen von der Verwüstung betroffen, davon mehr als fünf Millionen Kinder.

Die Bundesregierung hat insgesamt 22,5 Millionen Euro für humanitäre Soforthilfe sowie für den mittel- und längerfristigen Wiederaufbau und Katastrophenprävention zur Verfügung gestellt.


Lexikon der Entwicklungspolitik

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